... newer stories
Freitag, 22. August 2008
Die Fortschreibung der Geschichte
Mal ganz ohne Zynismus: Gestern war ich bei Dallmayr.
Ich halte hier kurz ein, denn nun werde ich etwas schreiben, was vielleicht härter klingt, als es gemeint ist, aber:
An der Schokoladentheke waren neben vielen Asiatinnen zwei Frauen, die gerade bedient wurden. Eine alte, schwerhörige Dame in rosabeigegrauem Kostüm, schlank und mit gewähltem Ausdruck, die genau wusste, was sie wollte, und der sie bedienenden Verkäuferin das Gefühl zu vermitteln wusste, dass ihr "Danke" ehrlich gemeint war. Und eine Frau Mitte 30, ungefähr doppelt so schwer, mausgraublond, grünes T-Shirt und mit einer Stimme wie die junge Angela Merkel, wenn sie gerade eine Abfuhr bekommen hat. Eine Frau, die die Verkäuferin quälend lang herumscheuchte und mit ihrem unhöflichen Benehmen hier nicht reinpasste. Ich weiss, es klingt nicht freundlich, jemandem aus Ostdeutschland ohne Manieren das anzuhängen, das "nicht reinpassen", es ist ein freies Land und jeder, der Geld hat, darf bei Dallmayr Pralinen kaufen, und ich schreibe es hier auch nur, weil sie mit ihrer selbst gestalteten "Ich zahle und schaffe an"-Attitüde nachdrücklich an den Tag legte, dass es ihr vollkommen egal war, was irgendjemand von ihr dachte.

Das hier ist der sogenannte Malerwinkel. In Rottach-Egern. Wer das hier länger liest, weiss, dass ich an Rottach nicht gerade mein Herz verloren habe; es ist so eine Art überteuertes und verunstaltetes St. Tropez des Tegernsees. Auch hier kann jeder kommen und bleiben, es ist keine Gated Community, auch wenn reduzierte Poldi-Habsburg-Janker (die heissen wirklich so) über 600 Euro kosten und ein banaler Zwetschgendatschi für 3 Euro das Stück verkauft (!) wird. Und obwohl ich Rottach nicht mag, ist es die Übersteigerung einer Sicherheit, die ich hier empfinde: Die Sicherheit, dass der alte Westen nicht tot ist und die Veränderungen durch den neuen Osten, das Ende des eisernen Vorhangs und der Entsozialstaatlichung der Globalisierung nicht überall durchgeschlagen haben. Rottach könnte Wirtschaftswunderdeutschland sein, oder auch das, was daraus 2008 geworden wäre, hätte es nicht die fundamentalen Änderungen der letzten zwei Jahrzehnte gegeben. In Rottach wirbt man im ersten Hotel noch mit dem Autogramm von Roberto Blanco, und Peter Alexander würde sicher noch die Sitzreihen vor dem Musikpavillon füllen. Rottach könnte als Freilichtzoo für eine Zukunft herhalten, die nie kam. Ich mag Rottach nicht, aber ich wohne nicht weit davon, ich kann hinfahren, mich darüber aufregen, und trotz allem wissen: Selbst dieser konsequent zu Ende gedachte und in unsere Zeit entwickelte Alte Westen mit all seinen Auswüchsen ist mit immer noch lieber als die Zukunft des Landes, die früher oder später die Provinz, München oder gar Holzkirchen erreichen wird.
Rottach ist fies, weil das Leben in einem konservierten Westen mit seinen türkisblauen Elektrobooten und E-Type-Aufläufen sich aus der Ungleichheit speist, die andernorts Arbeitslosigkeit und Hartz IV bedeuten. Die Gründerin von 9live wurde mehrfach gesehen, ohne dass jemand ordinär auf sie eingeschrien hätte, jetzt für eine Wanne voll Geld anzurufen. Der Zoo lebt von Renditen, die andere generieren, nur das erlaubt die Schlangenlederschuhe der Modegeschäftsbesitzer, ihre goldenen Reversos und die Cartiers für 8.990 im Kundenauftrag. Ich würde diese Form der Wohlstandsverwahllosung nicht wählen, aber das Kommende wird auch mir kaum eine Wahl lassen, und es erscheint mir besser, im Zweifelsfalle hier angespült zu werden als in der asozialen Zukunft, in der eine pdeudolinke Propaganda eine Mischung aus Staatsbescheissen und Auflösung von festen Arbeitsverhältnissen die wohlfeilen Strichjungen für neoliberale Abzocker bereitstellt, für die Zukunft der Bailouts und der ultrakurzen Inhalte ohne Hintergründe, die Zukunft, die man nicht mehr gestaltet, aber bechattet und verlinkt, ohne sie vorher genau gelesen zu haben.

Manchmal beschleicht auch mich trotz aller Erfahrung im Osten und den Niedergangsgebieten im Westen der Gedanke, dass es nur umkehrbar sein kann, wenn man persönlich den Ausgleich lebt, aber dann erinere ich mich an die von Nazis bespielte Fabrikruine in Neustadt/Orla, an die trostlosen Einkaufsmeilen in meiner Heimat und an die Inhalte der Glotze, die ich fast nur aus Erzählungen kenne, an Einrichtungskataloge mit Prozentbapperln, an die gelackten Neumünchner Jungsöders mit ihren Handyevents und die bildungsfernen Anjatanjas mit Osthintergrund und Karrierecoachkarriere, an diese Melange aus wirtschaftlicher Freiheit und geistigem Sklaventum. Die Prozesse, die uns dieses abgelöste Fleckchen Rottach und die abgelöste Bundesrepublik beschert haben, sind irreversibel, und die Keife bei Dallmayr ist da noch das allerkleinste Problem, zumal, wenn sie endlich, ohne einen schönen Tag zu wünschen, endlich still ihrer Wege geht, die die meinen nicht mehr kreuzen.
Ich halte hier kurz ein, denn nun werde ich etwas schreiben, was vielleicht härter klingt, als es gemeint ist, aber:
An der Schokoladentheke waren neben vielen Asiatinnen zwei Frauen, die gerade bedient wurden. Eine alte, schwerhörige Dame in rosabeigegrauem Kostüm, schlank und mit gewähltem Ausdruck, die genau wusste, was sie wollte, und der sie bedienenden Verkäuferin das Gefühl zu vermitteln wusste, dass ihr "Danke" ehrlich gemeint war. Und eine Frau Mitte 30, ungefähr doppelt so schwer, mausgraublond, grünes T-Shirt und mit einer Stimme wie die junge Angela Merkel, wenn sie gerade eine Abfuhr bekommen hat. Eine Frau, die die Verkäuferin quälend lang herumscheuchte und mit ihrem unhöflichen Benehmen hier nicht reinpasste. Ich weiss, es klingt nicht freundlich, jemandem aus Ostdeutschland ohne Manieren das anzuhängen, das "nicht reinpassen", es ist ein freies Land und jeder, der Geld hat, darf bei Dallmayr Pralinen kaufen, und ich schreibe es hier auch nur, weil sie mit ihrer selbst gestalteten "Ich zahle und schaffe an"-Attitüde nachdrücklich an den Tag legte, dass es ihr vollkommen egal war, was irgendjemand von ihr dachte.

Das hier ist der sogenannte Malerwinkel. In Rottach-Egern. Wer das hier länger liest, weiss, dass ich an Rottach nicht gerade mein Herz verloren habe; es ist so eine Art überteuertes und verunstaltetes St. Tropez des Tegernsees. Auch hier kann jeder kommen und bleiben, es ist keine Gated Community, auch wenn reduzierte Poldi-Habsburg-Janker (die heissen wirklich so) über 600 Euro kosten und ein banaler Zwetschgendatschi für 3 Euro das Stück verkauft (!) wird. Und obwohl ich Rottach nicht mag, ist es die Übersteigerung einer Sicherheit, die ich hier empfinde: Die Sicherheit, dass der alte Westen nicht tot ist und die Veränderungen durch den neuen Osten, das Ende des eisernen Vorhangs und der Entsozialstaatlichung der Globalisierung nicht überall durchgeschlagen haben. Rottach könnte Wirtschaftswunderdeutschland sein, oder auch das, was daraus 2008 geworden wäre, hätte es nicht die fundamentalen Änderungen der letzten zwei Jahrzehnte gegeben. In Rottach wirbt man im ersten Hotel noch mit dem Autogramm von Roberto Blanco, und Peter Alexander würde sicher noch die Sitzreihen vor dem Musikpavillon füllen. Rottach könnte als Freilichtzoo für eine Zukunft herhalten, die nie kam. Ich mag Rottach nicht, aber ich wohne nicht weit davon, ich kann hinfahren, mich darüber aufregen, und trotz allem wissen: Selbst dieser konsequent zu Ende gedachte und in unsere Zeit entwickelte Alte Westen mit all seinen Auswüchsen ist mit immer noch lieber als die Zukunft des Landes, die früher oder später die Provinz, München oder gar Holzkirchen erreichen wird.
Rottach ist fies, weil das Leben in einem konservierten Westen mit seinen türkisblauen Elektrobooten und E-Type-Aufläufen sich aus der Ungleichheit speist, die andernorts Arbeitslosigkeit und Hartz IV bedeuten. Die Gründerin von 9live wurde mehrfach gesehen, ohne dass jemand ordinär auf sie eingeschrien hätte, jetzt für eine Wanne voll Geld anzurufen. Der Zoo lebt von Renditen, die andere generieren, nur das erlaubt die Schlangenlederschuhe der Modegeschäftsbesitzer, ihre goldenen Reversos und die Cartiers für 8.990 im Kundenauftrag. Ich würde diese Form der Wohlstandsverwahllosung nicht wählen, aber das Kommende wird auch mir kaum eine Wahl lassen, und es erscheint mir besser, im Zweifelsfalle hier angespült zu werden als in der asozialen Zukunft, in der eine pdeudolinke Propaganda eine Mischung aus Staatsbescheissen und Auflösung von festen Arbeitsverhältnissen die wohlfeilen Strichjungen für neoliberale Abzocker bereitstellt, für die Zukunft der Bailouts und der ultrakurzen Inhalte ohne Hintergründe, die Zukunft, die man nicht mehr gestaltet, aber bechattet und verlinkt, ohne sie vorher genau gelesen zu haben.

Manchmal beschleicht auch mich trotz aller Erfahrung im Osten und den Niedergangsgebieten im Westen der Gedanke, dass es nur umkehrbar sein kann, wenn man persönlich den Ausgleich lebt, aber dann erinere ich mich an die von Nazis bespielte Fabrikruine in Neustadt/Orla, an die trostlosen Einkaufsmeilen in meiner Heimat und an die Inhalte der Glotze, die ich fast nur aus Erzählungen kenne, an Einrichtungskataloge mit Prozentbapperln, an die gelackten Neumünchner Jungsöders mit ihren Handyevents und die bildungsfernen Anjatanjas mit Osthintergrund und Karrierecoachkarriere, an diese Melange aus wirtschaftlicher Freiheit und geistigem Sklaventum. Die Prozesse, die uns dieses abgelöste Fleckchen Rottach und die abgelöste Bundesrepublik beschert haben, sind irreversibel, und die Keife bei Dallmayr ist da noch das allerkleinste Problem, zumal, wenn sie endlich, ohne einen schönen Tag zu wünschen, endlich still ihrer Wege geht, die die meinen nicht mehr kreuzen.
donalphons, 01:37h
... link (15 Kommentare) ... comment
Gleiches Lied, andere Besetzung
Heute mit Rosinenzopf als zuckerschwerer Basso Continuo unter den sanft gestrichenen Brezensemmeln.

Das Üble an der Krise ist, dass sie sich nicht nicht wie eine Krise anfühlt. Es dauert immer etwas, bis Krisen unten ankommen. Wenn sie dann mal unten angekommen sind, kann man oben schon nichts mehr daran ändern. Und die Schuldigen davonkommen lassen. IKB, um nur mal einen Fall anzusprechen. WestLB. BayernLB, und so weiter. Jemand wird das alles bezahlen, und die Frage ist nur, wer wieviel zahlt, und ob es dann noch für den Rosinenzopf reicht.

Das Üble an der Krise ist, dass sie sich nicht nicht wie eine Krise anfühlt. Es dauert immer etwas, bis Krisen unten ankommen. Wenn sie dann mal unten angekommen sind, kann man oben schon nichts mehr daran ändern. Und die Schuldigen davonkommen lassen. IKB, um nur mal einen Fall anzusprechen. WestLB. BayernLB, und so weiter. Jemand wird das alles bezahlen, und die Frage ist nur, wer wieviel zahlt, und ob es dann noch für den Rosinenzopf reicht.
donalphons, 15:32h
... link (3 Kommentare) ... comment
Empfehlung heute - Lehman nach Asien verschleudern
Ich melde mich so gut wie nie irgendwo an. Ich habe keine Lust, bei irgendwas Mitglied zu sein, Ziel für Werbung zu werden oder Teil einer Gemeinschaft von Klickinkontinenten. Heute Nacht habe ich mich seit langer Zeit wieder bei einer Website angemeldet, und zwar bei der Financial Times - wegen dieses Berichts. Der besagt nicht weniger, als dass sich die Investmentbank Lehman Anfangs dieses Monats zur Hälfte an einen südkoreanischen oder chinesischen Staatsfonds verkaufen wollte. Beiden Fonds war der Kaufpreis - 50% über dem Buchwert - dann doch zu hoch. Und so muss Lehman weiter suchen, und man kann abwarten, wann der Buchwert nach immer neuen Abschreibungen Null erreicht - ich würde meinen, dass Lehman nach diesen Verzweiflungstaten spätestens bis Ende September etwas ganz Unschönes zustösst.

Wie man oben sieht, habe ich übrigens den Header gegen ein Bild ausgetauscht, das jemandem beim Verwalten seiner Edelmetallbesitztümer zeigt. Und nachdem Lehman auf dem Schmerzensweg nur vorankriecht, ist es gar nicht so dumm, sich an Beständigeres als an Bankaktien zu halten. Es muss sehr, sehr schlimm sein, wenn sich eine Firma wie Lehman zum asiatischen Sklaven macht. Schlimmer, als irgendjemand in den Banken bislang zuzugeben bereit ist.

Wie man oben sieht, habe ich übrigens den Header gegen ein Bild ausgetauscht, das jemandem beim Verwalten seiner Edelmetallbesitztümer zeigt. Und nachdem Lehman auf dem Schmerzensweg nur vorankriecht, ist es gar nicht so dumm, sich an Beständigeres als an Bankaktien zu halten. Es muss sehr, sehr schlimm sein, wenn sich eine Firma wie Lehman zum asiatischen Sklaven macht. Schlimmer, als irgendjemand in den Banken bislang zuzugeben bereit ist.
donalphons, 04:13h
... link (3 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 21. August 2008
Mit dem Tod auf Du und Du.
Ich habe viele Tote gesehen. Das brachte mein Studium so mit sich, ich habe auf einem Gräberfeld gearbeitet, und in der Regel machte man ein Grab, eine Leiche, ein vergangenes Leben pro Tag. Eine exakte Zeichnung der Lage, Fundnumerierung, Bilder, Grabungstagebuch, Bloggen für Archäologen, und am Abend räumte ich die sterblichen Überreste in einen blauen, reissfesten Müllsack und trug ihn über das Gräberfeld zu einer Holzkiste, wo sie auf den Abtransport zum Medizinmann warteten. Es gehört dazu, ich hatte kein Problem damit, ich konnte gut schlafen, und als einmal der Kleinbagger beim Abziehen knirschend einen Schädel spaltete, der in der Verfüllung des Raubschachts verblieben wär, ging ich eben hin und sortierte die Bruchstücke für die Dokumentation. Zwischendrin gab es Essen, nachher ein wenig Schwimmen im nahen See, man lebt damit und an den Geruch, den so ein Grab verströmt, mit seiner feuchten Erde, dem verrottenden Metall und den austrocknenden Knochen gewöhnt man sich schnell, so schnell, dass man ihn vergisst, sobald das frische Brot aufgeschnitten ist.
Es ist nicht besonders respektvoll, was man da tut, es geht um Wissenschaft, und die hat nun mal keinen Respekt, man tut, was man tun muss, bevor die Bagger für ein neues Baugebiet kommen. Hat ein Adliger eine Spatha dabei und einen Schildbuckel, ist es mehr Arbeit, bei Kindergräbern sind nur selten viele Knochen erhalten, das macht den Unterschied, egal welche Gelegenheit deren Leben beendete. Die Auswertung ist die Sache eines armen Doktoranden, den es dereinst erwischen wird, und der dann hoffen muss, dass die Numerierung der blauen Säcke noch lesbar ist.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich so einen blauen Sack für mich bevorzugen würde, mit einer Nummer und den Grabbeigaben in einer anderen Obstkiste. Was ich eher unerfreulich finden würde, ist die Verbringung als noch nicht vergangenes Kadaver in eine wertvolle Kiste, die angebetet und verehrt wird für etwas, das mit mir nichts zu tun hat, angefleht wird um Blagen, Essen, den richtigen Hieb auf den Türkenschädel, und dann, nach dem Rückzug des Glaubens, irgendwo als Kostbarkeit japanische Mädchen erbleichen zu lassen, weil meine verdorrten Beine unter all den Perlen und Seidenstoffen heute nur noch von der Endlichkeit künden, dumm, banal und nur deshalb nicht überflüssig, weil es unerträglich wäre, all die Arschkrampen da draussen mehr als ein Jahrhundert das Antlitz der Erde verschmutzen lassen zu müssen. Natürlich ist es in einem Palast schöner, aber davon hat man später auch nichts. Sterben ist ok, vergehen ist in Ordnung, es gibt sicher nicht zu wenig Leben auf dieser Erde, das Davor ist alles, was zählt, und wenn dann einer kommt und das alles, was bleibt, sorgfältig aufnimmt, um darüber keine Dummheiten zu verbreiten, und danach auch noch gut schlafen kann, dann ist das schon sehr, sehr viel.
Es ist nicht besonders respektvoll, was man da tut, es geht um Wissenschaft, und die hat nun mal keinen Respekt, man tut, was man tun muss, bevor die Bagger für ein neues Baugebiet kommen. Hat ein Adliger eine Spatha dabei und einen Schildbuckel, ist es mehr Arbeit, bei Kindergräbern sind nur selten viele Knochen erhalten, das macht den Unterschied, egal welche Gelegenheit deren Leben beendete. Die Auswertung ist die Sache eines armen Doktoranden, den es dereinst erwischen wird, und der dann hoffen muss, dass die Numerierung der blauen Säcke noch lesbar ist.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich so einen blauen Sack für mich bevorzugen würde, mit einer Nummer und den Grabbeigaben in einer anderen Obstkiste. Was ich eher unerfreulich finden würde, ist die Verbringung als noch nicht vergangenes Kadaver in eine wertvolle Kiste, die angebetet und verehrt wird für etwas, das mit mir nichts zu tun hat, angefleht wird um Blagen, Essen, den richtigen Hieb auf den Türkenschädel, und dann, nach dem Rückzug des Glaubens, irgendwo als Kostbarkeit japanische Mädchen erbleichen zu lassen, weil meine verdorrten Beine unter all den Perlen und Seidenstoffen heute nur noch von der Endlichkeit künden, dumm, banal und nur deshalb nicht überflüssig, weil es unerträglich wäre, all die Arschkrampen da draussen mehr als ein Jahrhundert das Antlitz der Erde verschmutzen lassen zu müssen. Natürlich ist es in einem Palast schöner, aber davon hat man später auch nichts. Sterben ist ok, vergehen ist in Ordnung, es gibt sicher nicht zu wenig Leben auf dieser Erde, das Davor ist alles, was zählt, und wenn dann einer kommt und das alles, was bleibt, sorgfältig aufnimmt, um darüber keine Dummheiten zu verbreiten, und danach auch noch gut schlafen kann, dann ist das schon sehr, sehr viel.
donalphons, 00:09h
... link (24 Kommentare) ... comment
Über das Lächeln
Hier lächeln alle. Als ob sie eine Sammlung archaischer Figuren von einem Tempelfries wären, die bekanntlich auch noch lächeln, wenn sie von Pfeilen durchbohrt dekorativ in den Ecken niedersinken. Hier jedoch sinkt niemand, statt dessen brabbelt ein MG B vorbei, mit einem dickeren, älteren, wirklich sehr dick grinsenden Ehepaar auf den Ledersitzen, die weiter vorne anhalten und mit anderen Gästen ratschen, bevor sie den Wagen abstellen.

Es lächeln die Hunde und der Bauer, wenn er an seinen übervollen Apfelbäumen vorbeigeht. Es lächeln die Konditoren, wenn die Tür aufgeht und die fetten Weiber ankommen, es lächeln die Bauern, deren Kühe man streichelt und die Mädchen im Glanz des Sees, man lächelt sich auf den Bergen an, wenn man sich grüsst, und wer einen Grund zum lächeln braucht, muss sich nur umschauen.

Und wenn man es vor dem Sturm nach Hause schafft, kann man auch über die Naturgewalten lächeln. Manchmal denke ich, die CSU wird hier nur gewählt, damit man ab und an auch die Gesichtsmuskeln entspannen und etwas anderes als lächeln kann.

Es lächeln die Hunde und der Bauer, wenn er an seinen übervollen Apfelbäumen vorbeigeht. Es lächeln die Konditoren, wenn die Tür aufgeht und die fetten Weiber ankommen, es lächeln die Bauern, deren Kühe man streichelt und die Mädchen im Glanz des Sees, man lächelt sich auf den Bergen an, wenn man sich grüsst, und wer einen Grund zum lächeln braucht, muss sich nur umschauen.

Und wenn man es vor dem Sturm nach Hause schafft, kann man auch über die Naturgewalten lächeln. Manchmal denke ich, die CSU wird hier nur gewählt, damit man ab und an auch die Gesichtsmuskeln entspannen und etwas anderes als lächeln kann.
donalphons, 13:55h
... link (4 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 20. August 2008
Empfehlung heute - Über kurz oder lang, nah oder fern
Ich mag das hier, auch weil es ein Problem in einer Form treffend zusammenfasst, die diejenigen, die eine ähnliche Form zu beherrschen glauben, absolut nicht vertragen. Ich denke, wenn die Form extrem kurz ist, muss der Gedanke wirklich gross sein; "Wer, wenn nicht wir, wann, wenn nicht jetzt" etwa hat die nötige Tiefe und Bedeutung; wer es spricht, braucht eine gewisse Grösse und mehr als seinen klatschenden oder auch genervten Kegelclub.

Obwohl, natürlich kann es auch ganz anders sein. Fernsehen darf schliesslich auch 9live sein, Zeitung Bild und wer partout meint, sich ohne Schutz weitreichender Formulierungen und sprachlicher Arabesken, möchten sie auch noch so grob gearbeitet sein, der eigenen Nichtigkeit öffentlich versichern zu müssen - hey, das ist ein freies Land, es gibt wahrhaft Schlimmeres, nur wundere man sich bitte nicht, wenn hingeschluderte Wortbrocken jenseits der Folgergruppe nicht so gut ankommen wie durchkomponierte Erzählungen oder kluge Analysen.

Was natürlich bei Wortbrocken möglich ist: Das Deuten, das Überdeuten, das Hineinlesen. Amüsanterweise gibt es da eine Ähnlichkeit zu gern verhöhnten Literaturkritikern, die in ähnlich kurze Sätze Leipziger Literaturinstitutsprodukte so etwas wie Tiefe und Erkenntnis hineinlesen wollen; nicht wirklich unter Akzeptanz des Publikums, das dergleichen nach ein paar Monaten auf den Ramsch wandern lässt. Man kann es auch als Subkultur titulieren, als authentisch und anderes, was draussen vielleicht gut ankommt.

Oder auch nicht. Es ist auch nicht wichtig, und hätte sich heute nach dem grandiosen, in der Sonne beginnenden und von Wolken umtosten Aufstieg zum Neureuth nicht ein schweres Unwetter entladen, gäbe es auch diesen Beitrag nicht, von dessen Thema ich hoffe, dass die Bilder ein wenig die Diskrepanz aufzeigen zwischen dem, was ist, und dem, was Leute tun, wenn sie, ach, was interessiert es mich, warum, sollen sie, bitte.



donalphons, 01:11h
... link (8 Kommentare) ... comment
Real Life irgentwaster.8.08 - Vorne, hinten, oben.
Vorne der See, die begrenzenden Berge und Hügel, darüber das grenzenlose Firmament und die Sonne; Wolken kommen erst ein paar Stunden später zum definitiven Sonnenuntergang; auch sie dünn und andeutungsweise wie eine Kurzgeschichte der Leipziger Literathurenschule, nicht störend und belanglos. Enten und Blässhuhner haben dich umzingelt, watscheln über das saftige Gras entlang der Ränder der Decken, picken im Boden und ignorieren dich weitgehend, als wären sie das Fäuleton des Delmenhortner Wochenblattes. Es ist warm, sehr warm, heiss eigentlich, und die Badehose stellt das perfekte Kleidungsstück dar. Es ist der Sommer, von dem man als Kind nie glaubt, dass er zu Ende gehen wird, mit all seinen Vergnügungen und Freuden, der Sommer im Wasser, im Spiel, im sicheren Leben.

Oder auch nicht. Sicher ist es durchaus bei so einem Papa wie der, der den Weg entlanggeht, in der üblichen Sommertracht der Besserverdienenden: Weisse Hose, gestreiftes Hemd, hellbeiger Pullover um die Schultern, weisse, vom Sand des Weges leicht staubige Schuhe, die sicher bald geputzt werden. Einer, der sicher nur das Beste will für sein Kind, dass sie mit vier bereits schreiben konnte, mit sechs englisch chattete und mit 22 fit für den globalen Markt ist, perfekt gestylt für den jeweiligen Auftritt. Jetzt ist sie vielleicht acht Jahre, schlank und blond hängt sie an seiner Hand, die orangen Flipflops sprechen für ihre Kindheit, aber das blauweissrote Dirndl, in das sie hier genötigt wurde, erzählt eine ganz andere Geschichte: Von einer Jugend als Teil einer Lebensplanung. Du kennst das, als du 10 Jahre alt warst, bedrängt Frau W. deine Mutter, dich fit zu machen für das Medizinstudium, und hätte dein Vater nicht andere Pläne mit dir gehabt, die zu leben dir auch nicht eingefallen wäre, dann wäre es alles ganz anders gekommen, und du würdest nicht hier liegen, die Sonne vor und den Edukationsabgrund hinter dir, und dich fragen, ob es eigentlich immer so sein muss.
Und ob es nicht trotzdem besser, sehr viel besser ist, als andernorts in anderen Schichten aufzuwachsen, denen man nur selten entkommt und die einen im Verharren prädestinieren, was gut, gerecht oder auch nur akzeptabel sein soll, in Systemen erzogen zu werden, die Wege verbauen und längst keine Anstrengung mehr unternehmen, das zu ändern, und damit freie Bahn lassen für die anderen, die schon oben sind und dafür Sorge tragen, dass sich an dieser Struktur auch nichts ändert. Beide Teile sind vermutlich notwendig, die Zukunft des Landes und der Fortbestand des Goldenen Zeitalters braucht besserverdienende Eliten und Deppen, die sich ungestört sozialabbauen lassen, und du würdest keinem wünschen, zum unteren Teil dieser ungleichen Rechnung mit unvermittelbarem Sozialrest zu gehören. Besser also, bei so einem Wetter ein Dirndl tragen zu müssen und nicht barfuss laufen zu dürfen, wenn Papa denkt, die Steine könnten Hornhaut auf die Füsse machen und einen zwingt, wieder die orangen Flipflops anzuziehen, die der einzige Stilbruch der besseren Idylle in der besten Lage sind, neben den Gedanken derer, die Entwicklungen sehen, aber auch keine Lösung haben. Es wird so sein, mit dem Auseinanderdriften werden die Abstossungseffekte grösser, die einen wollen nie fallen und die anderen werden wissen, dass sie es nie schaffen, und der Staat hat gelernt, das alles zu umklammern.

Über dir ist immer noch das ungerührte Blau des Himmels, der zu gross ist, als dass er sich mit diesen kleinen Fragen in diesem kleinen Land auseinandersetzen müsste, ein wenig blauer allerdings als anderswo, ein teures, exklusives Blau und dennoch ist es nicht voll am See, nicht jeder kommt hier einfach her, es ist eine Welt für sich und sowas wie die bessere Ecke der Zukuft, deren Teil deine Nachfahren zwecks Ausbleiben nicht sein werden, es geht dich nichts an, also nimmst du das Buch aus dem Korb und liest Pavese, während das Mädchen im Dirndl vielleicht schon wieder für das nächste Schuljahr büffelt, in einem hübschen Haus in dieser schönen Region am See. Irgendwann werden sich hier wieder Gletscher erstrecken und die Eisflut alles Gewesene wegräumen, in 30, 40.000 Jahren, es ist alles nicht so schlimm, der Moment zählt und vielleicht wird alles auch ganz anders.

Oder auch nicht. Sicher ist es durchaus bei so einem Papa wie der, der den Weg entlanggeht, in der üblichen Sommertracht der Besserverdienenden: Weisse Hose, gestreiftes Hemd, hellbeiger Pullover um die Schultern, weisse, vom Sand des Weges leicht staubige Schuhe, die sicher bald geputzt werden. Einer, der sicher nur das Beste will für sein Kind, dass sie mit vier bereits schreiben konnte, mit sechs englisch chattete und mit 22 fit für den globalen Markt ist, perfekt gestylt für den jeweiligen Auftritt. Jetzt ist sie vielleicht acht Jahre, schlank und blond hängt sie an seiner Hand, die orangen Flipflops sprechen für ihre Kindheit, aber das blauweissrote Dirndl, in das sie hier genötigt wurde, erzählt eine ganz andere Geschichte: Von einer Jugend als Teil einer Lebensplanung. Du kennst das, als du 10 Jahre alt warst, bedrängt Frau W. deine Mutter, dich fit zu machen für das Medizinstudium, und hätte dein Vater nicht andere Pläne mit dir gehabt, die zu leben dir auch nicht eingefallen wäre, dann wäre es alles ganz anders gekommen, und du würdest nicht hier liegen, die Sonne vor und den Edukationsabgrund hinter dir, und dich fragen, ob es eigentlich immer so sein muss.
Und ob es nicht trotzdem besser, sehr viel besser ist, als andernorts in anderen Schichten aufzuwachsen, denen man nur selten entkommt und die einen im Verharren prädestinieren, was gut, gerecht oder auch nur akzeptabel sein soll, in Systemen erzogen zu werden, die Wege verbauen und längst keine Anstrengung mehr unternehmen, das zu ändern, und damit freie Bahn lassen für die anderen, die schon oben sind und dafür Sorge tragen, dass sich an dieser Struktur auch nichts ändert. Beide Teile sind vermutlich notwendig, die Zukunft des Landes und der Fortbestand des Goldenen Zeitalters braucht besserverdienende Eliten und Deppen, die sich ungestört sozialabbauen lassen, und du würdest keinem wünschen, zum unteren Teil dieser ungleichen Rechnung mit unvermittelbarem Sozialrest zu gehören. Besser also, bei so einem Wetter ein Dirndl tragen zu müssen und nicht barfuss laufen zu dürfen, wenn Papa denkt, die Steine könnten Hornhaut auf die Füsse machen und einen zwingt, wieder die orangen Flipflops anzuziehen, die der einzige Stilbruch der besseren Idylle in der besten Lage sind, neben den Gedanken derer, die Entwicklungen sehen, aber auch keine Lösung haben. Es wird so sein, mit dem Auseinanderdriften werden die Abstossungseffekte grösser, die einen wollen nie fallen und die anderen werden wissen, dass sie es nie schaffen, und der Staat hat gelernt, das alles zu umklammern.

Über dir ist immer noch das ungerührte Blau des Himmels, der zu gross ist, als dass er sich mit diesen kleinen Fragen in diesem kleinen Land auseinandersetzen müsste, ein wenig blauer allerdings als anderswo, ein teures, exklusives Blau und dennoch ist es nicht voll am See, nicht jeder kommt hier einfach her, es ist eine Welt für sich und sowas wie die bessere Ecke der Zukuft, deren Teil deine Nachfahren zwecks Ausbleiben nicht sein werden, es geht dich nichts an, also nimmst du das Buch aus dem Korb und liest Pavese, während das Mädchen im Dirndl vielleicht schon wieder für das nächste Schuljahr büffelt, in einem hübschen Haus in dieser schönen Region am See. Irgendwann werden sich hier wieder Gletscher erstrecken und die Eisflut alles Gewesene wegräumen, in 30, 40.000 Jahren, es ist alles nicht so schlimm, der Moment zählt und vielleicht wird alles auch ganz anders.
donalphons, 13:50h
... link (29 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 18. August 2008
Tegernsee Telegraph/Gesellschaft
[...] Neben dem Fussballstar und seinem Gschpusi wurde nun aber auch der Porsche seiner Ehefrau in Bad Wiessee gesehen - die baldige Abreise aller scheint uns möglich. Weiterhin anwesend bei uns ist der junge Porcamadonna mit Begleiterin, der bislang noch zaudert, den Alpenhauptkamm in Angriff zu nehmen. Auf Anfrage liess er uns wissen:
DAP: Nun, es ist auch in den Bergen einigermassen heiss, so dass uns ein Transfer nach Meran momentan noch nicht geraten scheint. Ausserdem sahen wir uns heute erst mal veranlasst, in Österreich die Vorräte und Bestellungen aus weniger begünstigten deutschen Regionen zu besorgen, ausserdem dort zu tanken - wie andere Schurkenstaaten, Iran und China etwa, hat diese Bergregion sehr gute Benzinpreise - und ein wenig die Berglandschaft zu bewundern.
TT: War es nicht zu heiss für einen Shoppingtrip?
Nicht wirklich, zum einem sind wir natürlich offen unterwegs, zum anderen haben wir um die Mittagszeit eine kleine Tour an ein Altschneefeld unternommen. Sehr angenehm, so etwas, mitten im Sommer.

TT: Aber erkälten Sie sich dort nicht? Was werden die Eltern Ihrer Copilotin sagen?
DAP: Mittelfristig ist so ein Schneefeld natürlich zu kalt. Auch der Achensee erschien uns, nun, etwas sehr frisch, weshalb wir nun, nach einer leichten Sommertorte mit Bisquit und Sahnefüllung im Tegernsee schwimmen gehen werden, und danach am Strand ein wenig lesen, Junger Mond von Cesare Pavese.

TT: Und Ihre weiteren Pläne?
DAP: Wie man hört, soll es hier am Mittwoch fast so scheussliches Wetter wie in Berlin geben - entschuldigen Sie dieses schmutzige Wort, aber am Achenpass musste ich einen Trödler von dort überholen, die besten Kurven hat er ruiniert - und da werden wir wohl den Weg nach Süden antreten; Meran soll weiterhin beständig schön sein.
In Weissach soll der bekannte Spritzen- und Sportarzt Heribert v. [...]
DAP: Nun, es ist auch in den Bergen einigermassen heiss, so dass uns ein Transfer nach Meran momentan noch nicht geraten scheint. Ausserdem sahen wir uns heute erst mal veranlasst, in Österreich die Vorräte und Bestellungen aus weniger begünstigten deutschen Regionen zu besorgen, ausserdem dort zu tanken - wie andere Schurkenstaaten, Iran und China etwa, hat diese Bergregion sehr gute Benzinpreise - und ein wenig die Berglandschaft zu bewundern.
TT: War es nicht zu heiss für einen Shoppingtrip?
Nicht wirklich, zum einem sind wir natürlich offen unterwegs, zum anderen haben wir um die Mittagszeit eine kleine Tour an ein Altschneefeld unternommen. Sehr angenehm, so etwas, mitten im Sommer.

TT: Aber erkälten Sie sich dort nicht? Was werden die Eltern Ihrer Copilotin sagen?
DAP: Mittelfristig ist so ein Schneefeld natürlich zu kalt. Auch der Achensee erschien uns, nun, etwas sehr frisch, weshalb wir nun, nach einer leichten Sommertorte mit Bisquit und Sahnefüllung im Tegernsee schwimmen gehen werden, und danach am Strand ein wenig lesen, Junger Mond von Cesare Pavese.

TT: Und Ihre weiteren Pläne?
DAP: Wie man hört, soll es hier am Mittwoch fast so scheussliches Wetter wie in Berlin geben - entschuldigen Sie dieses schmutzige Wort, aber am Achenpass musste ich einen Trödler von dort überholen, die besten Kurven hat er ruiniert - und da werden wir wohl den Weg nach Süden antreten; Meran soll weiterhin beständig schön sein.
In Weissach soll der bekannte Spritzen- und Sportarzt Heribert v. [...]
donalphons, 19:06h
... link (6 Kommentare) ... comment
Der Bergurlauber lässt wissen:
Zugegeben, es ist schon etwas fragwürdig, um 8 Uhr morgen vom Rattern einer Marmorpoliermschine im Hausgang geweckt zu werden. Aber immer noch besser so, als von den frühmorgendlichen Besoffenen in der Provinz, oder noch schrecklicheren Belästigungen andernorts.

Zum Glück jedoch rattert die Marmorpoliermaschine seltener als der Partyhool auf die Wege kotzt, und manchen Morgen sollte man auch nicht verschlafen, um zu geniessen, was ist, oder besser gesagt, was hier ist.
(Dontmentiontheberlin)

Zum Glück jedoch rattert die Marmorpoliermaschine seltener als der Partyhool auf die Wege kotzt, und manchen Morgen sollte man auch nicht verschlafen, um zu geniessen, was ist, oder besser gesagt, was hier ist.
(Dontmentiontheberlin)
donalphons, 12:57h
... link (3 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 17. August 2008
Das ganze Land
Sommer am See.



Ich bin nicht fasziniert von Reichtum. Reichtum ist ein relativer Zustand und, wenn man sich am See mit dem nicht seltenen Thema Demenz beschäftigt, obendrein banal, wie auch Armut, der ich auch keine romantischen Seiten abgewinnen kann. Mir geht der Neid auf andere ab, wenn ich, was oft passiert, bei einer Auktion verliere, ich freue mich ganz unschuldig über jeden alten Roadster, der meinen Weg kreuzt, ich bin bis an die Grenze der Abergläubigkeit hilfsbereit und manchmal auch extrem naiv, was Menschen in unschönen sozialen Lagen angeht. Ich glaube gerne an einen Sozialismus, den dessen Begünstigte mit ihrem Verhalten ad absurdum führen, und auch damit kann ich umgehen, in der ruhigen Hoffnung, dass es sich lohnt, auf die zu warten, die anders sind und das Werk vollbringen werden.
Was mich aber immer wieder fassungslos zurücklässt, was ich eigentlich nicht sehen will und trotzdem gerne dargestellt sehen möchte, sind extreme soziale Unterschiede am selben Tag, im gleichen Land mit seinen angeblich identischen Voraussetzungen für alle, die darin leben.



Ich bin nicht fasziniert von Reichtum. Reichtum ist ein relativer Zustand und, wenn man sich am See mit dem nicht seltenen Thema Demenz beschäftigt, obendrein banal, wie auch Armut, der ich auch keine romantischen Seiten abgewinnen kann. Mir geht der Neid auf andere ab, wenn ich, was oft passiert, bei einer Auktion verliere, ich freue mich ganz unschuldig über jeden alten Roadster, der meinen Weg kreuzt, ich bin bis an die Grenze der Abergläubigkeit hilfsbereit und manchmal auch extrem naiv, was Menschen in unschönen sozialen Lagen angeht. Ich glaube gerne an einen Sozialismus, den dessen Begünstigte mit ihrem Verhalten ad absurdum führen, und auch damit kann ich umgehen, in der ruhigen Hoffnung, dass es sich lohnt, auf die zu warten, die anders sind und das Werk vollbringen werden.
Was mich aber immer wieder fassungslos zurücklässt, was ich eigentlich nicht sehen will und trotzdem gerne dargestellt sehen möchte, sind extreme soziale Unterschiede am selben Tag, im gleichen Land mit seinen angeblich identischen Voraussetzungen für alle, die darin leben.
donalphons, 23:52h
... link (8 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 17. August 2008
Kreuzweise
Seit drei Wochen schiebe ich hier einen Beitrag vor mir her, den ich nicht schreiben möchte. Ein Beitrag, der persönlich ist und sehr gut aufzeigt, wie verkommen dieses Land der Bayern ist, wie wenig es dem vorgetäuschten Bild entspricht, das die CSU entwirft, und wie gnadenlos das Gute weggeräumt wird, weil man am Ende eben doch vor Brüssel und Berlin im Staub kriecht. Es kann urbayerisch sein und mit der Erde verwurzelt, es kann die Seele des Landes sein und das Beste für die Menschen: Trotzdem wird das Kleine und Feine ruiniert, und das Billige und Schlechte erhält freie Bahn. Ich habe drei Wochen mit diesem Land und seinen ausführenden Organen gehadert, das es mal wieder gewagt hat, meinen Lebenskreis zu stören, und ich habe mir drei Wochen überlegt, mit welcher Methode ich mich wehre.
Da haben wir also eine Frau, die von der Rationalisierung des Staates in nicht allzu jungen Jahren betroffen ist. Andere in diesem Alter würden sich arbeitslos melden, ein paar Zwischenqualifikationen machen, dann mal in Kur gehen und somit eine Frührente anstreben. In diesem Fall ist es anders, denn die Frau kann nicht anders als aktiv sein, sie muss etwas tun, und wenn der Staat keine Arbeit vermitteln kann, schafft sie sich eben selbst eine Arbeit und produziert etwas, das viel zu meiner Küche, den kulinarischen Freuden und meinem Foodporn beiträgt. Wenn hier Gäste sind, bekommen sie oft etwas von diesem Produkt mit, und manchen Journalisten erklärte ich damit, was Bayern für mich ausmacht: Diese Frau, ihr Anpacken und das Ergebnis. So schmeckt dieses Land.
Nun gibt es aber auch so etwas wie eine Gewerbeaufsicht. Und der ist es vollkommen egal, das die Frau mit ihrer Arbeit einen Teil der Landschaft bewahrt, dass sie selten gewordene Pflanzen hütet und pflegt, dass sie das, was sie tut, mit Erfahrung und Liebe macht, dass sie seit langen Jahren ausschliesslich zufriedene Kunden hat und obendrein eine Zierde des Marktes ist. Sollte es sowas wie gute Feen geben, müssten sie exakt so aussehen. So etwas gibt es aber nicht bei den Sesselfurzern in Brüssel und auch nicht bei den Arschkrampen der Lobbyvereinigungen, die für einen angeblichen Verbraucherschutz irrwitzige Markteintrittshürden aufbauen - oder damit Menschen, die seit Generationen für Qualität und Erfahrung stehen, rausdrängen.
Feen kennen auch nicht die Dreilochamtsschimmel in den Stellen des Staates, die dergleichen dann in Landesgesetze packen und durchreichen bis hinunter in die unterste Ebene, die nach vielen Jahren und vielen zufriedenen Kunden plötzlich nicht nur eine Probe wollen, sondern auch einen angemessenen Arbeitsraum. Und einen Nirostatisch. Und noch ein Waschbecken, und einen speziellen Herd und eine Dusche, und sonst nichts, alles andere muss raus, und ausserdem muss alles, was drin ist, in exakten Prozentangaben vermerkt sein. Das heisst nicht einfach mischen, was da ist, da muss exakt, exakt gewogen werden, als würde hierzulande irgendwer, der auch nur halbwegs kochen kann, irgend etwas wiegen. Oh, das Produkt ist natürlich toll, keine Frage, aber wenn es nicht angepasst wird, darf es auch nicht verkauft werden. Oder die Frau schafft alles an, zahlt die 10.000 Euro und kann schauen, wie sie das wieder in den nächsten Jahren hereinholt, nachdem sie den Staat jahrelang durch ihre Tätigkeit entlastet hat. So ist das, in Bayern. Bayerische Entscheidungen von Leuten, bezahlt mit bayerischen Steuern, und morgen fressen wir dann alle den Gendreck von Monsanto, oans, zwoa, Hauptsache der Schein stimmt in unserem gottmitdirigen Hinteroaschloching im Soachtal am Brunzlweiher, ganz weit weg vom idyllischen Foodporningen.

Mittelbild und Grossbild
Aber offensichtlich haben auch andere keine Lust, in Hinteroaschlochingen die Lederhose runterzulassen, und diese Leute wissen auch, dass sich Brüssel auf den Rüssel reimt. Und obendrein ist es auch so, dass zwar im anderen Landkreis zwar Vorschriften zur Produktion gemacht werden können, aber der Markt in diesem Kreis hier ist. Und es deshalb auch allein Sache dieses Marktes ist, was hier verkauft werden darf, und was nicht. Weil, da könnt ja jeder kommen. Das nächste Mal verbieten sie freilaufende Hühner, weil die Rasen nicht der Futterverordnung entsprechen. Oder sie verbieten Eigenbautomaten, weil sie zu klein sind. Oder die Jahrhunderte alten Zwetschgensorten, weil sie in Brüssel nicht gelistet werden. Das könnte denen alles einfallen, wenn sie erst mal in dieser sache ihren Willen reingedrückt haben. Do leckt´s mir, denkt da ein jeder, und zwar kreuzweise, bis hinauf zu dem, der hier das sagen hat.
Und der sagt nun nach einem Gespräch mit der Frau und drei Wochen nach dem Schmarrn von den anderen, dass es ihm scheissegal ist, ob die Produktion den Standards der anderen genügt, das Produkt jedenfalls ist für den Markt hier in Ordnung. Und soll bleiben. Wo samma denn. Des is wias is, es woa scho imma a so, und der nächste EU-Abgeordnete, der auf die Rechnung der Lobby frisst, den soll beim Scheissen der Blitz treffen. Kreuzweise.
Da haben wir also eine Frau, die von der Rationalisierung des Staates in nicht allzu jungen Jahren betroffen ist. Andere in diesem Alter würden sich arbeitslos melden, ein paar Zwischenqualifikationen machen, dann mal in Kur gehen und somit eine Frührente anstreben. In diesem Fall ist es anders, denn die Frau kann nicht anders als aktiv sein, sie muss etwas tun, und wenn der Staat keine Arbeit vermitteln kann, schafft sie sich eben selbst eine Arbeit und produziert etwas, das viel zu meiner Küche, den kulinarischen Freuden und meinem Foodporn beiträgt. Wenn hier Gäste sind, bekommen sie oft etwas von diesem Produkt mit, und manchen Journalisten erklärte ich damit, was Bayern für mich ausmacht: Diese Frau, ihr Anpacken und das Ergebnis. So schmeckt dieses Land.
Nun gibt es aber auch so etwas wie eine Gewerbeaufsicht. Und der ist es vollkommen egal, das die Frau mit ihrer Arbeit einen Teil der Landschaft bewahrt, dass sie selten gewordene Pflanzen hütet und pflegt, dass sie das, was sie tut, mit Erfahrung und Liebe macht, dass sie seit langen Jahren ausschliesslich zufriedene Kunden hat und obendrein eine Zierde des Marktes ist. Sollte es sowas wie gute Feen geben, müssten sie exakt so aussehen. So etwas gibt es aber nicht bei den Sesselfurzern in Brüssel und auch nicht bei den Arschkrampen der Lobbyvereinigungen, die für einen angeblichen Verbraucherschutz irrwitzige Markteintrittshürden aufbauen - oder damit Menschen, die seit Generationen für Qualität und Erfahrung stehen, rausdrängen.
Feen kennen auch nicht die Dreilochamtsschimmel in den Stellen des Staates, die dergleichen dann in Landesgesetze packen und durchreichen bis hinunter in die unterste Ebene, die nach vielen Jahren und vielen zufriedenen Kunden plötzlich nicht nur eine Probe wollen, sondern auch einen angemessenen Arbeitsraum. Und einen Nirostatisch. Und noch ein Waschbecken, und einen speziellen Herd und eine Dusche, und sonst nichts, alles andere muss raus, und ausserdem muss alles, was drin ist, in exakten Prozentangaben vermerkt sein. Das heisst nicht einfach mischen, was da ist, da muss exakt, exakt gewogen werden, als würde hierzulande irgendwer, der auch nur halbwegs kochen kann, irgend etwas wiegen. Oh, das Produkt ist natürlich toll, keine Frage, aber wenn es nicht angepasst wird, darf es auch nicht verkauft werden. Oder die Frau schafft alles an, zahlt die 10.000 Euro und kann schauen, wie sie das wieder in den nächsten Jahren hereinholt, nachdem sie den Staat jahrelang durch ihre Tätigkeit entlastet hat. So ist das, in Bayern. Bayerische Entscheidungen von Leuten, bezahlt mit bayerischen Steuern, und morgen fressen wir dann alle den Gendreck von Monsanto, oans, zwoa, Hauptsache der Schein stimmt in unserem gottmitdirigen Hinteroaschloching im Soachtal am Brunzlweiher, ganz weit weg vom idyllischen Foodporningen.

Mittelbild und Grossbild
Aber offensichtlich haben auch andere keine Lust, in Hinteroaschlochingen die Lederhose runterzulassen, und diese Leute wissen auch, dass sich Brüssel auf den Rüssel reimt. Und obendrein ist es auch so, dass zwar im anderen Landkreis zwar Vorschriften zur Produktion gemacht werden können, aber der Markt in diesem Kreis hier ist. Und es deshalb auch allein Sache dieses Marktes ist, was hier verkauft werden darf, und was nicht. Weil, da könnt ja jeder kommen. Das nächste Mal verbieten sie freilaufende Hühner, weil die Rasen nicht der Futterverordnung entsprechen. Oder sie verbieten Eigenbautomaten, weil sie zu klein sind. Oder die Jahrhunderte alten Zwetschgensorten, weil sie in Brüssel nicht gelistet werden. Das könnte denen alles einfallen, wenn sie erst mal in dieser sache ihren Willen reingedrückt haben. Do leckt´s mir, denkt da ein jeder, und zwar kreuzweise, bis hinauf zu dem, der hier das sagen hat.
Und der sagt nun nach einem Gespräch mit der Frau und drei Wochen nach dem Schmarrn von den anderen, dass es ihm scheissegal ist, ob die Produktion den Standards der anderen genügt, das Produkt jedenfalls ist für den Markt hier in Ordnung. Und soll bleiben. Wo samma denn. Des is wias is, es woa scho imma a so, und der nächste EU-Abgeordnete, der auf die Rechnung der Lobby frisst, den soll beim Scheissen der Blitz treffen. Kreuzweise.
donalphons, 01:51h
... link (22 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 16. August 2008
In den Grotten


Chronos stutzt Amor die Flügel. Manchmal. Und das ist gar nicht so schlecht. Andere Enttäuschte fallen als alte Keifen in die Grube, ohne die Ruhe einer Parkbank zu kennen. Komisch, dass man das im Internet explizit betonen muss, aber so ist das wohl.
donalphons, 01:56h
... link (16 Kommentare) ... comment
Empfehlung heute - "We will all sleep in the park"
Ich wünschte, deutsche Wirtschaftsmedien würden endlich anfangen, die Krise nicht mehr zu verharmlosen, die Lügen von banken nachzuplappern und Dinge zu schreiben wie diesen Beitrag über etwas Kommendes, das man bei uns erst lesen wird, wenn es mal wieder passiert ist.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich nach Mainz, wo ich über die angesichts der Krise nicht wirklich freudige Zukunft der Medien diskutieren darf.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich nach Mainz, wo ich über die angesichts der Krise nicht wirklich freudige Zukunft der Medien diskutieren darf.
donalphons, 10:51h
... link (12 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 14. August 2008
Meine kleinen Hedgefonds gegen Euro und Dollar
Die hier schon bekannte Mrs. Murdock aus Pasadena hat ein Problem: Sie will im Roman "Das hohe Fenster" ihre entlaufene Schwiegertochter Linda Conquest kostenneutral loswerden und verdächtigt sie, ihr eine wertvolle Münze gestohlen zu haben. Gegenüber Marlowe zählt sie all den Luxus auf, mit dem sie diese Frau ihres Sohnes dummerweise überhäuft hat; ein stahlgrauer Mercury etwa, ein wolkiges Bernsteinarmband mit Brilliantschliesse und eine Longines-Uhr aus Platin, womit die junge Mrs. Murdock für ihre Zeit bestens ausgestattet war. Dass die Schweizer Uhrenmarke Longines zu dieser Zeit in den USA ein Begriff für Exklusivität war, lag an der Flucht europäischer Luxushersteller aus dem kriegszerstörten Kontinent in die damals wirtschaftlich Tritt fassenden USA, denn dort war das Geld und die Kundschaft und auch die Bereitschaft, sich endlich wieder etwas zu leisten. Longines war von allen europäischen Luxusherstellern derjenige, der die Chancen am schnellsten begriff und umzusetzen wusste, so dass die am amerikanischen Geschmack orientierten Uhren in den USA fast schon als amerikanische Marke gesehen wurden. Mit Wittnauer hatte Longines sogar einen Vertriebspartner in den Staaten, der auf Schweizer Werke zurückgriff.
60 Jahre später liegen die USA darnieder, und dem Euroraum geht es auch nicht mehr so gut. Es riecht nach Weltwirtschaftskrise, und es scheint mir deshalb an der Zeit, die Schweizer Flüchtlinge der 50er und 60er Jahre heimzuholen.

Das hier sind zwei Admiralmodelle von Longines mit wasserdichten Gehäusen und sehr feinen Calibern. Aus Sicht der deutschen 50er Jahre waren sie praktisch unbezahlbar, für diese beiden Uhren hätte man 2/3 eines VW Käfer kaufen können, und sollte es mit dem Benzinpreis so weitergehen, wird man dereinst für eine Uhr einen ganzen Schrottplatz bekommen. So richtig billig waren sie auch in den USA nicht, ganz im Gegenteil; 1961 machten sich Opa und Oma auf den Weg und kauften für den Enkel etwas wirklich Gutes zum Abschluss der Highschool, das sich der betreffende Herr damals selbst nie hätte leisten können. Allerdings scheint er auch nicht allzu begeistert gewesen zu sein, denn getragen wurde die Uhr praktisch nicht, die auch heute, nach 47 Jahren so gut wie neu ist:

Es war die Zeit der Babyboomer, und wie mir der Enkel dieses vor kurzem verschiedenen Absolventen schrieb, hatte er sich wohl bald danach ein paar klobige Uhren im Stil der 70er Jahre gekauft, die man eventuell noch in den USA behalten möchte; sollte man aber erneut den Internetkommerz bemühen, würde man mich vorher gerne informieren. Die Longines aber wurde auserkoren, die klamme Familienkasse über Ebay aufzubessern, und bei einem Dollarkurs von knapp 1,60 konnte ich eigentlich nichts falsch machen. Der reiche Onkel aus Deutschland, sicher eine ganz neue und ungewohnte Erfahrung für die Amerikaner. Bei uns jedoch wäre eine bessere Swatch teurer gewesen, auch teurer als das andere Exemplar mit guillochiertem Zifferblatt im Stil der Calatrava:

Es ist nicht viel Geld, das ich damit auf meiner Seite des Atlantiks Rezession und Inflation entzogen und in Sachwerte verschoben habe, auf ein anderes Desiderat warte ich noch, und vielleicht fällt mir auch noch mehr ein, was ich tun könnte, um mich gegen den kommenden Fall zu wappnen. Es sind meine kleinen, persönlichen Hedgefonds mit nicht erneuerbaren Assets, die nun entkoppelt sind vom Abwärtstrend der Währungen und desolaten Wirtschaftszahlen, und die Rendite ist vorerst nur das beruhigende Wissen, dass diese Symbole einer lang vergangenen Zeit wohl so schnell nicht mehr so billig zu haben sein werden. Ich weiss nicht, was die Verkäufer mit dem Geld machen - vielleicht füllen sie den Pickup mit Benzin und fahren in die Shopping Mall, vielleicht werfen sie es auch nur einer gierigen Bank in den Rachen oder verspekulieren es an der Börse. Ich denke, sie haben so oder so ein schlechtes Geschäft gemacht, nicht so schlecht wie das Geschäft, das uns allen gerade aufgebürdet wird, aber ihr Fehler ist am Ende mein Richtiges im Falschen, wenngleich ich auch zuversichtlich bin, dass die kommende Flut nicht mehr als meine Zehen umspielen wird, und mein Leben ansonsten so wasserdicht wie das Gehäuse einer Longines Admiral ist.
Und nun reise ich nach Frankfurt, dummerweise im offenen Wagen und hoffend, dass das Luftraum unter den Türmen halbwegs frei von tieffliegenden Bankern ist, die vorher hoffentlich die Uhren abgelegt haben.
60 Jahre später liegen die USA darnieder, und dem Euroraum geht es auch nicht mehr so gut. Es riecht nach Weltwirtschaftskrise, und es scheint mir deshalb an der Zeit, die Schweizer Flüchtlinge der 50er und 60er Jahre heimzuholen.

Das hier sind zwei Admiralmodelle von Longines mit wasserdichten Gehäusen und sehr feinen Calibern. Aus Sicht der deutschen 50er Jahre waren sie praktisch unbezahlbar, für diese beiden Uhren hätte man 2/3 eines VW Käfer kaufen können, und sollte es mit dem Benzinpreis so weitergehen, wird man dereinst für eine Uhr einen ganzen Schrottplatz bekommen. So richtig billig waren sie auch in den USA nicht, ganz im Gegenteil; 1961 machten sich Opa und Oma auf den Weg und kauften für den Enkel etwas wirklich Gutes zum Abschluss der Highschool, das sich der betreffende Herr damals selbst nie hätte leisten können. Allerdings scheint er auch nicht allzu begeistert gewesen zu sein, denn getragen wurde die Uhr praktisch nicht, die auch heute, nach 47 Jahren so gut wie neu ist:

Es war die Zeit der Babyboomer, und wie mir der Enkel dieses vor kurzem verschiedenen Absolventen schrieb, hatte er sich wohl bald danach ein paar klobige Uhren im Stil der 70er Jahre gekauft, die man eventuell noch in den USA behalten möchte; sollte man aber erneut den Internetkommerz bemühen, würde man mich vorher gerne informieren. Die Longines aber wurde auserkoren, die klamme Familienkasse über Ebay aufzubessern, und bei einem Dollarkurs von knapp 1,60 konnte ich eigentlich nichts falsch machen. Der reiche Onkel aus Deutschland, sicher eine ganz neue und ungewohnte Erfahrung für die Amerikaner. Bei uns jedoch wäre eine bessere Swatch teurer gewesen, auch teurer als das andere Exemplar mit guillochiertem Zifferblatt im Stil der Calatrava:

Es ist nicht viel Geld, das ich damit auf meiner Seite des Atlantiks Rezession und Inflation entzogen und in Sachwerte verschoben habe, auf ein anderes Desiderat warte ich noch, und vielleicht fällt mir auch noch mehr ein, was ich tun könnte, um mich gegen den kommenden Fall zu wappnen. Es sind meine kleinen, persönlichen Hedgefonds mit nicht erneuerbaren Assets, die nun entkoppelt sind vom Abwärtstrend der Währungen und desolaten Wirtschaftszahlen, und die Rendite ist vorerst nur das beruhigende Wissen, dass diese Symbole einer lang vergangenen Zeit wohl so schnell nicht mehr so billig zu haben sein werden. Ich weiss nicht, was die Verkäufer mit dem Geld machen - vielleicht füllen sie den Pickup mit Benzin und fahren in die Shopping Mall, vielleicht werfen sie es auch nur einer gierigen Bank in den Rachen oder verspekulieren es an der Börse. Ich denke, sie haben so oder so ein schlechtes Geschäft gemacht, nicht so schlecht wie das Geschäft, das uns allen gerade aufgebürdet wird, aber ihr Fehler ist am Ende mein Richtiges im Falschen, wenngleich ich auch zuversichtlich bin, dass die kommende Flut nicht mehr als meine Zehen umspielen wird, und mein Leben ansonsten so wasserdicht wie das Gehäuse einer Longines Admiral ist.
Und nun reise ich nach Frankfurt, dummerweise im offenen Wagen und hoffend, dass das Luftraum unter den Türmen halbwegs frei von tieffliegenden Bankern ist, die vorher hoffentlich die Uhren abgelegt haben.
donalphons, 16:01h
... link (8 Kommentare) ... comment
... older stories



