: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 18. Januar 2008

Real Life 17.01.2006 - Grottig Revival

Du lächelst ihn freundlich über den Tisch an, an dem nun wirklich niemand mehr die Anwürfe überhören kann, nimmst das Messer in die Hand, das auf dem Teller korrekt im Sinne von "Danke, ich habe gespeist" liegt, und drehst es 180 Grad um die Längsachse, damit die Schneide in seine Richtung zeigt. Erwartungsgemäss versteht er es nicht, wenngleich die anderen begreifen, dass es genug ist; eine weitere Einlassung, und Daniela bittet die Bedienung um die Rechnung. Die anderen zahlen auch, damit es nicht unschön wird, und brechen auf.

Das war nicht nett, sagt Iris, als du ihr den Tee servierst, in deiner Wohnung, die sonst vielleicht besser aufgeräumt wäre, aber wer kann schon ahnen, dass das Frühstück dergestalt abgleitet in gewollte Missverständnisse, Unterstellungen, Hass, und die dümmste aller Regungen: Eifersucht. Er kann nichts dafür, erst der Krach, dann deine Samariterdienste, und obendrein dein Verhalten ihm gegenüber.



Pardon, sagst du. Weder habe ich seine Ex beschlafen, wie er annimmt, noch hätte ich Lust dazu. Nicht, weil ich spiessig bin, sondern weil ich weiss, dass ein Trostfick keinem etwas bringt, ausser noch mehr Ärger. Bei so etwas geht es nur um die Bestätigung, das hat weder etwas mit Spass noch Lust zu tun, und ausserdem bin ich einfach, banal, zu alt für solche Spielchen. Ich habe - bis zum nächsten Mal - dazugelernt. Und es ist klar, dass man es Typen, die in ihren Gedanken immer noch ein menschliches Bügeleisen daheim haben, niemals recht machen kann. Schon gar nicht, wenn sie nicht einmal die elementaren Regeln der Gesellschaft kennen.

Trotzdem hast du dich eingemischt. Und so getan, als würdest du überhaupt nicht verstehen, was er meint. Das hat ihn so aufgeregt. Deshalb hat er sich so reingesteigert.

Was hätte ich denn noch tun sollen? Ihm das Messer reinrammen, statt es nur umzudrehen? Damit war doch alles klar. Er hat sie nicht nett behandelt, sie hat mich besucht, ist hängengeblieben, und war dann den Rest der Nacht allein, ganz allein oben in der Gästewohnung, für eine Nacht, bevor sie ein paar Tage später heim zu Mama ist. Vor sechs Wochen! In sechs Wochen haben andere schon wieder zwei weitere Beziehungen vor die Wand gesetzt. Das ist längst verjährt, und dann drückt er vier Konzertpausen lang rum, frisst es in sich rein, und statt dann zu fragen, was los war, probiert er es mit ironischen Andeutungen, die er beherrscht wie ein Bulldozer.

War das so? Er erzählt das ganze sehr, sehr anders. Soll ich Dir mal vorlesen, was er mir gemailt hat?

Nein. NEIN! Komm Iris, mein Arbeitszimmer ist wirklich nicht betret..., nein, schon gut, also, was hat er geschrieben, du hast das doch nicht vergessen.

Nun, er denkt, dass sie immer noch zusammen sind und du aber der Grund bist, warum sie sich zurückgezogen hat, weil du sie verstört hast mit deinem Getue..

Noch ein Stück Torte?

Zum Beispiel. Und dass alles in bester Ordnung wäre. Sie wird bald wieder kommen. Dachte er, vor vier Wochen. Und dann werden sie heiraten, sie wird Ja sagen und dann bekommen sie Kinder. Weil es die ideale, perfekte, ganz grosse Liebe ist. Er baut ein Haus für alle zusammen und es gibt ü-ber-haupt keinen Grund, sich diese angenehme Vision von so einer Drrr, nun, sagen wir mal asozialen Person wie Dir ausreden zu lassen.

Sowas schreibt der?

An alle. Auch an meinen Ex. Er hat nämlich den Sommerfestverteiler genommen. Betreff: Klarstellung über mich und Julia. Du und sie, ihr seid die einzigen, die nicht mit dabei standen. Ich dachte auch, er hätte sich beruhigt, aber, wie man sieht, die Liebe, die Illusion und der Hass vergehen nicht.

Sag lieber Habgier und Selbsttäuschung. Und jetzt?

Muss ich los. Leb wohl, und pass gut auf, wenn Du Nachts allein unterwegs bist. Bestenfalls ist er wieder betrunken und heult dich voll. Das kennt man ja.

In Berlin, liebste Iris, sitzen abertausend Deppen im fortgeschrittenen Alter, die sich weigern, erwachsen zu werden. In Berlin ist ein prima Spielplatz für solche Kindereien. Wenn du ihn siehst, sag ihm einen schönen Gruss, ich helfe nicht nur Julia, sondern auch ihm beim Umzug - sollte er nach Berlin gehen.

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Ich möchte, dass sich jeder Blogbetreiber

diesen Beitrag an der Blogbar genau anschaut, um zu lernen, mit welchen Methoden die Pharmalobby und ihre Agentur Ogilvy versuchen, sich gute Blogpresse zu erschleimen, und daraus lernen, dass PR nie, nie, nie Dein Freund ist. Sondern nur ein dreckiger Lügner, der versucht, Dich zu missbrauchen. Ausnahmen können gerne erklären, was sie anders machen.

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