Über Designhotels

In manchen Firmen sitzen Sachbearbeiter, die mal Elitesse waren und es eben nicht weiter geschafft haben. All ihr Bemühen ist es, die Firma nach aussen möglichst cool, gediegen, erstklassig und fortschrittlich zu präsentieren. Anwaltskanzleien und Beraterfirmen sind da ganz gross drin, namentlich, wenn es um Fonds geht, den bevorzugten Lebensraum der Haifische. Also, Herr Porcamadonna, quäkt es dann aus dem Telefon, das mit der Übernachtung übernehmen wiiiaaar nicht wahr da müssen sie sich nicht drum kümmern, wir buchen für sie ein wunderschönes Einzelzimmer im Designhotel Blankstahl & Glasbaustein.

Diese Designhotels haben immer riesige Vasen beim Empfang mit einzelnen ungefickten, dürren Blumen drin. An diesen Tischen sehen die Hostessen in etwa so aus, wie der klassische Haifisch auch nach 24 Stunden Arbeit aussehen sollte, es aber in der Regel nicht tut: Frisch, freundlich, aufgeschlossen. Wenn ich zu so einem Blitzbesuch musste - was glücklicherweise selten vorkam - war ich abgehetzt, hatte meinen ersten Flug wegen idiotischer Reisegruppen verpasst, die Barchetta auch noch falsch abgestellt und war überhaupt wegen der Zahnschmerzen in einer absolut miserablen Laune sowie mit einem Wolf im Gesicht versehen. Das alllerletzte, was ich dann noch ertrage, sind irgendwelche missbilligenden Blicke ob des derangierten Aussehens, das man automatisch mitbringt, wenn man etwas zu tun hat, für das 36 Stunden Vorbereitungszeit nötig gewesen wäre - was man aber erst 12 Stunden vorher überhaupt erst erfahren hat.

Dann geht es nach oben in einem Aufzug, poliertes Metall wie eine frisch ausgelehrte Kotzschüssel im Krankenhaus, und dann über weisse Marmorplatten, die dem entkernten Altbau die letzte Form nehmen, in die Zimmer. Die in etwa so aussehen, als hätte der Einrichter nach Lektüre der deutschen AD Feng Shui gespritzt: Ungemütlich, kalt, weiss, mit Milchglaslampen und so praktisch und heimelig wie die Leichenhalle einer Vergasungsanstalt. Also klatsche ich mein Zeug rein, renne zum Termin, und danach, wenn sich herausgestellt hat, wie sinnlos der ganze Aufwand eigentlich war, nur um so ein Amöbenhirn von Investor das Gefühl von Bedeutung zu geben, kommt es eben so, wie es kommen muss: Jemand anderes auf dem Termin wurde auch dort eingebuchtet, und so hässlich diese Dinger sind: Sie haben ein Gutes. Man fühlt sich so verdammt verloren in diesen weissen Särgen, dass man praktisch zwangsweise die Beraterin der anderen Seite

Und zwar in ihrem Zimmer. Ich weiss nicht warum, aber es ist immer ihr Zimmer. Nie meines. Nun gibt es aber das Problem, dass man auschecken muss am Morgen danach. Meist schnell, weil der nächste Gast und die Reinigungsfachkraft schon warten. Überflüssigerweise, denn ich habe das Zimmer nur zum Zeug reinschmeissen gesehen. Ihr Zimmer ist nochmal eine andere Sache. Mein Zimmer ist so jungfräulich, wie die Beziehung zu den befreundeten Beraterinnen eigentlich sein sollte. Also, was bleibt einem, wenn die Putzfrau kommt und merken könnte, dass das Zimmer gar nicht genutzt wurde - und sie einen vorher schon beim Verlassen eines anderen Zimmers gesehen hat, weil man auf diese weissen Dreckscheissgestapomarmorgängen alles immer sieht und hört.



Drin rumwühlen. Als ob man das die Nacht zuvor nicht schon genug getan hätte, aber egal, Hauptsache, es sieht benutzt aus. Das klappt immer. In normalen Hotels.

Aber in diesen Schlachthausderivaten geht es nicht. Keine Ahnung warum, aber es sieht immer so künstlich aus, wie es tatsächlich auch ist. Es ist offensichtlich, dass da keiner drin geschlafen hat, unten bei ihr sah es richtig aus, hier ist es nur eine schlechte Vertuschung. Ich kenne ein Hotel in Paris, da öffnet man nur die Tür und es sieht aus, als habe man dort 2 Wochen stille Tage in Clichy gemacht. Jedes Stück Nippes oder Plüsch macht es so einfach, Leben in ein unbenutztes Bett zu bringen, aber das Design, in das das Bett übergeht, saugt die Unruhe und Störung wieder auf, und nach so einer Nacht gebe ich irgendwann auf, soll sie doch ihrer Kollegin am Empfang die Sache weitertratschen, die es dann der gescheiterten Elitesse in der Firma erzählt, die wahrscheinlich wirklich genauso glatt, dumm und unerträglich ist, wie die Hotels, in denen sie buchen.

Fuck it, wenn sie es hört, hat sie wenigstens auch mal was Interessantes in ihrem sog. Leben in der Corporate Edition.

Samstag, 13. Januar 2007, 22:14, von donalphons | |comment

 
Aus meiner Zeit in der Tourismusbranche kann ich sagen, dass Hotelangestellten das Treiben in den Betten ziemlich am Arsch vorbei. Die haben schon ganz andere Dinge gesehen und denen ist nichts Menschliches fremd.

Hinzu kommt in guten Hotels die Diskretion des Personals. So wird ihnen ein gutes Hotel nie irgendwelche vergessene Dinge hinterhersenden oder wegen diesen Kontakt aufnehmen. So vermeidet man zum Beispiel, dass eine Ehefrau von einem Hotelaufenthalt in X erfährt während der Gatte behauptete wegen A in Y zu sein.

... link  

 
Gut zu wissen - sollte ich mal den dümmsten aller Suizide begehen heiraten.

Aber trotzdem, es bleibt peinlich.

... link  


... comment
 
Bei dieser Einrichtung
... helfen auch 32°C nicht: Man friert immer. In meiner Lieblingsstadt, der verregneten, da gibt es auch so was. Die Bar und die Toiletten sind angenehm. der Rest ist so kalt, dass ich keine Wand berühren möchte, um nicht fest zu frieren :-O

Mal zwei andere Fragen: Erstens: Was machst Du schon wieder in Haifischhotels? Und wann treibt es Dich mal wieder in den Norden - wo die Frauen so lang sind und die Korruption andere Gesichter trägt als im schönen Bayern?

... link  

 
Das Schlimmste ist das Radisson in Berlin. Da kann man bei Licht nichts tun, wenn man ein Zimmer zum Innenhof hat. Grauenvoll. Und Zimmer wie eine Klosterzelle.

Haifischhotels wickle ich momentan ab, zugunsten von etwas anderem - und das wird mich eher selten nach Norden bringen. Was es ist - nun, das wird man - und ich - demnächst erfahren.

Ende Januar/Anfang Februar jedoch bin ich zu Berlin.

... link  

 
Das mit dem Aquarium... das empfehle ich immer Leute, die ich besonders hasse...

... link  

 
In Berlin gibt es gleich neben dem pleite gegangenen Goya ein Hotel, das man nicht nur Nächteweise, sondern auch stundenweise mieten kann, und das hat noch diese bestimmte Atmosphäre und unglaublich grosse Betten - und ist nicht mal teuer.

... link  

 
mmmhh schön, kann man namen nennen?

... link  

 
Nein. Aber den Ort: Eisenacher Strasse, Ecke Fuggerstrasse, eine Pension mit dem Namen einer skandinavische Metropole.

Und wenn ich mal alt bin und sicher, dass eine bestimmte Person nicht mehr unter den Lebenden weilt, erzähle ich auch, wieso ich das mal in Erfahrung bringen musste.

... link  

 
Oh danke, muss ich mir mal ansehen, bin demnächst dort

... link  

 
ah, ich habe ja mal dreieinhalb jahre in schöneberg gewonht und weiß daher auch, welche pension der don meint...

aber das verstehe ich nicht

"Und wenn ich mal alt bin und sicher, dass eine bestimmte Person nicht mehr unter den Lebenden weilt, erzähle ich auch, wieso ich das mal in Erfahrung bringen musste."

Don wer sooooooo ausholt - das ist eine Pension in der Nähe eines Schwulenstrichs - that's it! Ja und die Kurfürstenstraße is auch nicht weit..., weiß doch jeder.

... link  

 
Das hatte mit sowas nix zu tun.

... link  

 
Ich kenn die Gegend, und es ist ja klar dass man solche Pensionen eher in solchen Gegenden findet.

Heisst aber nicht, dass die Begleitung käuflich sein muss. Oder vom gleichen Geschlecht.

War in Paris auch so. Die Dämchen standen nicht weit weg aber die Herren kamen mit BCBG-Madames

... link  

 
naja, vögeln kann man überall. stundenhotels, gärten, fahrstühlen...

... link  

 
Alte französische Stundenhotels haben ihre eigene Melancholie... Regen rinnt das Fenster hinunter, sie zieht sich langsam ihre Strümpfe an, und dazu die Gymnopedies von Satie denken.

... link  

 
dann empfehle ich doch lieber kleine pensionen in lissabon. die sind unschlagbar, weil ferner.

... link  

 
Mit Pessoa-Reminiszenzen?

... link  

 
nein, eher mit einem jazzclub in der nähe. poesie is was für paris. lissabon gehört dem teufel.

... link  

 
Dann dazu aber Fado von Amalia Rodrigues

Meu amor, meu limão de amargura

Este mar não tem cura,
Este céu não tem ar
Nós parámos o vento
Não sabemos nadar.
E morremos, morremos
Devagar, devagar...

... link  

 
der ist natürlich dabei!

... link  

 
Dann fügen wir der Liste der angenehmen "Event"-Hotels in europäischen Städten noch ein ein viktorianisches Hotel in London Westminster hinzu. Traditional bestellt man Champagner und Erdbeeren auf Zimmer. Der Wagenmeister ist bestens in der Lage Gäste diskret und unauffällig aus dem Hotel herauszubekommen. Die Bar mit offenem Kamin erinnert an einen englischen Club.

... link  

 
Ich habe mal ein paar Jahre in der Eisenacher Str. gearbeitet und weiss sehr gut, welches "Hotel" Don meint.

... link  

 
Tja ;-)

... link  


... comment
 
Oh ja, aber diese Hotels werden auch in Paris immer weniger. Ich kannte da eines, damit ging man mit der Dame hin (fast immer verheiratet), die man kurz zuvor im Cafe kennengelernt hatte... in der Regel sehr gepflegte Mittdreißigerinnen, Gattin eines PDG, gelangweilt.

Vor ein paar Jahren Besitzerwechsel, schick modernisiert, unbrauchbar.

Die haben sogar Jugendstillampen auf den Müll geworfen für irgendwelchen Deckenflutermist.

... link  

 
Naja, das manndicke Abflussrohr in der Dusche hätte es da wirklich nicht gebraucht - aber die glutäugige Spanierin an der Wand, die hatte was. Und der rote Plüsch im Aufzug, und die älteren Damen an der Ecke - Paris, wie man es sich vorstellt.

... link  

 
In Madrid gibts noch so eins.. Hotel Monaco.
War in den 20ern Edelpuff in den auch der König ging.
Wunderbares Hotel.

Den US Touris ist es zu funky, gottlob

... link  


... comment
 
Und ich, als Beraterin, habe gerade. Mit einem hohen Tier. Und sexuellem Versager. Und weiß doch, dass ich das nicht sollte. Und nicht nötig hab. Und gehe fremd, trotz guter Beziehung. Und will es eigentlich nicht. Scheiß Kongresse, scheiß Buzznezz. Und liebe Blogsphere, die wesentlich netter zu mir ist als fucking reality.

... link  

 
gruschel ;-)

... link  


... comment
 
Zu solch einem Hotel gehören auch dürre Bambus-Stengel in Schlicht-Vasen. "Sehr stylisch..."

... link  

 
Und dann wundern sie sich über Essstörungen.

... link  


... comment
 
Das ist eben ein grundsätzliches Problem, wenn man gebucht wird. Aber ich ziehe es "grosse Kette" fast immer vor.
Die Idee ein Bett künstlich benutzt zu machen, auch noch damit der Service es nicht merkt, ist sehr absurd. *lol*

... link  

 
Ja und? Von mir aus auch grotesk, solange es denen nicht rational erklärbar ist, denen es nicht passt.

... link  

 
evtl. hab ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt, aber der Gedanke, dass man dem Hotelpersonal was vormachen könnte...? Da wird der Versuch natürlich auch entsprechend gewürdigt. ;)

... link  


... comment