: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 18. Januar 2005

3+7+4+0+3 Stunden Schlaf

in den vorhergehenden Nächten und dann um 7 Uhr raus und nach Hamburg. Wie in den schlechten alten "Wir haben ein Problem bei unserem Investment in Frankfurt und Sie hätten sich das Wochenende verdient aber das sollten Sie noch schnell"-Zeiten. Und weil meine Gesprächspartner alle mehr oder weniger Berater waren, geht der Kopf auf den Reservetank und verhindert alle Konzentratiosschwächen. Manche nennen sowas naturprall, und das ist es wohl auch. Berufskrankheit, jederzeit wieder abrufbar, aber eigentlich nichts, worauf man stolz sein sollte.

Dann stehe ich in der U-Bahn, und die nächste kommt erst in 19 Minuten, 18, 17, die Gehirntätigkeit fällt auf das Niveau einer Amöbe (Amöbenhirn, das Lieblingsschimpfwort meiner kleinen Schwester), und der letzte Gedanke ist, was passiert, wenn ich in der U-Bahn einschlafe, die Station verpasse und dann im Hamburger Norden vielleicht noch ausgeplündert werde...



Der Gedanke dauert so lang, bis die U-Bahn kommt.

Und dann, im letzten Moment, kam sie die Treppe runter. Keine Ahnung, warum sie um 0.22 Uhr noch ein Kleinkind durch die Gegend zerrte - jedenfalls wuchtete sie sich noch in den Zug, setzte sich direkt mitsamt dem erkennbar unzufriedenen Kind hinter mich, und ich stellte die nächsten 15 Minuten fest, dass jegliche Form von Einschlafen nahe der auf 5000 Hertz kreischenden, alle 10 Sekunden neu startenden Babyturbine auf 102 dbA nicht möglich ist. So komme ich hellwach und mit einem Pfeifen in den Ohren bei der richtigen Station an. Wenn ich das nächste Mal U-Bahn fahre, werde ich einen Lutscher minehmen und den dann in das Auge des akustischen Orkans stecken. Falls ich je nochmal U-Bahn fahre natürlich.

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Real Life 16.1.05 - Jungfernstieg

Entschuldigung?
Es ist dunkel, es regnet, ein paar Meter schwappt eine ölige Brühe in der Innenalster. Meine in Erwartung nordestdeutscher Verhältnisse gewählte Jacke ist, seitdem ich aus den Hyatt gekommen bin, wahrscheinlich genauso nass wie das weisse Mäntelchen, in dem die junge, schlanke blonde Frau friert.
Ja bitte?
Kennen Sie sich hier aus?
Ich bin seit 7 Stunden in Hamburg. Ich bin 1,80 Meter gross und nicht gerade verhuzelt, wie man in Bayern sagt, aber ich bin auch erkennbar südlicher Abstammung, zumindest, wenn ich mir die hier in rauen Mengen auftretenden grossen, blonden, nordischen Menschen anschaue. Und dann fühle ich mich instinktiv, nun, sagen wir mal andersrassig, was ich ja eigentlich auch bin. In Bayern gehe ich als Bayer durch, aber hier beschleicht mich seit 7 Stunden das Gefühl, in einem Lusttraum von Lebensborn-Fanatikern gelandet zu sein. Die Frau im weissen Mäntelchen müsste eigentlich erkennen, dass ich nicht von hier bin.
Nein, bedaure, ich komme aus München.
Es ist wirklich kalt, eine steife Brise kommt aus dem Norden und weht ihr die Haare aus dem Gesicht, und sie lächekt.
A so, jo, I a. Oba wissns velleicht, wo des via Johreszeitn is, is des des linke oda des rechte von dene erleichtetn Heisan?
Oisa, vom rechtn kumm I grod hear, des woas ned, oiso muass es as linke sei.
Danksche, sagt sie, so breit, dass es irgendwo aus der gegend um Mühldorf kommen muss. Mühldorf am Inn. Die reden so breit. Und haben oft noch Brauereien.
Bittsche, sage ich im gewöhnlichen Mittelbayerisch, von dort, wo die Bäcker um 2 Uhr nachts an die Öfen gehen. An schena Obnd.
Eine hochgeschossene, blonde Frau mit gentomatenroter Haut kommt während des bayerischen Abschiedszeremoniells vorbei, und weil wir in dieser vulgär klungenden Fremdsprache reden, schickt sie uns den Blick eines Schillparteianhängers, der zwei bongospielende Afrikaner sieht.

Ich bin ganz im Norden, ganz oben, und bei der Fahrt zum nächsten Ziel läuft inm Radio ein Lied mit dem Tiel "Nordisch by nature".

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