: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 12. Februar 2008

Empfehlung heute - Noch 10 Tage

Ich möchte keine Bank retten. Weder die IKB, noch die WestLB, oder die BayernLB, oder die Hyporeal oder gar die SachsenLB. Und auch keine amerikanischen Monoliner oder unsere Stadtsparkasse mit ihrem obszönen, umgekippten Hochhaus auf dem Rathausplatz. Eigentum verpflichtet, aber nicht zu jedem Blödsinn.

Wie kann man ausserdem gerade zum Frühlingsanfang eine Bankenkrise machen? Muss das sein? Können die nicht wann anders die Kreditlinien kappen? Geht es noch geschmackloser? Und warum soll man sparen, wenn es nur denen hilft, die damit ihre Profite machen?

Und dann gibt es immer noch sowas, das anders ist, ganz anders:

https://www.eine-der-guten.de/minisprech/

Das ist toll, toll, ganz toll, eine Internetillustrierte, wie es noch keine gibt, hach, prima. Solche Nachrichten schaut man sich gern an. Das hier dagegen ist sinnlos, gar unnütz, genauer, der vordere Unnütz mit 2078 Meter.



Und das ist der Blick von 1000 Meter hinunter in den Frühling.



Der mir gehört, und keiner wird ihn mir versauen. Keiner.

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Wo man bleiben kann - Platz 9: Berlin, Gleimstrasse

Berlin taucht in meiner Negativliste ziemlich weit vorne als Stadt auf, wo man keineswegs sein will, und schon gar nicht sein Geld versenken sollte. Geld fliesst immer zusammen, es ist sinnlos, mit Geld an Orte zu gehen, wo keines ist, und Berlin ist wirtschaftlich nur die deutsche Hauptstadt der Immobilienkreditbetrüger, der Copycat-Betreiber, der Klingeltonabzocker und der kommerziellen Blogosphäre - mit fallender Lukrativität. Da will man nicht hin, da will man nicht sein, die Strassen sind dreckig und die Alternativszene ist amoralisch wie die Kreditvollstrecker einer deutschen Grossbank. Kurz, man bekommt in Berlin den exakt gleichen kapitalistischen Dreck wie überall, nur ohne Geld, und dafür mit der Erwartungshaltung, das man die kreative, antikommerzielle Verkleidung als toll, anders und avantgardistisch erachtet. Und man kann nie wissen, ob der Typ mit Iro, der einem am Supermarkt anschnorrt, nun ein Punk ist oder ein gescheiterter Werber, der schon zwei Firmen in den Sand am Spreeufer gesetzt hat.

Berlin ist das, was zu oft auf seinen Gehwegen liegt. Nun hat es die Vorsehung mit einem makraben Scherz aber so eingerichtet, dass inmitten des Zerfalls doch noch ein paar Arbeitsplätze existieren; auf niedrigem Niveau zwar und stets von Kündigung bedroht, weil es so viele Praktis gibt; aber doch, es gibt ein paar begrenzte Chancen. Ungefähr so viele, wie in einem bayerischen 10.000-Einwohner-Kaff. Und vielleicht hat man auch nicht die in der Positivliste angegebenen 200.000 Euro, sondern nur 60.000. Und will diese Summe sicher investieren, und sich gleichzeitig am Elend erfreuen. Gibt es ja auch. In gewissen Bereichen ist Berlin wirklich billig, und deshalb hier für Liebhaber solcher Ruinenorte ein Rat, wo man noch kaufen kann, ohne zu verlieren.

Und da hätte ich einen Vorschlag, der, wie eigentlich alle meine Vorschläge, finanziell und ideell eine Randlage ausnützt: Der im Wedding liegende Gleimstrassenkiez. In den Zeiten, da uns die Mauer noch antikapitalistisch schützte, war hier der Westen zuende: Direkt östlich lag der Prenzlauer Berg, und südlich, über der Bernauer Strasse und einen der bekanntesten Teile der Mauer, lag Mitte. Heute ist dieser Bereich auf zwei Seiten eingeschlossen von den sog. Szenebezirken, auf halber Strecke zwischen dem 103 in der Castingallee und und Anna Blume, nur etwas nördlich. Man ist etwas ausserhalb, was sich sofort im Nachlassen von Schmiererei und Müll zeigt. Und doch so innerhalb, dass man überall in fünf Minuten auf dem Rad sein kann. Die Bewohner hier sind noch nicht so komplett verprenzelt, wohnen hier schon etwas länger, und geben schon etwas acht auf ihre Umgebung, in der sie auch bleiben wollen. Die Häuser sind mitunter sehr, sehr schön, es ist ruhig, und wenn es zu ruhig wird, ist man sofort "drüben".

Gleichzeitig ist dieses Viertel noch nicht durchsaniert und von Investoren erobert. Zwangsversteigerungen basieren nicht auf den Crashs der Immobilienfonds, sondern auf Tod und unerfreuliche private Umstände. Aber nicht mehr lang. Denn in gut zehn Jahren, wenn der Prenzlauer Berg eine komplette Spiesserhölle ist, wird man in den Randlagen nach Alternativen suchen. Und dann dieses bislang erschonte Eckerl bis runter zur Brunnenstrasse entdecken, aufwerten und dort nach Wohnraum suchen. Wie alle Städte ohne Aussichten wird Berlin an den Rändern eingehen, man wird sich um Mitte scharen, wo die Preise dann fallen werden - aber in den Randlagen, wo man sein möchte, werden sie, beginnend auf unserem niedrigen Niveau, eher steigen.

Wie schon erwähnt: ich würde in Berlin sowieso nichts kaufen. Null. Nada. Viel zu riskant. Aber für diese eine Ecke, die zwar Wedding ist, aber topographisch zum Wohnzimmer der Stadt gehört, für diese Strassenzüge zwischen West und Ost, nirgendwo drinnen und doch dabei, mit vielen Bäumen und günstigen Preisen - da sehe ich Hoffnung. Und Chancen für die, die dort sein müssen.

(Und nachdem Banken gewissermassen das Mahrzan des Geldanlegens sind, wird es an der Gleimstrasse schon nicht so schlimm sein.)

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