Südeutsche Scheissung

Manchmal ertrage ich den medialen Dreck nicht - heute ist so ein Tag, dank der Abschreiberei der Süddeutschen Zeitung bei britsichen Medien:

Er stieß auf einen 2000 Jahre alten Goldschatz ... Es handelt sich um vier kunstvoll hergestellte steinzeitliche Halsringe aus Gold. Der Schmuck wird auf das dritte bis erste Jahrhundert vor Christus.

Nicht nur, dass da ein Wort wie "datiert" fehlt - es sollte eigentlich klar sein, dass sich Steinzeit und Goldhalsringe aufgrund des Materials ausschliessen (es gibt zwar die sogenannte Kupfersteinzeit als Übergang zur Bronzezeit, Fachbegriff Chalkolithikum, aber auch die müsste man erst mal kennen). Ausserdem endet die Steinzeit vor rund 4500 Jahren. 3. bis 1. Jahrhundert vor Cristus bedeutet: Latenezeit, genauer, späte Latenezeit, vulgo "keltisch", also eher 2100 Jahre oder älter.

(http://www.sueddeutsche.de/panorama/164/493510/text/) Unglaublich, dass das ein Panoramamitarbeiter auch noch mit Namen kennzeichnet. Es ist ja bekannt, dass es den Medien aus dieser Ecke dreckig geht, aber das ist wirklich hart. Allgemeinbildung? Wozu, es sind Journalisten.

Donnerstag, 5. November 2009, 16:35, von donalphons | |comment

 
Überrascht? Viele Kollegen erfreuen sich schon allein daran, daß archäologisch-historische Thematiken per se überhaupt Einzug erhalten in den Medien.

Gemeint ist glaube ich übrigens jener Fund: http://www.heraldscotland.com/news/home-news/novice-metal-detector-man-discovers-stunning-treasure-hoard-1.930477

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Aber doch nicht mit einem Aufruf, mit dem Metalldetektor ein neues Hobby zu finden.

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Peter Müller gab einmal von sich, das Saarland sei kein Auffangbecken für arbeitssuchende Archäologen. Grund für diese Aussage vor den Medien war wohl der fünfstellige Haushalt der Denkmalpflege hierzulande. Mit der Zeit lernt man damit umzugehen, Kultur ist Luxus.

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... aber Luxus macht noch lange keine Kultur.

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Scheissung
Wer sich solche Worte ausdenkt, der kann kein ganz und gar schlechter Mensch sein.

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Die scharfe Kritik am fehlerhaften Inhalt ist natürlich berechtigt, aber fehlende Worte oder kaputte Sätze findet man auch bei dir immer wieder. So z.B. im letzten Artikel, was die Parallele besonders schön hervortreten lässt.

SCNR

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Nur werben diese mit Professionalität und verkaufen diese auch tagtäglich. Qualität einzufordern ist dabei doch das mindeste, oder?

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Ist der Artikel etwa auch im Print erschienen?

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Inzwischen haben sie's ja behoben. Wenn du dein Wissen zur britischen Geschichte, genauer Archäologie, erweitern willst dann empfehl ich dir die TV-Serie "Time Team".

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Klar Briten und Franzosen werde ich definitiv zu historisch-archäologischen Thematiken befragen. Wenn ich da sehe, wo alleine Artus verortet wird bzw. den Humbug in puncto "Kelten" (siehe auch Frankreich), dann kann ich meine Zeit auch gleich in der Wikipedia opfern und mich Gefechten, bezüglich derartiger Thematiken, mit wildgewordenen Historikern, Indogermanisten und Esoterikern hingeben.

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Äh - zufälligerweise habe ich das Fach studiert. Ich war auch schon in La Tene, und habe sogar mal eine Seminararbeit über eisenzeitliche Kessel in England geschrieben. Halsringe hatte da jemand anderes.

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Seminararbeiten... meine ging über die eisenzeitliche Tracht im Schweizer Mittelland und Jura... die hatten alle möglichen Ringe;-) Hoffentlich führen diese zwei Sensationsmeldungen in kurzer Folge (ich meine damit das hier: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/8272370.stm) nicht dazu, dass das Sondengängerwesen auch hier noch zunimmt...

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Ah - Tierstil 2.

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@donalphons

Darf man fragen bei wem du studiert hast? Ich nehme an Vor- u. Frühgeschichte?

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Amei Lang?

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Apell an die düsteren Ecken meines Unterbewusstseins.

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So düster?
Tierstil hätte ich gerade noch so erkannt. Habe mal ein Referat gehalten über das Osebergschiff. Ist aber auch schon düstere 30 Jahre her. Danach war's dann schon wieder rum, mit der Vor- und Frühgeschichte.

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Im bescheiden so bezeichneten "'Zeit'-Bildungskanon", einer Serie des Intelligenzblattes, hatten die Quali-Journalis den Aristoteles auf 600 Jahre nach Platon gelegt. Ich dachte erst, sie verwechseln ihn mit Aristoteles Onassis, aber dann hätt's ja auch nicht gestimmt.

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Ein Oedchen
Es springt, es huepft, es tanzt mein Hirn,
noergeli ist wieder drin!
Seit Jahren schon, ich lieb ihn sehr,
such ich ihn im virtuellen Meer.
Lang lang ists her, 2001, furchtloser Sentinel
Perlen seiner Buchstabenliebe leuchteten grell.
Ich, sprachlos vorm Rechner, mit offnem Mund,
tat der Mann sein unfassbares Wissen kund,
das Ganze auf nie erlebtem sprachlichen Niveau.

Mein Herz ganz schnell ward an ihn verloren, der Wille doch wurd matt:
tragisch, dass er das falsche Geschlecht hat!

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Aberglaube hat nichts mit mangelnder Bildung zu tun.
Das Zeitalter der Aufklärung ist vorbei -- von jetzt an herrschen die Orks.

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@edith rotberg, wenn man Aufklaerung auf Unmuendigkeit bezieht, die wohl mindestens so oft fremd als selbst verschuldet ist, bleibt m.E. noch viel zu tun.

Bildung hat etwas damit zu tun, die Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen, die entsprechenden Begrifflichkeiten zu beherrschen und zu handhaben ... , to make a difference, wie man auf gut Deutsch sagen koennte.

Nehmen Sie Don Alphonsos FAZ-Beitrag zu dem Shimano-Produkt oder zu Fahrraedern ganz generell: ein Beitrag zur Aufklaerung und ein nachgerade klassischer Bildungsausweis. Warum? Er weiss genau, wovon er spricht, hat die entsprechende Terminologie parat, macht auch die feinsten Differenzen, die ihn als Kenner der Szene und Kulturmenschen ausweisen, und laesst einen Leser (die Rede ist von meiner Wenigkeit), der sein altes Cinelli-Rad zwar auch ueber alles liebt, ohne es je sonderlich gepflegt zu haben, alt erscheinen und als Kulturbanausen dastehen.

Summa: Das Zeitalter der Aufklaerung steht hoffentlich erst noch bevor, und das nicht nur, um bewusster in die Pedale zu treten.

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Aber n icht doch, Cinelli ist sehr fein und Zeichen der echten Kennerschaft.

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... ja vielen Dank. Ist ein Super Corsa aus den 70er Jahren, ein wirklich schoenes Teil, allerdings ist derFahrer nicht frei von so mancher Liederlichkeit.

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Vielleicht kommt ja nochmal die Liebe zum Scheuerlappen und korrekt gewickelten Lenkerband.

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... tja, mal sehen, kenne mich allerdings selber doch recht gut u. bin wenig optimistisch. Sitze uebrigens regelmaessig im Sattel u. werde wohl auch morgen wieder unterwegs sein. Die Bergwelt Kyushus ist ueberaus reizvoll, das Panorama an der Kueste absolut phantastisch, u. die diversen Programme zur Konjunkturankurbelung der Regierung in Tokyo hatten zur Folge, dass Flurbereinigungswege u. Bergpfade geteert u. gut befahrbar sind.

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Irgendwann ist was Grösseres kaputt, und dann steht man vor der Frage: es wieder gut machen oder etwas Neues kaufen. Insofern bin ich ganz zuversichtlich.

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... habe hier einen Fahrradhaendler gleich um die Ecke, der sich noch aufs Tuefteln versteht.

Was mich stoert, sind schon auch diese Federn u.a. kleinen Dinge, zumal ich innig an meinen Geraeten haenge, u. nie auf die Idee kommen wuerde, eines davon abzugeben, nur weil ein Nachfolgemodell angeboten wird:

- das winzige Plastikhaekchen, mit dem der Batteriekasten meines ersten Sony-Walkmans am Gehaeuse befestigt war, und den man schon mit einem scharfen Blick wegsprengen konnte;
- das Gestell eines Mini-Fernsehers von Casio, das nicht verstellbar ist, so dass man seine Sitzposition dem Geraet anpassen muss, wenn man den Blickwinkel nicht mit diversen Unterlegen veraendern will;
- einige Loetstellen in meinem Toshiba-PC, die nach Ablauf der Garantiezeit bruechig zu werden scheinen;
- die Scharniere, mit denen sich der Bildschirm dieses PCs auf- und zuklappen und feststellen laesst, die seit neuestem, nachdem ein fingernagelgrosses Metallteilchen ohne jedes Zutun herausgebrochen war, jeden Widerstand vermissen lassen.

Gerade letzteres ist fuer mich besonders wichtig, weil ich die horizontale Lebensweise aus dem "Zauberberg" perfektioniert habe und nur im Liegen schreibe. Der PC ruht dabei mit der unteren Kante auf der Brust, der Bildschirm ist auf nahezu 180 Grad hochgestellt, was natuerlich nur funktioniert, wenn wenn besagte Scharniere greifen.

Uebrigens empfehlenswert, diese Art des Schreibens, aber bitteschoen auf einem Sofa und die Beine schoen hoch gelagert, wenn auch nicht unbedingt mit einem Tecra von Toshiba.

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IBM bis T43 hilft bei solchen Problemen. Zu anderen technischen Dingen kann ich wenig sagen, ich nutze sie in der Regel nich, und meine Musikanlage gibt keinen Anlass zur Klage.

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... thanks, werde mir das Teil demnaechst in natura anschauen; bei meiner Schreibposition ist aufs Gewicht zu achten, wichtig ist auch der Trackpoint, der muss ergonomisch einwandfrei placiert sein (benutze ja keine Maus), und ob das der Fall ist, muss man ausprobieren. Fuers erste habe ich das Problem aber eher unkonventionell geloest.

Was die anderen Beispiele anlangt: Da suche ich keine Hilfe. Das ist eher eine Form von Trauerarbeit u. die Faelle reichen in die Vergangenheit zurueck und sind nicht in dem Sinne aktuell, dass ich einen Walkman (wie frueher auf Radtouren) oder einen Mini-TV (in irgendwelchen Berghuetten) auch heute noch benutzen wuerde.

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Im Text heißt es mittlerweile

"Es handelt sich um vier kunstvoll hergestellte goldene Halsringe aus der späten Eisenzeit."

aber sicherheitshalber belässt man den Artikel dann doch in der Kategorie "Steinzeit":

www.sueddeutsche.de/thema/Steinzeit

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Kommentarlos Fehler korrigieren... typisch

Oids Graffe hoid

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Die Könner vom Dienst (KvD)

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Die SZ hat sich ja auch bei der Salbengeschichte - neben dem WDR - aus meiner Sicht am meisten blamiert.

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unfassbar. ich werde das gleich mal meinem kleinen bruder weitersagen.

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