: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 8. Oktober 2007

Das Ende des Blutrauschs

Erster Nebel zieht durch die engen Gassen, und noch vor Mitternacht verlöschen bei den blonden Elitessen die fahlen Lichter der Bildschirme. Düsternis hat sich über die kleine Stadt gesenkt, und nur oben, unter dem Dach, brennt noch Licht, wie in einem Leuchtturm, der die Würgeengel durch die nacht geleitet. Seltsame Töne erschüttern die Stille, ein monotones, blechernes rchrchrch wie von einem handmechanischen Bohrgerät, und dazu ein lautes, irres Ahahahaaaa! - da lacht ein Böser, der etwas malträtiert, ein Arzt vielleicht, der dunklen Neigungen nachgeht und betäubten Trunkenen des Volksfestes Monsterspangen in die Zähne schraubt -

oder auch nur ein schlechterer Sohn aus besserem Hause, der begeistert ist von seiner neuesten Erwerbung. Denn es ist so: Bislang erwiesen sich die meisten Gerichte mit Käse als Freude mit bitterem Beigeschmack - in dem Moment, als es an das Reiben des Käses ging. Meine Käsereibe ist ein einfaches, gelochtes Blech mit Griff, und jedes Stück Käse musste darauf von Hand gerieben werden. Fasste ich den Parmesan zu weit hinten, brach der Käse vorne in Klumpen ab, wartete ich zu lange auf die Reifung und der Parmeggiano wurde hart, musste ich fest drücken und kam mit den Fingern oft nah, zu nah, schmerzhaft nah an die scharfen Schneiden. Dagegen war es im wahrsten Sinne des Wortes zu verschmerzen, dass die Käsereibe nur sehr fein rieb und für weichere Sorten kaum zu gebrauchen war; für den weichen Scamorza jedoch wäre eine Alternative wirklich sinnvoll gewesen. Wie oft stand ich vor der Wahl, ein kleines, nur noch unter grossen Gefahren reibbares Stück Käse wegzuwerfen, wie oft entschied ich mich für das Risiko, und wie selten ging es ohne Schmerzen aus - das war einmal.



Denn heute fand ich für exakt einen Euro einen alten Mouli Grater aus Blech mit nicht weniger als drei verschiedenen Einsätzen. Das Ding ist genial, einfach zu bedienen, und schützt für immer die Hände vor dem reissenden Blech, das sich allein in den Käse gräbt, den eine Blechzange gnadenlos in den Trichter drückt. In einer Minute ist auch der härteste Parmesan durchgerubbelt, da bleibt kein Rest im Trichter. Rchrchrch macht es, und schon fällt der duftende Käse genau dort hin, wo man die innere Öffnung der Reibe hin ausrichtet - kein verstreuter Käse mehr, kein abschliessendes Durchkehren, und obendrein ist es auch noch französisch, so französisch, wie so ein Küchengerät nur sein kann. Für einen Euro!

Entschuldigt mich - ich muss die nächste Tarte machen.

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Kein Rost zu sehen.

Auf den ersten Blick. Aber weil das Faltdach undicht war, ist Wasser unter den Fahrzeughimmel gekrochen, und das Dämmmaterial stinkt bestialisch nach Schimmel. Der Auspuff ist zwar wegen der reingerosteten Löcher extrem laut, aber nicht laut genug, um das Rudurudrudu der kaputten Lager zu übertönen. Dezent Selbtmord begehen kann man, wenn man die Lenkung loslässt; den Wagen zieht es zur Strassenmitte, als gäbe es dort eine kostenlose Tankfüllung. Der Tank scheint übrigens leck zu sein, neben dem Schimmelgeruch ist da noch was dezidiert Brennbares in der Luft. "Überschaubarer Restaurierungsaufwand" nennen sie es.



Sage bitte keiner mehr was über die Unzuverlässigkeit von Fiat. Wer meint, die Italiener seien Schluderer, hat sich noch nicht mit britischen Sportwägen der Häuser Triumph und MG auseinandergesetzt. Es gibt vermutlich gute Gründe, warum kein englisches Fahrzeug je den Spitznamen "Der Unzerstörbare" oder "Der Dauerhafte" erhalten hat.

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Liebe Financial Tims Deutschland -

jetzt mal im Ernst: Wenn Ihr eine Firma sehen würdet, die vor sieben Jahre aus der Gier heraus geboren wurde, auf einem emerging Market ganz gross mitzuspielen, und die dabei höhere zweistellige Millionenverluste eingefahren hat und zudem bis heute jährlich ein paar weitere Millionen Verluste anhäuft; die also über sieben Jahre bewiesen hat, dass sie nicht im Mindesten kostendeckend arbeiten kann und es zudem aufgrund der mangelnden Qualität auch nicht schafft, zum Marktführer aufzuschliessen; wenn diese Firma dann auch noch dafür verantwortlich ist, dass es einem ihrer beiden Gründer nicht allzu gut geht und der für einen Spottpreis verkaufen will, den zu bezahlen aber eine der reichste Firmen dieses Bereichs nicht bereit ist, und wenn sich zusätzlich zeigt, dass der Gesamtmarkt unaufhaltsam schrumpfen wird -

wenn Ihr also diese Faktoren einer Firma seht, all die Hybris zum Start, die Wechsel beim Personal, die Inkompetenz und das miserable Produkt am Ende - würdet Ihr neoliberale Ertrags- und Effizienzfetischisten, Ihr ultraharte Durchgreiffreunde und Arbeitnehmerverlacher dann nicht auch sagen, der Sache wäre am ehesten damit gedient, wenn man die Firma schnell und effektiv schliesst?

Und nicht weinen und es tapfer akzeptieren, dass es bei dieser peinlichen Pleite ausnahmsweise mal um Eure eigenen Arbeitsplätze geht?

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