Hyatt Hamburg, 2. Floor Lobby , später Vormittag

Hyatt Lobby, schlägt dir dein Freund als Treffpunkt vor, da kann man in Ruhe alles bereden. Hyatt, ok, sagst du, und als du am nächsten Morgen durch die gesichtslose, mecklenburgische Tiefebene mit ihren immer gleichen Wiesen, Feldern und zerfallenden LPGs fährst, fühlst du dich ein wenig seltsam bei dem Gedanken, mal wieder ein Hyatt aufzusuchen. Vor ein paar Jahren war das die Standardadresse für die Sorte Hypekonferenz, die es heute nicht mehr gibt. Hyatt war ein Werbemittel, um Leute wie dich einzusammeln, weil man dachte, du bist einer von ihnen. Du bist gekommen, und nur die wenigsten haben begriffen, wer du damals warst. Im Hyatt lagen sie friedlich nebeneinander, die Löwen, Schafe und Wölfe, bis dann am nächsten Tag der Krieg jeder gegen jeden weiterging, bis am Ende alle verloren hatten. Hyatt, mal wieder, noch 170, 140, 110 Kilometer, und the Doors singen dazu "Into this world we´re born, into this world we´re thrown".



Man kann da nicht einfach rein. Du musst dich an der Rezeption melden und sagen, dass du hoch willst, und man geleitet dich zum Aufzug. Du fährst in den zweiten Stock des ehemaligen Speichergebäudes, oben nimmt dich eine dieser idealtypischen, hohen nordischen Frauen im Empfang, nimmt dir den Mantel ab, und du erkennst ihn sofort wieder, den dem Ritual innewohnenden, indiskreten Charme der borgeoisen Unruhe, denn die Freundlichkeit soll den Rastlosen zumindest ein paar Momente die Illusion normaler zwischenmenschlicher Beziehungen erlauben. Gut gemacht, wirklich, und irgendwo traurig.

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Mittwoch, 19. Januar 2005, 13:41, von donalphons | |comment