Der feine Unterschied zwischen Mut und Dummdreistigkeit

Man kann Leser durchaus mit unangenehmen Themen konfrontieren. Folgen des Rasens etwa - so ziemlich jeder hatte schon mal 65 auf dem Tacho, als nur 50 erlaubt war. Folgen des Rauchens, Folgen der Umweltverschmutzung, da gibt es eine Reihe von Themen, die uns alle angehen und über die man reden muss. Das mag unpopulär sein, aber es ist die vornehme Aufgabe der Medien, da einzusteigen und die Debatte anzustossen. Das ist Mut.

Und dann gibt es noch Leute, die pauschal die grössere Gruppen einfach mal als Kriminelle abstempeln, weil sie sich nicht passend verhalten. Wie aktuell die Süddeutsche Zeitung:

Kriminalität im Netz - Kopiermaschine Internet

heisst ein Artikel aus einem grösseren Special dieser Publikation zum Thema Online-Verbrechen. Mal abgesehen davon, dass ein Zwischentitel sich nicht entblödet, "Digitale Epidemie" zu heissen - Autor Bernd Graff, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur von sueddeutsche.de, stellt da vermutlich den grössten Teil seiner Leser in eine Ecke, in die man durchaus auch die Herren der sog. Unterhaltungs- und Computerindustrie mit ihren durchgeknallten Urheberrechtsregeln und idiotischen Abmahnereien vermuten könnte, denen Graff in seiner "Argumentation" kritiklos folgt. "Diebesgut", davon spricht Graff wörtlich. Im Internet. Wahrscheinlich nicht wissend, dass der formale Unterschied zwischen bei Tauschbörsen üblichen "Urheberrechtsverletzung" und "Diebstahl" sehr gross ist - in etwa so gross ist wie ein Millionstel des Abstandes zwischen internetgebeutelten Medien, die so einen Blödsinn schreiben, und ihren damit inhaltlich und intellektuell beleidgten Nutzern, die die einzige Basis für ihre Existenz sind. Das ist dummdreist, aber kein Mut.

Leser zahlen vielleicht keine Schmierevents mit Luxushotel und Exklusivinterview mit vorgefertigten und abgesegneten Fragen, aber sie zahlen mit Geld oder Clicks die Rechnung für die Medien. Also bitte nicht wundern, wenn die Leser dann den SPON bevorzugen: Qualitativ noch weitaus mieser, auch Abschreiber der Anzeigenkunden, aber wenigstens wird da keiner als Krimineller in einem Special neben Trickbetrügern und Spammern verortet.

Wo man auch die sueddeutsche.de GmbH hintun könnte - schliesslich wird in der höchst erfolgreichen Rubrik "Das Internetvideo der Woche" aktuell ein Youtube-Video verlinkt, das angesichts des eingeblendeten Senderlogos dort auch nicht zwingend dem Urheberrecht entspricht:
Derek Porters Filmchen landete zunächst beim Fernsehsender king5.com in Seattle und verbreitete sich dann über YouTube weltweit – ein Internetvideo-typischer heterogener und cross-medialer Verbreitungsweg: Der Inhalt ist an kein Trägermedium gebunden und schlüpft anpassungsfähig durch alle Formate.
Denn wenn die SZ damit Clicks der Leser kassiert und verwertet, ist das natürlich kein Verbrechen.

Samstag, 27. Januar 2007, 20:42, von donalphons | |comment

 
just heute habe ich einen anderen artikel des "specials" gelesen und saß danach sprachlos vor dem rechner. ich wollte was schreiben... ich habe mich ehrlich bemüht... es geht einfach nicht schlechter....:
http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/600/99501/

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Dahinter steckt ein tiefes Misstrauen der Journalisten und Redaktion gegenüber dem Internet.

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Oder auch nur Inkompetenz.

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Wohl letzteres
Mir kam der Name doch gleich so bekannt vor:
http://mosaikum.org/log-11-04.shtml#32

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Da gibt es noch mehr wenig kluge Sachen aus der Vergangenheit.

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Sind wir nicht alle ein bisschen böse? Der normale Bürger zahlt indirekt oder direkt jede Steuererhöhung, die Unternehmen auferlegt bekommen, stiehlt daraufhin den armen Unternehmen ihre Urheberrechtsgeschützten Güter und zu guter letzt verbloggt er noch Schlimmes über wertvolle Marken, weshalb man ihn tunlichst abmahnen sollte.
Ich glaube man sollte den normalen Bürger einfach abschaffen, er stört einfach zu sehr das System.

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Wahrscheinlich....
ist heute jeder 16 jährige schon vor dem Mittagessen 5 mal straffällig geworden. So kann man sein Publikum auch betrachten.
Wie die SZ die Internetserie angekündigt hat klang das nach einer Chance - jetzt ist das zum Witz verkommen - schade.

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nur 16 jährige?
Filesharing von Schwarzkopien ist ein Volkssport und zieht sich quer durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten. Damit einhergehend natürlich ein immenser Kontrollverlust auf Seiten der bisherigen Vertriebskontrolleure. Die Panik und der massive Dummschwurbel auf Seiten der Contentindustrie wegen P2P ist somit der Panik und dem Dummschwurbel auf Seiten der "etablierten" Medien bezüglich Blogs und Internet gleichzusetzen.

Beide merken, dass sie wahrscheinlich bald überflüssig sind (oder zumindest recht unwichtig werden) und beiden fällt darauf nichts weiter als Panik und Dummschwurbel ein.

Von daher passt doch alles bei diesem Artikel ... :)

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Äpfel und Birnen.

Filesharing wird nun mal in erster Linie NICHT dazu benutzt, selbstproduziertes Material unters Volk zu bringen. Der Musikindustrie (oder "Contentindustrie") droht also nicht, durch das Filesharing quasi durch etwas neues ersetzt zu werden. Sie ist ja nach wie vor der Hauptlieferant des getauschten Materials; die Leute wollen das ja durchaus noch haben - sie wollen nur nicht dafür bezahlen, wenn's sich denn vermeiden lässt. Ich sehe da nicht mal eine Schnittmenge mit dem Komplex "Blogs".

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Der Logik nach sind wir doch alle Kriminelle. Was haben wir in unserer Jugend denn Anderes gemacht als von LPs oder später CDs Musik auf Kassette geschnitten, Samples nach eigenem Gusto zusammengestellt und die an unsere Freunde weiterkopiert, später dann CDs gebrannt. Erst, seit es Musik im Internet gibt, ist das plötzlich illegales Raubkopieren, vorher nannte man das Partyvorbereitung.

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Das Problem ist nicht, dass die Musikindustrie so einen Unsinn statt guter Musik verbreitet - schlimm ist, dass der Printcontenthersteller Nibelungentreue zu denen übt, die den Untergang verdient haben.

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Ab 40...
dauerts eben bis zum Abendessen und bei den über 60 jährigen passiert's nur am Wochenende. Aber Che hat recht - aus der Sicht dieser Konzerne sind wir alle keine Kunden, sondern Kriminelle. Gleichzeitig hat doch aber diese Contentindustrie es aufgegeben mir in meinem fortgeschrittenen Alter von über 40 überhaupt ein brauchbares Angebot zu machen. Wenn es nach denen geht soll ich vielleicht noch Sammelalben von Deep Purple kaufen und die Klappe halten.

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"Sieh es endlich ein, Du bist zu alt für Popmusik", singen die Ärzte. Und der SZ-Remix lautet dann "Sieh es endlich ein, Du bist zu alt für Leser".

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Ich kann das ganze Musikindustrie-Gebashe einfach nicht mehr hören; und ebenso den unpassenden "zu meiner Zeit"-Vergleich.

Durch das Filesharing ist einfach mal die Quantität des Kopierens in eine neue Qualität umgeschlagen - wer das nicht sehen kann oder will, hat einfach mal keine Ahnung. Ich sehe das jede Woche: Leute, die sich "aus Prinzip" keine CDs kaufen, aber gigabyteweise MP3s auf der Platte haben.

CDs kopieren? Mitte der 90er kosteten Brenner ein kleines Vermögen und Rohlinge über 20 Mark. Kopieren in den prä-CD-Zeiten bedeutete Umschneiden von Platte (zeitaufwendig) bzw. Kassette (Qualitätsverlust). Erst durch den Preisverfall bei Rohlingen und Brennern wurde das "Klonen" von CDs im großen Maßstab überhaupt möglich. Aber auch da brauchte man im engeren Bekanntenkreis noch ein Original (bzw. einen Klon des Originals). Die Tauschbörsen haben dann diesen "Bekanntenkreis" mit einem mal schlagartig auf hunderttausende "Bekannte" erweitert. Sorry, aber das ist einfach nicht mehr dasselbe, che. (Ja, das ist verkürzt dargestellt. ich könnte mich jetzt noch über die Rolle mobiler MP3-Player, das Aufkommen von DSL und Festplattengrößen und -preise auslassen. Muss aber nicht sein.)

Und was das "die Musikindustrie macht mir keine passenden Angebote"-Argument angeht: Kein Problem. Kaufste halt nix. Mir macht die "Musikindustrie" (bzw. Teile davon) durchaus interessante Angebote. Ich bin nun auch schon 40; aber auf der anderen Seite bin ich natürlich auch musikalischer Allesfresser.
Das Problem ist doch wirklich nicht, dass der angebotene Content so schlecht ist, dass ihn keiner haben will. Das Problem ist, dass man ebendiesen Content auch für lau kriegen kann. Was soll die "Musikindustrie" dann bitteschön machen? Ihre Produkte gleich verschenken?

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Repeat after me: "All users of technology are guilty of piracy until proven otherwise."

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Widerspruch
dem Oberlehrer. Dieser Contentindustrie gehört ihr ewiges Gefasel von dem "Schaden durch Piraten" jeden Tag um die Ohren gehauen. Ich höre tagelang legal Musik ohne die Majors zu benutzen. Und wenn die mir auf meine Kauf-CDs einen Kopierschutz kleben, der einen Uraltplayer auf meinem Rechner installieren will, mit dem ich mein Geld verdiene, ja dann umgehe ich diesen Schutz. Warum sollte ich mir von diesen Softwareamateuren so einen veralteten Mist aufdrücken lassen? Ich hab die CD GEKAUFT und will sie hören OHNE meine Installation kaputtzumachen! Nebenbei - es gibt genug Beweise, dass Nutzer durchaus Geld ausgeben für Musik - nur wollen sie eben fair behandelt werden. Die Majors kapieren das eben nicht. Wenn die von Gigabit-Anschlüssen für Privatleute in Asien hören schicken die Anwälte auf die Konferenzen um die neuen Schadensersatzformeln auszurechnen - mehr nicht. Nein, die machen da keinen Auftritt mit einem neuen Angebot a la "Super Leitung - Super Musik".

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Jaja, das phöse Kopieren ...
... hat schon zur Einführung der Musik-Kassette die arme, bemitleidenswerte MI an den Rand des Untergangs gebracht. "Copy kills Music" hat man schon in den 80ern, lange vor Markteinführung der CD, gejammert, weil sich all diese phösen Jugendlichen nicht an dem Umstand zu stören schienen, dass man ja "nur" so eine schlechte Analog-Kopie (in Windeseile übrigens! umständlich? zeitaufwendig?? haben nach über 20 jahren deine erinnerungen gelitten???) erstellen konnte.

Dann kam die CD und alle Welt hat Player und CDs gekauft wie blöde. Dass man von der CD sehr viel hochwertigere Kopien auf Kassette aufnehmen konnte, hat die Industrie dann nicht mehr gestört. Und nach flächendeckender Verbreitung von Brennern wurde einfach eine Pauschalabgabe auf Rohlinge veranlasst und man hat weiterhin gute Geschäfte gemacht.

Und da man ja so gute Geschäfte machte, wurden zwecks Gewinnoptimierung sukzessive alle R&D-Abteilungen der Majors aufgelöst, neue Talente wurden nicht mehr herangezogen, mit Casting-Bands a la Take That machte man den schnellen Reibach ... bis zu dem Tag, an dem die Jugendlichen dieser Welt ihr Taschengeld lieber für Computerspiele und Handys und die Erwachsenen für DVDs ausgegeben haben. Dann plötzlich war großes Wehklagen angesagt und schnell hatte man auch einen Sündenbock gefunden. Das phöse, phöse Internet, welches man nur kurz zuvor ignoriert, bestenfalls verlacht hatte.

Und seit Napster fällt der MI nichts besseres ein, als ihre Kundschaft mit Klagen, Kopierschutz-Maßnahmen und eingekauften Gesetzen vorsätzlich und massenhaft zu kriminalisieren. Anstatt den Schaufenster- und Marketing-Charakter einer Tauschbörse zu nutzen, versucht man ums Verrecken den Kunden zum Kauf zu zwingen und mit staatlicher Hilfe die Goldenen Umsätze der 90er wieder zurückzuholen. Und seit Napster ist die MI den Nachweis schuldig, dass eine im Netz verfügbare Kopie den Umsatz verringert.

Zusätzlich wird gerne der Umstand unter den Teppich gekehrt, dass die Film- und Spielebranche trotz Zunahme der Breitbandverbindungen Jahr um Jahr an Umsatz und Gewinn zulegt.

Was soll die MI also machen?

1. damit aufhören ihre Kunden zu kriminalisieren
2. damit aufhören den Kunden zum Kauf zwingen zu wollen
3. damit aufhören, den CD-Umsätzen der 90er hinterher zu trauern. Das war ein einmaliger Erfolgsfall, den man nicht mehr so einfach wiederholen kann.
4. damit anfangen, den Online-Kauf so einfach und bequem wie in einer Tauschbörse zu machen (kein DRM, freie Formatwahl, freie Wahl der Bitrate)
5. den Preis eines Download-Albums gegenüber der CD-Fassung deutlich zu senken
6. von einem Angebot wie zB. Allofmp3 zu lernen, deren Erfolg die Majors eiskalt überrumpelt und ihre DRM-Strategie über den Haufen geworfen hat.
7. den Künstlern bessere Konditionen und Bedingungen anbieten, bevor immer mehr Bands zu dem Schluss kommen, dass man dank Direktvertrieb via Internet gar keinen Plattenvertrag benötigt.

Vor allem Nr. 7 wird vor allem den Majors langfristig das Genick brechen, wenn sie weiterhin auf stur schalten. Denn die Kunden sind immer noch gerne bereit für gute Ware gutes Geld auszugeben. Und wenn sie das dem Künstler direkt geben können, anstatt es irgendeinem multinationalen Konzern in den Rachen zu werfen, um so besser.

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Vor allen sollte die MI folgendes lernen.
Wer Musik kauft, will für sein Geld keine Nutzungsrechte eingeräumt bekommen.
Er will diese Musik besitzen. Hören wo immer er will, mit was er will, mit wem er will, und das auch noch in Jahrzehnten.

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Herr, schmeiss Hirn vom Himmel! So viele Fehler, wo fange ich da am besten an...

Analog-Kopie in Windeseile? Es mag ja sein, dass mein Erinnerungsvermögen erheblich gelitten hat, aber das Umschneiden einer LP auf Kassette dauerte immer noch mindestens so lange, wie die LP dauerte. Also nicht zu vergleichen mit den weniger als 5 Minuten, die das Klonen einer CD erfordert.
Qualitätsabfall beim Kassettenkopieren? Ab der 3. Generation war die Qualität nur noch ein Witz.
Pauschalabgabe auf Rohlinge und Brenner? Kommt nicht der "Musikindustrie" zugute, sondern den Urhebern.

Und so geht das munter weiter...

Du hast einfach mal keine Ahnung, aber davon jede Menge. Und das zeigt sich dann auch in den von Dir angeführten "Vorschlägen".

Ich picke mir da mal einen raus:

6. von einem Angebot wie zB. Allofmp3 zu lernen, deren Erfolg die Majors eiskalt überrumpelt und ihre DRM-Strategie über den Haufen geworfen hat.

Allofmp3 ist "erfolgreich", weil sie ein Geschäftsmodell betreiben, dass man in anderen Bereichen liebevoll "Produktpiraterie" nennt. Ich will mich hier nicht zur Frage der Legalität und russischen Rechtsnormen auslassen; Fakt ist, dass das Angebot gemessen an den Rechtsnormen der übrigen Welt illegal ist. "Erfolgreich" ist es nicht durch das damit verbundene Nichtvorhandensein von DRM, sondern durch den lächerlich niedrigen Preis. So gesehen sind fernöstliche CD-Raubpressungen, die Du auf irgendwelchen Wochenmärkten kriegst, auch "erfolgreich". Als Maßstab dafür, wie die Industrie arbeiten soll, taugt das nun überhaupt nicht.

Die Musikindustrie soll "damit aufhören den Kunden zum Kauf zwingen zu wollen"? Allerliebst. Man stelle sich das mal in Verbindung mit anderen Industrien vor: Die Autoindustrie solle "damit aufhören den Kunden zum Kauf zwingen zu wollen", oder die Textilindustrie solle "damit aufhören den Kunden zum Kauf zwingen zu wollen". Genau, sollen sie doch alle ihre Produkte nur noch verschenken.

Jungejungejunge, was für ein Schwachsinn...

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@avantgarde:

Sicher, aber wo liegt das Problem? Ich sehe da ehrlich gesagt wenig Einschränkungen. Wenn Du eine Schellackplatte im Auto hören willst, wirst Du auch eine Art "Formatwandlung" durchführen müssen (auf Kassette oder CD). Die meisten gängigen DRM-Systeme erlauben so was problemlos.

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Oooch, Schatziputz ...
"Herr, schmeiss Hirn vom Himmel! So viele Fehler, wo fange ich da am besten an..."

Bei Dir selbst? ;)

"Fakt ist, dass das Angebot [Allofmp3] gemessen an den Rechtsnormen der übrigen Welt illegal ist."

Den Fakt würdest Du mir bitte zeigen, ja? Es ist NICHT illegal dort einzukaufen, auch wenn die hiesigen Rechteverwerter (und Du) dies gerne propagandistisch in die Weltgeschichte hinausblasen. Es gibt lediglich Uneinigkeiten darüber wie die Vergütung der Einnahmen mit den Rechteverwertern der jeweiligen Länder aussehen soll. Hier hat man übrigens auf mehrere Angebote aus Russland ablehnend reagiert und die Zahlungen gar nicht angenommen, weil sie nach den hiesigen Gewinnmaßstäben zu niedrig waren. Sprich, die Gier ist hier größer als der gesunde Menschenverstand. Zudem ist Dein Vergleich mit den fernöstlichen Raubpressungen "etwas" unpassend, da diese (im Gegensatz zu Allofmp3) keine rechtsgültige Lizenz zum Verkauf der Inhalte haben.

"Jungejungejunge, was für ein Schwachsinn..."

Na, das wird doch noch mit Dir. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung? ;)

Und zum Thema "Formatwandlung": Das iTunes-DRM ist das einzige, welches offiziell (!) eine Wandlung der gekauften Daten in ein DRM-freies Format erlaubt. Alle anderen Systeme sind hier wesentlich restriktiver und bundeln die gekaufte Datei meist direkt mit dem Abspielgerät oder dem Rechner. Deswegen schauen die Käufer eines Zune zum Beispiel ganz gewaltig in die Röhre, weil sie ihre vorher über das von Microsoft gepushte "Plays for sure"-DRM dank Systemwechsel auf Microsofts eigenem Player nicht mehr abspielen können.

DRM ist DER Hemmschuh für die Entwicklung des Online-Marktes. Und das geben so langsam immer mehr Industrievertreter selbst zu.

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Von den meisten DRM-Systemen weiß ich noch nicht mal, ob sie in 5 Jahren noch funktionieren.

Nein, Tatsache ist, dass die MI schlichtweg den Fortschritt in der Technologie ignoriert, und statt das beste aus den neuen Gegebenheiten zu machen, die Nutzungsmöglichkeiten des Käufers (!) beschneidet (und auch mal schnell ein Rootkit installiert.

Die MI führt Krieg gegen ihre Kunden. Nur mal so:

Neulich beim Buchhändler:

"Ich hätte gern das Buch Blogs! von Don Alphonso."
"Selbstverständlich. Womit werden Sie es lesen?"
"Wieso womit? Mit den Augen natürlich."
"Äh nein, ich meine welche elektronische Lesebrille benutzen Sie?"
"Keine, ich seh ganz gut so."
"Tut mir leid, aber wissen Sie nicht, dass Bücher seit 2008 nur noch mit spezieller Lesebrille genutzt werden können, mit Freischaltcode?"
"Haben Sie sie noch alle?"
"Doch, das ist nun mal Vorschrift. Sonst könnten ja mehrere Leute das Buch lesen, oder Sie könnten es kopieren und weitergeben."

Genug gelacht. Jetzt will ich nur noch erklärt haben, wieso ich für eine verkrüppelte MP3 Version eines Songs, vollgepackt mit DRM, unsicher, ob den mein Player überhaupt spielt, nicht kopierbar etc einen Euro bezahlen soll.

Und das was ich suche, sowieso nicht im Angebot ist.

Der Denkfehler der MI ist, dass die Leute jede Musik kaufen sollen bzw wollen, die sie hören wollen. Das war nie so und wird nie so sein.

Früher haben wir Musik im Radio gehört, auf Kassette aufgenommen, von Kumpels überspielt... und das was wir WIRKLICH toll fanden, haben wir für 22DM als LP erworben.

Was hat sich geändert? Die Vervielfältigung ist leichter, schneller. Na und?

Heute kann ich eben, wenn ich will 20000 Songs "besitzen". Ich kann diese Songs aber nicht so bezahlen, wie ich das mit den wenigen LPs tun konnte.

Muss aber auch nicht sein. Kostet der Song nämlich nur 10 Cent, ohne DRM, beste MP3-Qualität, dann kann ich eben nicht nur einen für 1 Euro kaufen, sondern 10. Und alle anderen können das auch.

Natürlich wird nach wie vor massenweise kopiert werden. Na und? Ich kann nicht 20000 Songs kaufen. Aber je preiswerter sie sind, desto mehr.

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avantgarde:

Ist ja alles schön und gut, aber trotzdem falsch.

"Wenn eine C-Klasse nur 10000 EUR kosten würde, könnten sich viel mehr Leute eine C-Klasse leisten und Mercedes könnte viel mehr davon verkaufen."

Musik (oder nennen wir es mal allgemein "Content") fällt nicht vom Himmel, sondern kostet Geld in der Herstellung. Richtig viel Geld. Wenn Du also ein Produkt (einen Song, eine CD - whatever) für 10% des ursprünglichen Preises anbieten willst, müsstest Du also die zehnfache Anzahl absetzen. Und das ist unrealistisch; insbesondere, weil man vorher schlecht einschätzen kann, ob eine Produktion "läuft" oder wie Blei in den Regalen liegt.

Frag' doch mal Don, warum seine Bücher einen bestimmten Preis hatten und nicht nur ein Zehntel dieses Preises.

Dein hypothetisches Beispiel ist übrigens in bestimmter Hinsicht gar nicht mehr so weit von der Realität entfernt: Ich beobachte immer mehr, wie eingescannte Bücher (oder in meinem konkreten Fall: Noten) auftauchen. Wie werden Verlage mit so einem Szenario umgehen? Je höher die Akzeptanz von ebooks wird, um so weiter wird sich dieses Problem verbreiten.

Und noch eins zum Schluss:

Früher haben wir Musik im Radio gehört, auf Kassette aufgenommen, von Kumpels überspielt... und das was wir WIRKLICH toll fanden, haben wir für 22DM als LP erworben.

Und genau das findet ja heute auch noch statt - nur, dass der letzte Teil eben nicht mehr stattfindet (jedenfalls aus meiner Erfahrung heraus). Und genau das ist doch der Kern des Problems.

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Den Fakt würdest Du mir bitte zeigen, ja?

Die Rechtsnormen der übrigen Welt sehen vor, dass zur Verwertung intellektuellen Eigentums Verträge geschlossen werden. Allofmp3 hat (angeblich) einen Vertrag mit einer russischen Urheberrechtsorganisation, diese wiederum hat aber keinerlei Verträge mit ihren internationalen Pendants.

Das kommt immer mal vor, dass bestimmte Staaten eine eigene Sicht auf das Urheberrecht entwickeln; in der Regel wird das dann aber recht schnell den internationalen Gepflogenheiten angeglichen.

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Genau das stimmt eben nicht. Die tatsächliche Produktion von Musik hat immer nur einen kleinen Bruchteil der CD-Kosten ausgemacht. Besonders dreist war der Preissprung von LP zu CD (fast Verdoppelung), obwohl die Materialkosten ganz sicher nicht gestiegen sind.

Bei einer MP3 fallen noch wesentlich weniger Kosten an.

Und es ist doch schlicht nicht wahr, dass keine CDs mehr gekauft werden. Wenn es heute weniger sind, hat das nur sehr bedingt mit Tauschbörsen zu tun und viel mehr mit Qualität und Verkrüppelung.

Im Prinzip jammern doch nur die TOP 1000, wenn nicht TOP 100. Der Rest wird mit intelligenten neuen Vertriebswegen ohne MI besser fahren. Die meisten Künstler kriegen FAST GAR NICHTS von ihren CD-Verkäufen, und spielen ihr Geld hauptsächlich durch Konzerte ein.

Apropos Bücher: Ein Autor bekommt etwa 5 bis 10 Prozent vom Nettoladenpreis des Buches. Der Rest sind Verlagskosten, Herstellungskosten, Werbekosten, Sortimentskosten.

Bei einer MP3 fallen diese kaum ins Gewicht. Evtl. noch Werbung, aber genau die geht inzwischen auch ohne MI. Nur bei den "Großen", wo wirklich geklotzt wird, sind die ein Faktor.

Schon mal darüber nachgedacht, wie viel Musik als CDs in Deutschland verkauft wird, von der du noch nie was gehört hast? Ohne Werbung, ohne im Radio präsent zu sein.

Ich kaufe die. Erstaunlicherweise sind die CDs immer ohne Kopierschutz.

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Nein, da hast Du nicht recht. Die tatsächliche Produktion von Musik kostet derartig viel, dass viele Produktionen nicht mal diesen Betrag wieder einspielen. Das kannst Du meinetwegen der Gier der beteiligten Musiker zuschreiben, musst Du aber nicht - andere Leute würden da den Begriff "Marktwert" gebrauchen und auf Schauspieler, Sportler, Moderatoren usw. verweisen. Labels haben traditionell mit ihren "Megasellern" die "defizitären" Produktionen mitfinanziert.

Es jammern auch nicht nur die Top100 oder Top1000, sondern alle, bis hinunter zu Independent- und Kleinstlabels. Denn sie sind von dieser Situation alle betroffen.

Was das CD-Kaufen angeht: Ich kenne inzwischen genügend Leute, die "aus Prinzip" keine einzige CD mehr kaufen - denn sie müssen ja nicht. Sie "besitzen" aber natürlich trotzdem alle diese Musik. Das hat es in dieser Form vor so ca. 12 Jahren noch nicht gegeben.

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Ach Gott, gejammert wird ja immer.
Und was heißt hier "besitzen". Letztlich geht es nur um recht minimale Qualitätsunterschiede.

Was ich vor über 20 Jahren von LP auf Kassette kopiert habe, klingt mit Verlaub besser als jede MP3.

Nein sorry, es haben sich ganz andere Dinge geändert. Die MI muss sich anpassen, an veränderte Technik, verändertes Zielpublikum.

Stattdessen versucht die MI ihren Kunden die Kriterien vorzuschreiben, wie sie Musik zu hören haben. Und das geht eben nicht. Auch nicht mit Gewalt und Pauschalkriminalisierung.

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1. Allofmp3 hat rechtsgültige Verträge mit der russischen Rechteverwertungsgesellschaft, was die russische Regierung auf Anfrage der US-amerikanischen Verbände bestätigt hat.

2. Die Rechteverwerter in Europa und den USA weigern sich Zahlungen der russischen GEMA und Allofmp3 anzunehmen, weil ihnen die Beträge zu niedrig sind.

3. Diese Lizenzstreitigkeiten genügen juristisch NICHT, um den Einkauf dort für Nicht-Russen verbieten zu können. Wäre dem so, würde es in D-Land ausser einer einstweiligen Verfügung, keinen aktiven Link zu http://www.allofmp3.com zu setzen bereits entsprechende Urteile geben. In den USA ist da ebenfalls Fehlanzeige. Lediglich in Dänemark gelang es den dortigen Verbänden eine Sperrverfügung zumindest in der ersten Instanz durchzusetzen. "Weltweit" ist also etwas anderes ...

4. Zur "Krise der MI": Geh doch mal auf die Popkomm, frag doch mal all die kleinen Indies und Kleinlabels ... die rollen ob dieser Frage nur mit den Augen und verweisen auf gute Geschäfte. Denn die sind nicht von der Krise der Big Four betroffen. Ich frage mich daher, wie Du zu der Annahme kommst, auch diese wären davon betroffen.

5. Musik-CDs zu produzieren kostet Geld. Je nach Aufwand und Art der Musik mal mehr, mal weniger. Die Kosten dafür sinken auf Grund technischer Fortschritte bei Equipment und Aufnahmetechnik immer mehr, so dass man heute nicht mehr um jeden Preis teure Studio-Stunden mieten muss. Aufnahmestudios stecken daher in der Krise, weil man das teure Equipment nicht mehr sooo sehr benötigt.

6. Und wo ist nochmal der Beweis für den Zusammenhang zwischen Verfügbarkeit der Musik in Tauschbörsen und den sinkenden Umsätzen der MI? Und ich frage nochmals: Warum schreiben Film- und Spielebranche gute schwarze Zahlen, wenn Filme und Spiele ebenso leicht in Tauschbörsen verfügbar sind? Warum jammern nur die Kinobesitzer und nicht die Filmproduzenten? Wieso ignoriert die Spielebranche weitgehenst den Umstand, dass trotz Kopierschutz jedes Spiel bereits am Releasetag funktionsfähig im Netz verfügbar ist?

Weil sie keinen Sündenbock benötigen. Weil ihre Geschäfte gut laufen. Weil die freie Verfügbarkeit von kommerziellen Inhalten kaum einen Einfluss auf den Umsatz hat!

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Ich sehe, dass die MI noch ein anderes Problem hat: Musik wird nicht schlecht, trägt sich nicht auf und wird nicht "konsumiert". Viele Songs aus den 60ern klingen immer noch recht frisch. Die MI kann doch nicht glauben, sie könnte Millionen von CDs verkaufen, die dann in den hässlichen CD-Ständern im Wohnzimmer verstauben. Selbst LPs werden digitalisiert und kompatibel zum home-entertainment-center gemacht. Schallplattenspieler verkaufen sich überrschend gut. Der 2nd Hand-Markt in Shops und auf Flohmärkten boomt. Die MI hat auf Halde produziert und häuft täglich immer mehr an.

Da sollte die MI sich besonders anstrengen, interessante neue Musik und Bands zu veröffentlichen. Stattdessen: Oldie-Sampler und Best-ofs mit immer gleichen Titeln, die jeder schon hat oder gecastete Band, die irgendwie sich an 60er, 70er, 80er, oder 90er Jahre Trends orientieren.

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Na dann:

1. Allofmp3 hat rechtsgültige Verträge mit der russischen Rechteverwertungsgesellschaft, was die russische Regierung auf Anfrage der US-amerikanischen Verbände bestätigt hat.

Nein, Allofmp3 hat nicht Verträge mit DER russischen Rechteverwertungsgesellschaft, sondern mit EINER Gesellschaft (nämlich ROMS). Das ist - anders als Du suggerierst - NICHT die russische GEMA (das wäre die RAO).

2. Die Rechteverwerter in Europa und den USA weigern sich Zahlungen der russischen GEMA und Allofmp3 anzunehmen, weil ihnen die Beträge zu niedrig sind.

Sie weigern sich, Zahlungen anzunehmen, weil ROMS keinen Vertrag mit ihnen hat. Verträge kommen in den meisten Staaten dadurch zustande, dass zwei oder mehr Partner sich auf etwas einigen und nicht dadurch, dass jemand einfach erklärt, einen Vertrag mit jemandem zu haben. Ich kann auch nicht bei Dir in die Wohnung als Untermieter einziehen, Dir jeden Monat 10 EUR in die Hand drücken und dann erklären, Du würdest Dich einfach "weigern", mein Geld anzunehmen, weil Dir der Betrag zu niedrig wäre.

3. Diese Lizenzstreitigkeiten genügen juristisch NICHT, um den Einkauf dort für Nicht-Russen verbieten zu können. Wäre dem so, würde es in D-Land ausser einer einstweiligen Verfügung, keinen aktiven Link zu http://www.allofmp3.com zu setzen bereits entsprechende Urteile geben. In den USA ist da ebenfalls Fehlanzeige. Lediglich in Dänemark gelang es den dortigen Verbänden eine Sperrverfügung zumindest in der ersten Instanz durchzusetzen. "Weltweit" ist also etwas anderes ...

Nun ja, wenn man Wikipedia trauen darf, ist die Legalität von Allofmp3 bereits innerhalb Russlands umstritten:

http://en.wikipedia.org/wiki/AllOfMP3.com_legality

Dort insbesondere den Abschnitt zur Rechtsauslegung seitens ROMS und zu den entsprechenden russischen Rechtsvorschriften.

Auf den Rest gehe ich dann nicht mehr ein; erstens ist das Dons Blog, und zweitens sind meine eigenen Erfahrungen und Kenntnisse ziemlich entgegengesetzt den meisten Deiner Behauptungen. Woran das liegen mag - darüber mag jeder selbst spekulieren.

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avantgarde:

Die MI muss sich anpassen, an veränderte Technik, verändertes Zielpublikum.

Ja. Und wie passt man sich nun bitte einem Zielpublikum an, das das Produkt, das man herstellt, zwar haben will, aber dafür nichts bezahlen will (und - dank der veränderten Technik - auch nicht muss)?

Darf ich noch mal auf mein Beispiel mit den digitalisierten (eingescannten) Noten verweisen? Hättest Du da eine Idee,, wie entsprechende Verlage auf so etwas sinnvoll reagieren können? Das ist durchaus ernst gemeint.

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Ach was, das Zielpublikum kauft Markenklamotten, obwohl die meist nicht mehr wert sind als die billigen Imitate.
Das Zielpublikum kauft Klingeltöne, Computerspiele und was weiß ich.
Aber ein Tipp: Füge dem Produkt etwas hinzu, das sich nicht kopieren lässt. Mach es besser als das was in die Tauschbörse kommt.
Warum gibt es eigentlich Internet-Flatrates? Weil der Markt es verlangte.
Also warum dann keine Musikflatrates, meinetwegen mit Zuschlägen für neue Musik?

Vor allem: Nutze die Tauschbörsen. Sie sind die beste kostenlose Werbung, die es gibt.

Was deine Noten betrifft: Ich vermute, man konnte die schon immer in einer Bibliothek ausleihen und kopieren.

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Was deine Noten betrifft: Ich vermute, man konnte die schon immer in einer Bibliothek ausleihen und kopieren.

Ja, das konnte man, aber man hat es nur selten gemacht; und genau an dieser Stelle zeigt sich wieder sehr schön der qualitative Unterschied: Wer kopiert schon einen Band mit knapp 600 Seiten, der im Laden ca. 40 EUR kostet? Viel zu viel Arbeit für zu geringe Kostenersparnis. Aber diesen Band als PDF auf CD - tja, das ist dann wieder was anderes.

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"Was das CD-Kaufen angeht: Ich kenne inzwischen genügend Leute, die "aus Prinzip" keine einzige CD mehr kaufen - denn sie müssen ja nicht. Sie "besitzen" aber natürlich trotzdem alle diese Musik."

Dass es solche Leute gibt, ist wohl unbestritten. Alledings glaube ich nicht, dass die vor 12 Jahren die Musik, die sie heute "besitzen" (oder auch nur die Hälfte davon) gekauft hätten - heute kommen Menschen, denen Musik nichts wert ist, einfach leichter an Musik als früher.
Es ist doch viel mehr so (zumindest in meinem Bekanntenkreis mit eher geringem Durchschnittsgehalt), dass Menschen, die Musik lieben, auch bereit sind dafür zu bezahlen - weil eine Original-CD was schönes ist, weil man Respekt vor dem Künstler hat, weil man mehr will (wenn man dann allerdings für 20 Euro eine lieblos gestaltete CD ohne Booklet, von Texten ganz zu schweigen, bekommt... naja - da könnte die MI z.B. was tun, um die Attraktivität zu erhöhen).

Aber selbst die Leute, denen die CD nichts wert ist, gehen dann doch mal auf Konzerte (zahlen Eintritt!), weil man auf diese oder jene Band aufmerksam geworden ist - durch den illegalen Besitz von MP3's.

Mein Mitleid mit den 'Großen' der Musik - und auch der Filmindustrie hält sich sehr in Grenzen - wer beispielsweise einige Millionen Euro in den Aufbau der Backstreet Boys steckt, noch bevor die eine einzige Platte verkauft haben, kann natürlich ein super Gschäft machen, muss aber halt auch damit leben, wenn so ein Konzept irgendwann nicht mehr aufgeht. Vor allen Dingen dann, wenn man dem ehrlichen Käufer/Eintrittzahlenden zu allererst in mindestens 72pt an den Kopf knallt, dass er 'bloß nicht...sonst...!' um dann in maximal 8pt 'gute Unterhaltung' zu wünschen.
Und die 'Kleinen' höre ich nicht jammern, eher im Gegenteil.

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"Gutenberg kills Manuscripts!"

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Falsch. Gutenberg ging pleite. Und der Druck hat sich vor allem mit Gewalt und Porno, kurz billigen Flugschriften durchgesetzt.

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Dass Gutenberg pleite ging, ist inzwischen umstritten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Fust

Richtig ist dagegen, dass die meisten getauschten Filmclips Pornos sind. Komischerweise hört man recht wenig Klagen der Pornoindustrie.

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Die Pornobranche stellt selbst tonnenweise WMV-Videos ins Netz. Deren Abspielschutz ist zwar zu umgehen, doch angesichts der Masse an Interessenten bleiben doch genügend Leute hängen, die dann auf der entsprechenden Webseite eine Lizenz erwerben.

Aufwand: Webshop bauen, bereits abgedrehtes Video in DRM-WMV umwandeln, ed2k-Client installieren, etwas dickeren DSL-Anschluss besorgen, Videos freigeben und auf die ersten Zahlungen warten.

Reichweite? Nach letzten Schätzungen einer auf Traffic-Analyse spezialisierten Firma konstant über 10 Mio. P2P-Nutzer zu jeder gegebenen Minute. Und das nur die gängigsten P2P-Protokolle ...

Und wieder macht die Porno-Industrie vor, wie man relativ einfach mit dem P2P-Prinzip ordentlichen Umsatz machen kann, ohne gleich panisch zum nächsten Anwalt zu rennen oder viel Geld für politische Lobbyarbeit auszugeben.

Die Filmbranche denkt gerade ähnliche Angebote an. Die derzeitigen Verantwortlichen der MI hingegen ... ein einziges Trauerspiel.

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viva l'épidémie
wie bereits bei knüwer gepostet:

verstehe nicht, was an graffs artikel kritisiert wird. dass er den usern diebstahl statt urheberrechtsverletzung unterstellt? who cares? wer hat sich nicht schon illegal etwas kopiert? ob nun cds oder dateien. kümmert mich doch nicht, ob das nun als diebstahl, urheberrechtsverletzung oder vervielfältigung gesehen wird. ist alles mehr oder weniger richtig - je nach sichtweise und argumentation.

der artikel ist einfach ein solides erklärstück und stellt obendrein ja auch noch die ganzen reden der musikindustrie in frage? also wo ist das problem? wird graff kritisiert, weil er in einem satz von einer epidemie spricht und das böse klingt? wortklauberei. das ganze netz ist eine einzige epidemie, ein einziges virus. ich bin auch infiziert. und mir gefällt's.

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Politikerverdrossenheit
Das Thema macht mir wieder deutlich, daß ich nicht politikverdrossen, sondern politikerverdrossen bin. Der Unterschied im geschriebenen Wort ist klein, in der Realität jedoch sehr wesentlich.

Die Novellierung des Urheberrechts ist in Arbeit. Frau Zypries, unsere Beauftragte, setzt die Vorstellungen einer Lobby um statt unsere Interessen zu vertreten.

Wahrscheinlich macht sie es so schlampig, daß ein Heer von Rechtsverdrehern jahrzehntelang darum streiten kann, was der Gesetzgeber erreichen wollte und wie die einzelnen Grübelsätze ausgelegt werden sollten.

Diese Vermutung kommt nicht von ungefähr. Wer es nicht glauben mag, der schaue sich aktuell die Lage zum Fernabsatzgesetz an. Abmahnungen, widersprüchliche Gerichtsurteile, Unsicherheiten allüberall.

Manchmal glaube ich, daß soviele Juristen in der Politik vertreten sind, um Arbeitsbeschaffung für eben diesen parasitäten Beruf zu betreiben.

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