: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 20. Dezember 2005

Real Life 20.12.05 - China Shopping

Die Bahn ist nicht dein Ding. Eigentlich bist du Anhänger des Individualverkehrs, sei es mit dem Rad oder zu Fuss oder. mit dem Auto, wenn es Strecke und Wetter erfordern. Es gab auch mal eine Bahnphase in deinem Leben. Ganz kurz sogar eine ÖPNV-Phase. Aber das ist lang her. Der schlechte Geruch aus der Heizung, das mitunter wenig gepflegte menschliche Umfeld, sein bedingt soziales Verhalten, all das hat dir den Schienenverkehr verleidet. Im Sommer bist du die 80 Kilometer von München heim in die Provinz oft mit dem Rennrad gefahren, selbst bei Gewitter war das angenehmer als die Züge durch die finstere bayrische Provinz.

Aber diesmal gibt es aus diversen Gründen keine Alternative. Es ist mal wieder was schief gelaufen, die Barchetta, die zum Transfer anstand, hatte keinen Saft mehr in der Batterie, nach drei Monaten Rumstehen am Strassenrand. Du weisst, was dich da drin im Zug erwartet, und deshalb nimmst du neben der blutrünstigen Lektüre des Mönchs von M. G. Lewis - sehr empfehlenswert übrigens, ein Abt in Spanien schändet Jungfrauen mit Teufelshilfe, aber einer, der sich Alphonso nennt, entreisst ihm seine Liebste und trägt zu seinem Untergang bei - auch noch etwas drogen Seelentranquilizer in Form der aktuellen World of Interiors mit, in der Hoffnung, über Stuck, Silber und Damast die Niederungen des Daseins zu überstehen.



Du nimmst Platz und achtest nicht auf das, was um dich herum geschieht. Es ist nicht viel los, in diesem Zug nach Norden. Es dauert, bis draussen die Masten und die flachen, hässlichen Industriebauten des Stadtrandes vorbeifliegen, aber dann nimmt das Unheil von hinten kommend seinen Lauf. Zuerst hörst du sie, dann riechst du sie, es ist diese Mischung aus Kälte, fettem, alten Fleisch, dem impertinenten Parfum der Frauen und Sauerkraut. Über dessen Qualität sie sich, nachdem sie gerade vom Essen kamen, lautstark unterhalten. Sie, das sind fünf unterschiedliche Stimmen, drei Männer und zwei Frauen. Du drehst dich um und siehst nur einen, der schon sitzt, der auch ein Penner sein könnte in seinen abgelatschten, billigen Schuhen mit Gummisohlen, den unter die Fesseln gerutschten Socken, der vergammelten Hose, über der ein Bauch quillt und ein topfförmiger Schädel ohne erkennbaren Halsanschluss sitzt, bekrönt von einer Baseballkappe. Aber hier ist tiefstes Bayern, das hier ist der Speckgürtelexpress, das alles muss noch gar nichts heissen.

Noch hast du dich nicht zur World of Interior zurückgedreht, da sagt er auch schon was von wegen, was für Essen es bei ihm im Ministerium so gäbe. In den nächsten Minuten wird dir aus 5 Meter Entfernung die Faktenlage zugebrüllt, so laut, dass du dich dem nicht verschliessen kannst; der Penner ist ein hohes Tier in einem Ministerium, Verwaltungsbeamter nicht weit unter einem Minister, und er redet, redet, redet, lacht über seine eigenen Witze. Die anderen sind seine Bekannten, und die waren heute einkaufen. Ohne ihn, was jetzt zur Folge hat, dass sie ihm die Beutestücke vorführen.

Wos isn des, tönt er von hinten. Dann liest er vor: Nasi Goreng. Haha, des kennt a glei Nazi Goreng hoassn. Allgemeine, ungetrübte Heiterkeit. Oda Nasen Spray, und erneut wiehert die Runde, quiekend eine Frau, schallend die Männer. Die Käuferin meint, das sie mitsamt dem anderen Asienzeug für Irmtraut, die sei jetzt doch so im Colonial Style eingerichtet, ned woa, und die wolle so Chinesnkrampf, und da sei die Packerlsuppn doch recht praktisch. Es folgt ein heiterer Austausch über den Mann der Irmtraut, der, so der wortführende Penner, Nichts habe, was bedeuten müsse, dass seine Frau was taugt. Erneute Heiterkeit.

Sie machen auch nicht mehr die alten rassistischen, misogynen Faschodrecksäcke as they used to, die hier sind Anfang 60 und auf ihre Art die schwarze Seite der68er, die sind damals geprägt worden und können heute noch über Zoten lachen, alles geht, alles zusammengemischt und es passt doch in die politische Landschaft des Freistaates. Die nächsten Kilomter klammerst du dich verzweifelt an die World und du hast Glück, schon bei der ersten Haltestelle, einem toskanahauspestverseuchten Ex-KZ-Ort, packen sie zusammen und verlassen den Zug, wo sie dann schon mal anfangen, das Weihnachtsfest vorzubereiten. Aber nicht, ohne am Fenster vorbeizulaufen und dir nochmal vorzuführen, warum du nicht ewig hier bleiben kannst, ohne vor die Hunde zu gehen. Dann fährt der Zug an, und du siehst ein letztes Mal in das leutseelig grinsende Gesicht des hohen Beamten.

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Die Preisträger werden gebeten

ihre kompletten Anschriften an mich, donalphonso | ät | gmail dot com zu schicken - sonst kann ich die Preise nicht losschicken.

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Dienstag, 20. Dezember 2005

Every Picture tells a Story

Eine Geschichte von Luxus, silbergrauen Ledersesseln, Schostakovitsch mit 400 Watt so laut, dass die 272 Ps und der Kompressor nur durchdringen, wenn man den Motor auf 6000 Umdrehungen hochjagt, und dann über die Geislinger Steige mit abgeregelten 250 Sachen klaustrophobisch eng an den Lasterkolonnen vobei in die Munich Area.



Nur stimmt das nicht ganz. Der Tag in Telefonaten.

7 Uhr. Don Alphonsos kleine Schwester (DAKS): Guten Morgen, aufstehen, die Unterlagen hast Du ja alle, einfach nur zum Amt in Sendling fahren und die Zulassung holen.
Don Alphonso: Ja. Aber ich verstehe wirklich nicht, wieso Du das nicht selber machst.
DAKS (geht erst gar nicht darauf ein): Es wäre schön, wenn es bis heute Nachmittag da wäre, meinst Du schaffst es?
DA: Jaja.

9 Uhr DA (über Handy): Du (Zensiert). Ich hetze mich ab, fahre durch die halbe Stadt, und dieses verdammte Zulassungsdingens ist in der anderen Ecke der Stadt, nur weil Du zu (zensiert) zum Lesen bist.
DAKS: Oh. Das muss da aber sein.
DA (brüllend, dass es die Frau am Empfang mithören kann, die es bestätigt hat): Nein, das ist die zentrale Auskunft, aber nicht die Zulassungsstelle!
DAKS: Oh. Schade. Dann musst Du wohl noch da hin.

10.30 Uhr DA (Über Handy brüllend): Du (zensiert), (zensiert) (Zensiert)! Ich brauche Deinen (zensiert) Pass für die Vollmacht!
DAKS: Oh. Das stand aber nicht im Internet.
DA: DOCH! Es steht im Internet, man hat es mir gerade gezeigt!
DAKS: Dann komm halt her und hol Dir den Pass.
DA: NEIN! Wenn ich das mache, ist hier schon zu. Du faxt ihn jetzt an folgende Nummer.
DAKS: Oh. Ich hab aber gerade nicht so die Zeit.
DA: (viel zensiertes) also schick ihn jetzt her!
DAKS: Jaja, schon gut. Schrei nicht so. ist ja nicht meine Schuld, wenn die das nicht deutlich im Internet schreiben.

Weshalb ich dann 2 Stunden später in Stuttgart war. Da hatte es gerade zu Schneien begonnen. Und Mercedes liefert die brutalsten Überholspurler nur mit Sommerreifen aus. 245er. Was bei 272 PS beim Schneesturm und spiegelglatter Fahrbahn, 2 Spuren und massenhaft rutschenden LKWs kein Spass ist und 4 Stunden auf 200 Kilometer dauert. Unter solchen Gegebenheiten drehen Reifen auch bei Tempo 100 im 5. Gang durch. Man sollte es nicht glauben, aber es geht. Glücklicherweise habe ich früher einige Sommer lang beruflich Audi Quattros über Autobahnen geprügelt. A propos prügeln:

16.30 Uhr DAKS (am Handy, während draussen alles im Schnee versinkt): Wo bleibst Du eigentlich? Ich will mein Auto endlich probefahren.
DA: (bitte sich die Reaktion selbst ausmalen).

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So mag er fallen

Ooops, ein kleiner Zwischenfall beim alljährlichen "Wer hat den Grössten"-Wettbewerb in einer reizenden bayerischen Provinzstadt. Das kommt davon, wenn man Geltungssucht, kleine Ständer und einen schicken Weststurm kombiniert.



Zum Glück ist München im Vergleich auch zu Berlin recht leuchtpestfrei, vielleicht, weil die Bewohner in ihren kleinen, teuren Wohnungen für sowas wenig Platz haben. Oder sie geben ihr Geld für andere Dinge aus. Romantisch veranlagt ist München ganz sicher nicht.

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Sonntag, 18. Dezember 2005

Der DABE AWARD 2005,

der Don Alphonso Belletristic Excellence Award, den wir noch auf die Schnelle reingeschoben haben, war auch so eine Sache. Schliesslich ist es vielleicht ein wenig unfair, grandiose Schreiber zu benachteiligen, nur weil sie die verlangten Aspekte nicht so ganz erwischt haben. Es wurde mal wieder knapp. Sehr knapp. Ich musste dreimal nachrechnen, aber dann stand die Siegerin fest, die wirklich herzwärmende Geschichte von

MIAGOLARE-LU, Mars und Juli

was mindestens so schön wie Jules und Jim ist, nur von der anderen Seite aus und noch wunderbarer. Wenn die Fellchen jetzt mal wieder die Krallen ausfahren, kann Lu mit den Gabeln gleichziehen - und in Zukunft das Katzenfutter unsagbar elegant, luxuriös und dekadent mit den Silbermessern, eins für jedes Fellchen zuschneiden.

Platz 2: Andrea nochmal
Platz 3: Kaltmamsells Italienerbesuch

So, das war´s für dieses Jahr. Ich möchte mich im Namen der Jury bei allen Autoren, Kommentatoren und Lesern für all die schönen Geschichten bedanken. Das Niveau war sehr hoch, viele schöne Geschichten blieben leider unerwähnt, weshalb ich sie noch eine Weile hier stehen lasse, als Zeichen der Dankbarkeit. Es macht mich glücklich zu sehen, was die Blogosphäre an Texten drauf hat, und das Silber geb ich gern, wenn ich auch weiterhin so einfallsreiche, eigentümliche, ungewöhnliche und immer überraschende Geschichten zum Lesen habe. Die Preise gehen raus, sobald ich Eure Adressen habe, und die Bestechungsgelder für die Jury bringt der CDU-Bote im neutralen Umschlag.

Vielen Dank an alle - nächstes Jahr machen wir das wieder.

verneigt sich, dreht sich um, rutscht auf seiner schleimspur aus und schlittert hilflos mit den armen rudernd in die linke ecke der bühne, wo hinter den gemieteten kulissen einer abgesetzten barbiere-inszenierung der regie-assi die garderobenhilfe durchknallt.

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Der DADA AWARD 2005

der Don Alphonso Decadency Achievment Award für das Vorantreiben dekadenter Verhaltensweisen angesichts von Spiessigkeit, Normalität und Langeweile im Toskanastil-Haus, war eine glasklare Angelegenheit. Alle Jurymitglieder setzten die gleichen Geschichten auf Platz 1 und 2, es ging zu wie im Zentralkommittee, und gewonnen hat

ANDREAs Frau Muscatella

Andrea wird also in Zukunft mit Silberlöffeln das Strychnin auch realiter in den Tee rühren können, statt wie früher nur mit Worten in ihre Texte. Das nenne ich mal eine echte Web/Real Life Schnittstelle.

Platz 2 ging ebenso eindeutig an LTZ in Armani

Danach wurde es nochmal hauchdünn, deshalb hier gleich die drei direkten Verfolger:

Rainers Muscheln
Fettglanz bei Mymspro
Narus Löffeleien

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Der DALI AWARD 2005,

der Don Alphonso Luxury Inauguration Award für besonderen Luxus in diesem tristen Dasein - man schaue nur hinaus auf dieses Wetter oder diese Stadt, sofern es Berlin, Wien, Neustadt/Orla, Grosny oder Ähnliches ist, geht in einer extrem knappen Entscheidung - gerade noch ein hochgestellter Tortenheber passte zwischen die ersten Drei - an

LTZ in seinem Armani-Anzug

Und wenn sie von ihrem Kerl mal wieder genug hast, kannst Du ihr mit dem Tortenheber die Champagnercremetorte rüberschieben. Und in die rosa Schnittchen langsam die Gabelspitzen bohren - aber ich denke, Du weisst sowieso, wie das geht. Schöne Grüsse von mir, wenn sie sich scheiden lässt! Dankesrede ist hier.

Platz 2: Andreas Muscatella
Platz 3: Fireballs Teetischgerolle

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Der DARA Award 2005

der Don Alphonso Rebellious Arrogance Award, der schnell noch für all unsere Ausschreibungsphobiker ausgelobt wurde, geht nach Meinung der Jury an

REMINGTON

Herzlichen Glückwunsch, ich hoffe, die kleine Asiatin kann, wenn sie Dich für den Schmerz an Deinem Bett tröstet, mit Messer und Gabel besser umgehen als mit Deinen Schulterknochen - und sie soll aufpassen, so eine Gabel kann schnell ins Auge gehen.

Platz 2: Kaltmamsell
Platz 3: Hokey

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Awards kurz vor dem Abschluss

Die Jury hat einzeln entschieden, jetzt wird zusammengerechnet, und dann werden die Sieger im DADA und DALI-Award bekannt gegeben, einer für Dekadenz, einer für Luxus. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Weil es da ein paar Komplikationen gab. Was an den Geschichten liegt. Da gab es viele Abweichler, Quertreiber und Insblaueschreiber, ZEFIX lest gefälligst die Ausschreibung, wenn ich mir schon die Mühe mache und das alles ausformuliere! Ich mein, wollt Ihr kein Silber oder was? Wollt Ihr unbedingt chancenlos am Thema vorbeischreiben?

Da das hier aber nun mal nicht die Seite der angepassten Spiesser ist, sind wir, die Jury, auf einen anderen Plan verfallen, als diese rücksichtslosen Egomanen hier brutal zu outen und ihnen ein paar bissige Bemerkungen mit auf den Weg zu geben. Wir machen, auch wenn es einen weiteren schmerzhaften Griff in meinen Silberschrank bedeutet, aus so manchem Versagen eine Tugend und schmeissen

ZWEI WEITERE AWARDS

in die unvorbereitete Runde. Das eine ist, auf dem Bild links in Preisform zu sehen, der Don Alphonso Rebellious Arrogance Award DARA für die beste, grösstmögliche Themaverfehlung.



Der Preisträger bekommt deshalb ein unzusammenpassendes Set aus zwei Vorlegegabeln und Butter- und Käsemesser, und fuck ich schwöre, wenn er sich bei der Benutzung damit bis auf die Knochen blamiert, dann ist das nur gerecht.

Und daneben ist dann noch der Preis für den Don Alphonso Belletristic Excellence Award für die beste Geschichte bar jeder Kategorisierung und jenseits aller Vorgaben, ein Satz silberner Frühstücksmesser und Vorlegegabeln, prima geeignet für den Morgen danach.

Und jetzt wird ausgerechnet, in einer Stunde, um 21 Uhr, gibt es das Ergebnis.

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Web2.0-Evangelisten martern

Ach, wie lieblich duftet geschmortes Evangelistenfleisch, wenn es über vier Adventskerzen gebraten wird - heute geht es an der Blogbar um Tags und Tag Clouds, einem der Burner der Social Software Bewegung. Und das diesmal ganz ohne New Economy; Typen wie den Sixtus & Co. putze ich argumentativ auch mit Datentransferleitung Anno 89 und archäologischem Schlagwortkatalog weg.

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Samstag, 17. Dezember 2005

Das Gutmenschen-Problem mit der Scheissegestalt

Ich, das kann ich getrost sagen, bin eigentlich und gerne ein Gutmensch. Ich rette Kröten auf der Strasse und demonstriere für soziale Gerechtigkeit, ich esse biologisch angebaute Produkte und stehe mit meiner Person für die Bewahrung unserer Kultur gegen kurzfristige Finanzinteressen. Ich verleide vielen Leuten ihre Geieraktien, und habe klare Grundsätze zur Folter und mache in meiner Freizeit neben dem Blog hier noch ein paar andere Sachen, die der Allgemeinheit nach ihrer Meinung nützen, ohne dass dafür ein Cent an mich geht. Ich bemühe mich, mit meiner Existenz wenig Schaden anzurichten, bin mir meines Versagens bewusst und nehme für die Bewahrung der Welt auch individuelle Nachteile in Kauf, weil es uns alle umbringt, wenn jeder meint mit seiner Karre die 30 Meter zum Fluppenholen fahren zu müssen. Mitunter bin ich bei Sachthemen politisch enorm flexibel, wenn es denn der Sache dient, und reden tue ich mit fast allen - soweit es nicht diejenigen oder ihre Nachfolger sind, die ihre sozial, religiös, gesellschaftlich oder ökonomisch bedingten exterminatorischen Neigungen gegen meinesgleichen schon mehrfach unter Beweis gestellt haben.

Das ist das eine. Das andere ist aber das, was tief in mir drin nagt. Der Wunsch, den Titel Gutmensch anzunehmen, wird konterkariert vom Verlangen, der anderen, oben erwähnten Seite Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Ich würde also mitunter gern, irgendwann mal gewisse in der Lesergunst absackende, folterfreundliche braune Dreckspuppen, unterstützende Neoconazis und artverwandtes Gossenpack als "Scheissegestalten", also das eindeutige Gegenteil das zu sein sie eigentlich in Anspruch nehmen, titulieren. Fühlt sich gut an, wenn man es ausspricht, versucht es nur mal:

"(Name des NeoCoNazis) ist kein Gutmensch, er ist eine Scheissegestalt!"

Da flutscht die Zunge wie über Marzipan, auch, wenn man von den Scheissegestalten nicht aktuell als Gutmensch bezeichnet wird. Nur: Bin ich immer noch ein Gutmensch, wenn ich das tue? Und was ist mir wichtiger? Ach, schön wäre es, dafür klare Antworten zu haben.

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Live aus der Jurysitzung

Ohne Kuchen und Tee geht schon mal gleich gar nichts, zumindest bei diesem Award - unsere Kollegen drüben bei Lyssa haben sich dagegen nach eigenen Angaben im Dark Room zusammenbestellt, das kann was werden. Statt Furchpflug, Sumpfpumpe, Granitwarzen und Schluckloch (ich hab nicht teilgenommen, Lyssa täte mir leid) läuft hier alles recht gesittet und dennoch nicht spiessig ab.



Morgen gegen Mittag wissen wir, was Sache ist. Ihr erfahrt es am Abend, und es wird dabei auch ein paar Überraschungen geben. Ganz sicher.

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"werben & nicht verkaufen" und feuern

Hach, es ist ja wie in den guten alten Zeiten, als man die Mailbox öffnete und darin wieder die Klage eines vom 6. Semester Volkskunde zum Associate Editor mutierten Studenten fand, dass ihm die wirtschaftsfreundliche Hochglanzzeitschrift XY den marktliberalen Stiefel in den Arsch getreten hat, dass er jetzt zurük bis vor die Tore der Uni rutscht. Mit genau diesem verhalten tritt jetzt die Postille "Werben & Verkaufen" mal wieder ins Rampenlicht. Die ohnehin schon stark gerupfte Redaktion des früheren New Economy liebenden Blattes wird gleich nochmal um 12 Leute entlastet, darunter Chefredakteur und sein Vize. 20 Punkte für 12 Leute, das ist kein schlechter Schnitt.

Vielleicht mag auch der Küchenrufer an dieser Stelle ein paar Worte dazu sagen? Bitteschön:

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Freitag, 16. Dezember 2005

Mailspamsauereien gegen Blogger von "IDemokratie"

(Updated Version) Neues aus der Blogmarketingkloake, Abteilung "Du bist Spammer": Aktuell werden von der Agentur iDemokratie.de - Interaktive Demokratie, Chausseestraße 8 in 10115 Berlin gezielt Blogger mit unverlangter Post belästigt. Mit dem Schreiben wird offensichtlich versucht, sie und ihre Blogs für eine grenzdebil-harmlose Politevent-Kampagne der Agentur vor dem Kanzleramt zu gewinnen.

IDemokratie betreibt neben einiger belangloser Politikprojekte wie dem miserablen Wahlblog05 oder dem Politikermastdarm beturnenden demokratie24 (was ist das überhaupt für ein bescheuerter Name) offensichtlich auch gezielte Adressensuche, was sie dazu bringt, Emailadressen von Blogger trotz deren Widerspruch zu sammeln und für ihre Aktionen verwerten. Sprich, die Leute sind Mail-Spammer und kein Jota besser als die CSU-Knilche, die eine ähnliche Idee vor der Wahl hatten.

Wie man so bescheuert sein kann, in diesem Fall eine Spam-Mail mit der Überschrift "Blogger organisieren Flashmob vor dem Kanzleramt" rauszuhauen, will ich gar nicht wissen. Nur so viel: Das ist erfunden und gelogen, eine miese Masche, mehr nicht. Nicht Blogger organisieren, eine Agentur (die ein paar Blogs betreibt) versucht, Blogger mit einem Massenanschreiben für ihre Zwecke einzuspannen, und kotzt dafür auch ungefragt gleich passende Banner und Buttons per Attachment ins Postfach.

Und findet das nach dem Hinweis, dass man das nicht will, auch noch durchaus ok:
Und warum SPAM? Wir werden dir doch wohl noch ne Info schicken dürfen.

Ob die das auch noch so sehen, wenn jemand seinem Anwalt erlaubt, denen ein paar andere Infos zu schicken? (siehe auch blogbar)

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Dirt Picture Contest - Holzkohlengrill

Vielleicht ist es ja auch gar kein Schmutz. Im Gegenteil, vielleicht haben sich hier mal ein paar Anwohner zusammengerottet, den Dreck eingesammelt, soweit er brennber ist, und ihn dann mangels anderer angemessener Entsorgungsmöglichkeiten angezündet. Man kennt solche Bilder auch aus Ramallah und den Ghettos in Südafrika, aber da ist dann meistens noch eine verkohlte Leiche drin, mit einem verbrannten Autoreifen um den Hals - das ist hier auszuschliessen. Da bin ich mir fast sicher.



Wahrscheinlicher ist aber, dass in dem Lokal dahinter ein kleines Feuer ausgebrochen ist, und der Besitzer das Zeug vor die Tür gekippt hat. Da lag es nach meiner Beobachtung mindestens zwei Tage herum, vielleicht ist es auch immer noch da. Im Wedding brannte mal ein Sexkino aus, da waren die stinkenden Polstermöbl noch Wochen später auf der Strasse zu sehen. Wie lange es hier dauern wird, sei es, dass es abgeholt wird, von den Passanten des Nachts lustvoll zertreten oder vielleicht sogar noch mal entflammt wird - das Buch etwa ist bislang nur angesengt - ist eine andere Frage, deren Beantwortung ich wohl nicht mehr mitbekommen werde. Denn ich bin raus aus Berlin, und zurück im Süden.

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DADA und DALI Award 2005 - wie es weiter geht

2 mehr oder wenige dreckige, schmutzige Dutzend an Geschichten sind bis vorgestern bei mir eingetrudelt - die letzte kam per Mail und konnte bislang aus technischen Gründen nicht im eigenen Blog von Booooster eingestellt werden, deshalb ist sie jetzt hier veröffentlicht, siehe rechte Links.

Zuerst mal: Vielen Dank an die Einsender für die Texte! Ich war überrascht, dass es so viele und vor allem so viele gute Texte wurden. Man weiss ja nie, wie sowas ankommt, und die Jury hat anfänglich schon überlegt, was sie selbst mit den Preisen macht, wenn keiner was einsendet - jetzt muss ich sie anders entschädigen.



Wir hatten schon eine kleine Besprechung, und da wurde klar, dass wir mit 2 Preisen vielleicht nicht auskommen. Das hat den Grund, dass die Preise sich an spezielle Aspekte der Erzählung, Dekadenz und Luxus, orientieren, und manche Geschichten sind, ohne hier Massstäbe zu setzen, per se einfach zu gut, als dass man sie einfach beiseite schieben sollte. Deshalb wird es wohl noch einen Sonderpreis geben, aber das diskutieren wir noch aus.

Jetzt werden wir die Geschichten lesen und sortieren. Dabei gehen wir so vor: Jeder sucht seine jeweils 10 besten Geschichten für den jeweiligen Aspekt raus und vergibt Punkte: 1 Punkt für den 10., 2 Punkte für den 9., dann immer so weiter bis zum 3., der mit einem Bonuspunkt 9 Punkte bekommt, der 2. kriegt 11 Punkte und der erste 14. Dann wird zusammengerechnet, und der jeweils erste bekommt den Preis - und Nummer 2 und 3 werden ehrenvoll erwähnt, am Abend des 18. Dezember.

Soweit schon mal zur Information, und Euch allen nochmal vielen Dank für all die Geschichten, die die Vorweihnachtszeit versüssten.

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Donnerstag, 15. Dezember 2005

Es wird Weihnachten

in den Referrern: 4 Search request: leute die sich selbst vergifteten

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Real Life 14.12.05 - 18 Karat

Die versteckten Läden und Suterrains in Kreuzberg und Neukölln, in die es kaum Touristen verschlägt, weil schon die Strassenauslage mit dem billigen Modeschmuck und die zertrümmerten Möbel nach Not und Elnd riechen; die finsteren Kellerschläuche voller Staub und abgetretener Teppiche, wo in Kisten alte Rahmen und geborstene Spiegel lagern, die Händler mit den kleinen Gläsern mit gesüsstem Tee, die inmitten von Nerzmänteln, Bronzestatuen und überfüllten Vitrinen auf dich warten und dir einen Cay anbieten - das alles ist dein Jagdrevier, im Bauch der Stadt, die hier nicht weniger schäbig zu sein scheint als überall, aber der Kundige erkennt in all der Enge und der Überfüllung den Luxus vergangener Zeiten, den Wert der Dinge und natürlich auch das harte Verhandeln, das die Clans vor den Verkauf setzen, wo mit Auktionskatalogen argumentiert und mit Schäden die Preise gedrückt werden, ganz so, als sei man ein japanischer Millionär, der sich tausend Euro für ein Lackschälchen leisten könnte - oder der chinesische Schrank sei gar nicht so alt, wie er tue, ein hartes Streiten allein um des Sports willen, und in dieser Jahreszeit oft unterbrochen durch andere Kunden, die ebenfalls zu den Wissenden gehören.



Die meisten sind abgerissen, mit abgetretenen Schuhen und billigen Mänteln, und nichts ausser vielleicht die goldenen Daytona verrät, dass sich der ältere Mann mit den Falten tatsächlich die Barockgemälde leisten kann, die hier gar nicht erst auftauchen, sondern per Telefon verkauft werden. Aber es geht auf das Jahresende zu, da muss etwas besonderes her, was man nicht einfach per Telefon kaufen kann, schliesslich soll es verschenkt werden. Und so gehen einige Schubladen auf, und aus Stofftaschen fällt Üppiges in Gold und Platin, es funkelt wie Strass, aber Strass, das weisst du, gibt es hier unten nicht, nur das Echte, und der Mann mit dem alten Mantel beginnt, den Haufen auf dem Tisch zu durchwühlen, hält Stück für Stück ins Licht, und fragt nebenbei auch nach einem Ozelot, der gekommen sein soll.

Es ist, so hörst du nebenbei, als du ein barockes Stilleben inspizierst, vor nicht langer Zeit eine Schauspielerin alt, vergessen und einsam gestorben inmitten des Prunkes ihrer frühen Jahre, und obwohl sie verfettet war, konnte erst der Tod sie trennen von den Pelzen, die allenfalls einer junge Frau gepasst haben und die in den 60er Jahren, der Blüte des Wirtschaftswunders in Berlin für Furore gesorgt haben dürften, nebst all den breiten Goldbändern, die jetzt hier im Keller verhandelt werden. 18 Karat, darunter ging früher und geht auch heute nichts. Das tragische, sagt der Käufer, sei diese Zeit an sich, man könne dergleichen nur noch in Zürich oder Genf tragen, aber keinesfalls hier in Berlin, da wäre es geradezu gefährlich mit all den Tierschützern, Neidern und sonstigem Pack, den Rolls lasse er auch immer stehen und komme mit dem Taxi.

Er greift wieder in das getüpfelte Fell, fragt deine kleine Schwester, ob es ihr als Frau gesprochen gefallen würden, findet nach ihren Zweifeln die 8.000 zu teuer und der Händler, eingekeilt zwischen den Argumenten deiner missratenen Verwandtschaft und den Hinweisen auf alte, gute Beziehungen, windet sich und gibt doch noch etwas Rabatt für den Ozelot. Dann werfen sie ein Armband auf eine Briefwaage, die sofort in die Knie geht, debattieren über die Feinjustierung und rechnen mit dem Goldpreis nach.

Du gehst wieder nach hinten, zu einem venezianischen Spiegel, und betrachtest den Typen da drin sehr genau, ob da keine Ähnlichkeiten sind, ob du tatsächlich so anders bist, wie du sein möchtest; nicht unbedingt in der Kaufkraft, aber einfach, was die Art angeht, das Wesen, denn auch du kommst nicht im schwarzen Anzug, auch du sagst Pelzträgerinnen nicht ins Gesicht, was du davon hältst, zumindest nicht in der ganzen Schärfe, so weit weg ist der nicht von deiner sozialen Klasse, es ist die Berliner Version dessen, was du von daheim kennst, und es wäre schön, wenn es irgendetwas geben würde, das dir garantiert, dass du nie so werden wirst.

Das ist ein Prunkstück, sagt der Händler, der deinen Blick falsch interpretiert, und fügt hinzu, dass er von einem Händler dafür 1.800 nehmen würde, aber er hängt jetzt schon so lange da, seit er dich kennt, und wenn du ihn willst, könntet ihr reden, schliesslich ist Weihnachten und er ist bereit, dir eine Freude zu machen - letztlich, das sei hier verraten, hat ihn deine kleine Schwester dann gekauft, und ob sie beim Blick hinein je zweifeln wird, ist eine andere Frage.

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Dirt Picture Contest - Westprodukt

Das Beispiel der Rotkäppchen-Flasche macht Schule und liefert weniger als 10 Metern den Beweis für die Broken-Window Theorie: Im Fensterrahmen auf der anderen Seite des Gebäudes wurde ein äusserlich unversehrter, innerlich jedoch sicher unbrauchbarer Agfa-Scanner deponiert.



Es wird ein Wettlauf in Zeitlupe stattfinden um diesen Scanner zwischen dem Freizeit-Hool dieses Ausgehviertels - wir befinden uns schliesslich dort, wo der Bär tanzt und die Mieten für Berliner Verhältnisse abnormal hoch sind - der Stadtreinigung, die sich hierher nur selten wagt, falls es sie überhaupt noch gibt, und den Technikverwertern, die dergleichen auf dem Trödel wieder an dem Mann bringen, mit dem Versprechen, dass der noch geht, nur hat der Sohn jetzt eine Digicam und braucht den nicht mehr, Superpreis, garantiert.

Der Hool dagegen wird den Scanner zu Boden werfen, sich am Geräusch des zersplitternden Glases erfreuen und das Plastikgehäuse erbärmlich zu Klump treten. Insofern ist er der natürliche Feind der Stadtreinigung in diesem Wettlauf, denn das garantiert den langfristigen Verbleib des Scanners im Kiez und zwingt sie, irgendwann doch anzurücken. Vielleicht aber, wenn sie nicht kommt, bleibt er auch auf immer, denn immer neue Hools werden darauf rumtreten, ihn wie ein Mahlwerk in immer kleinere Brocken zerteilen, die dann irgendwann die Ritzen zwischen den zerborstenen Gehsteigplatten füllen und mit hineingetretenem Hundekot und Menschenkotze versiegelt werden.

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Donnerstag, 15. Dezember 2005

Demarkationslinie

An dieser Stelle, wo sich die Pulverrückstände der Labels und der Webagenturen und das "Gekotze der Maria am Ufer" schon im Wasser befinden, hat der Fluss auf seinem Weg durch den Slum noch das Schlimmste vor sich: Berlin Mitte. Er kann es nicht ändern, zu gering ist sein Wassrstand, als dass er substanzielle Teile des Übels wegschwemmen könnte.



Man muss schon lange hier feststecken, um diesen Blick als schön zu bezeichnen. Man darf keine Brücke in Rom, Lonon, Florenz oder München kennen, und selbst Frankfurt kommt da weitaus besser. Relativ, angesichts des Ortes, ist es ok, mehr aber auch nicht. Es ist scheisskalt an dieser Stelle, der Wind pfeift ungehindert durch, und so richtig blaugefroren vergehen schnell die Gedanken an all die Gescheiterten, die eigentlich was anderes verdient hätten als das hier, wenn sie überhaupt so weit kommen im Moloch, und nicht nur die ganzen Tage in triste Hinterhöfe schauen, wie ein Gutteil der hiesigen Millionen, und unachtsam sind wie die Leute, die zum Bedröhnen ins Maria eilen und nicht mal dafür einen Blick haben.

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Dirt Picture Contest- Ostprodukt

Seit Samstag steht diese Flasche gleich nebenan im Fenster, gekauft für 1,60 Euro beim Spätverkauf und auch gleich im Weg nach Hause, zur nächsten Party oder sonstwohin gesoffen. So ein Piccolo, als wäre es ein gealtertes Freudenmädchen oder eine Oma, hier aber offensichtlich auch bei der Jugend des Szenebezirks beliebt.



Seitdem wurden die Rolläden noch nicht hochgezogen; vermutlich steht die Wohnung im an sich restaurierten Haus leer. Die Flasche ist ein Beispiel, das Schule macht: Gestern Nacht war ein paar Fenster weiter dann ein alter Scanner deponiert worden. Sage keiner, dass das Slum Berlin nicht aus der Vergangenheit zu lernen in der Lage ist.

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Macht endlich die FTD platt!

Diese erbärmlichen, Fakten verdrehenden, ahnungslosen, dummdreisten Schwätzer und Panikmacher.

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Dienstag, 13. Dezember 2005

Abgeschaltete Neoconnards

Während eine von den Steuerzahlern finanzierte Puppe und ihre braunliberle Gefolgschaft noch die Androhung von Folter ganz ok finden - wie wäre es mit den Claim "Verfassung light" oder "Diet-Grundrechte" - werden woanders Nägel mit Köpfen gemacht: Twoday.net hat mit den bei ihnen - jetzt nicht mehr - gehosteten Blogs thule (NPD-nah) und iblis (rassistisch wie gewisse US-Vorbilder) gleich zweimal mit dem Pack aufgeräumt. Prima.

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Noch ein Tag

bis zum Einsendeschluss der DADA und DALI-Awards. Wer mit dabei sein will, soll sich sputen - 16 Anmeldungen sind schon da.

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Wunsch abschlagen

Unter all dem Entertainmentmüll unserer angeblichen Kultur, unter den kommerziellen Mythen und den auf Massengeschmack ausgerichteten Horrorfiktionen zwischen Abknallen im Tatort und der Adaption der Videospiele, begraben im Schutt der abseitigen Moden und perversen Trends einer Welt, die sich stets übersteigern muss auf der Suche nach neuen Reizen, liegen immer noch inatkt und unberührt die alten Strukturen des Grauens, in denen sich Sex, Gewalt, Gier und Tod in einem Blick vereinen, in der Wollust der Lippen, der Befriedigung und der Behutsamkeit der Trennung, die eine Spur dicken Blutes nach sich zieht, auch wenn alles Leben mit der Gewalt eines Bisses, einer Schwertstreichs oder eines Stichs in die offene Brust gelöscht wurde.

Manche Ahnungslose stehen unberührt vor diesen Bildern, die Teil der eigentlichen biblischen Geschichte sind und im Original, im apokryphen Buch Judit, im entscheidenden Moment von trauriger Detaillosigkeit sind; kein Blutschwall ergiesst sich auf demn Damast, die Schneide des Schwertes funkelt nicht im Licht der letzten Kerze, und kein letzter Laut erfüllt voller Grauen die stickige Luft im Zelt. Oder vielleicht ist es auch Absicht, vielleicht ist der niedergeschriebene Text nur die Rahmenhandlung, die es dem Erzähler überlasst, die lustvollen Einzelheiten für sich selbst zu erfinden. Vielleicht ist es aber auch eine Betriebsanleitung für all die Nachfolgerinnen, die ihre eigene Umformung mit dem Blut der anderen schreiben, die den Schmerz wollen und das Entsetzen im Auge, wenn das Verlangen umkippt in Gewalt und das vermutete zarte Wesen seinen innersten Kern offenbahrt, schreiend nach Endgültigkeit und dem Geschmack des frischen Körpersaftes, der fliessen muss aus neu geschlagenen Wunden.

"He justs at scars thar never felt a wound", sagt einmal einer, der die Endgültigkeit begriff und wusste, als er sie zum ersten Mal erblickte, denn manchen ist es gegeben, tiefer zu sehen in die Natur der Dinge und ihre Schwärze, die schon immer da war und so oft auf jede Verstellung, jede Zurückhaltung verzichtete, zugunsten der nackten Brutalität derer, die den Dolch ihr Eigen nennen und ihn wie geschliffene Worte einzusetzen wissen, und dabei doch nie aufhören, den Zeugen ihrer Verbrechen mit dem immer gleichen, behutsamen, durch das Fehlen jeder Moral unschuldigen Blick anzusehen, und ihnen das Gift ihrer kranken Seelen aus der Dunkelheit der frühen Stunden, wenn alles gesagt und nichts getan ist, in die Herzen träufeln.

Denn der Tod ist meist so dumm und banal in unserer Zeit, wenn er denn kommt durch einen Virus, einen idiotischen sächsischen BMW-Proll oder schlichtes Verdämmern in Alzheimer, und vielleicht ist es doch besser so, als Trophäe am Haupthaar fest ergriffen von denen mitgenommen zu werden, die in einer Nacht das zu geben wissen, was andere in all ihren Tagen nie verspüren werden, selbst wenn sie in den Keller mit den Gemälden eintreten dürften und dort diesen Blick, das Extreme und die Erfüllung für ein paar tausend Euro kaufen könnten, das seit drei Jahrhunderten immer gleich von der Leinwand starrt, mit dem Versprechen, dass der Betrachter, wer vermag es schon zu sagen, der Nächste sein könnte, heute, in zwei Wochen, nächstes Jahr.

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Businesstumor

Es frisst sich unaufhaltsam weiter in das Zentrum der Gedärme, wuchtert in riesigen Plakaten aus und zersprengt architektonische Linien. Die schwarze Not der Fonds quillt in allen Farben aus dem Ritzen der Gebäude, schreiend bunt und geschmacklos, nach Awareness heischend und der Angst der Investoren stinkend.



Als ich vor 2 gottverdammten Jahren nach Berlin kam, um geplante drei Monate einen Job zu übernehmen, aus dem am Ende 18 Monate wurden, da fielen mir die Türme ins Auge, ein Stück Munich Area inmitten Zerfall und lautem Niedergang. Zwischen Tower und Spree ratterte die Strassenbahn entlang, aber darüber ragte der Komplex makellos und lindgrün, genauso gefärbt wie dieses Blog, in den immer etwas grauen Berliner Himmel. Jetzt haben sie auch die rote Schrift genommen, wie dieses Blog. Und eine Nummer aufgeschrieben. Viele werden sie lesen, aber, steht zu vermuten, kaum jemand wird anrufen. Wer will schon in einer Stadt sein, in der es sogar der Deutschen Bahn zu lausig ist.

Und so werden auch weiter in Richtung Mitte die Fassaden verschmiert werden mit obszönen Angeboten, die Business Women der amerikanischen Investoren werden sich in Superlativen überschlagen, auch wenn die Neubauten an der Leipziger Strasse immer noch von Leere gebläht ihr Scheitern mit bunten Neonröhren in die Nacht schreien, wo sie niemand hört, denn wer vorbei geht, hat in der Regel seine eigenen Probleme.

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