Mit Lamprohiza splendidula durch den Liebesberg

Ich weiss gar nicht, wie oft ich eigentlich in den letzten Jahren schon auf die Neureuth gestiegen, gefahren oder vor dem Rodel gekeucht bin; es muss oft gewesen sein und was am Anfang eine rechte Schinderei war, ist inzwischen ein Abendspaziergang. Gut 6 Stunden habe ich das erste Mal gebraucht, würde ich es jetzt darauf anlegen, könnte ich in anderthalb Stunden von der Haustür auf den Gipfel und zurück fahren. Aber wer will das schon?







Es ist viel zu schön hier. Die Früchte werden langsam reif, die Kirschen kann man schon essen, die Äpfel werden auch kommen, die Kälber veranstalten Wettrennen, und für das Abhetzen ist es auch noch viel zu warm. Ich bin deshalb spät losgefahren, fast zu spät, gerade so, dass ich es noch im letzten Licht nach oben schaffe.







Was mir dennoch gelingt, zum ersten Mal überhaupt, ist es, die Steilkurven zu durchfahren. Die sind wirklich fies, weil sie über 20% Steigung haben, und davor und danach ist es auch nicht besser. Es ist so steil, dass das Hinterrad gerade nicht wegrutscht, wenn man sauber tritt. Da habe ich bislang immer geschoben, aber mich Meter um Meter Richtung Kurvenscheitel vorgearbeitet. Jetzt also komme ich durch und wenn ich doch halte, dann nur wegen der Bilder.







Und oben bin ich dann eine halbe Stunde geblieben, bis ich mir dachte: Ich habe kein Licht dabei, der Bergwald ist finster, es wird wirklich Zeit, sich von er Aussicht zu lösen und hinter zu -ja, wohl eher bremsen denn fahren, denn auch, wenn ich alle Kurven in der Finternis kenne, ist es viel zu gefährlich, um es einfach laufen zu lassen. Manche würden sich vielleicht dadurch um den Rausch der Geschwindigkeit betrogen fühlen.







Aber es wurde eine fantastische Zeit dort unten im Wald, denn dort waren die Glühwürmchen. Nicht nur ein paar, sondern Tausende. Ich habe so viele noch nie auf einen Fleck gesehen, der ganze Bergwald sa aus, als wäre Weihnachten und das Lametta würde an den Ästen funkeln. Und dann rollte ich gebremst durch dieses Lichermeer, und fragte mich, wie das wohl sein mag, wenn man in so einer wunderbaren Abendluft ein Leuchtkäfer ist, und alles, was man sieht, sind Gelegenheiten zum Sex. Egal wohin man sich wendet, wohin man auch immer im Bergwald fliegt: Alle wollen Sex und zeigen es. Was auch immer da funkelt, ist zu habem. Man muss nur hinfliegen, oder warten. Jeder Topf findet seinen Deckel. Alles ganz unkompliziert. Freie Auswahl. Niemand muss warten oder erklären oder seufzen. Links, rechts, über mir, vor mir in der Dunkelheit und sich hinter mir nicht mehr um den Radler kümmernd: Alle wollen nur eines. Und sie kriegen es. Der ganze Berg ist eine einzige Orgie, ein Bachanal, ein Reigen der Lüste.

Das war sehr romantisch.

Man geht besser allein auf den Berg, mit Frauen kommt man nur auf dumme Gedanken.

Donnerstag, 18. Juli 2013, 23:31, von donalphons | |comment

 
Was heißt "dumme Gedanken"?

Es heißt, im Alter bereue man vor allem die Sünden, die man nicht begangen habe.

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Das Rad im ersten Bild wirkt wie Gold, genial!

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