: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 30. Januar 2008

Wenn wir mal wieder langweilig ist,

wenn da vorne über Risikomanagement gesprochen und so getan wird, als gehe es um das Reiten eines Ponys und nicht um den Nackttanz auf dem Berghang, der magischerweise die heranrollende Lawine stoppen soll, wenn ich das Elend nicht mehr ertrage und auch draussen vor dem Fenster sich der Tegernsee in wolkiges Grau hüllt, dann suche ich im Netz nach Leuten, denen es noch schlechter geht. Neoconnards zum Beispiel, die nach einem amerikanischen Präsidentenvollversager und einer amerikanischen Kriegspleite und einer amerikanischen Wirtschaftskatastrophe aufgrund deren Unerfreulichkeit heute lieber erklären, warum Koch die Wahl in Hessen doch noch gewonnen hat. Pleitiers, die schon wieder so fertig sind, dass sie sich von der BILD online sponsorn lassen müssen. Und meine früheren Kollegen vom Journalismus.

Da ist erst mal dieser - möglichweise aufgrund des gleichen Schicksals unter Holtzbrincks Regierung - sehr freundliche Beitrag im Tagesspiegel (https://www.tagesspiegel.d e/medien-news/;art15532 ,2466230), in dem die neue Strategie beim früheren Schwesterblatt Berliner Zeitung und anderen, von Mecom übernommenen Medien dargestellt wird. Um es gradraus zu sagen: Mecom-Boss Montgomery will die Ertragslage verbessern, indem er so viel Ertrag wie möglich aus dem Content herausquetscht, auf allen möglichen Kanälen.

Nach Montgomerys Worten reagieren die Berliner Redaktionen der Mecom-Titel „enthusiastisch“ auf die geplanten Veränderungen. Die Mehrfachnutzung von Inhalten sei eine große Chance für Journalisten. Es gehe um neue Erlösquellen, aber eben auch um die Verantwortung der Branche. „Der Gesellschaft zu dienen ist das, was unser Geschäft zu etwas Besonderem macht“, sagte Montgomery.

In Sekten hat man das ja auch oft, dass Heilsversprechen bejubelt werden, selbst wenn sie den gemeinsamen Massenselbstmord ohne den das Erbe kassiernden Guru zur Folge haben. Mehrfachnutzung bedeutet einfach, dass mit weniger Beitragsproduktion mehr verdient werden soll. Und dafür braucht man in aller Regel nicht mehr und besser bezahlte Journalisten. Sondern Knebelverträge mit voller Abtretung aller Rechte und ein paar Praktis, die es in alle Systeme einspeisen.

Wohin mit den überzähligen Leuten? Da gibt mein lokales Monopol-Schmarrnblatt beredt und umfassend Auskunft: (https://www.donaukurier. de/nachrichten/wirtschaft/por traets/art2764,1819090)

Auf der Startseite ist der Beitrag nicht als Werbung gekennzeichnet, und die "Promotion", die im redaktionellen Teil unter Wirtschaft steht, wurde geschrieben von einem Mitarbeiter der Online-Redaktion. Kein Wunder, ist der Internetprovider doch auch Werbestammkunde der Zeitung.

Dann blicke ich wieder vergnügt hinaus auf den See, und überlege mir, eine See:Publica08 zu veranstalten; ich lade mir zum Komplex "Henken und Versenken" im April ein paar Freunde ein, und dann lesen wir die grosskotzigsten 2007er Sprüche des seit über einem Monat werbefreien Werbenetzwerkes Adical vor, diskutieren über das Problem der Mietmäulerei in der Blogosphäre, essen Torte und streamen das mit Seeblick ins Internet.



Relativ gesehen geht es mir nämlich famos.

... link (21 Kommentare)   ... comment


Sonnenuntergang

an der weissen Germspitze im Vainillesee vor dem Massiv des Wilden Kaisers.



Foodporn ist es nicht, aber trotzdem irgendwie pervers, im Januar draussen in der Sonne zu sitzen und so zu tun, als sei alles in Ordnung, und das Tagungshotel mit all seinen Spinnern auf einem anderen Kontinent.

Übrigens: Wer glaubt, die aktuelle Finanzkrise könnte keine Medienkrise zur Folge haben, war gestern nicht dabei, als in mittlerer Runde über Finanzbeschaffung für, sagen wir mal, nur von Deppen nicht erwartete Folgekosten einer Baupleite im heimeligen Berlin a. d. Spree bei Marzahn debattiert wurde. Ein Betroffener löste das Liquiditätsproblem nicht über die Bank, sondern eine Gewinnsteigerung seiner Firma: Das Volumen der knapp vor Abschluss stehenden Werbekampagne bei sog. Qualitätsmedien wurde auf ein Drittel eingedampft. Willkommen in der globalisierten Krisenwelt, in der auch der treueste Schleimbatzen nur noch ein variabler Kostenfaktor ist.

... link (26 Kommentare)   ... comment