Journalistenanfragen

sind oft nicht besonders kreativ, und inzwischen zähle ich drei Bitten zu erklären, warum ich vom Berliner Werber- und PR-Kongress re_publica nicht halte.

Zuerst mal: Es ist ein Werber- und PR-Kongress, veranstaltet von ein paar Typen, die letztes Jahr mit dem Thema Vermarktung trotz grosser Sprüche (angeblich sechsstellige Jahresumsätze nach einem halben Jahr) und diverser Lügen auf die Schnauze gefallen sind. Auf den versprochenen Relaunch von Adical warten wir jetzt seit Monaten, statt dessen wollen die Werber, Politikmarketingleute und PRler jetzt whitewashing betreiben. Veranstalter und viele Gäste haben mit "kritischer Masse" exakt so viel zu tun, wie Zumwinkel mit Steuerehrlichkeit. Dass im Programm einige Leute ihre wenig erfreuliche Tätigkeit schönlügen, bringt mich zur Überzeugung, dass Herr Haeusler und Herr Beckedahl bitte andere verarschen mögen. Und bevor ich mir vom Niggemeier Einlassungen zum Qualitätsjournalismus anhöre, würde ich eher zum Online-Chef von Vanity Fair gehen und mir erzählen lassen, wie der real existierende Niggemeier das mit der angeblichen Übernahme von Kress gerichtsverwertbar übergeigt hat.

Nur weil mein Strom aus der Steckdose kommt, muss ich nicht auf einem Kongress der Atomlobby. Nur weil ich zwei Blogs betreibe, muss ich nicht auf einen Kongress mit denen, die das Thema für ihre Belange ausschlachten wollen - übrigens mit weitaus weniger Chancen als die Verlängerung der Reaktorlaufzeiten in Deutschland. Haeusler und Co. sind meines Erachtens scharf darauf, sich als Vorreiter einer bewegung zu zeigen, die glücklicherweise sehr viel grösser als schimmlige Hallen un Berlin-Mitte ist, und die zum Glück keine unkritische Planung von denen nötig hat, um ihnen beizeiten das zu sagen, was sie sich anzuhören haben. Wenn Haeusler und Co. einen Funken Anstand hätten, würden sie mal erzählen, was während der Yahookampagne in unserer netten Blogosphäre alles so hintenrum gelaufen ist - jede Wette, dass sie es nicht tun.

Also: Berlin - ein paar hundert Leute, die eine ähnliche Software benutzen - ein paar hundert Selbstvermarkter, Werber, PR in eigener Sache, Networking und die Häppchen sollen auch scheisse sein. Ich würde noch nicht mal hingehen, um dort Rabbatz zu machen, jede Anwesenheit, jede Kritik würde einem System helfen, das ausserhalb der Kalkscheune längst keiner mehr ernst nimmt. Das keine kritische Masse ist, sondern eine Ansammlung von Leuten, die auf allen Ebenen längst die Initiative, etwas anders und besser zu machen, verloren haben. Re:publica08 ist wie Founders Forum 2001, das Treffen am Bahnsteig des abgefahrenen Zuges.

So:



So sind die drauf. Das Netz und seine Möglichkeit sind ein Geschenk wie das Wetter heute am See, grandios, voller Möglichkeiten und atemberaubend schön, und nächstes Wochenende werden sie bi diesem traumhaften Wetter nichts mitbekommen, statt dessen im Schlamm nach Fressbarem suchen und die Betrachter mit ihren hochgerekten Rektalausgängen indignieren. Die grosse Vermarktungsshow der üblichen Namen, Medienpartner und Freundeskreise. Die einen, wenn man doch aufkreuzt, gerne als kritisches Element vorführen und damit so tun, als wäre der Auflauf noch etwas kontroverser als der Volkskongress der KP China.

Und so:



So möchte ich es haben. Ich denke, dieses Bild drückt alles aus, was hektische Pseudountergrundmessen in Berlin nicht sind, und die Leute auf dem Steg, die tun das, was das Internet ermöglicht. Der Kommunikationskanal, auf den es ankommt, ist trotzdem da. Ich, jeder kann tun und sagen, was wichtig ist. Das hat letztes Jahr ganz famos funktioniert, das wird auch 2008 klappen. Dazu muss ich keinen Eintritt zahlen und meine Intelligenz mit Partnerworkshops der Telekomiker, die wegen Magenta mal die Feinde mancher Organisatoren waren, beleidigen lassen.

Samstag, 29. März 2008, 22:53, von donalphons | |comment

 
Was ist das fuer eine
Andeutung mit Niggemeier? Kress? Wollte der den uebernehmen?

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Nein. Niggemeier hat auf Basis einer nicht ernst gementen Bemerkung jemand anderem eine entsprechende, klare Absicht unterstellt, was weder richtig noch in dieser Situation nett war. So wenig nett, dass sich der andere ziemlich erfolgreich gewehrt hat. Qualitätsjournalismus geht anders.

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Es geht doch nichts über einen gutgepflegten alten Streit. Natürlich hat das ganze etwas von einer Do While Schleife. Ich kenne Programmierer die verunzierten mit den Dingern auch die einfachsten Programme, weil die Rechenzeit ja weg musste. Aber schön. Wenn es dir Spass macht, ist es wenigstens gesund.

Ich hab ja mehr die bäuerliche Betrachtungsweise. Der eine säet Salat, der zweite Kohl, der dritte Rüben und der vierte Träume. Bei Träumen ist das Saatgut am billigsten. Alle sind sie Bauern und an ihren Ernten sollt ihr sie messen.

Ich gehe nicht zur re:publica und nicht zur next, weil ich auf beiden nichts verloren und damit dort auch nichts zu suchen habe. Ich bin wie so oft nicht Zielgruppe. Wenn ich also getroffen werde bin ich Kollateralschaden.

Aber genug geulkt. Ich gönne denen die Freude und den Spaß. Vielleicht kommt ja wirklich etwas dabei heraus. Vielleicht erfüllen sie ja irgendwelche Wünsche, Hoffnunge oder Träume und wenn es nur der Wunsch nach einem Quickie auf der Damentoilette ist.

Warum soll ich denen die Möglichkeit zum träumen nehmen, solange ich nicht zwangsweise mitträumen muss, obwohl die eine Bloggerin. Mhhhhhhhhhhm. In dem Garten namens Leben ist soviel Platz. Na denn solln se doch, wenn se doch wollen.

Lieber Don deine Hoffnung jemand möge zurückblicken und die Fehler seiner Vergangenheit offenbaren ist auch so ein Traum. Was meinst du weshalb alle so schnell unterwegs sind. Damit sie nicht von ihrer Vergangenheit eingeholt werden können.

Ach ja. Jeder hat Vergangenheit und natürlich holt sie jeden ein. Aber so richtig damit leben kann man erst wenn man oft genug von ihr überfahren wurde. Ich könnte da ein Lied singen. Aber zumindest renn ich nicht mehr.

Was aber viel wichtiger ist, ist deine Feststellung dort sei keine kritische Masse. Das mag genauso stimmen und dann kann ich dir sagen woran das liegt. Daran das wir beide nicht da sind. Wären wir da, könnten wir der Katalysator sein, der zur kritischen Masse führt, da wir nicht da sein werden, kann sie sich wegen unseres Fehlens nicht bilden.

Natürlich macht die Benutzung ähnlicher Software aus uns keine Gemeinschaft. Uns beide eh nicht. So wie du mein Berlin hasst, brauch ich dein Bayern nur um schnell nach Oberösterreich zu kommen. Es ist mir nur Straße auf der ich nicht anhalte, nicht einmal pinkle.

Natürlich müssen wir nicht hin, wir können uns auch einreden auf Entfernung kontrovers zu sein, oder wir könnten ehrlich sein und sagen, das uns der Kram am Arsch vorbeigeht. Weil wir ihn aus unterschiedlichen Gründen nicht brauchen.

Du wirst durch die re:publica und wie die anderen Aufführungen dieses Stückes heißen nicht bedeutender oder unbedeutender und ich spiel in der Thekenmannschaft vom Bierbüdchen am Friedhof von Klein-Bloggersdorf. Was also solls. Lass sie machen.

Das Bild vom See ist übrigens Klasse. zwar fehlt die weiße Tischedecke, die große Erdbeertorte mit Mandeln an der Seite und ein hübsches Dienstmädchen wäre auch nicht schlecht. Aber diese Freuden deines Lebens willst du uns ja vorenthalten.

Ach ja. Das hier sollte man vielleicht noch lesen:

http://mymspro.blogspot.com/2008/03/was-ist-eigentlich-die-republica.html

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findest du nicht
dass dein Vergleich ein bisschen gemein ist gegenüber der armen Ente?

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Und wenn der Stickl wieder offen hat, gibt's auch noch lecker Thailändisches dazu ;)

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Die re:publica ist ein Ritt zwischen Netzkultur und Netzkommerz. Im "Social Web" sind die beiden Pole auch nicht so einfach auseinander zu halten. Wäre an sich kein Problem, wenn die Organisatoren und Frontpersonal gewährleisten würden, dass beide Aspekte angemessen und auch ihrem Dualismus entsprechend berücksichtigt werden würden.

Das klappt eben nicht mit Leuten, die auf der einen Seite klar die Knete im Blick haben und für die Netzkultur nur die Basis ihrer eigenen, mit blogs und social media verbundenen materiellen Existenz ist. Die jedoch auf der anderen Seite kein überzeugendes Geschäftsmodell bisher zu Wege gebracht haben, weder respektable Produkte oder echten Erfolg.

Wäre eher eine hilflose Veranstaltung als ein motivierendes Treffen - ... wenn nicht eine Besonderheit dazu kommen würde. Die Teilnehmer (Besucher, Referenten und Veranstalter) sind untereinander extrem kommunikativ vernetzt. Wer mal in den zufällig in den Twitter-Strudel gerät und "followers" und "following" verfolgt, merkt, dass der themenbezogene Austausch, üblicherweise primärer Zweck einer Tagung, hier sekundär wird. Was soll denn die Anwesenheit dort? Entwicklung von Themen, Thesen und Personen werden praktisch minütlich verfolgt. IM, Twitter, E-Mail, Blogs, Phone, barcamps - always on und always mobile.

So mutiert eine "Konferenz" zur Selbstvergewisserung all der täglich ausgetauschten Informationen. Ein Ritual, ähnlich vieler business-meetings.

Kopf unter Wasser. Ein guter Vergleich, wenn das Wasser der Kommunikationsmüll ist, der die Wahrnehmung der social media Avantgarde bestimmt. Enten, die den grössten Teil ihres Tages mit dem Kopf an der Luft der Realität verbringen, können auf der re:publica nur verlieren und haben dort nichts verloren.

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Ein echter Ritt würde m.E. einen souveräneren Umgang mit dem Thema Netzkommerz bedeuten. Dazu gehört die Bereitschaft, sowohl Kommerzlastigkeit als auch überzogene Kommerzerwartungen ernsthaft zu kritisieren. Eine stärkere Fokussierung auf Missbrauchspotentiale im "social" Web. Auch wäre eine größere inhaltliche Ernsthaftigkeit ratsam, dazu gehört dann auch, dass man Themen über eine längere Zeit verfolgt, sich zu diesem Zweck organisiert und sogar bereit ist, auf Politiker und Ministriale zuzugehen. Und im Gegenzug vielleicht ein wenig Verzicht auf Massengruscheln.

Positiv finde ich, dass es immerhin einige interessante Themen und Fragestellungen auf der re:publica gibt, auch einige interesante Referenten. Das Themenspektrum ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich breiter geworden. Negativ bleibt eine zu starke Kommerzorientierung, auch bei der Referentenwahl - man hätte auf den einen oder anderen Kommerzonkel gut verzichten können.

Besonders negativ ist der angstgetriebene Unwille der re:publica-Macher, die kritische Masse wirklich zu Wort kommen zu lassen.

Eine Angst, die ich nicht verstehe. Johnny Häusler und andere mögen meinetwegen Bedenken haben, kritisiert zu werden, aber eigentlich könnte man mit Kritik am Kommerzkult klar kommen.

Oder?

Johnny und sein bloggender Freundeskreis würden von einer echten Diskussion sogar profitieren. Es ist zudem reichlich verlogen, "Kontroverse" und "kritische Masse" bei einem Kongress groß herauszustellen, während man im Vorfeld der Kongressorganisation ganz im Gegenteil versucht hat, Kritik und Kontroverse am Kommerzkult zu verhindern.

Warum soviel unnötige Feigheit?

Johnny: Nicht immer ist die eigene Souveränität bedroht, der eigene Autonomieanspruch, wenn sich Leute über Themen unterhalten, die Dir unangenehm sind. Vielleicht fallen dabei sogar - gute Vorbereitung vorausgesetzt - ein paar gute Gedanken an, von denen auch Du etwas hast. Aber darum geht es nicht allein; es geht auch um das quo vadis.

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