Modesexismus

Jemand, mit dem ich um 2001 rum zu tun hatte, vertraute der Illusion, Mobilapplikationen seien die Zukunft, und das Handy die Schnittstelle schlechthin. Einer von denen, die ihrer Zeit soweit voraus sind, dass es unklar ist, ob sie von ihr je eingeholt werden. Der Junge und seine Firma waren der Ansicht, dass eine grössere Website reine Verschwendung sei; zu dem Zeitpunkt, da das Produkt Marktreife erlangen sollte, würde kein Mensch mehr sich mit einem Rechner abschleppen. Die Investoren schickten damals mich vorbei, um denen schonend nahezubringen, dass so eine Website dennoch was Feines wäre - denn sie selbst hatten gewisse Probleme, die Idee ihren geldgebern zu erklären, wenn man dafür Handies benötigte, die es noch nicht gab - namentlich das NEC N 21i, das damals in etwa so behyped und dann gefloppt war, wie später das Nokia 7610 oder wieder drei Jahre später das iPhone.

Wir setzten uns zusammen, ich erklärte ihm das Problem, er war einsichtig und die Agentur, die einem der Geldgeber des VCs gehörte, war sofort bereit, für einen nur leicht überteuerten Betrag eine rudimentäre Website zu erstellen. Mitsamt Filmchen für den heute wahrscheinlich vergessenen Real Audio Player. Und für diesen Film kam nochmal eine fette Rechnung nach, denn die Agentur und der Gründer waren sich völlig einig, dass sie das Produkt von einem "Japan Idol" erklären lassen mussten. Also beschafften sie sich unter enormen Kosten eine junge Asiatin, die dann mit Telephonsex-Lolita-Stimme und Close-Up auf ihre Kirschlippen erklärte, was es nun mit der Firma auf sich habe. Es war 2001, das Geld sass nicht mehr ganz so locker wie früher, und weil das Ganze mitsamt Casting auch noch die Produktentwicklung gebremst hatte, gab es eine ziemlich deutliches Meeting.

Die Begründung war, grob gesagt und nicht unzutreffend, dass es gerade alle so machten - snacker.de etwa hatte Sushee, und tatsächlich hing an sehr vielen Handies in der Werbung eine Koreanerin oder Japanerin, die möglichst devot und debil in die Kamera zu lächeln hatte. Addicted to mobil, ein Fetisch mehr denn ein Gerät. Es war die Zeit der - wie wir heute wissen - weitgehend gefakeden oder übertrieben Berichte über japanische Handyobsessionen und koreanischen Konsumterror, die weniger was mir wirklichem "Wollen", als vielmehr Gruppenzwang und, zumindest in Korea, Ankurbelung der Wirtschaft zu tun hatten. Das asiatische Püppchen am Handy war so ähnlich wie das Pirelligirl am Auto der 60er Jahre, mit dem kleinen Unterschied, dass damals wirklich alle diese Autos wollten - die Handies dagegen und ihre Geschäftsmodelle wurden wenige Wochen danach praktisch wertlos, als die Flugzeuge in die Türme rasten.



Heute ist das anders. Anders, aber nicht besser. Heute greift man wieder auf Europäerinnen zurück, nach einem anderen Scheme: Von seitlich oder schräg vorne aufgenommen, liegt eine Frau auf dem Bauch, oder sitzt auf einem dieser beigefarbenen, quadratischen Sofas, und das in einer Haltung, in der sie auf dem vor ihr befindlichen Notebbok unmöglich mehr als lol oder find ich supi tippen kann. Freier Blick auf die Oberweite ist garantiert, was der Ausschnitt nicht hergibt, macht der Schnitt des Oberteils, und da haben wir sie dann, die daheim cocoonde Hausfrau2.0, die zwischen dem Saubermachen ihrer weissbeigen Wohung und dem microaufwellen der molekularküchigen Conveniencescheisse mal schnell ihre fünf Netzwerke checkt. Frauen wollen das so, sagen die Bilder, daheim sein und die Welt durch das Netz erleben, und nicht auf dem Bild ist der Mann, der das Geld für dieses Dasein ranschafft. Netzwerk statt Bildung, DeppenVZ statt Bücher, und was Britris und Paney treiben, steht netterweise auch schon bei den schlechteren Gossenportalen besserer Medien.

Inszeniert wird hier die Dummheit, das computergestütze Biedermeier, die Hausfrau, die ihre Zeit nicht mehr durch Sticken, sondern durch Surfen totschlägt, daheim, ohne Arbeit natürlich, und das Ambiente ist ein Zitat der 70er, nur diesmal in die andere Richtung, retro zu Adenauer und noch früher. Inaktiv, abgelenkt, daheim geschont und allenfalls zum Joggen oder zum Kochkurs ausser Haus verbracht, Emanzipation war nett, aber das hier ist netter: Nach der devoten asiatischen Handy-Untertanin scheint jetzt die neue Mutter am Herd und am Computer wieder gut anzukommenm, softer Sexismus für eine zur Mitte gerückte Gesellschaft, die sich die Prostitutionsanteile ihrer Zufriedenheit bei den Whinehouses der Medienwelt zieht. Mit Bildergalerie ihres schmutzigen Untergangs, als sei es ein Bericht aus der Kirchenzeitung, und keine Frau wird dagegen ein Molotowcocktail werfen.

Verdammt schade, finde ich.

Sonntag, 3. Februar 2008, 00:30, von donalphons | |comment

 
mmh, also derartige werbung ist mir noch nicht aufgefallen. entweder es sind junge paare, wo beide gleichberechtigt dargestellt werden oder auffallend große gruppen, jeder altersgruppe. sexismus, rassismus und sonstige strömungen, die irgendeine gruppe erniedrigen, sind doch seit mindetens zwei jahren aber so was von tabu in der werbung, oder? oder irre ich?

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Sex sells weiterhin prächtig, aber dass Frauen in letzter Zeit (abgesehen von diesen dämlichen slice-of-life-Rama-/Kinderriegel-/Hohes C-Sachen) besonders als Heimchen dargestellt würden, gar im Rahmen einer konservativen Wende, ist weniger zu sehen. Es ist eher die Infantilisierung, die munter voranschreitet: Frauen und Männer sind jetzt gleichberechtigt in der Hinsicht, dass sie BEIDE als Deppen und Sexobjektive dargestellt werden. Hooray!

http:// www. dsl-informationen. de/news/sex-sells-dsl.html

Du bist nichts, das Produkt ist alles.

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Das Notebook auf dem Bett oder Sofa gab es schon immer. Lange Zeit hatte man den Eindruck, dass Notebooks nur von langweiligen männlichen Business-Kaspern oder Frauen auf dem Bett genutzt werden. Das war noch vor der Notebook-Welle, als jeder Nerd einen möglichst grossen Tower sein eigen nennen wollte.

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mein Tag ist gerettet...
Zitat:

"...da haben wir sie dann, die daheim cocoonde Hausfrau2.0, die zwischen dem Saubermachen ihrer weissbeigen Wohung und dem microaufwellen der molekularküchigen Conveniencescheisse mal schnell ihre fünf Netzwerke checkt."

Don vom feinsten, Kompliment.

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... ich glaube da liegt ein Irrtum vor - die auf den Informationsbildern(!) abgebildeten Damen sind samt und sonders promovierte Informatikerinnen, die sich mit Themen aus dem Bereich High-Performamce-Supercomputing auseinandersetzen - da wird zwischen Heisser Tasse und Minuto - Huehnersuppe mit Markkloesschen schon mal der ein oder andere Ansatz zu Naeherungsloesungen von Navier-Stokes-Gleichungen oder neue Wege der Ab-initio Simulation von Molekulardynamiken erdacht ....

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Wenn dies männliche Abiturienten lesen und glauben, wird keiner mehr über fehlenden Informatik-Studenten klagen. Sex sells.

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das von wegen
die neue Mutter am Herd und am Computer
habe ich einmal miterlebt. der zwerg konnte schon krabbeln und war dermassen eifersüchtig auf den rechner, an dem die mutter arbeiten wollte, dass er an einem stück plärrte.

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Auch auf die Gefahr hin, dass ich mit diesem Kommentar voll gegen den Zeitgeist verstoße: Ich glaube, dass der Don mit seiner Beobachtung nicht unrecht hat und dass vielen diese Tendenz (auch, aber nicht nur) in der Werbung einfach deswegen nicht mehr auffällt, weil sie dieses Denken selbst schon verinnerlicht haben.

Für viele Frauen um die 30 ist es doch heute selbstverständlich, dass es nur noch ein gesellschaftlich akzeptiertes Ziel gibt: Möglichst schnell heiraten und Kinder in die Welt setzen. Job - ja, aber natürlich nur Teilzeit und nur, wenn es der "Selbstverwirklichung" dient.

Auch "unfeine" Mittel werden wieder geduldet: Sich einen Partner zu suchen, den man nicht liebt, sich einen verheiraten Mann zu angeln oder den Partner gegen seinen Willen zum Vater zu machen. Klar, ist nicht nett, aber was soll man machen, die biologische Uhr tickt und so weiter...

Wer seinen Job ernst nimmt, wird dagegen schief angeschaut, ist angeblich verkniffen, karrieregeil, materialistisch und egoistisch bis zum Letzten... Wenn eine Frau im Job reinhaut, um reich zu werden, wird das mit leicht bewunderndem Ekel betrachtet. Dass ihr aber Inhalt und Qualität der Arbeit wichtig sein könnten - die Sache, für die sie sich einsetzt -, und gar nicht mal so sehr das Geld, diese Alternative wird erst gar nicht bedacht.

Ich habe vor kurzem Simone de Beauvoirs Standardwerk "Das andere Geschlecht" gelesen, das Ende der 40er Jahre erschienen ist. Es ist erstaunlich, wie wenig sich in den Köpfen seitdem getan hat, zumindest in einigen Bereichen.

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Ja leider,
kollegin angelte sich den abteilungschef, zeugte ein Kind mit folgendem nachfolgendem Kommentar O-Ton "ich habs geschafft" (aber das war bereits vor 5 Jahren) ->
lasst alle Hoffnung auf Zuneigung fahren.

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Erstens: Die Mädels auf dem Sofa sind alle Singles und surfen durch die Paarungsplattformen. Soviel ist mal sicher.

Zweitens: Ich weiß ja nicht, ob das Rattenrennen in verglobalisierten Unternehmen eine wirklich schöne Alternative zum Dasein als Hausfrau und Mutter ist. Wär ich Frau, ich tät's mir überlegen mit der so genannten Karriere, mit der ich eh nur die Renditen der Investoren beschleunige. Und jetzt sag frau mir mal, welche hochqualifizierte Positionen in spannenden Berufe denn heutzutage im Sinne von Sinnhaftigkeit noch erstrebenswert sind...

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"... es besteht keine Möglichkeit, das Glück eines anderen zu messen, und es ist immer leicht, die Situation als glücklich zu erklären, zu der man jemanden zwingen will: diejenigen, die man als Einzelwesen zur Stagnation verurteilt, erklärt man für glücklich unter dem Vorwande, das Glück sei Unbeweglichkeit".

Das war Simone de Beauvoir, 1949.

Mir fallen da noch ein paar weitere Punkte ein: Wenn Männer glauben, der Haushalt würde so viel mehr Freude bringen als das Büro, warum wollen sie dann nicht alle selbst Hausmänner werden?

Und: Wenn "hochqualifzierte Positionen" nicht erstrebenswert sind, ist Putzen, Bügeln, die Schicki-Espressomachine zu bedienen und Menüs für den Chefbesuch des Gatten zu kochen, wirklich erstrebenswerter? Ich sage, ganz deutlich und entschieden: Nein. Einfach deswegen, weil solche Dinge jedes 14-jährige Mädchen (oder jeder 14-jährige Junge) mit ein wenig Übung erledigen kann, und es wesentlich mehr Spaß macht, in seinem Leben Dinge zu tun, für die man lange lernen musste (und an denen man im Übrigen täglich weiter lernt).

Und drittens: Wer sich an unserer Finanzinvestoren-lastigen Wirtschaft reibt, kann ja Volkswirt(in), Publizist(in) oder Ähnliches werden und die Zahl der (viel zu wenigen) Leute verstärken, die versuchen, was zu ändern.

Wenn man dagegen als Frau den Wünschen derjenigen folgt, die in der Wirtschaft und anderswo am liebsten nichts ändern wollen, und sich brav an den Herd verkriecht und konsumiert, dann bleibt erst recht alles wie es ist...

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Mir fallen da noch ein paar weitere Punkte ein: Wenn Männer glauben, der Haushalt würde so viel mehr Freude bringen als das Büro, warum wollen sie dann nicht alle selbst Hausmänner werden?

Das hat oftmals einen ganz pragmatischen Hintergrund:
wer verdient mehr? Er, der Inschinör oder Audindianer, oder Sie, die dauerpraktikazierende Diplomandin oder Kindergärtnerin. Der Fall, dass Sie mehr verdient wie er, ist auch im Jahr 2008 noch äusserst selten - zumindest unter Paaren, die fortpflanzungswillig sind.

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In der Zeit vor der letzten Bundestagswahl, starteten der BDI und der Verband der metallverarbeitenden Industrie in ihren Propagandaschriften, die in allen Betrieben
herumliegen, eine Kampagne für eine "gerechte Rente". Demnach ist eine Rente nur dann gerecht, wenn die Zahlungen auf "direkt" eingezahlten Beiträgen beruhen. Es wurde auch gleich aufgezählt, wer alles keine Rente mehr bekommen soll. Neben den üblichen Verdächtigen, wie Arbeitslosen und Langzeitstudenten, wurden auch Hausfrauen genannt.
Ich denke, dass ist ein guter Anreiz, nicht Hausfrau zu werden. Denn nach diesem Mütterverständnis bist du natürlich wertlos, wenn die Kinder groß sind. Die Kampagne wurde nach der Wahl Merkels angehalten. Ich habe jedenfalls nichts mehr davon gehört, aber warten wir mal die nächsten Wahlen ab. So hat es übrigens auch mit den Harz-Gesetzen begonnen.

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Aber um nochmal auf das Frauenbild zurückzukommen:
in meiner ehemaligen Schulklasse war der Männer/Frauen-Anteil etwa 35 zu 65%.
Die meisten der Männer haben inzwischen einen festen Beruf, während bei den Frauen der Anteil derjenigen, die nach dem Abschluss des 1. Studiums oder der 1. Ausbildung nochmal eine zweite begonnen haben überproportional hoch ist.
Auch die Anzahl der praktisch brotlosen Studiengänge ist bei den Frauen wesentlich höher.
Ich sags ungern, aber ich habe das Gefühl, dass irgendwas auf Warteschleife machen und sich dann Wegschwängern lassen, wieder äusserst en vogue ist. Wenn Frauen zwingend Geld verdienen _müssten_, wie es die Mehrzahl der Männer nach dem Gesellschaftsbild und mangels Uterus nun mal tut, dann sähe das vielleicht auch anders aus...

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Sowas:
Leute, die einen Sollbruchstellenverursacher für Eier brauchen, und silberne Esobäumchen auf den Tisch stellen.



Sowas meine ich. Vanitas durch die Hintertür.

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"irgendwas auf Warteschleife machen und sich dann Wegschwängern lassen"

Das sicher auch , Kommunikationswissenschaften sind ein gutes beispiel dafür. Aber so monokausal ist es nicht, es gibt für so einen Ansatz leider zu viele Leitbilder, auch und gerade in der Werbng - schliesslich bestimmen Hausfrauen über den Familienkonsum, also muss man ihnen einreden, dass das, was sie tun und wie sie leben, wirklich gaaanz toll und schick ist.

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... boh, ist das wieder ein minderwertiger Schrott der hier verzapft wird - "wegschwaengern lassen" - was fuer ein Bullshit - ich weiss ja nicht was fuer Leute Ihr um euch habt - ich habe hier keine einzige Frau am Start die sich wegschwaengern laesst. Hier im entwickelten Teil Deutschlands, studiert und promoviert man auch mit Kind und arbeitet auch froehlich weiter, das ist zwar anstrengend und erfordert ein Gewisses Maß an Organisation von allen Beteiligten aber es erspart einem auch so ein doesiges 50er Jahre Geschwafel .....

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der franz, der franz, der kann's. weil er weiß, weiß, kinder sind kein scheiß. weil er schätzt, schätzt, kluge frauen in seinem netz...

:-)

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Franz, in Oberbayern geht es eben noch traditioneller zu. Dort wird ja auch traditionell gewählt.

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Die Person, die mir da als allererste einfällt, war eine moderne, junge Frau aus dem Osten, die dann einen Unilehrer dazu brachte, in der Privatwirtschaft Karriere zu machen, während sie die Kinder betreute.

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@strappato: aha, Demokratie classic quasi ...

... aber dann sollen sich diese Bergdeutschen halt mal schleunigst entwickeln, es ist voellig normal Kinder zu haben, zu arbeiten und das ganze partnerschaftlich zu machen, eh bien. Und wer das nicht will soll das dann eben bleiben lassen, mir auch wurscht - aber das ewige fuer und wieder Gesabbel bringt gar nix, das ganze Thema ist ja nur mit machen und nicht mit labern zu erledigen ...

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ich habe hier keine einzige Frau am Start die sich wegschwaengern laesst

Franz, das ist alles ein Frage des Einkommens und des gesellschaftlichen Status. ;)

..und natürlich des Nord-Süd-Gefälles.

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Apropos: hatte in Stuttgart mal ein interessantes Gespräch darüber, warum die (Frauen-) Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg so verschwindend gering ist. Mal im Vergleich zu einigen neuen Bundesländern zum Beispiel.
Es war dem Gegenüber nicht verständlich zu machen, dass sich ja hier wie dort nur (Frauen) Arbeitslose arbeitslos melden, die sich auch als arbeitslos definieren. Die schwäbische Hausfrau (im bäuerlichen Nebenerwerb ohne Rentenanspruch krumm gearbeitet) verdient zwar keinen Lohn, hat aber dennoch eine niedrigere gefühlte Erwerbslosigkeit als die ostdeutsche ehemalige LPG-Traktoristin o.ä..

Soweit zu gefühlten Statistiken und dem traditionellen Nord-Süd/Ost-West-Gefälle.

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Zur Kulturgeschichte des Molotowcocktails
Wo du schon die leider aus der Mode gekommene Sportart des Molliewerfens erwähnst, weißt Du eigentlich, warum die Dinge so heißen? Während des finnisch-russischen Winterkriegs 1939/40 bombardierte die russische Luftwaffe finnische Munitionsfabriken, so dass die Finnen keine Produktionsanlagen für Handgranaten mehr hatten. Außenminister Molotow erklärte öffentlich, dass die Sowjetunion nur finnische Soldaten an der Front bekämpfe und ihre Bomber Propagandaflugblätter und Brot zur Versorgung der finnischen Zivilbevölkerung, nicht aber Bomben über dem finnischen Hinterland abwerfen würden. Daraufhin begannen als Ersatz für die fehlenden Handgranaten finnische Getränkefabriken eine Petroleum-Benzin-Karbidmischung in Flaschen abzufüllen, die die Beschriftung "Zu Molotows Brot das passende Getränk" erhielten.

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Nasdrowje! Gut gesoffen ist halb verbrannt.

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wie che richtig erkannt hat, handelt es sich bei den finnen nicht nur um einen humorvollen, sondern auch sehr pragmatischen menschenschalg. in finnland war man übrigens sehr erstaunt, als ich den verwandten meines finnischen ex-freundes anlässlich eines familientreffens vortrug, dass es in deutschland nicht ungewöhnlich ist, dass (auch junge) ehefrauen heim und kinder hüten, während der ehemann einem geregelten broterwerb nachgeht. das erstaunen begründete sich vor allem darin, dass man sich nicht vorstellen konnte, wie man einen haushalt von mehr als 2 personen überhaupt finanzieren könne, wenn nicht beide ehepartner arbeiten gehen. die ganz-tages-betreuung für kinder, die in finnland übrigens auschließlich von steuergeldern finanziert wird, ermöglicht es, dass auch die frauen ihren beruf weiterhin ausüben können. das "baby-jahr" wird dort üblicherweise zu gleichen teilen von beiden partnern genommen - meist teilt man es 50:50, damit keinem der partner durch die pause nachteile im job entstehen. eine folge all dieser regelungen ist natürlich, dass die finnen mehr kinder kriegen als die deutschen. die kinderlose karrierefrau ist dort eine ausnahmeerscheinung, ebenso wie die teuer verheiratete kinderbetreuende hausfrau. ich trage hier völlig wertneutral vor, sozusagen als bloßen denkanstoss.

selbstredend gibt es in finnland in werbung, medien etc. ähnliche sexismen wie hier und in anderen ländern auch. das betrifft aber natürlich vor allem die promotion von bestimmten "männlichen" interessen. es befriedigt den machtanspruch von männern, ihrem rollenverständnis entsprechend, wenn ihre sexpartner nicht allzu selbständig sind. seit ein paar jahren haben daher russische frauen, die man im netz einkaufen kann, in finnland konjunktur - zumal prostitution nach wie vor verboten ist (genauer: das einkaufen von sexdienstleistungen wird strafrechtlich verfolgt - nicht aber die ausführung solcher dienste). aber das leben teilen möchte auch der finnische mann dann doch lieber mit einer, die er nicht auch noch mitversorgen muss.

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