: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 22. Dezember 2005

In nova fert animus mutatas dicere formas corpora

Wer bis vorgestern die Erhardstrasse in München am Deutschen Museum vorbei nach Süden fuhr, hat in den letzten Monaten am Strassenrand vielleicht einen stählernen Müllhaufen gesehen, der durchaus was für den Dirt Picture Contest gewesen wäre. Im Schnee steckte, bis zum Dach mit schwarzbraunen Matsch des vorbeidonnernden Verkehrs eingesaut, ein Auto, das früher mal silber gewesen sein muss. Es war unförmig, zerkratzt und verbeult, was nicht am Design lag - das hatte vor 10 Jahren wahre Wunder geschaffen - sondern am rüden Umgang der Münchner beim Einparken mit dem roAuto ihres Nächsten. In die Tür war mal einer geknallt, der bei einem illegalen Rennen ins Schleudern kam - und der bei dieser Gelegenheit bewies, dass Mazdas noch mieser gebaut sind als ein Fiat Sportwagen. Jenun, aber auch Fiat hat geschludert in den ersten Serien der Barchetta, und so hatte der im Besitz von Don Alphonsos kleiner Schwester befindliche Müllhaufen in meinem Clan den Ehrennamen "die schnelle dreckige Beulenpest".



Seit gestern gehört es mir. Wage es keiner, meinen süssen kleinen Renner jemals als Beulenpest oder dergleichen zu bezeichnen. Das Auto ist ein Stück rollende Automobil und Familiengeschichte, es fuhr schon über die Maximilianstrasse, als offizielle Händler noch nicht mehr davon hatten als die Prospekte - irgendwie schaffte es mein Clan damals, über gewisse Quellen ein Exemplar zu bekommen, bevor es hier erhältlich war. Das etwas seltsame Gefühl, als Äusserlichkeiten nicht besonders zugetaner Mensch die alten Automobile der kleinen Schwester aufzutragen, verflüchtigt sich, wenn 130 PS gerade mal 1060 Kilo beschleunigen.

1943 stellte die US-Navy ein Flugzeug namens Vought F4U Corsair in Dienst. Das hatte in den Flügelstutzen zwei Kühler sitzen, und der charakteristische Lärm, den diese Löcher verursachten, sorgte für den Spitznamen "Whisteling Death". Nun, das Auto hat so seine Löcher im Grenzbereich zwischen Windschutzscheibe, Verdeck und Seitenfenster, und das klingt ab 140 Sachen auch so. Nennen wir es also "Don Alphonso´s Whisteling Death". Was jetzt neben einem kundigen Spengler noch fehlt, ist der passende Schriftzug und das Pinup-Girl.

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Ackermann mon amour

Ach je, jetzt geht auch der zweite grosse Immobilienfond der Deutschen Bank Richtung Krise. Um Bankchef Ackermann wird es noch ein Stück dunkler. Vermutlich wartet man nur noch bis zur Weihnachtszeit, wenn die Aufgeregtheit im Feiertagstrubel untergeht, um ihn mit dem goldenen Handschlag zu verabschieden - und, eingedenk des Mannesmann-Prozesses, diesen Handschlag shareholderfreundlich zu gestalten. Natürlich hat Ackermann diverse Fehler gemacht, aber letztlich wird er wegen seiner harten Haltung bei der Schliessung des Grundinvest-Fonds gegangen. Da war er ehrlich, da hat er sich gegen die Lügen des Finanzplatzes gestellt, da hat er den Anlegern gezeigt, wo in der Globalisierung der Hammer hängt: An der Stelle, wo er sie immer, jederzeit erwischen kann.

Denn im Kern leiden die Immobilienfonds im Stil von Grundinvest in Deutschland an einem Kontruktionsfehler: Es sind langfristige Anlagen mit kurzfristigen Investments. Jeder kann nach Belieben rein oder raus. Die Banken haben dieses Problem dadurch behoben, dass sie mit Zuzahlungen die Illusion schufen, alles sei und bliebe langfristig sicher, die Fonds würden ihr Geld bringen und die Papiere seien der sichere Hafen im Geschnattersturm der Weltwirtschaft. Weshalb solche Papiere vor allem von Leuten gekauft wurden, die in ihrem Depot ein paar Assets ohne Risiko liegen haben wollten, neben all den Heuschreckenpapieren und den fast wertlosen Resten der New Economy. Der Immofond ist da der Fels in der Brandung, der Garant für das gute Gefühl, wenn die Jahresaufstellung kommt.

Aber genau das kann man in einer Welt vergessen, in der Investmentbanken, Hedgefonds und andere Profitmaximierer den Ton angeben. Rekordgewinne gehören ebenso zum guten Ton wie harte Schnitte und schnelle Kurswechsel - die Deutsche Bank hat das in den letzten Jahren vorgemacht. Immo-Fonds mit ihren Büroparks und Gewerbecentern dagegen leben nun mal davon, dass Unternehmen langfristige Standortentscheidungen treffen und auf nachhaltige Personalstrategien setzen. Man kann nicht 20% Rendite durch Personalabbau und gleichzeitig Wertstabilität durch entsprechend leere Gewerbeimmobilien bekommen. Auf diesen unüberwindlichen Gegensatz, auf diese Wahrheit hat Ackermann letztlich hingewiesen.



Natürlich wird jetzt gejammert, dass das alles nur inszeniert war, um die Verluste bei den Anlegern zu belassen und selbst mit dem Verkauf der Gebäude und einem von der Deutschen Bank betreuten Börsengang des Käufers grosse Gewinne einzustreichen. Auch hier ist Ackermann nur konsequent: Wenn Immobilien durch die Bocksprünge der ständig neue Strategien entwickelnden Wirtschaft keine sicheren Mieter haben, dann muss man diese Immobilien auch der Logik der Märkte unterwerfen. Es ist nicht weniger als sinnvoll, es ist nicht weniger als gerecht, gerade gegenüber Anlegern, die jenseits ihrer eigenen Vollkaskomentalität durch Fonds bei jeder Entlassungsrunde mit Kurssprüngen belohnt werden und selbst jeden Vorteil nutzen, den sie in dieser "Geiz-ist-geil"-Epoche zusammenraffen können.

Es wäre an der Stelle eigentlich angebracht, Ackermann zu danken für seine offene, ehrliche Haltung. Ackermann hat uns die Augen für die Realität und die Zusammenhänge geöffnet. Jetzt könnten wir das in dieser Gesellschaft zum Anlass nehmen und nachdenken, welche Ziele wirtschaftlich überhaupt vernünftig sind, was erreichbar ist und welche Turbulenzen man durch nachhaltige Planung, kluge Strategien und durch kurzfristige Aktionen wie dem Verbot von Beratungsunternehmen über 40 Mitarbeiteren, internationalen Law Firms und Neocon-Lobbies, sowie der Unterstrafestellung der Förderung von Ungezieferfonds erreichen könnte. Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen, zurück zum rheinischen Kapitalismus und seinen sicheren Anlagen oder voran in den internationalen Terror der Ökonomie ohne Verantwortung.

Natürlich jammern die Neoliberalen, das ginge doch gar nicht, die Globalisierung schreite unaufhaltsam voran. Aktuell bekommen sie aber mit Volkswagen und dem Einstig von Porsche ein Beispiel geliefert, das als vorbildliches Verhalten der alten Deutschland AG gelten kann - es hat beiden Partnern, den Beschäftigten und somit uns allen genutzt. Damals ging noch ein Aufschrei durch die Gazetten von FTD bis SPON, so könne man das nicht machen. Ackermann liefert das ab, was die logische Konsequenz dieser Forderungen ist - und wird dafür von den Deppen der Medien ebenfalls abgestraft. Deshalb, falls es doch noch diese nötige Debatte um das Verhalten der Witschaft in diesem Land gibt, sollten wir auch gleich noch eine andere Forderung festhalten: Abschaffung der korrupten Wirtschaftsjohurnaille. Eventuell kan man für diese Leute ja eine Zeche im Ruhrgebiet wieder eröffnen.

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