Man muss immer das Gute sehen

Und da gibt es durchaus etwas.

Aber davon einmal abgesehen ist es auch nur eine Frage der Formulierung. Traubenernte an der Etsch klingt natürlich schöner als Salbeischneiden an der Donau. Und natürlich ist es schade, dass die bunte Bergrennkuh nicht laufen darf, jetzt, wo sie doch wirklich fertig und durchgestaltet ist. Kein Almauftrieb, sondern zurück in den Stall.







Allerdings, jetzt, da ich bleibe, kann ich es auch ehrlich sagen: Es ist nicht mehr warm. Auch nicht in den sonnigen Lagen im Flachland. Ich fürchte fast, dass es oben in den Bergen nochmal kälter ist, und was ich so optimistisch plante - radeln eventuell noch bis 20 Uhr - hätte sich auch als Debakel in Kälte und Finsternis herausstellen können. ich habe keinen Zweifel., dass in Meran noch Sommer ist, aber oben auf den Bergen ist der Sommer nur eine Illusion,. eine Einbildung, ein vorübergehendes Desinteresse des Winters. Ich hatte mir ein paar schöne Kameraperspektiven mit Bergen überlegt - wer weiss, ob ich daran überhaupt Interesse gehabt hätte. Ich werde bei Kälte schnell apathisch.







Und das kennt man: Und dann war da noch dieser Glücksgriff. Weil sich jemand nicht wirklich mit den Details auskannte, war dieser Herr mit dem bitteren Mund und den grossen, nachdenklichen Augen und der prachtvollen Robe falsch auf 1880 datiert, mithin 65 Jahre zu früh. Es ist ein Unterschied zwischen Gründerzeit und Empire, aber so stand nun am Ende neben der wenig schönen Jahreszahl ein wirklich hübscher Preis - für das echte Alter. Normalerweise versenden Auktionshäuser ganz langsam, und nur zur Sicherheit schrieb ich, sie sollten bis nach Meran warten. Aber sicher, sagte die Dame am Telefon. Ist schon unterwegs, sagte ihr Kollege heute. Und das Wiederfinden von Sendungen, die nicht zustellbar waren, noch dazu in dieser Grösse - das bleibt mir somit hoffentlich erspart. Zumal die Vorstellung von empfindlicher Leinwand, die Tag um Tag an- und weggekarrt wird, auch nicht erbaulich ist.







Und durch den Verbleib in Deutschland habe ich das auch schon wieder eingespart. Ausserdem muss man ab heute ja auch gar nicht mehr nach Italien: Dank Herrn Draghi sind wir jetzt alle Italiener, in Rom entscheidet man über die Geldmenge und wozu man lustig ist, und der Rest muss mitmachen, und es steht heute Euro auf unseren Lire, ja vielleicht auch bald wieder Berlusconi und schüttelt dem Draghi die Hand. Eine seltsame Leichtigkeit erfasst mich beim Blick in die Kataloge, es macht nichts, dass ich keinen Platz mehr habe. lieber stapeln sich die Leinwände an der Wand, als das wenige Geld in den Fluten gigantischer Summen, die da kommen werden. Ja, die Demokratie und die Vorstellung, es gäbe Gesetze und Regeln und Zusagen, die gehalten werden, das war alles sehr schön gedacht: Aber wer im Euro bleibt, wird damit leben müssen, dass seine Rechte nicht bei ihm bleiben. Hier hab ich ein Haus und ein Dach und es ist nicht die erste Währung, deren Sturz der Clan hier erlebt: Das ist der Ort, an dem man sein soll. Woanders... kaum zu glauben, dass man vor zwei Wochen noch Luxussorgen wie ein Grundeinkommen haben konnte. Das hat das Regime fein gemacht, Kohl war der Fluch der Deutschen und wenn ich ihm etwas wünsche, dann ist es, dass er es bis zum letzten bitteren Moment mit ansehen muss. und die Merkel: Erst sich in das Debakel locken lassen, und jetzt wird Geld nachgeworfen, wie man bei den anderen will. Nur Idioten reden von einer Rally an den Börsen: Die nehmen die Turboinflation vorweg, und die Krise kommt von den Rändern dort im Süden ins Zentrum.







Daheim habe ich auch einen Weinstock, wie in Meran, ein neuer, italienischer Rahmen ist da und eine Anleitung, wie man auch ohne Schiessgewehr das Fleisch auf den Tisch bringt. Spass beiseite: Es mag spiessig klingen, aber allein das Leben in gefestigten und verlässlichen Strukturen, zu wissen, dass Menschen das tun, was sich gehört, und nicht nur das, was ihnen gehört, so eine gewisse, pardon, Bodenständigkeit, all das ist auch ein grosser Wert, und das mag ich schon sehr. Keiner hier redet über neue Netzprodukte. Keiner hier zieht von WG zu WG. Es ist hier ein wenig so wie bei den Bergbauern von Meran. Wir sind schon so lange hier. Es ist uns dabei immer gut gegangen. Das muss man sehen.

Freitag, 7. September 2012, 01:20, von donalphons | |comment

 
"aber allein das Leben in gefestigten und verlässlichen Strukturen......das ist auch ein grosser Wert"

Das stimmt allerdings nur zu genau. Und daher habe ich persönlich für mich auch keinerlei Sorge wegen der Euro-Lira.
Ich beobache das schon seit 45 Jahren, wie man auch mit dem Sytem Lire und Dauerkrise gar nicht schlecht leben kann, wenn die Strukturen im Kleinen gefestigt sind, wenn sie seit Jahrhunderten auf solidem Naturstein stehen und nicht auf märkischem Sand.

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don ferrando,

welche nicht auf Sand gebauten Strukturen meinen Sie denn, Soziale? Und warum "wie man auch mit dem System...", also wohl doch nicht alle?

Warten Sie mal, wenn, was ich in meinen schlimmsten Befürchtungen nicht zu glauben wage, die ganzen EZB - Tricksies wieder verraucht sind und die verwöhnten und heute schon bei -0,2 % BIP schlotternden Bürger Europas, die wahre Bedeutung des Begriffs Depression am eigenen Leib kennenlernen dürfen, was dann noch an gefestigten Strukturen übrigbleibt.

Ich fürchte wenig, sehr wenig: "bellum omnium contra omnes"

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"Alle" werden Sie nie zufriedenstellen können. Das ist Utopie.

Ich meinte nicht nur soziale Strukturen, sondern tatsächlich auch die baulichen. Und das färbt ungemein auf die sozialen ab!

Natürlich werden viele subjektiv das, was kommt als Depression empfinden. Für mich wiederum ist Krise erst dann, wenn es Zustände wie 1946/47 hat. Und das wird im Großteil Europas nicht eintreten.

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Italien funktioniert nur, weil der Ckan über allem steht. Dann noch das Viertel, bei der Stadt wird es schon etwas schwieriger, eventuell noch die Region (gegen Rom, den Süden und die anderen) und dann erst Italien. Legion sind die dunklen, heissblütigen IItalienerinnen von Mantua, die mir versicherten, sie seien anders, sie seien keltischen Ursprungs und langobardischer Herkunft - das könnte man gar nicht vergleichen, und wer etwas anderes sagt, bekommt das Nudelholz zu spüren-

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Ja merken Sie es denn nicht, die haben sich förmlich bei Ihnen beworben.
Vermutlich werden aber die, die bis etwa in die Gegend um Rom wohnen, schon durch kommen, und der Rest irgendwie auch, so wie man schon immer durchgekommen ist. Es ist ja auch nicht so, dass die etablierten gesetzesfernen Strukturen vor allem im Süden daher kommen, dass dort alle seit Jahren im Überfluss leben.
Sehr bezeichnend übrigens das Interview mit Reinhold Messner in der FAS, der schon recht deutlich äußerte, was er so von seinen Mitbürgern hält. Also all jenen, die südlich von Alto Adige wohnen. Vermutlich würde man dort am liebsten sowieso das Tal zumachen, und dann könnte man gleich ein paar der Burgen re-aktivieren. Raubrittern können sie ja, wen man sich mal die Preise an den Raststätten so ansieht.

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Ist schon befremdlich aber auch tröstlich, daß jede schlechte Nachricht auch ihre guten Seiten hat. Ich freu mich schon auf den alten Herrn in der Robe. Ein Senator aus dem Kaiserreich?

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Das Bild lässt sich stilistisch sehr gut in die Phase 1810-1815 datieren, ausserdem stammt der Maler selbst sicher noch aus der Epoche vor 1790. Ich würde man eher sagen: Noch unter Napoleon. Das Bild kommt aus Baden und hat durchaus französische Einflüsse. Vom Typ her ein Fouche.

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Hihi. Dann sollte man es gegenüber der Eingangstür aufhängen, damit schonmal die Fronten geklärt sind.

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Zurück aus Tramin (29.o grad) und Meran ist man vom Wetter und Verkehr gegenwärtig frustriert.
Aber das Land hat einen wieder (besonders Ring um München)
Freue mich schon auf das Bild.
Was macht die Barchetta? Lange nichts davon gehört!

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Der Mieter muss wissen, dass man alles weiss.

Die Barchetta wird hin und wieder bewegt, aber solange ich hier festgenagelt bin, ist... wie soll ich sagen... was ich mit dem Rad machen kann, mache ich mit dem Rad.

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Alter Schwede!
Also, das 9. Bild von oben erinnert mich an C.D. Friedrichs Bild "Wiesen bei Greifswald".

http://www.my-home24.com/wp-content/uploads/2012/02/Wiesen_bei_Greifswald_by_Caspar_David_Friedrich-1820-500x355.jpg

Das ist lustig. Es ist Bayern, aber es sieht aus wie Pommern. Und dann auch noch WIESN! Oh, dieses saftige Grün.

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Bayern ist manchmal, selbst in den unbekannten Ecken, ein sagenhaft schönes Land. man vergisst das nur manchmal, weil es so viel schönere Gegenden gibt. Mir ist das immer aufgefallen, wenn ich nach Leipzig und dann weiter nach Berlin gefahren bin: Wie schön doch meine Heimat ist.

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der herr auf leinwand würde mich mal interessieren. habe soeben mehr durch glück wenn auch wohl weniger günstig zwei ahnenportraits erworben, ca 1805 und 1830, von einer fernen verwandschaft an der isar, die sich altersarmutshalber gezwungen sieht, sich davon zu trennen. die dargestellten sind namhafte persönlichkeiten der hiesigen lokalgeschichte, mindestens eines der bilder auch von einem prominenten maler und späteren revolutionär. wären sie auf auktion in münchen gelangt, wären sie fortan ohne ihre geschichte lediglich als dekorative biedermeierportraits gehandelt worden. ich schätze es, wenn die stücke meines sammelsuriums wahre geschichte(n) zu erzählen haben.

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dieses gejubel über die aktiengewinne - bei denen ich mir beim frühstück heute exakt dasselbe dachte, lieber don, wie sie, dass es sich nämlich lediglich die einpreisung des geldwertverlustets handelt - läuft m.e. ebenso in die irre wie die hinweise auf die verteuerung von energie, lebensmitteln, immobilien etc.

dass es sich um gleichsam systemische geldentwertung handelt, hört respektive liest man nicht sonderlich häufig.

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Naja, Kohl hatte eine Vision, die ich nach wie vor nicht ganz schlecht finde. Der Gedanke, überall in Europa mit derselben Währung bezahlen zu können, hat schon was. Und gab es da nicht ursprünglich mal Verpflichtungen, was das Defizit der einzelnen Länder angeht?

Es ist halt in der Umsetzung, und auch bei der Aufnahme neuer Mitgliedsstaaten, vor die Wand gefahren worden.

Kohl hat inzwischen genug Schicksalsschläge erlitten. Da muss man nicht nachkarten. Finde ich.

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es gibt auch ein gemeinsames inflationsziel, aber wenn die einen zu viel und die anderen zu wenig heruminflationieren knirschts auch irgendwann im getriebe. da kann der durchschnitt noch so nah an der wunschmarke entlanglaufen.

nachtrag: die ersten defizitsünder waren auch D und Fr ...

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@ka.os:
So wie ich das in Erinnerung habe, hat sich Helmut Schmidt in der Ära Kohl sehr viel engagierter für die europäische Währungsunion ins Zeug gelegt als sein Amtsnachfolger. Kohl hat sich den Euro von Mitterand aufschwatzen lassen und war wohl der Meinung, das wäre halt der politische Preis, den Deutschland im Gegenzug für die staatliche Einheit entrichten müsse.

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