Freitag, 9. Dezember 2005
Bayerische Beharrlichkeit
*und sollte ich auf dem Weg ein hässliches Nuttenflitscherl Typ "Prollassischaukel" von der Art und der Farbe sehe, mit dem so eine dreckige Puppe angibt, dann...
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Noch 5 Tage
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Ein Ring sie zu einen

Später dann, als ich mit Vollgas die falsche Abzweigung in meinem Leben nahm, als ich die Gedanken nicht abschalten konnte und der Schlaf auch nach der zweiten durchgearbeiteten Nacht nicht kam, bin ich oft hier rausgefahren, auf die lange, immer leicht gebogene Strasse ohne Kreuzungen, nicht um zu rasen, sondern einfach nur um zu fahren, Musik zu hören und den Kopf frei zu bekommen.
Meistens hat es geholfen. Es war vielleicht nicht umweltfreundlich, andere haben einfach die passenden Pillen eingeworfen, eine für den Schlaf und dann am Morgen eine für das Lächeln, aber zum Glück war ich nie so drauf. Manchmal hatte ich auch ein paar gute Ideen auf dem Asphaltband, auf dem die Lastwägenzu ihren Zielen donnerten, Italien vielleicht, ein Grossmarkt oder auch eines der Bordelle, die sich hier wie rote Granate an einer Silberkette entlang zogen.
Weil der Mittlere Ring nicht das Ende der besseren Viertel, sondern eher der Anfang des Speckgürtels ist, ist die Aussicht angenehm; es geht entlang an Friedhöfen, dem Wald des englischen Gartens hinauf zu den Metasthasen der Büroarchitektur, die man 99 für Menschen wie mich geplant und gebaut hat, ohne zu ahnen, dass es diese Menschen nicht mehr gab, wenn noch nicht mal das Fundament fertig sein würden. Es ist der seltene Fall einer Stadtautobahn, die die Stadt mehr eint als zerschneidet, an ihr ist alles, was die Stadt ausmacht, und trotz allem ist sie irgendwie bei aller technischen Kälte schön, was man vom Berliner Ring nicht sagen kann, den ich noch heute Nacht unter die Räder nehmen werde.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 8. Dezember 2005
Hell freezes over
Peter Turi. Der New Economy Net Business Turi. Anders vielleicht, als ich geahnt hatte. Allerdings ist auch schon das Wort "Journalismus 2.0" gefallen.
Fuck Luzifer, was soll der Scheiss?
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Schwäbische Sparsamkeit

Nach dem allem und noch viel mehr, was nicht blogtauglich ist, gingen wir dann nach oben zu der schon vorher nicht wirklich interessierten Käuferin. Die Idee war, sofort und auch gern bar zu zahlen oder zu überweisen, kein Blabla, kein Gerede oder Aufwand, aber dafür ein Rabatt, wie er in solchen Fällen nun mal üblich ist. Zwichen 3 und 8%.
Geboten wurden 90 Euro Rabatt. 90, nicht 900 oder 9000. Und dabei blieb es. Ich hatte ja schon öfters Probleme mit Leuten aus dieser Region und der lokalen Sparsamkeit, aber die 90 Euro waren, vorsichtig gesagt, überraschend. Und so fuhren wir dann zurück in die Munich Area, wo man Geschäfte zu machen versteht. Und vielleicht auch noch was anderes angeboten bekommt als einen selbstgezapften Plastikbecher Wasser, beim Kauf eines Wagens, der mehr als 40.000 Euro kostet. Ich war nicht entsetzt, eher bestätigt, aber wenn alle Mercedes-Niederlassungen so sind wie der Verkauf in Stuttgart, dann sollte ich schleunigst
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Vorsprung durch Esstechnik
Consulter sind nicht mehr das, was sie früher waren.
Businesslunch ist auch nicht mehr das, was es mal war.

Daran ändert auch die Firmenkarre mit den vier Ringen nichts mehr.
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Mittwoch, 7. Dezember 2005
Mit der kleinen Schwester nach Schwaben
Und ich glaube nicht, dass jemand Lust auf die "Ton Ein"-Version hat. Ich eigentlich auch nicht wirklich.
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Real Life 03.12.05 - Teacanned
o.6 Meter langen und mit Beleuchtungsmittel 0.7 Meter hohem silbernem Tischkerzenhalter in Form eines röhrenden Hirsches
rechtfertigt. Im Geschäft war der Hirsch mit Goldflitterkerzen ausgestellt und sah in dem ohnehin üppigen Ambiente nicht allzu brutal aus; als Präsent gerade mal so daneben, dass es nicht bösartiger sein würde als drei Tage Wellnessurlaub in Bad Gögging für Senioren. Daheim in ihrer neuen Wohnung, inmitten von relativ modernen Möbeln, entfaltete das Vieh dann seine ganze Hässlichkeit, und sofort war klar: Das unter den Weihnachtsbaum der Ex-Schwiegermutter, und zwei Clans der kleinen Provinzstadt hätten Anlass zu einer mittelpächtigen Vendetta. Und das, nachdem sich zumindest die Eltern des geschiedenen Bräutigams dazu durchgerungen haben, die Trennung zu akzeptieren - schlimmer wäre es ja gewesen, Iris wäre bei ihm geblieben und wäre dann trotzdem dauernd mit - kleines, scharfes Luftholgeräusch - "dem" unterwegs. Der da mit seinen Büchern und seinen frechen Bemerkungen im Konzertverein. Der da, der du bist.
Zumindest diese Woche sind sie von dir befreit, denn du bist in München. Und am Samstag Abend ist Iris in der Stadt, später geht es mit ihren Eltern ins Gärtnerplatztheater, Gräfin Mariza, und davor geht sie Suche weiter nach dem passenden Geschenk für die unpassende Gelegenheit. Durch die Kälte der späten Nachmittags geht ihr durch Schwabing, die Belgradstrasse hinauf Richtung Norden, vor den Schaufenstern verweilend und nachdenkend, was denn nun angemessen wäre. Eine silberne Teekanne zum Beispiel hätte den Vorteil der Wertbeständigkeit, denn die gewesenen Schwiegereltern trinken nur Kaffee, da würde der Kanne nie etwas zustossen, alles wäre, bliebe fein und ohne Dellen bis in alle Ewigkeit.

Oder ein Tablett mit der Gravur "Zum Abservieren - von Eurer Ex-Schwiegertochter Iris", schlägst du vor, und noch ein paar andere Gemeinheiten. Eine Zuckerdose voll mit Süssstoff etwa, als dezenter Hinweis und Gesundheitsvorsorge. Oder Austernngabeln, um dann später in der Konzertvereinspause zu hören, dass diese Leute damit den Kuchen in sich reinstopfen. Oder Krebsmesser. Und dann, wenn die Frage kommt, was das ist lächelnd sagen, dass es Toilettbesteck ist, mit den Zinken säubert man die Fingernägel und mit den Schäufelchen kratzt mn die Ohren aus.
So schlimm, meint Iris, bevor Du die Sach mit den Schneckenzangen als Mösenöffner bringen kannst, seien sie dann doch nicht. Im Prinzip sei ja alles glatt gelaufen, das Problem sei eher er und seine unerträgliche Schwester, die Anrufe, die ab und zu mal kommen und die Selbstverständlichkeit, mit der da weiterhin Ansprüche geltend gemacht werden. Sie werde schon noch sehen, wohin sie das bringt, aber er wäre bereit, ihr zu vergeben.
Das sind sie ja immer, der grosse Traum von der zurückkriechenden Frau, die draussen die Hölle mitgemacht hat, Maria Magdalena in der Kleinstadtversion, die dann Kinder kriegt und mit diesen konservativen Namen versieht, Antonia, Mechthild oder Gerlinde, und sie dann später bewusst in die Schulen mit den durchgeknallten Lehrern und dem üblen Ruf stecken, damit aus denen mal was wird, oder zumindest einen ordentliche Ehefrau und Reproduktionsmaschine. Unconditional Surrender hiess das unter anderen Bedingungen, und gerade der Winter, wenn es kalt und einsam ist, ist die grosse Zeit der Rückfälle. Vielleicht solltest du sie mit jemandem verkuppeln, der ältere Sohn der G.s zum Beispiel ist gerade wieder zu haben, der ist nett, ein bisschen dumm, sicher gut im Bett, hiess es zumindest früher, und jederzeit wieder absägbar.
Dann geht ihr zurück durch die Strassen des Viertels, vorbei am Vorstadtcafe und am La Boheme, und bei einem Kleiderladen, da bleibt sie stehen und will kurz rein, da, wegen dem blauen Kleid, ein mittellänges, halbdurchsichtiges Nichts mit meerjungfrauschillernden Pailetten. Sie probiert es an, und es bricht dir fast das Herz zu sagen, dass es eher was für Blondinen ist, es ist zu hell für ihren dunklen Typ, und als sie eingeschnappt zurück in die Kabine geht, da betrachtest du ihre Schultern, ihre Bewegungen, und beschliesst, ihr nachher, vielleicht, zu sagen
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Dienstag, 6. Dezember 2005
Grosser 20six-Tag heute,
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Linktrackbackschleimer & Textsauger CIO-Blogger
für sein Teil zu saugen. Der Mann ist inzwischen auch hier aufgeschlagen und hat sich einerseits mal eben die Hälfte dieses Eintrags geklaut.

Und nicht genug damit, er hat auch noch einen inzwischen gelöschten "manuellen Trackback" gesetzt:

Sein "CIO-Weblog" mit Schwerpunkt auf Web2.0 gehört zum kommerziellen Netzwerk von Thorsten Jacobi, dessen von einem 20six-Gründer mitfinanzierter Service "Creative Weblogging" schon mit einem recht dreisten Umgang mit den Ideen anderer Leute aufgefallen ist. Das Zitat im CIO-Blog ist in dieser Form nicht durch das Urheberrecht gedeckt, und auch nicht durch mein Creative Commons: "Keine kommerzielle Nutzung. Dieser Inhalt darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden."
Herr CIO-Blogger Wolfgang Müller, der sie so schnell ihre Artikel mit den Texten anderer Leute zusammenkopieren und damit erkennbar finanzielle Zwecke verfolgen: Halten Sie sich an die Regeln, nehmen Sie das Zitat raus, aber fix. Und suchen Sie Ihre Stories woanders, aber nicht mit mir als Contentlieferanten. Sonst schicke ich Ihnen mal eine Rechnung und ein nachdrückliches Begleitschreiben.
Hat sonst noch jemand Fragen, wie die Jungs das neue dolle Web2.o auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg machen wollen?
+++Update: Na wer sagt´s denn: Er hat es gelöscht, jetzt ist "sein" Beitrag nur noch zur anderen Hälfte von jemand anderem. Dafür haben die üblichen Donhasser jetzt einen neuen Freund.+++
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Hondasweetmission2hell

Hondasweetmission ist eine Art globalisiertes Multiuserblogshowcase mit automatischen Podcasts und Audiokommentaren und jeder Art von Zukunftstechnologie und komplett Flash, das auch mit DSL locker zwei, drei Minuten zum Laden braucht. Aber spätestens, wenn wir alle koreanische Anschlusse mit 100 mbit Download haben, wird das auch in Berlin flutschen, wo es angeblich fünf Mädels gibt, die den Leser mit "Ciao. Guten Tag." begrüssen. Nettigkeit am Rande: Die Griechin ist ein Köter - vielleicht haben die beim Coden ja ein paar türkische Subunternehmer gehabt. Ansonsten soll es das Gebrabbel japanischer Sekretätinnen sein, die rund um den Globus von ihren Erfahrungen erzählen.
*ein Spruch, den ich jedem Web2.0-Apologeten gerade bei koreanischen und japanischen Partnern zu zitieren raten würde, denn so wird man schnell zum Freund.
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Aus gegebenem Anlass
20six sucks immer noch. Und wegen der News: Abgesehen davon, dass die Titelseite und die zweite Seite heute eine einzige Anzeige für eine Bonuskarte sind - wer soll für sowas eigentlich Geld ausgeben, wenn schon auf der ersten Seite ein popliges Anzeigenblättchen mehr Inhalt hat - verfügt das Blatt insgesamt über geschätzte 2 Seiten Werbung. In der Vorweihnachtszeit, wo andere gar nicht mehr hin wissen mit der Werbung. Entweder zahlt sich Holtzbrinck für diesen Versuch dumm und dämlich, oder die Kosten für Autoren, Druck und Vertrieb können mit den günstigeren Regionen Nordwestchinas konkurrieren - und das in Frankfurt.
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Webstats4U gelöscht
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Montag, 5. Dezember 2005
Auf der Suche im wiedergefundenen Antiquariat
Glücklicherweise gibt es jetzt Ersatz. Der damalige Gründer macht weiter, gleich um die Ecke, mit dem annähernd gleichen Programm zwischen Kunstgeschichte, Kochbüchern und Nacktphotobänden, wie man das von einem notorischen Langhaar und Lederhosenträger jenseits der 60 erwarten kann.

Er liegt nur nicht auf dem Weg zum Bäcker. Es gibt daher zwei Möglichkeiten: Entweder ich suche mir einen neuen Bäcker, oder ich entschliesse mich, einen grossen Umweg zu laufen, weil ich panische Angst habe, im (in Liquide kurz negativ erwähnten) Japaner um die Ecke widerliche Startupper bei der Sushiblamage zu sehen, und komme so zufällig beim Antiquariat vorbei. Beim Heimweg vom Bäcker könnte ich dann auch noch bei einem anderen Antiquariat vorbei. Klingt gut, ich glaube, ich bekomme gerade Panik.
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Die Verhelmholtzplatzisierung der Maxvorstadt
Als ich hier als junger Student eingezogen bin, säumten drei günstige Antiquariate den Weg zum Bäcker - der letzte hat vor einem halben Jahr zugemacht. Statt dessen gibt es einen Laden für Luxusbücher, aber das ist nicht das Wahre für den schnellen Kauf. Einzelhändler halten sich nur noch dort, wo ihnen der Laden oder das ganze Haus gehört - dann ist es aber nur der Widerwillen gegen das Aufgeben, der sie hält, die Mieten alleine dürften für einen Lebensabend beim Golfen ausreichen. Das interessiert so einen alten Metzgermeister nicht weiter, aber seine Tochter hat dann den Stecker gezogen.
Die Golfer sind aber längst da; in einen wenig schönen Flachbau der 50er hat man unten Arkaden eingebrochen und obendrauf Luxuswohnungen gesetzt, was generell nochmal zu einem Wertzuwachs der Wohnungen im Umfeld führte. Die sich damit eigentlich kaum ein junger Mensch mehr leisten kann, bei Mietpreisen von 17 Euro oder mehr pro Quadratmeter, oder 4000 beim Kauf - will sagen, im besseren Teil des Weddings bekommt man für 8 Quadratmeter Schwabing 50 Quadratmeter. Weshalb das Viertel zwar äusserlich zwar von jungen Menschen besucht, innerlich aber zunehmend von alten Leuten und einem gewissen "Businessclientel" bewohnt wird.
Für die machen dann in den aufgegebenen Läden noch mehr stylische, leicht berlinerisch anmutende Bars auf, die alle 10 Monate dicht machen, um sich einen neuen Look zu verpassen. Muss man tun, um weiterhin die Preise zu rechtfertigen, die um den Faktor 2 bis 3 über dem der Kastanienallee liegen. Darin ist das überall immer gleiche Publikum, das überall in diesen Vierteln existiert, vielleicht ein wenig reicher als anderswo, und nur abgerissen, wenn es lässig aussehen soll. Wenn da sehr viel mehr Dreck auf den Strassen wäre, könnte man glauben, sich in einem Lokal in einer durchsanierten Strasse am Helmholtzplatz zu befinden. Sogar der Name "Felix" der neuesten Bar - früher eine Galerie, die nicht gut gelaufen ist - klingt irgendwie nach Nordosten.
Wenn das so weitergeht, dann ist das Viertel irgendwann richtig lebensfeindlich.
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Ladies beware: Schweincontent
[ ] Creative sind generell zu blöd zum ....
[ ] Gut, dass der Senior nach 3 Jahren Pr0nfilmen den ersten Sextestlauf vor dem Unvermeidlichen mit Praktikantin Tanja erst mal hier hatte - das zielen üben wir noch mal, und nicht ganz so brutal stossen!
[ ] So sieht Total Commitment bei der Selbstbefriedigung aus.
[ ] In dem Laden gibt es Selbstbezichtigungs- und Bestrafungsrituale, die an den Lessons learned der Chinesischen Staatskulturrevolution orientiert sind.
[ ] Wenn man schon kokst und sich danach einen runterholt, sollte man den Spiegel oder die Rasierklinge weglegen.
[ ] Da hat jemand den Begriff dynamische Powerpointpräsi falsch verstanden und zu sehr Gas gegeben.
Actually, I still don´t get it. Sorry für diesen Content, liebe Leser, aber ich begreife das auch 20 Stunden nach dem Photo nicht.
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Sonntag, 4. Dezember 2005
München, irgendwie

und kurz, bevor die Strassenbahn nochmal ein paar Dutzend kleine, frierende, aber ebenfalls geduldig wartende Asiatinnen in den Matsch entlässt.
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Real Life 03.12.05 - München dünkelt
Jetzt, im Eis und Schnee, ist das Risiko eines Zufallstreffens mit anderen Buchschreibern nicht allzu gross, keiner sitzt im Moment draussen, wo dein natürlicher Weg zum Bäcker führt. Im Sommer ist das widerlich; wer denkt, die ganzen Berlinromanwixer in Berlin ohne Kohle seinen die Pest, hat noch nicht die Münchner schwarzen Pocken erlebt, die mit ihren rechteckigen Brillen Mädis des staatlichen Jugendhirnfickfunks Geschichten darüber erzählen, wie gemein die Welt doch zu junger Literatur ist. Weil kein Verlag will, weil Berlin cooler ist, weil München irgendwie nicht die richtigen Krisen hat und die Provinz im Moment sowieso rult, verdammt wieso sind sie keine dieser Leipziger Nadelschnallen, die haben es gut, aber in München reicht es gerade mal so mit Zeitschriften und den mies besuchten Lesungen, wo sowieso nur die drin sitzen, die auch so gern mal da vorn sitzen würden.
Ja, der Biller, der ist auch nmach Berlin gegangen, Recht hat er, das SZ Magazin ist immer voll mit Zeug von anderen, noch nicht mal eine Kunstkulturzeitschrift gibt es hier, nur diese tollen Blondinen, die aber lieber Anwälte ficken und Berater, aber nicht so im Prinzip aufsteigende Stars wie sie. Aber vielleicht wird es besser, wenn sie sich auf so ein Stipendium bewerben, wobei, da muss man ja was haben, Magersucht zum Beispiel oder eine ausländische Herkunft oder zumindest einen gut gemixten Genpool, Juden gehn noch immer egal wie scheisse die Bücher sind und Asiatinnen sind verdammt schwer im kommen. Ach so, Klagenfurt, das wäre auch noch eine Sache, genau, aber da brauchen sie auch erst einen verlag, und sie kennen zwar jemanden, der jemand bei der Stadt kennt, der ihnen den Raum gibt und die Mittel, aber leider keinen, der einen Verleger kennt. Kann sein, dass aber der B. einen Verlag aufmacht, so einen ambitionierten Kleinpublisher mit Eventagentur und so, der kennt sicher ein paar Leute, die was über die tollen neuen Kleinverlage mit ihrem tollen Programm machen, dann wäre das eine Möglichkeit, aber klar doch.
Das alles hat die Kälte ins Puck und ins Maxim getrieben, wo sie Grappa saufen und öfters mal wichtige Gespräche mit ihren Agenten führen, die auch aus der hiesigen Scene sind und schon mal was mit der Stellvertretenden hatten, nur dummerweise ist das ein Kunstverlag, da geht nix, aber wenn die eine junge Literaturlinie aufmachen, dann geht das ganz sicher, und so lange verteilen sie ihre Visitenkarten und passen auf, dass sie nicht daneben greifen und eine nehmen, die sie auch noch als
- Galerist
- Journalist (frei)
- Eventmarketeer
- Werbefachmann
ausweisen, oder was sie sonst noch machen, um sich den schönen Schein und die Leasingrate leisten zu können. Manchmal hat ja irgendein Minister Lust auf Kultur bei seinen Events, dann kriegen sie manchmal einen kleinen Auftrag und geben 10% an die Studentinnen der Kunsthochschule weiter, die es umsetzen und auch gern die Chicks on Speed wären, aber halt nur die Barhendl in einem orange erleuchteten Schlauchcafe sind, neben den aussortierten Volontärinnen und anderem Treibgut am Isarstrand. Du bekommst es nur so am Rand mit, manchmal erzählt dir einer was, oder du bist mit einem Haifisch unterwegs und sie laufen dir dabei über die Quere.
Gestern warst du einkaufen im Baumarkt, da war eine, die war einer anderen wie aus dem Gesicht geschnitten, die gleichen hellblauen, schmalen Augen aus der Oberpfalz, der asiatisch angehauchte Typus, der da manchmal rumläuft und von dort nach München kommt, um sein Glück zu machen. Sie hatte einen Typen dabei und einen Kinderwagen, und du musstest mit deinen übernächtigten Augen ganz schön nah ran, um zu erkennen, dass es nicht die war, von der sie dir ab und zu was erzählen, weil sie wissen wollen, ob da noch was geblieben ist. Sie war es nicht, aber sie könnte es sein, warum auch nicht, irgendwann werden sie schon vernünftig und tun, was übrig bleibt, wenn alle Hoffnungen von den Büchern, den Features, den Redakteursposten und dem Kulturmanagement verflogen sind.
Du bist wieder in der Munich Area, du siehst Gespenster, du kennst ihr Vorleben und das Ende, und du bist verdammt mies drauf. Ohne Grund, einfach so. Oder doch, natürlich, weil es immer noch so ist wie früher. München dünkelt. Besonders da, wo du völlig übernächtigt lebst.
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Sonntag, 4. Dezember 2005
Wegen Blogcounter und dessen Verkauf
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2 Jahre Rebellen ohne Markt ohne Web 2.0
Wie auch letztlich dieses Blog hier. Würde ich es dicht machen [EDIT: REIN HYPOTHETISCH!!!], würden es manche vielleicht bedauern, dann aber zu anderen Blogs gehen. Vielleicht würde sich auch einer einen Grossteil meiner Leser unter den Nagel reissen, was ich ihm von Herzen gönnen würde, wenn er denn Wert darauf legt. Das Ganze ist mitunter stressiger, als man glauben möchte. Was nicht heisst, dass es auch sehr viel Spass macht. Trotzdem kann irgendwann Schluss sein.
Wie - und da kommen wir zu diesem Idiotenbegriff Web2.0 und seinem zentralen Element, dem persönlichen Blog - bei so vielen anderen, die vor ungefähr 2, 3 Jahren bei den Opas der Szene Antville.org, Blogger.com und Blogger.de begonnen haben. Von denen haben nur die wenigsten 2 Jahre erreicht. 2 Jahre ist relativ gesehen ein enorm langes Bloggerdasein, selbst wenn man die Totgeburten ausser Acht lässt. Nur jeder 5., grob anhand meiner alten Links aus der Konzeptionszeit des Blogbuchs, schreibt heute noch, der Rest ist Geschichte. Mitunter ist das sehr schade, wie ein Buch, das mittendrin zugeklappt wurde, aber für die Gesamtheit der Blogs ist es ohne Bedeutung, zu dynamisch wächst das System an sich, für jeden Alten kommen ein paar Neue nach.
Für einen zentralen Baustein der Theorie um Web2.0 hat das verheerende Folgen. Schliesslich soll das Blog die private Homepge dieser "neuen Kultur" sein, in den Augen einer wilden Horde aus wenig erfolgreichen Dotcommies, Restjournaille und Möchtegern-Consultats, die mutmasslich Kulturphänomene so beurteilen wie der Zuhälter die 17-jährige Ausreisserin. So wie der stinkende Lude im Camaro den weiteren Lebensweg auf dem Strich als gegeben ansieht, wird bei dieser Gruppe davon ausgegangen, dass sich alle und jeder, der etas fortschrittlich denkt, so ein dolles Egopromotionteil zulegt, mit dem er partizipiert und damit "empowert" wird, weil die Firmen das abgrasen und in Dialog mit ihm treten, er seine Kompetenzen unter Beweis stellt und stets aktuell im Netz präsent ist, und dergleichen mehr. Diese gefälschte Brillirolex der Zukunftsversprechen wird aber mit der Aufgabe eines Blogs zurückgewiesen; man kommt nicht umhin zuzugeben, dass es für viele aus den unterschiedlichsten Gründen einfach nicht taugt. Und mir ist kein Fall bekannt, den die obigen Argumente überzeugen würden, das Blog wieder aufzumachen.
Für die meisten dürfte Bloggen eine vorübergehende Erscheinung sein, wie so viele andere Hobbies auch. Ein paar werden es mit der gleichen Begeisterung betreiben, mit der andere Schiffsmodelle aus Streichhölzern bauen oder Überraschungseier sammeln. Die anderen werden sich nicht dauerhaft von dem immer gleichen Gerede einer Vernetzung mit dem sozialen Netzwerk Internet überzeugen lassen, allein schon, weil es, wenn es ernsthaft gemacht werden soll, zu viel Zeit am Computer erfordert. Bloggen allein geht noch, aber dann noch Flickrn und Links sammeln und Kontakte pflegen und Blogroll abklappern und die Amazonliste updaten und zur Informationsbewältigung den RSS-Reader checken und bei jedem Kauf die Meinung anderer vertrauenswürdiger Blogs raussuchen und und und - das setzt ein Leben am Rechner voraus, das mittelfrostig wirklich ein Problem für das Leben in der Realität wird, und die kranken Ideen von Web2.0 sind da nicht weniger als das Symptom der webbasierten geistigen Verkümmerung - und mit Verlaub: genauso lesen sich dann auch die Blogs der Apologeten.
Keiner von denen hat eine Geschichte zu erzählen. Aber nur drum geht es - zumindest mir.
Also, macht die Kiste aus, lest ein Buch, trefft Euch mit jemandem im Cafe, schaut, dass ihr einen Geschlechtspartner ins Bett bekommt, das alles ist besser und wichtiger als all die Versprechungen und der Müll des Netzes. Mehr als 3, 4 gehaltvolle Beiträge am Tag schafft der Mensch nebenbei ohnehin nicht. Dass ich ab und zu für manche einen dieser Texte schreibe, ist schön und wird auch noch eine Weile so weitergehen. Das grosse Ding am Bloggen ist nicht, dass es jeder tut, sondern nur, dass es jeder tun könnte und die, die es tun, das alte Monopol der Gatekeeper zerstören.
Anything goes.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 2. Dezember 2005
Uns am letzten Tag des zweiten Jahres ein Zitat
Peter Glaser
Mit einem herzlichen "Fickt Euch" für alle hier abhängenden Hassleser, Neoconazis, libertäre Marktwirtschaftszäpfchen, copypastende Johurnaillisten, Web2.0-Sülzköppe, PRoleten, Buchneider, Blogversager, abkotzende Schubladenmanuskriptverschimmler, und überhaupt alle, die das hier schon immer Scheisse fanden und selbst kein ordentliches Blog auf die Reihe bekommen.
Verpisst Euch, ich will keinen von Euch im nächsten Jahr hier sehen.
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Note 2 myself
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60 Jahre Staatspartei
Wenn das so ist, fragen sich meine Freunde jenseits von Bayern, wie kann es dann eigentlich sein, dass sich der Bayer als solcher ausgerechnet die dumpfe, verkrustete, erzreaktionäre CSU als Staatspartei herausgesucht hat, die seit nunmehr 60 Jahren das Land in eine braunschwarze Jauche tunkt? Kann der Bayer nicht einmal die Augen aufmachen und das korrupte Pack von seinem Erbhof jagen, und sei es auch nur für wenige Jahre? Und wieso wählen diese Idioten dann, wenn es mal wieder einen CSU-Byzantiniker auf Lokalebene erwischt hat, die Konkurrenz von den nicht minder schwarzen Freien Wählern? Warum kommt die SPD noch nicht mal in den Städten in die Puschen?
Es wäre zu leicht, das Dorf dafür verantwortlich zu machen. Natürlich gibt es sie, die Käffer, wo der Ururgrossopa schon den Bürgermeister der Bayernpartei gestellt hat, Urgrossvater dann bei der Partei war, dann aber schnell zur CSU ist, und das Amt weiterging von Generation zu Generation. Und natürlich gilt am Wahlsonntag immer noch: Erst in die Kirche, dann zum Wählen, dann ins Wirtshaus. An diesem System ändert sich auch nichts, wenn aus den kleinen Flecken aufgrund des Wachstums inzwischen Gemeinden mit mehreren Tausend Bewohnern wurden. In den Dörfern kann die CSU ihren Erfolg, scheint´s, relativ gut skalieren.
Teilweise erklärt das auch den Erfolg in den kleineren Städten bis zu 200.000 Einwohnern. Die Städte sind im Laufe des Aufschungs des Landes langsam gewachsen, so dass man in der Lage war, die Ankömmlinge erfolgreich zu integrieren. Das begann mit den Flüchtlingen, die bis heute eigentlich die Kerntruppen der CSU stellen - wenn man ein wirklich brutales Neujodlerhaus sieht, kann man davon ausgehen, dass es von einem Flüchtling kommt. Die Flüchtlinge und ihre Nachkommen wählen fast immer CSU, und bei gut 25% der Bevölkerung wird schnell klar, dass die CSU ohne Flüchtlinge gar nicht mehr so gut dastehen würde. Der Bayer als ein solcher würde die CSU allenfalls bei 40%+x sehen, den grossen Umschwung zur Staatspartei bringen die Leute, von denen meine Grossmutter sagte: "Er is a Flichtling, oba trotzdem a netta Mensch." Man sollte besser hierzulande nicht zu viel drüber nachdenken, welche vor 1945 begründeten politischen Prozesse für diese Leute relevant sind, sonst bekommt man plötzlich Lust auf Auswanderung.
Eine Änderung ist da nicht zu erwarten. Trotzdem wählen auch genügend andere Neuzuwanderer in den Städten, sei es au Norddeutschland oder aktuell aus dem Osten, die CSU. Das ist eine integrative Leistung, die man keinesfalls gering achten sollte, da geht etwas, was andernorts ums Verrrecken nicht zusammenlaufen will. Und da lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Realpolitik zu werfen. Die sieht in den Städten so aus:

Die Leute in Bayern sind nämlich zufrieden. Damit sie mehrheitlich zufrieden sind und bleiben, tut die CSU wirklich was. Die CSU ist in den Städten eigentlich die SPD, eine vulgärsoziale, auf den Ausgleich und ein Pfründewesen bedachtes System, das jedem etwas gibt, solange er irgendwo reinpasst. Selbst die Grünen kriegen ihr Fleckerl und den Bereich, wo sie sich austoben können sowie eine Kneipe, doe Ölbaum heisst und auch israelische Falaffel anbietet, die Gewerkschaften sind offen für die Staatspartei und dürfen in den Spitzen auch viel mitreden, und die Sozis wären hier schneller in der Koalition, als ein Mittelständler dem Staatssekretär den Umschlag zuschiebt. Die CSU ist intern morsch, verkrustet, politisch zutiefst korrupt und von den Kriegen der Jungen Union gegen die alten Säcke erschüttert. Aber sie steht. Solange da draussen keiner wirklich Grund hat, sich zu beschweren. Und solange denen glaubhaft gemacht wird, dass Bayern aus Berlin immer noch das Freibier bekommt und vorne bleibt, wird sich an der Zufriedenheit des Bayern als solchem nichts ändern. Denn ansonsten passt es ja, das Wetter ist schön, die Landschaft reizvoll, das Bier suaber gebraut, und de Leid san ned unkommod. Die CSU, das ist der eigentliche Deal, garantiert das ewige Weiter so.
Vielleicht stürzt die CSU aber doch irgendwann. Vielleicht schafft es die SPD mit den Freien Wählern und den Grünen. Nichts ist ewig auf dieser Welt. Aber wenn sie es schaffen, wird es eine Regierung geben, die, wenn sie Erfolg haben will, alles beim Alten belässt. Hier vielleicht ein paar Pfründe mehr für die Gewerkschaften, da etwas Bioanbau und Jugendangebote, eine Schulreform zurück zum alten Gymnasium mit 9 Jahrgangsstufen, und mehr Geld für die Landwirte und den Mittelstand. Dann passt es. Und bis dahin weiter im Programm einer Partei, die hinter der Jodlerfassade alles und nichts ist, Hauptsache, es bleibt wie es ist.
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