Montag, 29. Mai 2006
Dirt Picture Contest Professional

Hässliche beige Möbel landen in Designläden des LSD-Viertels und werden mutmasslich an zugezogene Schwaben verkauft. Ich kenne das Zeug. Das kann nur von der Strasse stammen. Jetzt ist nur noch zu klären, was mit den Kühlschränken geschieht. Solange sollte ichn vielleicht nicht mehr in Restaurants in Mitte essen, man kann ja nie wissen, wo Prenzldreckschweins Köters Pinkelwanne landet.
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Brescia - Berlin
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Treptow

Von da oben hat man sicher einen grandiosen Überblick, aber was man da sieht, lässt einen eher an das Vernageln der Fenster denken. Am Fuss der Türme hält sich ein Retortencafé, weiter südlich stemmt sich in Multiplex mit schalen Träumen in die Wohngegend, nebenan ist die verrottete Botschaft eines korrupten asiatischen Staates, und selbst der Hallenflohmarkt die Strasse runter wurde deutlich verkleinert. Bei horizontal ausgestreckten Flachbauten ist der begrenzte Rückbau nicht weiter schwer, aber bei so einem Turm gibt es nur Stehen oder Fallen, unabhängig davon, dass er finanziell längst in sich zusammengestürzt ist.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 28. Mai 2006
Berlin-Hannover-Berlin
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Dirt Picture Contest - In bester Lage

Ausserdem gibt es frisches Bettzeug zum Wechseln und zur Strasse hin eine stylische Metallwand und Fenster darin, die sich allerdings nur von der anderen Seite aus öffnen lassen. Aber wer wird denn meckern, es ist ja umsonst! Berlin, die Stadt mit dem grossen Herz freut sich auf Gäste. Echt jetzt.
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Besser online sterben, als im Print verderben

Zuerst mal: Wenn von denen da oben einer überlebt, dann ist es Michael Maier von der Netzeitung. Zum einem, weil der die Netzeitung 6 Jahre lang im schlimmsten Grabenkrieg der Mediengeschichte seit 45 durchgeboxt hat, auf dem schlimmsten aller Märkte. Überleben ist bei Maier Programm. Und er hat verstanden, dass es mit klassischen Zeitungen und deren Übertragung ins Netz nicht weiter gehen kann. Zeitungsmarken haben keine Bindungskraft mehr, Nutzer zappen, und die Qualitätsansprüche der Herren Redakteure sind ihnen egal. Nutzer wie ich aber werden den Maier lieben. Denn der Maier kann den Mund nicht halten, er beugt sich dauernd rüber beim Sermon anderer und kommentiert, und zwar so, dass man ihn bitten möchte, in Zukunft doch bitte auch im Blog zu kommentieren, so bissig und treffend ist er. Ich denke, der hat verstanden, dass Kommunikation nicht mehr Gatekeeper ex cathedra zu viele dumme Deppen ist, da kann man über Readers Edition denken, was man will.
Was mir aber in Erinnerung geblieben ist, ist der unausgesprochene Vorwurf an die Nutzer: "Wir haben doch alles richtig gemjacht, wir haben uns immer um Euch gekümmert, wir investieren wieder im Netz, und jetzt fangt Ihr mit dem Bloggen an, obwohl wir doch so viel besser sind als Ihr." Das hat keiner gesagt, aber es war fühlbar, in den verstockten Fragen aus dem Publikum - von dem nur 1/3 regelmässig Blogs lesen, soviel zum Thema Medienkompetenz bei Online-Journalisten - und auch beim Bemühen der Leute auf dem Podium, Blogs etwas entegegen zu setzen. Gerade beim Moderator hatte ich den Eindruck, dass er Blogs als unangemessene Diener vor der Haustür des Medienpalastes empfindet, die sich erdreisten, keine Diener mehr sein zu wollen und selber ihre Hütten bauen. Wie ungerecht. Aber, da ist man sich einig, Journalisten wird man dennoch immer brauchen.
Ich fühle mehr und mehr eine Entfremdung zwischen denen und mir. Ich bin beides, Journalist und Blogger, und ich merke, was geht und was schrumpft. Das Kernproblem ist die Frage des Geldstroms. Was passiert, wenn es Micropayment gibt zwischen Autor und Leser? Wenn ich einem, den ich mag, für den einen brillianten Blogeintrag den Euro zukommen lassen kann, den ich normalerweise für die strunzdumme Tageszeitung ausgeben würde? Und was geschieht, wenn Medienkonzerne unter dem Druck der Entwicklung ihre sicheren Gitter, in dem Journalisten aufgehängt sind, abbauen und nur noch das gut bezahlen, was gut gelesen wird und bei der Werbebranche als sicherer Sale gilt? Das alles geht online, es hat erst mal keine Bedeutung für die Blogs, mir ist es egal, ob jemand das hier mag, aber für den Journalismus ist das die Hölle, die im Saal aber keiner sehen will.
Natürlich dauert das noch Jahre. Natürlich werden wir jetzt erst mal wieder einen Hype erleben. Und einen Zusammenbruch, wenn das, was da auf dem Podium war, alles sein sollte. Und dann wird sich die Frage nochmal stellen: Wozu braucht man heute noch Medien? Für eine gewisse Grundversorgung. Aber im Internet ohne Grenzen bedeutet das, dass man in Deutschland mit ein paar tausend Stellen auskommt. Der Rest muss sich eine neue Existenzberechtigung suchen, und ich prophezeihe hier und jetzt: Wasser in der Wüste suchen wird dagegen ein Vergnügen sein. Journalisten haben unter Druck gelernt, sich als Freie den PR-Agenturen, den Werbenden und auch den Medien anzudienen. Aber was sie nicht können ist, sich dem Leser andienen. Ohne das wird es aber in Zukunft nicht gehen.
Und der Leser ist kein Stück Leservieh, den man irgendwie digital auch per Podcast und Video multimedial abfüttert, er ist
KEIN LESER.
Sondern ein Individuum mit einer Stimme und einer Persönlichkeit. Und wer das nicht Ernst nimmt, wird verrecken, nicht von Stund an, aber der Tumor greift längst um sich und nichts wird ihn aufhalten, solange der Mensch ein Mensch ist, und kein Stück Clickvieh.
Fastfood oder Vollwertkost, was wird Onlinejournalismus sein, war die Frage. Einfache Antwort: Tot, and I´m leaving on my jetplane mit erstklassigem Catering.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 27. Mai 2006
Eine Leiche in Berlin

Innen funkeln die venezianischen Leuchter und warten auf den Tag, da ich sie hole. Und der Tag wird kommen, denn ich will diesen Skalp.
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Nachtarbeit - Tagarbeit
Ich bin ein alter, kranker, müder Mann. Eigentlich sollte ich in einem Schaukelstuhl sitzen, die Katze kraulen und den Nichten was vom Krieg erzählen, und dass wir zu viel hatten, 1999. Statt dessen werde ich im schwarzen Zweireiher den Leuten mit drastischen Worten sagen, dass sie ihre herkömmlichen Medienkarrieren knicken können, und überhaupt.Michael "Ich will 20 Millionen kostenlose Schreiber" Maier von der hochgeschätzten Netzeitung ist auch da.
Mal schaun. Wenn ich die Augen aufbekomme. Warum ich? Warum so früh? Warum in Berlin? Fragen, die ich hätte mir wann anders stellen sollen.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 26. Mai 2006
Der Condottiere

Sant'Andrea in Mantua.
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Alt und steinreich,
Ich mache mir sonst über die Zukunft sonst nie Gedanken, weil es sowieso immer anders gekommen ist, als ich erwartet habe. 1997 war ich mir sicher, Kulturhistoriker zu bleiben, 1998 war ich dann Deutschlandskorrspondent der Ostküste. 2004 sollte ich drei Monate nach Berlin, 2005 war ich immer noch dort. Ein Jahr hatte ich hier in der Provinz zur regelung familiärer Angelegenheiten, bevor es weitergehen sollte in die Schweiz, jetzt besorge ich den Stuck für meine neue grosse Wohnung. Es lohnt sich also nicht, es kommt, wie es kommt, sagte meine Grossmutter, und sie hatte wie immer recht.
Aber es gab einen Moment in Italien, genauer gesagt in Mantua, da habe ich mir gedanken über diese Lebensziele gemacht. Meine Besucher waren schon etwas erschöpft und wir suchten ein Cafe, da kamen wir an diesem Geschäft vorbei.

Und ich dachte mir, wie schön es sein muss, als alter, faltiger Mann in einem dreiteiligen Anzug auf einem dieser filigranen Stühle zu sitzen, die dort für solche alte Herren stehen, das zerfurchte Gesicht eines stolzen Puters tragend, einen Stock, auf dem die Linke Hand weit in den Raum ragt, und dann sitze ich da mit einer Tasse Tee und warte, dass meine Lebenspartnerin mit erheblichem, mir heute schockierend verkommenden Altersunterschied wieder aus dem Ankleidezimmer kommt. Um das Verworfene unserer Beziehung zu kaschieren, bei dem sicher auch das Geld eine gewisse Rolle spielt und der Saloonwagen, werde ich ihr zu dezent spiessiger Kleidung raten, und sie bitten, die Haare hochzustecken. Da sitze ich also und warte, rede mit der Verkäuferin in Coco Chanel, und das satte Gefühl meiner dicken, mit viel Papiergeld gefüllten Brieftasche, das auf der Brust, über dem alten, abgeklärten Herz lastet, lässt mich über die goldenen Ziffern, die von Preisen künden, milde lächeln.
Draussen werden italienische Mädchen sich die Nasen an den üblichen Teenieshops plattdrücken, ab und zu tuckert eine Vespa vorbei, bis die, auf die ich warte und für die ich zahle, dann aus der holzvertäfelten Ankleide kommt, mir in ihrer etwas unauffälligen Vorzimmerdamenschönheit sehr gut gefällt, wenn sie sich dreht, wenn ich im Profil ihren geilen Arsch sehe, und wenn es passt, erhebe ich mich gekonnt ohne Ächzen, bezahle, und sage ihr ins Ohr, dass ich sie nicht ficken werde, ohne dass wir vorher noch Schuhe kaufen waren.
Heute finde ich so etwas ganz furchtbar, es hat nichts mit meinen Überzeugungen zu tun, aber wer in so einem Geschäft sitzen will und warten, muss so sein, und mir sind in diesem Moment in Mantua keine Alternativen eingefallen, die mir für mein späteres Leben besser gefallen würden.
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Unterwegs
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Donnerstag, 25. Mai 2006
In eigener Fahrzeugsache

Der andere Don ist Don Dahlmann, ist Antville-Urgestein und betreibt das Blog "Irgendwas ist ja immer". Er lebt in Berlin und hat momentan aufgrund einer Werbeaktion ein Dieselfahrzeug vom Typ Obbel kAstrat. Oder so.
Wir kennen einander, haben miteinander gelesen und mailen ab und zu - aber wir sind leicht auseinanderzuhalten. Danke für die Aufmerksamkeit.
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Rom wir haben ein Problem
3... 2... 1.... and Lifto.... hoooly shit!

Hey, stop! STOP!!! We forgot to take off the goddam cross!
Brescia, Alter Dom, Blick eines Nichtchristen aus der Krypta in die Kuppel des 11. Jahrhunderts
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Reden wir mal über "Branding"

habe ich mir schon vorher überlegt, ob ich nicht ein eigenes Blog einrichten soll. Der Hintergrund ist persönliches Natur: Das Jahr der Ruhe geht langsam zu Ende, und ich werde in den nächsten Monaten viel unterwegs sein. Gleichzeitig haben mich schon immer die grottenschlechten kommerziellen Reiseblogs geärgert, die man bei weg.de und HLX betreibt. Reiseliteratur war ein beherrschendes Thema der europäischen Literaturgeschichte vor dem Aufkommen der Flieger und Autobahnen, die Fortbewegung auf eine kurze Zeitspanne reduzierten. Reisen ist nicht mehr unterwegs sein, Reisen ist an einem anderen Ort sein. Ich habe das nie verstanden, diese Pauschalmentalität. Ich will zu jeder Sekunde anhalten können, wenn ich etwas Schönes sehe, ich will heute nicht wissen, wo ich morgen bin, und ich glaube, dass diese Freiheit eine andere Literatur, ein anderes Blog, einen anderen Anspruch verdient als der Dreck der Agenturen.

Ich will Dinge sehen, die sonst keiner sieht. Das Kaputte, das Widerliche, das Gemeine im Schatten des Edlen, ich will es bunt und schwarzweiss, ich will es anders. Ich brauche keinen Baedeker, ich bin Kulturhistoriker, ich sehe selbst und finde allein und wenn ich mich verfahre, ist es auch egal. Ich komme aus einer engen, kleinen Stadt, hineingeboren in die dortige Oligarchie, ich will deshalb nicht verharren und dumm eingehen in den Mauern, ich will etwas sehen von der Welt, und ich will es erzählen. In Italien hätte ich jeden Tag 30.000 Zeichen schreiben können ohne anzuhalten, so voll ist es es mit Geschichten, wie aus einem Schwamm trieft es aus mir, 900 Bilder in 8 Tagen, und es waren immer noch zu wenige. All das, habe ich begriffen, braucht einen anderen Namen, unterwegs bin ich ein Anderer, auch die Mauern des Rebellmarktes sind mit zu eng, ich brauche Luft und Freiheit für die Grand Tour meiner Seele, jenseits der Kerker, der Zwänge und der Pflichten.

Die meisten gängigen URLs für das Reisen hat sich Nico Lumma gesichert, für das Malle und die Pauschalen, die All Inclusives und die Viecher auf den ausgetrampelten Wegen. Reise, Urlaub, blablabla. Es sind die Namen für Kleingeister, die sich selbst nie verlassen, was interessiert mich das Braten am Strand, ich will mehr, ich will die Grand Tour mit Kultur und Sportwagen, mir reichen 150 Liter Gepäckraum, ich ficke die Kombis mit ihrem gestapelten Müll im Heckfenster und den keifenden Blagen auf dem Rücksitz, wann sind wir denn endlich da, niemals, Du blöder Scheisser, es gibt kein da, es gibt nur das hier und jetzt und die nächste Kurve auf der Landstrasse, ich will den Wind und die Kurven, den Duft von Gummi und Zypressen, ich will das Blog, das genau das ausdrückt, was es werden soll.
Es kann nur einen Namen geben. Demnächst mehr davon.

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10 Regeln, wie man als Blogger einen Autotest übersteht
2. Sollte 1 nicht möglich sein, sorge dafür, dass die anderen Tester auf Deiner Wellenlinie sind.
3. Sollte 2. nicht möglich sein, sorge dafür, dass die Leute wenigstens ein bisschen Anstand haben und über ihr Tun nachdenken.
4. Sollte 3. auch nicht möglich sein, wird es riskant. Meide die Gesellschaft der anderen Tester.
5. Sollte 4. nicht gehen, sorge dafür, dass wenigstens keine Kamera in der Nähe ist.
6. Sollte 5. nicht gehen, entreisse der Knipserin die Kamera und trampel darauf rum, klaue die Datenkarte, oder sage ihr, dass Du keinesfalls photographiert werden willst.
7. Sollte 6. nicht gehen, vermeide es wenigstens, vor der Kamera zu posieren.
8. Wenn Du 7. ignorierst, mit Verlaub, bist Du
9. Haste auch vergessen? Ruf sie an und sage: Keine bescheuerten Kommentare bitte, durch die Du das Bib-Maskottchen Deines beschissenen, grottenhässlichen Testautos wirrest.
10. Du hast auch das nicht gemacht. Dann bist Du wohl der Blogger Ix von Wirres.net. Und Deine Mittesterin Pia lichtet Dich beim "meeting" der Tester in Köln ab, klatscht ein Bild von Dir bei Flickr rein, auf dem Du aussiehst wie ein verkohlter Bib (und Du wirst ja auch verkohlt, gerade eben), und sie textet dazu:
Opel und sein Ix ... Ix und sein Opel
11. Dann kann man nichts mehr machen. Kommt in den besten Werberkloaken vor. Geht auch ohne Koks, sowas. Witzig, hihi knipsi knipsi flickr flickr, wir wissen ja, wie schnell sowas gehen kann. Unser tolles Auto und wir. Wir Autoblogger. Ehrlich und authentisch, und viral wie die schwarze Pest Anno 1348, dem Opel sein Ix, da muss man erst mal drauf kommen. Oder halt, ein Rat zum Schluss: Ich hatte mal einen Jeep. Der gehört ja auch zu GM, zu denen auch Opel gehört. Damit war ich in der syrischen Wüste unterwegs, auf Prospektion. Wir hatten auch Syrer dabei. Der Jeep war ok, aber der Fahrer war besser. Der hatte einen guten Spruch parat: If lying in the snakes do not wonder when bite.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 25. Mai 2006
Geht so.

Trotzdem, in Italien war das alles besser. Grösser. Und es hat anders gerochen, nach Rosmarin, Zypressen, Palmen und Wasser eines grossen, tiefen Sees. Vielleicht wieder nächste Woche. Mitte Juni geht es mit dem Restaurieren weiter. Dann in meiner eigenen, grossen Wohnung.
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Deja vu bei Ayaan Hirsi Ali
Sowas ist hart zu begreifen, zumal, wenn es bei wie bei Ali so leicht ist mit der Enttarnung. Man versteht es vielleicht, wenn man das selber mal mitgemacht hat. Im Grunde glaube ich, dass sich gewisse Leute aus gewissen Gruppen instinktiv erkennen. Das klappt nicht immer, aber ich komme aus einer verschwindend kleinen Minderheit, und manchmal weiss ich einfach, dass das einer von uns ist. Umgekehrt weiss ich instinktiv, dass einige der Jüdisch-Tuer der deutschen Neoconblogs ganz sicher keine sind und sein können. Juden sind nicht SO. Don´t ask me, ich weiss es einfach. Und das komische Gefühl hat man auch oft bei Leuten, die sich eine jüdische Identität erfinden. Was im Prinzip das Dümmste ist, was man machen kann, denn Judentum ist weder cool noch lässig und hat auch keine Vorteile, es ist einfach eine verstaubte Religion mit sterbenslangweiligen Funktionsträgern.
Aber es gibt solche Leute. Bruno Grosjean war so ein Fall. Der hat sich eine komplette jüdische Biographie erfunden, als Buch geschrieben, das gut besprochen wurde, und ist am Ende schockierend leicht aufgeflogen. Ich habe eine Veranstaltung mit dem erlebt und dachte mir: Nä, ich kenne Überlebende, ich kenne "verlorene" Kinder, ich weiss wie die drauf sind, so ist keiner drauf. Da drückt keiner so auf die Tränendrüse. Wenn man was fragt, kriegt man was aufs Maul, dass man die Klappe hält. Auch als Lieblingsenkel. Man hört ein paar nette Lügen, aber was wirklich passiert ist, sagt einem keiner, zumindest nicht so wie der da vorne. So scharf, so überspitzt, so, als müsste er sich selbst überzeugen. Ich sass in dem Raum, hörte zu, das ganze Getue, die lauten Forderungen und das Marktschreierische seiner Folgerungen, und reagierte nur insofern, als ich beschloss, da nichts drüber zu machen. Ich kannte eine bescheuerte deutsche Tante, die meinte, mich aufstacheln zu müssen, mehr gegen die deutsche Regierung zu schreiben, da sei noch so viel Schuld... so war der da vorne auch. Ein, wie es genannt wird, Überidentifizierter.
Nun wissen wir also, dass Frau Ali für die Neocons der Fall Wilkomirski geworden ist. Aus dem Opfer der Islamisten wird eine junge Afrikanerin, die eine Niederländerin wird und dabei verschiedene Rollen ausprobiert hat - und dabei ihre eigene Geschichte frisiert hat. Das, kann man sagen, macht die Kunstfigur Don Alphonso mitunter auch, nur aus Gründen des Selbstschutzes und ohne ein Land politisch in einen Kulturkampf zu treiben. Etwas ähnliches gab es auch in Deutschland zu Zeiten des sog. "Vollmer-Erlasses", als die politische Mobber-Gang vom Spiegel und der Bildzeitung einfach Horden von Zwangsprostituierten und Kriminellen aus der Ukraine erfunden haben, die es erwiesenermassen nicht gegeben hat. Bezeichnenderweise sind Welt und Spiegel Online in der Person dann auch die Sprachrohre von Ali gewesen.
Es ist manchmal einfach so, dass eine Stimmung, eine Person, die sich profilieren will, ein Ereignis und willige Medien zusammenkommen. Ali ist da nicht schlechter oder anders als Wilkomirski oder andere falsche Propheten vom Wiedertäufer Jan Matthys bis, ich darf das sagen, Sektierer Jesus aus Nazareth. In den meisten Fällen sieht die Anhängerschaft dann ein, dass man einem Hoax aufgesessen ist und hat was dazugelernt. Irgendwann wird sich auch bei den Neoconnards die Auffassung durchsetzen, dass Frau Ali gerade rechtzeitig gen USA abdampft und ihr damit noch ein paar peinliche Recherchen erspart bleiben.
Es wird, das ist keine Frage, dann andere, vielleicht ehrlichere Zeuginnen geben. Die Frauenhäuser sind voll davon, auch wenn sich dort das Problem schnell zeigen würde, dass Gewalt gegen Frauen keine rein islamische Sache ist. Dass im rein katholischen Mexiko jedes Jahr 6000 Frauen bestialisch umgebracht werden und es der Polizei dort am Arsch vorbeigeht, kommt bei uns in den Medien kaum an. Trotzdem, man kann und wird Argumente gegen Frauenhass und Islamismus finden, und das völlig zu Recht. Nur mit dem Aufhetzen unter einer Vorzeigefrau wird es schwieriger.
Ich persönlich glaube, dass Frau Ali von dem Moment an, als sie mit dem später von einem Islamisten ermordeten van Gogh in Kontakt kam, gar keine ander Wahl mehr hatte, als sich ihre Vorzeigeidentität aufzubauen. Ich hielte, sollte es dazu kommen, eine Abschiebung oder den Entzug des Staatsbürgerschaftsrechts für grundfalsch wie bei jedem anderen Menschen, der eine Weile in einem anderen Land lebt und dort Teil der Gesellschaft ist - im Mittelalter war man nach einem Jahr Teil der Stadtbürger, das war historisch die richtige Entscheidung. Wie der Münchner Jungkriminelle Mehmet, der Strauss-Clan und die hessischen Spendensammler ist auch die Hetzerin Ali ein Produkt ihrer Gesellschaft, die man bitte auch dort verarbeiten möchte. Ich bin ausserdem der Meinung, dass sie auch dort bleiben soll, um die Niederländer und dort besonders ihre ehemaligen Freunde, die sie mit ihren Lügen ganz schön in die Scheisse geritten hat, dauerhaft zu beschämen. Andererseits ist es auch gut, wenn sie zu einem Neocon-Thinktank in den USA geht, denn da passt sie hin, falls die so blöd sind, sich mit ihr zu diskreditieren.
Was mich aber massiv ankotzt an dieser Person, ist der Umstand, dass es für sie immer noch Sonderrechte zu geben scheint. Sie hat nicht nur gelogen, sie hat auch politischen Schaden angerichtet, den wahrscheinlich zigtausende Muslime und besonders muslimische Frauen erdulden mussten: Ein aufgeheiztes Klima, Abschottung der Blöcke, Hass, Verachtung, verkürzte Sichtweisen. All die Deppen, die auf sie reingefallen sind - und ich nehme da auch ihre Zujubler von "meinem" WJC nicht aus - sollten sich was schämen. Und sich mal Gedanken um ihr Bild vom anderen machen. Um gegen eine Ideologie gegen den Islamismus vorzugehen, braucht man einen moralischen Ansatz, der nicht durch Personen wie Frau Ali und ihre Messiasfolgschaft, auch unter den deutschen Neoconnards, beschädigt wird. Es gibt bei diesem Spiel keine Gewinner - ausser vielleicht den Islamisten. Und, wenigstens zum Schluss, die Wahrheit. Was jeder aufgeklärte Mensch begrüssen sollte.
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Wie 1945 in Nürnberg, nur umgekehrt
Falls es jemand nicht mitbekommt: Gerade eben, glücklicherweise ohne vorhergehenden Weltkrieg und mitunter bedauerlicherweise ohne juristische Sanktionen, passiert etwas ähnliches in der Szene der Neoconnards, teilweise auch im internen FDP-Parteikonflikt, wobei manchen gar nicht klar ist, dass einige der bei Myblog untergekommenen Neonazis im realen Leben Parteifreunde sind. Man entlinkt sich gegenseitig, man stellt nach Jahren gegenseitiger Freundschaft höchst überrascht fest, dass der andere wohl doch ein Faible für Rassenhass, Verschwörungstheorien und politische Gewalt hat, und auch sonst einen etwas durchgeknallten Eindruck macht. Kurz, es bricht auf in die knallharten "konservativen" Fremdenhasser und Psychopathen und in die "liberalen" oder "libertären" Marktradikalinskies, die Elitezucht, Benachteiligung und institutionalisierte Ungleichheit nicht mehr als völkisches, sondern als globalisiertes Target begreifen. So endet das, was mit einem Besäufnis auf dem Nockerberg begann, als typische Rechtsaussen-Schmonzette voll enttäuschter Liebe.
They don´t make nazis as they used to - egal wo, irgendwann ballern sie sich gegenseitig ins Knie. Liegt daran, dass 45 nur die Nazis gute Chancen auf dem feld der Ehre hatten, die sich selbst ins Knie geschossen haben. seitdem ist das bei denen so eine Art genetischer Defekt. Glaube ich.
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Mittwoch, 24. Mai 2006
Italien Mitte Mai

Ich dagegen kann mich an dieser Leere nicht sattsehen, nicht genug meine Schritte in den engen Gassen hören, die sonst so voll sind mit schlecht angezogenem Plebs. Ich streife allein und schweigend durch den Ort, ich stehe über dem Parkplatz des örtlichen Coop im Zentrum und schaue hinter auf das Paar, dessen Hund nicht einsieht, jetzt mitzukommen. Sie versucht es mit Zureden, er hat sich solange hingesetzt und wartet. Sie haben viel Zeit. Es passiert nichts die nächsten 20 Minuten, sie bemerken mich nicht, aber diese träge, festgefrorene Zeit im Licht der Laternen hatte für mich etwas Magisches. Irgendwann steht der Hund dann auf, und sie gehen weiter.

Wenn man so allein durch die Strassen des verschlafenen Malcesines geht, nur leicht gestört durch die einzige 2-Mann-Live-Band, die Cucaracca spielt, worauf ein paar grauhaarige Touristinnen auf der Strasse vor dem Cafe wenig ansprechend tanzen, dann fallen einem so gewisse Dinge auf. Zwei Sachen sind merklich zurückgegangen. In den Fenstern ist nicht mehr so oft der blaue Schein der Glotzen wie in den 90er Jahren, als das Gebrüll aus der Kiste noch eine Metaebene des Stimmengewirrs auf der Strasse ausmachte. Und die Italiener scheinen das Telefonino, ihren Liebling der Jahrtausenwende, nicht mehr so wichtig zu nehmen, es wird weniger handyniert als in Deutschland. Es ist sehr ruhig, und es wird noch ruhiger, wenn man sich in die Lounge des Grand Hotels am See setzt, einen Tee bestellt und auf den See hinausblickt. Ich mag das, Italien im Mai.

Beim Click auf das Bild gibt es die ganze Serie mit 14 Bildern, denkt Euch selbst etwas dazu aus.
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Jetzt geht´s wieder
WEIL ICH MICH WEGEN DER BLOGBIESLERNESS SPACKOS NOCHMAL RICHTIG AUSGEKOTZT HABE
Sonst, das muss ich eingestehen, wäre bei diesem Treffen in einem angesehenen Hause meine unterschwellige Verärgung vielleicht spürbar gewesen, was in diesem Rahmen keinesfalls gepasst hätte.
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JAAAAA! Lasst uns aufs Grab der News Frankfurt....
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Schlachtgesänge an der Blogbar
How shall we extol thee, who are born of thee?
Let´s go fuck up some stinkin´ lousy PR rat;
Here´s soccer fan Andy, on Cokes death let´s bet.
He is in it for soccer and not for suckers. Und wenn ich mich mit Terrormarketing richtig auskenne, ist das eine Spitzenfigur, um Tagein Tagaus der Firma mit der braunen Brühe während der WM ans Bein zu pinkeln.
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Dienstag, 23. Mai 2006
Ich nannte ihn Peter

Für die Ziele, für die Vorstellungen von dem, was da kommen mag in diesem Job, sind die Begräbnisse von Beratern schockierend banal. Wenn sich abzeichnet, dass es mit einem Probleme gibt, wenn er nicht mehr die Leistung bringt oder sonstwie aus dem Laden ausschert, wenn er nicht mehr voll dahinter steht oder man ihm den Leader nicht mehr abnimmt, wenn er also innerlich als Berater schon tot ist, dann versucht man eben, ihn rechtzeitig rauszukegeln, Grow or Go ist die Devise. Wenn er draussen stirbt, ist alles paletti, dann ist es nur was für seine verbliebenen Freunde. Nichts von wegen Massenauflauf des Netzwerks, ein paar Versprengte nur, die so irgendwie gar nicht zu den Schulfreunden passen, die auch kommen, weil man in der Kleinstadt eben kommt. Auch wenn er ihnen entfremdet war, weil er keine Zeit mehr hatte und schon vorher mit seinen Träumen von der Kunstgeschichte aneckte.

Über die Stufen hinauf zur Kapelle kommt man an den Gesichtern der Verstorbenen vorbei, noch so eine italienisch-französische Eigenart, die in Deutschland nicht in Frage kommen würde. Da steckt man ein Holzkreuz rein, irgendwann kommt unten, wo noch Platz ist, der Name auf den familiären Grabstein. Für die ehemaligen Kollegen ist sowas eine Erleichterung, weil man, wenn man ehrlich war, beim letzten Absturz aus der Sphäre der Begünstigten auch schon weggeschaut hat, oder versuchte, die Position zu sichern. Mit den Photos aus der Zeit hat es sowieso eine seltsame Bewandtnis. Alle lächeln freundlich, fast wie bei den archaischen Staaten des Tempels von Cap Sunion, wo auch die Gefallenen und Sterbenden dieses Lächeln tragen. Eine andere Regung, ein echtes Lachen gab es nicht, zumindest nicht auf den Bildern, nur in der Erinnerung.

Für die, die aus der grossen Stadt kommen, ist sowas immer ein Einschnitt. Gestorben wird in der Munich Area, man ist zum Begräbnis aber oft drei, vier Stunden unterwegs, und kann nachdenken, warum es ihn erwischt hat und nicht einen selber. Wenn es nicht das erste Mal ist, oder kurz nacheinander passiert, wird das fest gefügte Leben schnell eine flüssige Masse, die einen zu ersticken droht, selbst wenn es keine engen Freunde waren. Warum warum warum, aber vielleicht ist es ja bald soweit, vielleicht waren sie nur die early birds, der Beginn eines Trends, und wenn man sich zwei Wochen später schon wieder zu so einem Anlass trifft, ist die Frage eher: Wer ist der nächste?

Hinter der Kapelle sind die Gräber der Alpini aus dem ersten Weltkrieg. Die Front war nicht weit weg, hier waren die Lazarette, hier sind sie gestorben wie die Fliegen, ohne Kugel, Kälte oder Bajonettstich. Dass jemand mal draufgeht in einer Nacht, wegen einer Überdosis und dem falschen Zeug, ist irgendwo nachvollziehbar, wenn der Stress alles aus ihnen rausgesaugt hat und etwas am Kippen war. Dann macht man eben Fehler in der Bilanz, in der Berechnung oder in der Dosis. Vielleicht ist es auch ein Selbstmord, aber wenn, dann ist er irgendwo zwischen Vorsatz, Existenzangst und Nachlässigkeit festgefroren, ich kenne jedenfalls keinen, der einen Abschiedsbrief hinterlassen hätte. Auch nicht, wenn alles schon vorbei war und sie sich neu hätten orientieren können. Eine Chance gibt es immer, aber im Krieg tötet der Fatalismus und die Selbstaufgabe mehr Menschen als Kugeln. Sagt man.

Dass es so weit weg ist, hat andererseits den Vorteil, dass man vergessen kann. Man muss nicht jedesmal am Nordfriedhof vorbei, was ja keine schlechte Erinnerung ist, hier verschimmelt schliesslich die Drecksau, die einen Teil der Schuld hat, und die anderen Schweine werden es auch nicht mehr lange machen, so wie sie jetzt schon vegetieren. Es ist eine Gnade, diese Zeit manchmal vergessen zu dürfen, es wegschieben zu können, wenn die Erinnerung verblasst, besonders, wenn man gut schläft und lebt, dann wird es weniger, vielleicht ist es irgendwann ganz vorbei, es gibt nichts, was nicht versucht wurde, schreiben, reden, ablenken, rekapitulieren, bis die Erinnerung ausfranst.

Aber immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet, in ganz anderem Zusammenhang und ohne Anlass, ist es wieder da, es beisst sich in das Bewusstsein, als wäre es gestern gewesen, als würde man nie geschlafen haben nach dem elenden Warten auf dem Gang, bis das Ende am Morgen kommt. Es wäre vielleicht einfacher, wenn man wüsste, dass er das eine Mal, das er beim Sterben hatte, es zumindest diesmal hierher geschafft hätte, unter die Zypressen am See und den Blick hinaus in den weissen, hellen Dunst.

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900 Tage Rebellen ohne Markt
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Innenhöfe

Ein paar kleine Impressionen vom Palazzo Ducale in Mantua über Klöster bishin zu Privatgärten und Details. Beim Click auf das Bild.
what the fuck am I doing here?
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Lesereise - nicht nach Italien, aber Hannover.
Ups. Genau sowas darf mir dann nicht passieren, am Samstag, den 27. Mai, im schönen Hannover - es wurde mir zumindest gesagt, dass es in dieser Ecke sehr schön sein soll, das ist nämlich

um 19.00 Uhr
Im Kargah
Zur Bettfedernfabrik 1
30451 Hannover
Im Kargah, hiess es ausserdem, gibt es ganz vorzügliche orientalische Speisen, was der Sache einen runden Ausgang geben wird. Also, ihr Lieben aus dem flachen, berglosen Niedersachsen, wo er dergleichen noch nicht gab: Rücket an und lauscht unseren Worten. Wir freuen uns auf Euch. Und bedanken uns bei Sven K. für den wunderbaren Flyer.
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