: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 6. Juni 2012

Die Freude des Don Albino

"Das Glück des Don Albino" wäre der Titel des Beitrags gewesen, der heute in der FAZ steht, aber das war vermutlich zu wenig deutlich; ich mag aber nun mal solche Überschriften, selbst wenn es diesmal darum geht, dass Don Albino knapp von einem Brocken verfehlt wurde.



Hier jedoch nun die Freude des Don Albino, denn ich war an diesem Lichten und dennoch gefühlt schwarzen Tag nochmal in San Benedetto und habe zugeschaut, wie es so läuft - und man wird die Laterne retten können, zumal gestern ja auch genug Zeit ohne Beben war. Meine Hochachtung vor den Männern im Ausguck, die in Zeiten wie diesen - wer weiss schon, wann das nächste Beben kommt - in so eine Gondel steigen.













Der Campanile ist nochmal ein anderes Problem, der Riss geht senkrecht durch die Südfront und ist eine schwere Bedrohung. Immerhin weiss man, dass, wenn er fällt, er den Abtpalast zertrümmern wird, denn beim nächsten grossen Beben platzt die Südfront auf. Nessun Danno halt.

(Und natürlich war auch hier ausser mir keiner da. Es gibt keine guten und keine schlechten Geschichten mehr, sondern nur noch gar keine. Es ist auch nicht so, dass man da nicht hinkommt. Man hat niemanden vor Ort.)

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Nessun Danno

Keine neuen Schäden.


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Wenn sie :o) macht, sehe ich immer ein Schwein

Gerne stellen wir hier zwischen den anderen Katastrophenberichten dar, wie diese Schramm Frau bei den Piraten inzwischen über ihren eigenen Antrag und die Folgen zu denken beliebt, zeigt es doch schön, wie das Thema "Lernen" und "Erfahrung sammeln" abläuft, wenn Leute nicht zu unrecht von ihren psychischen Problemen berichtet haben - aber warum sind die dann im Vorstand einer 13%-Spasspartei? Hätte Klassensprecher in der 4a nicht gereicht?

Der wütdende Diss gestern Abend, weil da jemand Transparenz macht:

Julia Schramm ‏@laprintemps
@tirsales ich beziehe mich da auf einen gammablogger, der sich da echauffierte, wie wir sowas verabschieden können :0)

Dann aber lieber die moralische Siegerin:

Julia Schramm ‏@laprintemps
Obwohl der Antrag mit der berechenbare Enthaltung von @johannesponader durchgegangen wäre, ziehe ich den Antrag zurück: wiki.piratenpartei.de/Bundesvorstand…

Und die klug Nachgebende, so gefällt sie sich auch:

Julia Schramm ‏@laprintemps
@Laberlohe ich halte den antrag immer noch für richtig, aber ich will jetzt keinen kampf.

Und ausserdem wollte sie ja gar nicht, dass sowas dabei rauskommt:

Julia Schramm ‏@laprintemps
@alexschnapper @Laberlohe konnte ja keiner ahnen, dass das so zum Eklat führt. habe ich wohl gelernt: Politik darf keine Freude machen.

Und jetzt ist soe traurig, weil man ihr die Freude nimmt. Och:

Julia Schramm ‏@laprintemps
Politik darf keine Freude machen. Nie niemals nicht.

Unabhängug davon zeigt diese Geschichte auch, in was für einem Zustand der Piraten-Buvo nach dem Durchmarsch der Berliner Kamarilla ist. Aber bitte, wer zwei von der Spackeria reinwählt, braucht sich über nichts zu wundern.

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Der grosse Mund des Ministers

Das Erdbeben gestern so, von 11 bis 23 Uhr: Dzzzzzzz.....

Der Minister gestern im Radio so: Das Beben betrifft nur eine begrenzte Region, die Strände sind gar nicht betroffen, die bekannten Sehenswürdigkeiten sind offen. Überhaupt kein Problem. Alles unter Kontrolle.

Das Erdbeben gerade eben so: #terremoto Ml:4.5 2012-06-06 04:08:31 UTC Lat=44.43 Lon=12.35 Prof=25.6Km Prov=Northern Italy
von Ravenna, Emilia Romagna

Ich bin davon aufgewacht, und ich nehme mal an, dass direkt in der Region, genannt der Teutonengrill, noch mehr los war. Das ist das erste Mal, dass es in Ravenna richtig bebt, und es bestätigt leider die These, dass diese ganz erstaunliche, fast völlige Ruhe gestern, diese fast selbst schon wieder gefährliche, plötzliche Abwesenheit von Beben, die sonst jede halbe Stunde kamen, nur ein Vorspiel für einen weiteren Druckaufbau waren.

Wie auch immer, und was ich eigentlich schreiben und zeigen wollte:

Kein Land für junge Menschen.

Nach dem Lachen. Moglia, Auffanglager



Das blaue Karussell, San Benedetto Po



Jetzt muss der Sohn ran, Pakistanis in Moglia



Der Kicker, Mirandello



Noteinkauf, Finale Emilia



Auch der Kinderspielplatz neben der Kirche ist gesperrt, nahe Quingentole



So ist das hier.

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Mittwoch, 6. Juni 2012

Kurz vor 8

Ich habe Durst.Ich erreiche einen Supermarkt, halte an und gehe dorthin, wo die Saftkartons stehen und kleben. Ich löse einen heraus, der noch recht intakt ist, und gehe zur Kasse. Auf dem Laufband hinterlässt der Karton einen klebrig-nassen Fleck, an einer Ecke leckt er dunkelorange, und das Mädchen an der Kasse schaut angewidert, als es ihn hochhebt. Der sei kaputt, sagt sie, ich sollte einen anderen holen. Ja, sage ich, die anderen sind aber auch kaputt, das ist der Beste. Sie sagt nichts, schiebt ihn über den Scanner, und ich zahle und gehe. Meine Schuhe pappen leicht bei jedem Schritt.

Ich bin in Finale Emilia. Ich habe so etwas noch nie gesehen.

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Officina Meccanica e Postprivazetta



Grossbild

Die Feuerwehr sagt, der Besitzer muss das Haus verlassen, aber er hat im Hof ein Zelt und weigert sich, zu gehen. Als wir reden, schaut er in eine andere Richtung, als er beschreibt, was passiert ist.

Ich habe heute von jemandem von der RAI gehört, dass ich hier wahrscheinlich der letzte ausländische Journalist in der Zona Rossa bin.

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Warum ich die Piraten nicht wähle

Weil da das Pack der Spackeria (die Schramm und der Peukert zusammen mit dem Nahberliner Klüngel) einen debilen Kindergarten mit Neuordnung von "Geschäftsbereichen" daraus machen, nur weil diese Personen in letzter Zeit vor allem durch Versagen aufgefallen sind, und offensichtlich mit Kritik nicht umgehen können.

http://wiki.piratenpartei.de/Bundesvorstand/Umlaufbeschluss/022

AntragsText
DerBundesvorstand möge beschließen: Die Aufteilung der Geschäftsbereiche wird wie folgt geändert:

Den Geschäftsbereichen des Vorsitzenden wird der Geschäftsbereich "Schuld" hinzugefügt.
Den Geschäftsbereichen der stellvertretenden Vorsitzenden wird der Geschäftsbereich "Teilschuld" hinzugefügt.
Den Geschäftsbereichen der Beisitzer*innen, des Generalsekretärs und der Schatzmeisterin wird jeweils der Geschäftsbereich "Mitschuld" hinzugefügt.

Begründung
Schuldige werden immer gebraucht. Durch die Festlegung per Geschäftsverteilung lassen sich außerdem die rituellen Beschimpfungen besser konsolidieren.

beantragt am
2012-06-05

Antragsteller
Julia Schramm / Klaus Peukert

Meinungsbild in LQFB
n/a

Umsetzungsverantwortlich
Klaus Peukert


Angenommen mit 4 zu 1 Stimmen (edit: es gibt noch Piraten mit Hirn, es steht jetzt 4 zu 2)

Mal ehrlich: Wenn ich zu denen gehören würde, die diese Partei aufgebaut haben (und nicht wie Peukert eine Weile ausgetreten waren oder wie Schramm ihren Dreck vermarkten wollen) würde ich mich langsam mal fragen, wie ich meine Partei von sowas entlaste. und zwar nicht erst bei der nächsten Wahl. Die wollen in den Bundestag? Bitte erst mal Krippenplätze bereitstellen.

(Ich sag nie wieder was gegen Berlusconi)

Nett in diesem Kontext übrigens der Einblick, wie der Vorstand der Piraten das Presseteam ferttig gemacht hat.

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Gold

Gold liegt an der Strasse nach Ferrrara. Pures Gold. Und es wird noch mehr Gold fallen.










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Die Bar ist offen

Das werde ich nicht in der FAZ schreiben, aber man brennt nach einiger Zeit in der roten Zone emotional aus. Weh getan hat mir gerade noch diese unrettbare Jugenstilvilla.



Die Bank dagegen und die Panzerknackerei des Erdbebens, das war Jagdtrieb, das wollte ich einfach haben. Erst danach fühl man sich schäbig.



Die Apsis, sagt der Kennerblick, ist zwar schlimm, aber schlimmer noch ist das Dach. Das flog hoch und zerschlug beim Auftreffen die Holzstruktur und die Decke. Wie eine Sprengbombe.



Vielleicht hat die Ehe sogar länger gehalten, als das Haus des Photographen. Solche Bildgeschichten denkt man sich aus.



Daneben ist noch ein ganzes Fussballfeld voller Obdachloser. Aber die hier kommen nicht aus einer der hier untergebrachten Gemeinden, und weil das Feld nach Orten aufgeteilt ist, bleiben sie draussen. Ihre Gemeinde hat nicht mal ein Auffanglager.



Das alles kann man hier innerhalb von 10 Minuten ablaufen. Ich habe eine Stunde gebraucht, aber auch 100 Bilder gemacht, und alle sind sie ähnlich. In einem einzigen Dorf namens Mirandolo, bekannt aus Film, Funk und Fernsehen, zumindest die RAI ist noch da. Man textet Bildunterschriften, und irgendwann merkt man: Es war zu viel. Man möchte irgendwo sitzen, wo alles heil und sauber ist. Man möchte eine geöffnete Bar, aber hier ist nur das Auffanglager geöffnet. Alles andere ist zerstört. So einfach ist das hier. Aber dann, etwas ausserhalb.



Gegeossene, gepflegte Blumen auf der Terasse. Und ein Schild, das dem Ausgelaugten verkündet: Bar Aperto. Na also.



Nur der Haupteingang ist geschlossen, aber dafür haben sie eine neue Zugangsmöglichkeit von der Seite.



Bar Aperto eben.



Man könnte sich einfach hinsetzen, einen Eistee nehmen, und durch die neue Tür auf die Welt dieses Ortes hinausschauen.



Drinnen und draussen, das macht in Mirandolo keinen Unterschied. Schöne Blumen haben sie auf den Balkonen, die noch nicht heruntergefallen sind.



Heute ist das Dorf tot, morgen vielleicht man selbst, oder die anderen, vielleicht fällt ein Haus auf einen, oder eine Kirchenfassade, wer weiss das schon, beim Warten auf den nächsten Schlag. Man brennt emotional aus.

Das Beste, was einem passieren kann.

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Montag, 4. Juni 2012

Supergeiles Jahr

Der Kleintransporter einer pakistanischen Familie, deren Haus vom Beben zerstört wurde, am Auffanglager Moglia.



Wildes Lager kurz vor Borgoforte. Die Illegalen, die in den ohnehin schon baufälligen Bauernhäusern der Region gewohnt haben, bleiben mit ihrem Hausrat lieber allein.



Die schön aufgeräumten Lager aus den deutschen Medien gibt es natürlich, aber die Normalität sieht eher aus wie das zweite Bild.

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2,4 auf der Richterskala im Espresso

Ich habe die Fenster offen. Nicht dass ich Angst vor Erdbeben hätte, aber die Fensterflügel schwingen leicht, wenn ein Stoss kommt. Ich wohne im Erdgeschoss, da merkt man es nicht so, weiter oben schwingen sich die Gebäude dann auf. Manchmal denke ich mir, bebt es jetzt wieder? Dann schaue ich die Fensterflügel an und weiss Bescheid. Seit gestern Nacht ist es wieder unruhig geworden. Die Leute hier sind in Sorge, weil die Erdbeben eine deutliche Tendenz nach Norden haben. Die Epizentren verlagern sich in die Provinz Mantua, und stehen jetzt knapp vor dem Po. Geologen meinen, dass die Sache noch nicht ausgestanden ist, die ganzen Folgebeben passen nicht zu einem erhofften Abklingen der Ereignisse. Die Erde muss sich wieder setzen, aber niemand weiss, was daraus noch folgen wird.



Schau, sagte F. gestern und deutete auf seinen Espresso. Die Flüssigkeit zitterte. Neben uns ragten die Stahtträger ins Cafe, die den geborstenen Durchgang stützen. Man denkt zu viel an Terremoti. Und da erzählte ich ihm die Geschichte aus Verona, genannt

Das Dankeschön für die Braut von San Zeno

Diese hier:



Man fährt in ein Erdbebengebiet mit den gleichen Gefühlen, die einen vielleicht bei der Fahrt ins Krankenhaus zu einem verunglückten Freund überkommen: Unicherheit, was man sehen wird. Angst, dass es schlimm sein wird. Trauer, dass es so gekommen ist. Bei mir kam noch ein weiteres Gefühl dazu. Das der Befürchtung, keine guten Bilder zu haben. Wenn ich schreibe, liegt es an mir, wenn die Recherche sein muss, liegt es an mir, aber bei den Bildern kann es Probleme geben, und das liegt nicht an mir. Das Portal von San Zeno in Verona ist so ein Problem.



Das Portal ist einzigartig, weil es mit Platten aus zwei Phasen zusammengebaut wurde: Eine Phase war vor dem grossen Erdbeben von 1117, eine weitere Phase danach. Das Portal hat für den Wiederaufbau der Stadt in der Romanik Symbolgehalt, und hier, das hatte ich sofort im Kopf, sollte die Reise beginnen. Hier kann man erklären, wovor die Menschen seit jeher Angst haben. Allein, das Portal ist in aller Regel hinter einer weiteren Holztür, und die ist zu. Die Belichtung ist entsetzlich schlecht. Und der Raum ist so eng, das ohne Verzerrung kaum abgelichtet, oder besser abgedunkelt werden kann. Das Bild, mit dem alles beginnen sollte, war also schhon so unsicher wie der Erdboden, auf dem ich anreiste. Was, sagte ich mir, mache ich nur, wenn die Bilder nichts werden?



Ich hatte ein lichtstarkes Objektiv dabei, und jede Menge Sorgen. Ich war dort schon ein paar Mal, ich habe es mehrfach versucht, das Ergebnis war noch nie gut. Vielleicht eine Postkarte kaufen und die ablichten? Man kommt auf die seltsamsten Ideen. Und dann erreichte ich Verona, fand direkt vor der Kirche einen Parkplatz, und neues Entsetzen:



Eine italienische Hochzeit.

Die sind mir in der Regel egal, die Hochzeit der Italienerin ist ein unabänderliches Schicksal, da braucht man nicht wie in Deutschland lamentieren. Die sind so, die wollen das nicht anders, man kann es nicht ändern. Und wenn da drin eine Hochzeit ist, ist die Kirche natürlich für das Publikum gesperrt. Was für ein Debakel, dachte ich. Noch nicht mal die schlechten Bilder werde ich bekommen.

Bis mir dann klar wurde: Das grosse Tor ist gerade aufgegangen. Das Tor, hinter dem die Bronzeplatten ansonsten in der Dunkelheit schimmern. Ich trug eine schwarze Hose, schwarze Schuhe, und ein schwarzgestreiftes Hemd mit weissem Kragen. Da vorn war die Chance. Ich sehe italienisch aus, ich kann auch hier mitfeiern, und sowieso haben alle die Kameras gezückt, da fällt einer mehr oder weniger nicht auf. Also rannte ich los, und jubelte und klatschte und freute mich.



Machte grandiose Hochzeitsbilder. Ging ganz nah ran, erst von vorne, dann von der Seite, dann von hinten und dann, im Dauerfeuer, und weiter jubelnd, vom Tor. Klicklicklicklick. Der Küster kam heraus, und machte sich an den Flügeln der Holztür zu schaffen, Jubel, Konfetti. Reis. Klicklicklicklick. Viva! Viva! Viva! Klicklicklicklick. Der Küster scheuchte mich weg, aber da hatte ich schon alles. Bei bestem Licht, in bester Qualität. Was für ein schönes Brautpaar! Alles Gute auf dem Lebensweg.



Männern ist es ja meistens egal, wo sie heiraten, aber sie wollte dieses Kleid und eine wirklich grosse, bekannte Kirche und ein Portal, das seinesgleichen sucht. Am liebsten hätte ich sie dann im Kreuzgang abgebusselt. Dafür, dass sie mir das Tor hat öffnen lassen. Alles erdenklich Gute auf dem Weg, und mein Jubel, der war ehrlich. Das erste mal in meinem Leben auf einer Hochzeit ehrlich gejubelt.

Und sind sie zufrieden mit den Bildern, fragte mein Begleiter.

Ja, erscheint morgen in der Zeitung, sagte ich.



Das Wasser im Eistee vibrierte, und der Barmann zeigte auf seinem IPhone Bilder von den Rissen im ersten Stock, aber man darf nicht hinauf. Einsturzgefahr.

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Montag, 4. Juni 2012

Komm und sehe

Auffanglager Moglia. Hier sind die Fremden, die Armen, die Einsamen, die Alten, die Kranken, deren Verwandte kein Geld haben, und die Vergessenen.


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Landpartie

Normalerweise ist es nicht erlaubt, die Kirche während des Gottesdienstes zu betreten. Aber an diesem Sonntag bleiben die Kirchen für alle geschlossen, und es ist unklar, ob sie wieder eröffnen werden. Sie sind so instabil. dass man nicht mal die Trümmer wegräumen kann.



Besucht werden die Kirchen trotzdem. Man will es gesehen haben. Der Schock ist vielleicht gar nicht so gross, auf dem Weg dorthin hat man schon so viel anderes gesehen, und es ist klar: Auch wenn die Häuser noch stehen, wird man sie abreissen müssen. Sie haben Sandgeysire gesehen. In den Häusern. So gross ist der Druck aus dem Boden. Das härtet ab.



Das sind nur die barocken Fassaden; die trifft es als erstes, da könnte man schon etwas machen, aber auch die Dächer hängen durch, und im Chor sind tiefe Risse. Die grösseren Kirchen wird man vielleicht retten; die kleineren Kirchen, zu denen es ihnehin keinen Priester mehr gibt, wird man vermutlich auflösen. Und abreissen.



Mitunter sieht es von aussen gar nicht so arg schlimm aus, nur ein paar Zierelemente sind umgefallen, und der Turm hat sich verdreht. Jetzt reisst er das Kirchenschiff auf. Wenn es regnet, sagten sie gestern, wird es schwer. Dann kommt das Wasser. Und man kann nichts tun, denn das Schiff ist einsturzgefährdet, wo der Kampanile steht.

Heute regnet es.

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Sonntag, 3. Juni 2012

Mantua

Auf den ersten Blick etwas weniger schlimm als erwartet, aber vom Gefühl her ein Schlag in die Magengrube. Immer den rotweissen Bändern nach. Und die sind überall in der Altatadt. Woanders müssten sie sein, aber das ist Italien.



Das ist der Turm von Santa Barbara, der Hokapelle der Gonzaga. Die Laterne ist abgebrochen, darunter ist die Kuppel stark einsturzgefährdet. Normalerweise ist es hier nicht so schlimm, wenn ein wenig Gras im Gemäuer spriesst. Aber jetzt ist es halt anders, jetzt fehlt dort der Halt, jetzt kann in den Rissen die Kraft des Bebens ansetzen. Da lobt man sich die pingelige deutsche Denkmalpflege.

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Es war ein kalter Winter

Heute ist der zweite Juni, auf dem wallberg, auf dem Hirschberg und den ganzen Weg nach Italien liegt noch Schnee, an den Nordhängen klar bis unter die Baumgrenze, bis zum Alpenhauptkamm.



Das letzte Mal, dass ich in Italien war, dachte ich mir, machen wir einen Schwerpunkt zur Natur, zu natürlichem Leben, seien wir nett mit der guten, alten Mutter. Mitunter können einem an der Charakterisierung schon auch Zweifel kommen: Sicher, die Natur gibt das Leben, aber sie nimmt es auch wieder.



Der Mensch ist mit seinem miesen Verhalten nicht allein auf dieser Welt, mag mir scheinen. Letzthin kam ja in Sachen Gentechnik die Frage auf, was denn der Natur so alles gegen den Menschen einfallen könnte. Mehr als uns lieb sein kann, ist die Antwort, die ich mir an Tagen wie diesem gebe.



Das bekommen die Menschen im Tal, in den Städten gar nicht so mit, da lebt man viel drinnen und das Klima machen die Abgase, aber das Grosse, Ganze, das kann auch ganz anders, und dann werden alle staunen, wie anders das sein kann. Nicht so Kinderkram wie Wasser in Asse, das dort nie dorthin kommen sollte, wo verstrahlter Dreck ist, der dort nicht sein sollte.



Ich bin bei den Vorarbeiten für den Auftrag hier auf eine wahnsinnig, naja, lustig kann man nicht sagen, aber spassige Sache mit der Erwartungshaltung gegenüber der Natur gestossen. 1117 war das grosse Erdbeben von Verona. 1570 war das grosse Erdbeben von Ferrara. 2008 errechneten Wissenschaftler, dass in dieser Grossregion in den nächsten 450 Jahren - so lange wie zwischen Verona und Ferrara und heute - nochmal so ein heftiger Rums mit ca. 6 auf der Richterskala kommen könnte, und zwar mit 10% Wahrscheinlichkeit.



Man mache sich einen Reim drauf, wenn der nächste Forscher sagt, dass wir dieses und jenes schon in den Griff bekommen werden. Für die einen ist es eine Formel für das Versicherungswesen, für mich ist es ein schlimmer Grund, nach Italien zu fahren.



Und das reicht mir dann auch. Ich möchte ungern in 20 Jahren lesen, das die geschmierte Johurnaille beim Genfood und der Harmlosigkeit nur so mittelrecht hatte, ich möchte - oh, ein Erdbeben, moment - stundenlang war hier nichts, und jetzt geht es wieder los, vielleicht sollte ich die Teetasse wegstellen, das macht doch etwas nervös, wenn das dauernd schwappt - jedenfalls: Geschäfte, in denen statistisch irrelevante Anomalien zum Geschäft hören, möchte ich eher nicht abschliessen.



Denn die Natur macht keinen Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen, die nimmt alles, wie es gerade so kommt, hier wackelt ja auch gerade der Korrupti der Lega Nord wie ich. Und das, obwohl die menschliche Rasse nun wirklich eine saubere Sache sein könnte. Das ist vielleicht das wirkliche Elend: Man könnte so viel tun. Gemacht wird dann aber das andere.



Ich bin übrigens so frei, diesmal wieder die Ellbögenstrecke zum Brenner zu fahren, wenig Verkehr und Mensch, und das ist an Tagen wie diesen doch sehr angenehm. Da ist man schön allein mit den Gedanken, und weil ich die Strecke mittlerweile auswendig kenne, ist das eine schöne Mischung aus Kurven, Kontrolle, schönem Wetter und langsamer Annäherung.



Ich habe es gar nicht so furchtbar eilig, und letztlich komme ich auf die Minute punktlich an. Ich störe eine Hochzeitsgesellschaft, aber ich bekomme das, was ich will, und das, von dem ich die ganze Strecke dachte, das wird sehr schwierig, wie mache ich es nur. Und dann war es ganz leicht. Erzähle ich morgen.



Morgen geht es mit einem Hilfstrupp in die rote Zone, "wohin kein Journalist kommt". Ich glaube, danach will ich etwas Nettes schreiben. So wie das mit dem Brautpaar heute.

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Samstag, 2. Juni 2012

Worst Case Szenario

Eintopf essen.



Einige Strecken eher mit dem Rad fahren, wegen der Sicherheit.



Ich habe anderthalb Jahre unter Berlinern überlebt und die Kantine des Handelsblattes, ich habe in den besetzten Gebieten Salat gegessen und Hafenanlegen gereinigt. Kurz, ich halte es für vertretbar zu schauen, wie sie es wieder auf die Reihe bekommen.



Und solange gibt es schon mal bei der FAZ etwas über die fussballethnische Säuberung der Altstädte und die Einzäunung unerfreulicher Erscheinungen zu lesen.

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Bestseller, aber nicht mehr lang

Postengeile Mobber auf dem Durchmarsch mit ihrer Baggage in der Piratenpartei haben auch diesen Artikel gebraucht. Zwischen Date mit Kissinger, Springer und Telekom.

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Freitag, 1. Juni 2012

Was noch zu tun bleibt

Ein paar Bemerkungen.

Am Samstag erscheint dann mein Mille Miglia Bericht in der FAZ unter Bilder und Zeiten mit drei Bildern - wer davon Grossbilder haben will, möge Bescheid sagen.

Er kommt natürlich zu einer ganz bescheidenen Zeit. Die Sache ist die: 1170 gab es ein grosses, unerwartetes Erdbeben in Verona, mit schweren Stössen bis ins folgende Jahr. Ungefähr 450 Jahre später gab es ein grosses, unerwartetes Erdbeben in Ferrara, mit schweren Stössen bis ins folgende Jahr. Jetzt, wieder 450 Jahre später, kommt die Erde auch nach zwei Wochen nicht zur Ruhe. Naturkatastrophen haben keine Uhren, aber gewisse Ähnlichkeiten sind schon auffällig.

Trotzdem, die Bilder müssen endlich raus, es sind so viele, und den Beitrag, den ich über den Schweizer Franken schreiben wollte, hat FT Alphaville schon geschrieben. Na denn.































Was man wohl getan hätte, hätte die Erde drei Tage früher gebebt?

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Donnerstag, 31. Mai 2012

Was geschrieben werden sollte

Den Beitrag, von dem ich dachte, dass ihn jemand in einer Zeitung schreiben müsste, damit man sich verdeutlicht, was da in Italien gerade bedroht ist, den habe ich selbst geschrieben. Zum Vergleich: Die Zeit hatte eine Bilderserie von Notunterkünften von Magnum. So kann man das natürlichz auch machen. Mitleid aus der Retorte statt Information. Die anderen haben das schon längst wieder abgehakt. Kulturgut, zwei Zeilen wert.

Und in Italien haben alle Angst vor den nächsten Knall.

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Übermüdet im Sattel

Ich war diesen Monat sehr fleissig. Und dieser Mnat kommt mir enorm lang vor. Was war nicht alles in diesem Mai, was habe ich nicht alles gemacht, erlebt und gesehen. Gutes, weniger Gutes, und ganz ehrlich: Auf Dauer wäre das nur dann etwas, wenn ich nicht darüber schreiben müsste.



Und so vieles bleibt unbeachtet. So einen Beitrag hätte ich über Spanien schreiben müssen. Ein Beitrag über die Nöte der Schweiz, ihre Währung bei 1,2o zu halten, wäre auch fein. Und einer, warum ich immer noch denke, dass eine Zweitwährung in der EU für die PIIGS plus Österreich unvermeidlich ist. Damit endlich dieses Dauerkrisengefühl weg ist. Das ist 2012, wir brauchen kein Handeln wie 1914.



Und das alles passt nicht zu mir, denn eigentlich bin ich ein sagenhaft fauler Mensch. Ich bin eher wie eine Katze, 6 Stunden nachaktiv und der Rest ist Leerlauf, blättern, lesen, kochen, herumliegen, ein wenig Sport treiben und dabei immer schön das Hirn ausschalten. Noch so ein Monat, und ich würde dann den Juli durchschlafen.



Aber ich habe ja die Landschaft hier, und die ist mit ihren sanften Hügeln und vielen Grüntönen auch so etwas wie ein geistiger Ausschaltknopf, es passiert gar nicht viel, so Ton in Ton und wie die Hügel ineinander greifen, das fliesst alles so dahin, mit wenig Abwechslung, aber immer schön und sehr angenehm.



Keine Strapazen, die zu viel wären, keine Plackerei, und weil ich hier alle Strassen kenne, kann ich unterwegs auch recht genau entscheiden, wie lang es denn werden soll, und wieviele Meter ich klettern will. Das sieht nur so stressig aus, das Rennradeln, es ist aber eine ganz lockere und genusshaltige Art, schöne Dinge zu sehen und in Bewegung zu bleiben. Es läuft leicht und schnell, wenn es schnell sein soll. Und langsam, wenn man verweilen woll



Wo ich fahre, ist es dann auch gar nicht mehr so zersiedelt. Die Städte sind an der Donau, dahinter liegen nur Dörfer und Höfe, erst in Feldern und dann, weiter hinten, mehr und mehr in Wäldern. Man verliert sich irgendwann in der Natur, man kann auch Dörfer meiden, bis man es wieder anderrs haben will. Und es gibt so viele schöne Biergärten in dieser Region.



Vielleicht klingt das für manche spiessig und andere werden sauer sein, weil ich nach dem Urlaub in Italien von neuer Entspannung schreibe, aber das ist es, was ich jetzt brauche: Die Täler, die ich seit jeher kenne, die Felder, die Wiesen und das Gefühl, dass es keine Bedeutung hat. Ich komme nicht bei irgendwelchen Orten raus, die man kennen muss. Man kann alles und sich selbst vergessen.



Wäre da nicht der Netzausbau und die Energiewende. Das ist so ein Thema. Es dreht mir den Magen um bei der Propaganda der Atomlobby. Das wird alles so teuer, sagen sie, und rechnen brutal hoch. Natürlich wäre ein AKW billiger, erst mal, und was dann mit dem Dreck passiert, das müssen andere bezahlen. Diese ganze korrupte Bande hat seit Jahrzehnten nichts anderes getan, als auf allen Ebenen abzukassieren, und nun jammern sie, weil sie entwickeln, forschen und neu planen sollen.



Ich dachte eigentlich, ich lebe in Deutschland, und da gehört das Lösen von technischen Problemen zum guten Ton, ohne dass man Tagein Tagaus mimimi sagt und den Pinschern bei Springer, SPONschleim und andernorts die Ohren vollheult. Insofern ist die Idee, die privatwirtschaftliche Energiendranghetta rauszukanten und wieder ein Bayernwerk zu machen, gar nicht so schlecht.



Und ansonsten könnte man sich auch fragen, ob denn wirklich jede Kirche in jedem Kaff die halbe Nacht beleuchtet werden muss, ob wir nicht ohnehin zu viel Licht haben und ein wenig Ausschalten, hier und da nicht die ein oder andere Leitung kleiner machen könnte. Und vielleicht schafft man über höhere Preise auch Anreize für Firmen, mal etwas Strom zu sparen; dann arbeiten alle dafür und nicht nur die kleinen Idioten zugunsten einer versteckten Industriesubvention.


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