: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 23. Januar 2008

Ratespiel zur GenStaPo-Debatte

Es gibt keinen Preis ausser der Erkenntnis. Die aber hat es in sich. Wer sagt - ziemlich begeistert - das hier über widerliche Genklitsche 23andme?
Ebenso lassen sich Cluster von bestimmten gleichen Genkombinationen registrierter Nutzer bilden, die im Verdacht stehen Migräne hervorzurufen und deren Patienten auf ein Migränemittel nicht ansprechen. Daraus soll mittelfristig der Weg zu personalisierten Medikation geebnet werden, einer Zielsetzung die übrigens auch als das Geschäftsmodell der Zukunft für die Pharmaindustrie angesehen wird. Eine letzte Feedback-Schleife hat 23andMe noch, die durch strukturierte Angaben der Nutzer über ihren Gesundheitszustand dabei hilft, die Zusammenhänge zwischen Genen und Krankheiten besser zu verstehen. Dass der bayerische Gesundheitsminister Otmar Bernhard diesen Service ablehnt ist nicht weiter schlimm, ich habe keinen Zweifel dass sich in 15 Jahren nach Anpassungen und berechtigten Diskussionen so eine persönliche Typisierung in ähnlicher Form durchgesetzt haben wird wie das Handy oder ein Facebook-Profil heute.
Hinweis: Derjenige, der so etwas lockerer als ein bayerischer (!) Gesundheitsminister sieht, ist über seine Firma an mehreren Startups zum Thema Gesundheit beteiligt. Und hat sich in einem Punkt erheblich verplappert.

Auflösung bei Zusammensetzung des Links:

https://w ww.holtzbr inck-elab.d e/blog/200 8/01/23/dld-konferenz-in-munche n-explosives-innovations-gemisch/

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Auf den Wiesen liegt noch Reif.

Wenn sie im Schatten der Hügel sind. Aber die Strassen sind trocken, und da ist dieses Gefühl in der Luft, das selbst der schneidend kalte Fahrtwind nicht unterdrücken kann, das Gefühl der gerade wieder eröffneten Cabriosaison.



Wo ich bin, wollte jemand in München wissen, und meinte, dass man doch in dieser Lage nicht einfach davonfahren kann. Als ob es irgendwas am Kommenden ändern würde, wenn man in den Monitor starrt. Leichtfüssig legt sich der Wagen in die Kurven, und unbeirrt sinkt das System, wie ein Ozeandampfer, der aus 10.000 Meter Höhe Richtung Meeresspiegel fällt. Ah, werden manche sagen, es gibt keine Ozeandampfer in 10.000 Meter Höhe. Ich aber sage: In einer Welt, in man bayerischen Banken glaubt, dass das Schlimmste vorbei ist, kann man auch an Ozeandampfer in der Stratosphäre glauben.

Morgen dann im Frühtau zum Tegernsee, mit einem grossen Bogen um München. Ich will eigentlich gar nicht wissen, was dann wieder los ist. Es ist egal. Das Spiel wurde schon vor zwei Jahren verloren, aber ich kann noch einen schönen Tag gewinnen.

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Ich mag das Internet. Und meine Gene.

Achtung, es folgt einer der wenigen Nichtkunstfigur-Beiträge bei Rebellen ohne Markt: Das hier ist mir wichtig. Bis gestern war ich auch der Überzeugung, dass das Internet in seiner Gesamtheit die Menschheit voranbringen wird. Ich war der Meinung, dass all das Schlimme, Dumme und Abartige da draussen nie in der Lage sein wird, das Positive und die Chancen der Entwicklung ernsthaft zu gefährden.

Aber wenn jeder irgendwelche Genproben an ein Startupwie 23andme schicken kann, das sich einen Dreck um effektiven Datenschautz kümmert und die Daten aus der Genomanalyse auch an Dritte weitergibt, und für das eigene Portal verarbeitet, dann ist der Moment da, in dem Himmler, das Ahnenerbe und Mengele putzmunter in der Jedermannversion2.0 vorliegen - das Projekt ist ziemlich genau das, was der feuchte Traum dieser Herrschaften war. Ich verstehe nicht, wie man so einem zutiefst unethischen Projekt ein Podium geben kann, und ich begreife auch nicht, warum man diese Leute beim DLD nicht von der Bühne gebuht hat. Ist die Domain GenomKZ eigentlich noch frei, zum Sammeln, Vergleichen und Selektieren möglichst sauberer DNA-Stränge?

Das klingt für manche vielleicht überzogen, aber a) sitze ich in einem Haus, das man meinem Clan durch Verbringung nach Bergen-Belsen und andernorts nehmen wollten, b) ist Rassismus und Biologismus seitdem keinesfalls ausgestorben, wie auch c) die Dreckschweine in Politik und Wirtschaft, denen bei diesen Möglichkeiten einer abgeht und d) ist jeder Mensch gleich wertvoll, egal wie seine DNA-Struktur aussieht. Aber die unerträgliche Promoshow bei 23andme von den genetisch bedingten Talenten bis zu den Defekten sagt was anderes, zugunsten des Gewinnstrebens der Gründer.

Boah. Ich habe seit 1998 so viel Dreck im Netz gesehen, so viel Lüge, Betrug und Abschaum, ich dachte immer, das ist es die Sache trotz allem wert, aber ich kann mich nicht erinnern, je so angewidert gewesen zu sein wie heute Nacht, bei den Speichelauswertern und ihren windigen Privacy Regeln. Ich mag das Internet noch immer, aber wenn das Aufdröseln und Rumzeigen der Gene die Zukunft ist - bei denen ist von "share" die Rede -, mache ich die Kiste hier zu, kaufe eine Wohnung am Tegernsee und einen alten Roadster, und warte dort auf ein Ende, das auf jeden Fall mit all meinen Genmacken gnädiger sein wird, als so ein beschissenes Dasein als werbetechnisch ausgelutschtes Genomprofil in der Verfügungsgewalt einer amerikanischen Klitsche.

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