Freitag, 25. März 2005
Soldatenfriedhof

Aber ganz so war es auch nicht. Es gab ein paar Tote nach dem Hype, wo man sich mehr oder weniger machen Gedanken musste. Weniger, wenn man als PRoletIn letztlich nur den Kranz kaufte, mehr, wenn es Freunde waren. Leute, die buchstäblich verheitzt wurden oder den Druck nicht aushielten. Manche sind mit dem Gefühl des Versagens nicht fertig geworden. Es waren fast immer die Netteren, durch die es die wirklich schwarzen Momente, Tage und besonders die Nächte beim Warten gab, ob es nicht doch vielleicht gut ausgeht, denn schliesslich hält so ein junger Körper viel aus, wenn er nicht gerade in einen entgegenkommenden LKW pilotiert wird von einem abgehetzten Fahrer, um einen belanglosen Scoop in time für eine Firma zu liefern, die so oder so drei Monate später von einem Controller rasiert wird.
Die meisten haben nur ein paar Knicke in der Karriere, wie alle anderen ihrer OpenBC-Peergroup auch, Einkommensverluste, aber schon die Privatinsolvenz war seltener, als es gerecht gewesen wäre. Manche schicken mir immer noch ihre Email-Änderungen, wenn es mal wieder einen neuen Job gibt, oder wenn sie zurück zum Freemailer wechseln. Nicht wirklich viel passiert, leider. Gelernt auch nicht. Warum auch. War eigentlich ganz lustig, mal jung, reich, unverantwortlich und baldiger Beherrscher des Weltmarkts zu sein. Und vielleicht beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.
Wenn es diesmal endlich die weniger Netten erwischt, denke ich nicht nur an Gräber. Sondern auch an applied Draufpinkeling.
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Ich will niemanden langweilen,
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Geht es für Google noch schlimmer

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Prejudice
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Racism
Date Hundreds of Thousands of Singles from Other Races, Cultures
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Kracherpreise für Vorurteile und angewandter Sex-Rassismus brought to you by Google! Ganz prima! Super kontextsensitiv, gerade in diesem Fall!
Eine kleine vorrausschauende Formulierungshilfe von mir für Google-Sprecher und Blog-Überwacher-Wannabe Stefan Keuchel:
"Also persönlich finde ich das zum Kotzen, für Vorurteile und Rassismus zu werben, aber wir tun natürlich nichts Böses, wie schon unsere Company Vision sagt, denn es gibt eben beim Sex auch die eine oder andere Seite, und man muss Vorurteile unter verschiedenen Blickwinkeln sehen, und dazu muss man sie natürlich erst mal bei unseren Werbepartnern zum Kracherpreis kaufen. Sollten wir aber feststellen, dass Sex-Rassismus und der Handel mit Vorurteilen selbst zum Kracherpreis strafrechtliche Inhalte sind, werden wir das sofort entfernen."
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Deutsches Google - newst nur Deutsches Braun!
Von einer Entscheidung in Amerika, die National Zeitung zu entfernen, will Keuchel nichts wissen. Na, bei so einer internen Kommunikation, wo der amerikanische Boss es über Medien verbreitet und der Überwacher Keuchel es nicht weiss, wundert mich gar nichts mehr. Und so jemand, der noch nicht mal im eigenen Laden informiert wird, will Seminare über PR und Blogs halten? Hallo? Wer mal sehen will, wie Blogs solche issues auch über den Atlantik tragen können, mag sich mal bitte das hier durchlesen und die Links clicken.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 24. März 2005
Remember Incubating?
Land stellt 5,1 Millionen Euro für Inkubator-Zentrum in Gelsenkirchen[...] Das alles geschieht in der festen Überzeugung, dass hier das richtige Projekt am richtigen Ort mit kompetenten Partnern gefördert wird. [...] Ein erstes großes Ergebnis aus der Tätigkeit des Inkubator-Zentrums ist die TIME AG, die sich als Zeitarbeitsunternehmen besonderer Art präsentiert und Ingenieur-Nachwuchs mit einer Arbeitsplatz-Garantie ausstatten wird.
Aber wie wir alle wissen - Garantien gibt es nie, noch nicht mal mit Inkubatoren. Garantien gibt es noch nicht mal auf die Richtigkeit der Nummern beim Amtsgericht, und dennoch zeigt die Nummer 166 IN 90/05, die die Time AG hat, dass auch der Staat beim incubatieren Dinge in die Welt setzt, deren kurze Incubationzeit den Investor Staat überraschen wird.
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Kontextsensitive Werbung

Auch von mir frohe Ostern - und, liebe Hyper: Sterbt mit Freude, vielleicht klappt´s ja mit der Auferstehung!
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Ein Ostergruss von Uncle Meat

Und ich kann mich da nur anschliessen. Falls Ihr auf dem Osterspaziergang einen gewissen K***, einen N**** oder einen F*** trefft - ihr wisst ja, wozu Trauerweiden gut sind.
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Real Life Dezember 99 - Skalierungsprobleme
Die Website war sauber gemacht; abgsehen von der damals leider üblichen Flash-Navigation und der Datenmengen, die für 56k-Meodems viel zu gross waren. Wenn man so will, das übliche in dieser Zeit, die davon träumte, dass Ende 2000 DSL Flat für alle da ist. Wir änderten, was ohne viel Aufwand zu ändern war, und danach dauerte es nur noch 40 Sekunden, bis die Seite komplett auf dem Bildschirm war - zum Vergleich, die FTD kam sich bald darauf mit 200 kb ziemlich schlank vor.
Das Team bestand aus Leuten, die etwas Gefühl für Texte hatten, und weil es ziemlich offen war, mit Verständnis für die Zielgruppe, aus der sie auch selbst kamen, sah alles nach einem sehr schönen Projekt aus. So, dass sie ganz sicher in der Bubble Economy des Winters 1999 VC bekommen hätten. Die Zuwachsraten bei den Usern waren phantastisch. Es war die "Readers Choice", obwohl es in dem gleichen Marktsegment schon ein halbes Dutzend Wettbewerber gab.
Formal war es immer noch eine private Homepage, aber die Werbekunden und Kooperationspartner drängelten sich schon heran, und es war klar, dass eine Rechtsform her musste, AG oder GmbH, denn bis dahin war es eine GbR mit voller Durchgriffshaftung. Ich vermittelte ihnen einen Mantel eines anderen Startups, das es nicht über das Seed Capital hinaus geschafft hatte, denn es musste schnell gehen, täglich kamen ein paar tausend potenzielle Kunden rein, die die Basis des zukünftigen Reichtums werden sollten. Am einem Freitag stand die Finanzierung, am Montag wäre der Notartermin geesen, so schnell ging das damals.
Am Sonntag kam das Ende, schnell und unerwartet. Eins der Mädchen, die das alles so gerne wachsen gesehen haben, rief mich an, und wollte reden. Sie hatte Angst vor der Grösse, vor dem, was da aus der früher kleinen Community wurde. Es ging rasend schnell, es hatte den richtigen Speed für das VC-Bizz, aber es war ihr zu viel. Sie sass im Büro vor dem Rechner und wusste nicht mehr, was das da draussen im Netz geworden war, und mein etwas blöder Ratschlag, es einfach zu probieren, war auch im warmen Tonfall des späten Abends nicht der richtige. Sie wollte nicht, und konnte es den anderen nicht sagen, denn ohne sie reichte das Geld nicht. Also blieben die telefonate an mir hängen, aber es war weniger schlimm, als man erwartet hätte. Sie alle hatten vielleicht die richtige Seele für ihre Idee, aber nicht die richtige Mentalität für das, was auf sie zugekommen wäre. Und ich wohl auch nicht, sonst hätte ich ihren Part übernommen; das Geld wäre nicht das Problem gewesen. Sondern auch bei mir diese Unsicherheit im Nebel gleich hinter der Scheibe, den das Internet darstellt. Nichts ist planbar, und selbst die, die es können, wissen nicht, wie es geht.
Sie verkauften die halbfertige Firma an einen Konkurrenten, für einen guten Preis in Cash und einen weniger guten in Pre-IPO-Shares, die ein Jahr später nichts mehr wert waren.
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Steve Langdon
PR-Kundige wissen, was das bedeutet. Google war offensichtlich not amused von der Krisen-PR, wie sie von den niedrigeren Chargen gehandelt wurde. Tja. So geht das. Und wo war bitte sie grossartige PR in der Blogosphäre?
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 23. März 2005
Keuchel davor und danach
Heute in Bezug auf manche Angebote bei Google News bei heise: "finde ich persönlich zum Kotzen."
Vorher hat man wie die anderen auch unpolitisch weggeschaut, danach war man innerlich privat natürlich dagegen.
Zum Kotzen. Echt.
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KMeuchelei am Nachmittag

Unfassbar. Da kommen jetzt sicher nochmal vier, fünf andere, dann Spiegel.de, dann steigt die DPA ein, und morgen früh kriechen sie so oder so in Sack undAsche, vorndran der Keuchel, der Unternehmen beibringen wollte, wie man uns Blogger überwacht und beeinflusst.
War das wirklich nötig?
[UPDATE:] Das hier ist noch mal Extraklasse. Nur für den Fall, dass sie sagen, dass sie von dem Problem nichts geahnt haben.
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Ein Kinderlied zwo drei vier
Wi di wi di wir und die NZ macht Freude,
Wir dengeln uns das Google,
Wi di wi di wie es uns gefällt.
Hey Stefan Keuchel
Tra la li, tra la la,
Tra la hop sa sa,
Hey, Stefan Keuchel
Du macht besser was uns gefällt.
Drei mal PRler scheuchen,
Wi di di di wer will's von uns lernen?
(Abteilung infantil-innovative Linkschleuder) Wir warten auf die Entfernung der Nationalzeitung, Keuchel. Und eine Entschuldigung für die "verschiedenen Blickwinkel", die hier kein Mensch mehr braucht. Auch nicht Google.
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Keuchel der Überwacher
Google-Sprecher Stefan Keuchel bringt der Netzeitung bei, dass die rechtsextreme Nationalzeitung des Münchner Verlegers Frey für Google News kein Problem ist - werde man auf strafrechtliche Inhalte hingewiesen, werde man natürlich umgehend reagieren.
Ach so, strafrechtliche Inhalte. Vielleicht den Paragraphen 130 StGB Volksverhetzung im Originalabdruck? Könnte mal jemand diesem Überwacher Keuchel mitteilen, dass es sich, wenn dann um "strafrechtlich relevante Inhalte" handelt, und dass ansonsten auch noch "zivilrechtlich relevante Inhalte" gibt, etwa in Zusammenhang mit dem § 823 BGB, wegen der die Nationalzeitung bisweilen auch schon mal Probleme hat?
Ansonsten sagt er, dass die Nutzer "sich so immerhin aus verschiedenen Blickwinkeln informieren" können. Aha. Da hat der Pressesprecher aber echte Medienkompetenz. Aber Blogs, die muss man natürlich professionell überwachen. Danke, IT&W.
[UPDATE:] Grosser Text ist an der Blogbar, Keuchel hat sich dann letztlich doch gemeldet und wollte am telefon reden, aber ich habe ihn gebeten, sein Können bei IT&W oder hier oder an der Blogbar unter Beweis zu stellen.
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Asslige Assauer bei SPON

Eine Meldung aus "assau/Berlin" zeigt, dass vor dem beliebten Kopieren auch das unerlässliche Markieren von Qualitätsjournalisten gelernt sein will - sogar bei der Topmeldung des Tages, unkritisch genommen übrigens von der Passauer Neuen Presse, die der in diesem Fall nicht ganz desinteressierten CSU mindestens so fern steht wie das Neue Deutschland der SED.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 22. März 2005
Kontextsensitive Werbung

"Wer was hässliches einreicht, wird hübsch eingerichtet." Nicht wirklich schwer, was Hässliches zu finden.
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My first Chat Interview
Also wahrscheinlich die Zukunft des Journalismus. Hoffentlich
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Real Life 22.03.05 - Haitransport
Sie kommen zu dritt, wie eigentlich immer, wie früher. Es sind immer drei. Der Jurist, der die Issues definiert und festklopft, der Analytiker, der es in einen undurchdringlichen Mantel packt, und dann noch der Kopf des Ganzen, wieder ein Jurist, eine Juristin, die das Ganze in das Ziel treibt. Sie sehen immer gleich aus, belanglos, undefinierbares Alter, übermüdet und gestresst. Es wurde mal wieder zu spät fertig. Deadline-Racer.
Die anderen wissen, wer ich bin und was ich war. Sie vertrauen mir, und während der zwanzig Minuten in den Westen der Stadt besprechen sie offen ihre Strategie. Sie sind da noch nicht am Drücker, aber wenn sie es schaffen, geht es beim Zerlegen ans grosse Geld. Sie werden die anderen Investoren schocken, denn sie haben die echten Zahlen. Das jetzt ist eine Krisensitzung, aber sich machen daraus eine Katastrophe, wenn sie die um die Unterschlagungen, unregular benefits ergänzten Bilanzen präsentieren. Ich weiss, wie sie da dran gekommen sind. Irgendwo ist in den Systemen der Verantwortlichen, in der Money Machine mit ihren Kickbacks immer ein kleiner Idiot, auf den alles geschoben werden kann, der dead man walking, mit einer booby trap unter dem Eames Chair. Eine dumme, arme Sau, die sehr hilfreich sein kann. Wenn sie keine Panik bekommt. Die Suche nach solchen Sängern ist schon wieder ein eigenes business model im emerging market der downturn economy.
Sie wollen nicht klagen, obwohl sie genug in der Hand haben, um die Typen in den Knast zu bringen. Erst mal die Folterwerkzeuge zeigen, Investoren auf die eigene Seite ziehen, dann die anderen rausbugsieren. Für sie ist das ein Spass, eine Art Sport, den sie mit einer gewissen Leidenschaft betreibt, die ich sonst kaum an ihr kenne. Sie macht das aus Überzeugung. Genauso, wie sie vor ein paar Jahren Fonds konstruiert hat, in der bösen, alten Zeit.
Sie waren damals dabei, sie sind immer noch dabei. Sie zahlen pünktlich und korrekt ihre Steuern. Sie gehen mit ein paar Anteilen rein und kommen als Verwalter wieder raus. Nach aussen hin ist alles rechtlich sauber. Sie nutzen die Chancen des Systems. Und persönliche Bindungen, wenn es um Vertraulichkeit geht. Ich fahre sie durch Berlin, das ist fast alles, was ich mit dieser Szene noch zu tun habe. Alle paar Wochen. Es passiert nicht viel. Nur ab und zu ein Eintrag im Handelsregister. Letztlich egal, zahlt alles die Bankgesellschaft.
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Montag, 21. März 2005
Meine Freundin sagt
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Dirt Picture Contest - und das am Morgen

Danach kann einen eigentlich nichts mehr schocken. Und das will was heissen, in einem Slum, das im Frühjahr süsslich nach Verwesung riecht.
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Bloggerfrei
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Die wenig schöne Wahrheit über PSO 42 GmbH
Jetzt ist es nicht nur mutmasslich. Sondern sicher: Es gab keine PSO 42 GmbH. Die Pixelpark Solutions GmbH ist die ehemalige PSO Zweiundvierzigste Verwaltungsgesellschaft mbH. Und die Kapitalerhöhung der Firma lag gerade mal bei 26.000 Euro. Tolle Akquise, Pixelpark. Schämt Euch.
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Sonntag, 20. März 2005
Die Bilder
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Gestern, am Spiegel-Stand

Frank Patalong war eigentlich nur für einen anderen Kollgen eingesprungen, hatte sich aber vorbereitet und kannte, wie einige andere SPON-Mitarbeiter, das Buch. Er hatte sich an meinen Thesen zum Versagen des Journalismus im Netz festgebissen, und logischerweise viel daran auszusetzen. Was ich als Journalist verstehen könnte, denn solche Thesen hasst man als Journalist instinktiv. Daher kamen wohl auch die steten Beteuerungen, dass man sich bei SPON als Marktführer sehr wohl fühlt, gigantisch viele Leser hat, das Richtige zu tun glaubt, und auf der anderen Seite die Blogger unverhältnismässig viel Aufmerksamkeit (wie etwa beim Spiegel gerade jetzt) bekommen, relativ gesehen winzig sind und nicht im Mindesten eine Bedrohung, und auch kein Korrektiv. Stilistisch sei der Spiegel ja auch sehr frei, und irgendwie hatte ich den Eindruck, wenn das alles so stimmt, dann dürfte ich nur einen Leser haben, mich selbst, und alle anderen müssten beim Spiegel sein und den unsagbar toll finden.
Ich habe nach dem Gespräch nicht den Eindruck, dass die andere Seite komplett verpennt, dass da etwas im Entstehen ist. Aber ich habe den Eindruck, dass man die Blogleser und Blogger für irregeleitete Schäfchen hält, eine Art Modeerscheinung, die kommt und geht. In meinem Fall führte Patalong den Erfolg von Rebellmarkt und Blogbar auf den aggressiven Stil zurück, so nach dem Motto: Der macht Rabatz und schreit rum, kein Wunder, dass da alle gucken. Wahrscheinlich haben Journalisten wie Patalong für jedes Blog eine derartige Erklärung: Bei Lyssa ist es der Sex, beim Schockwellenreiter die vielen Updates, bi IT&W der Fetisch Mac, bei Lumma der legendäre Dönerstag - aber letztlich ist die Verirrung der blöden Leser hin zum Blogmüll immer nur ein Betriebsunfall.
Patalong blogt nicht. Patalong begreift nicht den Sog eines gut laufenden, mit viel Liebe und Engagement geschriebenen Blogs. Das ist kein Vorwurf, nur eine Tatsache. Entsprechend überrascht war er dann, dass alle Publikumsfragen mehr oder weniger gegen den Spiegel oder den Journalismus gingen. Danach meinte er, es wären schon ziemlich viele Blogger da gewesen... in fact, nur Andrea und Frank waren aus meinem Bekanntenkreis da, und die haben keine Fragen gestellt. Ich bin mir nicht sicher, ob er verstanden hat, was da abging: Das Selbstbild der grossen Nachrichtenquelle wurde angegriffen, und kein einziger stellte sich hin und verteidigte den Spiegel. Wenn mir so was bei einer Lesung passieren würde, bekäme ich massive Selbstzweifel - für Patalong dürfte diese Real Life Experience mit seinen Lesern nicht mehr als ein weiterer Betriebsunfall gewesen sein; da hat der Don halt seinen Mob zusammengetrommelt. Das Thema "Literarische Qualität von Blogs" fand dagegen nicht statt; schade eigentlich.

Im Übrigen war es wie so oft; hinter der Bühne konnte man privat einiges flexibler sehen, als man es vorne rum vertrat. Für mich sind viele Entwicklungen hin zu einem Napster-Journalismus auch nicht immer die reine Freude, die Geschwindigkeit des Wachstums sowohl der Blogger als auch der Leser ist wahrscheinlich zu hoch, als dass es detaillierten Überlegungen zum Phänomen an sich gut tun würde - früher oder später wird es dabei unweigerlich zu grösseren Pleiten kommen, doch die Dynamik ist nicht zu bremsen, selbst wenn man es wollte. Den Medien fliegt diese Entwicklung um die Ohren, und das ist der Grund, warum sie bei allem Gemecker bald wieder über den Betriebsunfall berichten werden. Voll bei Bewusstsein, aber ohne Verstand. Und eher unfähig, als Beamte der Informationskontrolle das Abenteuer der Kommunikation zu begreifen.
Ich fand das Gespräch gestern ganz grosse klasse, es hat sehr viel Spass gemacht. Aber es war, denke ich, ein einseitiges Vergnügen.
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Balla Balla

Solang sie dazu in den Keller gehen, ist es ja gut. Aber wie lange die da noch bleiben, weiss niemand.
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Samstag, 19. März 2005
Ablauf heute

Abb: Wikipedia-Tiefflieger beim Zielaflug von 12 Uhr. Mann, war ich froh, nicht im Visier zu sein...
[PPDATE:] Kein Hotspot. Aber der Mitschnitt des gesprächs ist hier bei Audible-Podcasts. Danke an alle die da waren, beim Clash of Cultures. Ich werde erst noch mal eine Nacht drüber schlafen, und nachdenken. Besonders über die Schwierigkeiten der Journalisten, das Ganze zu erfassen. Und der vollkommen respektlose Umgang der Leser mit Medien.
Die Bruchstellen in der Medienrealität sind nichts Neues, aber sie mal so öffentlich knirschen zu hören, war für den Journalisten, den ich da oben auch nicht ganz ausblenden konnte, schon ziemlich heftig. Haben Medien noch sowas wie Glaubwürdigkeit? Meinen Schülern wird beigebracht: Selbstverständlich. Das heute war: Eher nicht. Die Folgen? Nimmt man die Medientheorie Ernst, müsste man sich als Journalist Sorgen um seinen Beruf machen.
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Freitag, 18. März 2005
Steilvorlage für Morgen beim Spiegel
Das Problem lag schon bei der englischen Ausgabe vor, die den Artikel ebenso enthalten hat - aber das ist keine Entschuldigung.
[UPDATE:] Ganz nebenbei enthält der Artikel noch eine grenzwertige Behaupung, Zitat:
"Stellen Sie sich eine Fluggesellschaft vor, bei der Passagiere [...] in weniger als 60 Sekunden mühelos Check-in, Zoll, Sicherheitskontrolle und Boarding passieren können [...] Singapore Airlines (SIA) und der Changi Airport arbeiten an einem solchen System [..] Im November 2004 begannen SIA und der Airport mit 9000 Vielfliegern einen sechsmonatigen Pilottest ihres Angebots "Fully Automated Seamless Travel".
Aha. Nur zu doof, dass es so einfach wohl doch nicht ist, laut Betreiber:
While the normal process may take between 8 and 15 minutes, the FAST traveller will be cleared in less than 2 minutes at the dedicated FAST lane.
Stellen Sie sich vor, sie werden in der Performance eines Systems um 100% angelogen... und wie liest sich das dann? So:
Die Möglichkeiten der Biometrie [...] werden unserer Meinung nach weniger durch Technologie, gesetzliche Vorschriften oder die öffentliche Akzeptanz begrenzt als durch mangelnde Fantasie.
Zum Glück gibt´s ja noch das Manager Magazin.
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Hurricane AG weggeblasen
Ich war mal mit einer Nobelanwältin unterwegs, die einen Anruf von einem Klienten bekam - Geld ohne Ende, aber leider das Hirn im Alter zwischen 20 und 40 weggekokst, und der las ihr dann über Freisprechanlage den Vertrag vor - faktisch hatten seine Partner reingeschrieben, wir dürfen nur soundsoviel nehmen, wie das Gesetz erlaubt, aber hintenrum gestehst Du uns weitere soundsoviel mal 2 zu. Zum Glück war es Winter, Cabriofahren ging nicht, sonst hätte die halbe Leopoldstrasse die Schmerzensschreie einer bekannten Persönlichkeit der besseren Gesellschaft Münchens mitanhören können. Es dauerte etwas, bis er sich von seinem fassungslosen Gestotter befreit hatte, aber dann ging es 5 Ampeln sotto voce, eine richtige Stretta, Rossini hätte es nicht besser hinbekommen, diesen galoppierenden Irrsinn, und die Nobelanwältin neben mir trat dabei noch gehörig aufs Gaspedal, um zu retten, was dann letztendlich nicht mehr zu retten war.
Ich kann nur vermuten, dass sich bei der Hurricane AG ähnliche Geschichtenaus dieser Wunderwelt steuersparende Kapitalanlagen ereignet haben. Hier dreht es sich allerdings um eher mittelprächtige Immobilien; die Geschädugten dürften also eher ein paar Nummern kleiner als der Brüllaffe damals im Cabrio sein. Manche dürften schon geahnt haben, dass da nicht alles optimal läuft, und jetzt bkommen sie hiermit traurige Gewissheit: Die Hurricane AG macht nur noch Zahlenspielerei beim Amtsgericht, und das Ergebnis lautet 910 IN 1440/04.
Ich habe eine gewisse Vorstellung von den Szenen, die jetzt in den Kanzleien ablaufen. Die einen werden immer noch sauber geschnittene Anzüge tragen, und die anderen verbeulte Hosen haben. Und etwas weniger Geld als früher.
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Das ziehen wir ganz gross auf.

Und wenn sich die kaputten, grauen Wände nicht noch ein paar Blocks weiter nach Norden erstrecken würden, wenn das Publikum hier Geld zum Ausgeben hätte, wenn hier nicht jeder schauen würde, aus dieser kaputten Ecke weg zu kommen, dann wäre das vielleicht sogar eine Idee, mit der man einen Kunden für das ganz gross aufziehen finden könnte.
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