: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 19. April 2012

Eigentlich mag ich Menschen nicht besonders

Wenn sie in grossen Gruppen auftreten. Demonstrationen sind einfach vom Gefühl her nicht meines, Beerdigungen und Hochzeiten auch nicht. Unwohl fühle ich mich auch bei Konzerten, bei denen der Saal nicht dunkel ist und die Leute nicht schweigen. Oder lange Schlangen an Kassen. Ich glaube, das hat etwas mit den Kommunikationsbedingungen zu tun, weil in diesen Momenten ein bestimmter Verhalten erwartet oder wenigstens durchgeführt wird. Was mir nämlich überhaupt kein Problem bereitet, ist fragmentierte Kommunkiation in Massen, wenn jeder macht, was er für angemessen hält. Wie etwa auf den Märkten, die ich enorm schätze. Märkte sind Zerfaserung und Aufbrechen, Märkte sind Durcheinander und ungezwungen. Und deshalb bin ich auch gestern nicht in den reisegruppenverseuchten Palazzo Ducale. sondern auf den Markt gegangen.
























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Die SPD wird mir von Tag zu Tag sympathischer

Ich bin ja eher ein beständiger Mensch. Ich verteile meine Sympathie nicht grundlos und wenn ich es tue, dann auch nicht leichtfertig. Und als ich der SPD beigetreten bin, habe ich mir für so einen jungen Menschen sehr viele Gedanken gemacht. Das war sicher auch eine Protesthaltung gegen das herrschende Regime in Bayern. Man hat damals sehr viel erlebt, was man so kaum ertragen konnte. Nicht dass ich viel von Parteiarbeit halte, oder von Disziplin, aber die Partei war - und ist - irgendwie noch am ehesten der Ort, bei dem ich mich politisch finde. Trotzdem habe ich jede Menge daran auszusetzen. Clement war ein elender Griff ins Klo, und auch bei Ude juble ich nicht. Aus Gründen.

Ja, also, die Piraten. Ziemlich viele Freunde sind dort dabei, und ich werde den Teufel tun, sie eines anderen belehren zu wollen.Und natürlich, das ist das Schöne daran, brechen die Piraten einiges auf. Allein ihre Existenz setzt alle anderen unter einen enormen Druck, und ich denke, sie sind gerade erst dabei zu erkennen, was ihnen da vor allem auf lange Sicht droht: Eine ganze Generation, die im besten aller Fälle von den Piraten abrückt, um dann bei den Etablierten massiv Forderungen zu stellen. Die lernen gerade, wie man denen so in den faulen Hintern treten kann, dass ihnen der programmatische Saft zu den Ohren herausläuft. Das werden sie so schnell nicht vergessen.

Das ist die eine Seite dieser Partei, die Wähler. Ich denke mal, die meisten sind offen, liberal, freisinnig, tolerant und wenig bösartige Menschen. Die, wie sich gezeigt hat, auch mit menschlichen Fehlern einigermassen tolerant umgehen können, solange sie offen besprochen werden können. Und auf der anderen Seite ist die Partei, in der gerade erkennbar ein Machtkampf mit ungewissem Ausgang tobt. Wie man gestern sehen konnte, ist die Argumentation Berlin vs. Südschiene zu kurz gegriffen, da geht es auch um nicht akzeptierte Wahlergebnisse in Berlin und jede Menge Neigung. interne Gegener kaputt zu machen.

Im Moment besonders gerne über Arier, die auf der Suche nach antisemitischen Ariern sind. Und Sexismusgesinnungsschnüffelei. Dabei geht es weniger um die tatsächlichen Vorgänge - jeder Ortsverband der CDU hat vermutlich mehr davon - sondern darum, wer es wagt, das zu "relativieren" Eine gewsse arische Clique benutzt das zum internen Kampf, mit dem Gefühl im Hintergrund, man könnte sich das bei den Zahlen der Piraten schon leisen, und wenn es ein paar Führungsfiguren derbröselt, um so besser: Es gibt prima Arierersatz.

Das kennt man, einerseits aus der chinesischen Kulturrevolution mitsamt Selbstbezichtigung, die gefordert wird, andererseits auch aus den Debatten mit formal judenfreundlichen Faschistenblogs, die solche typischen Arierdebatten gauch gern gegen alle anderen ins Feld führen (wehe, man erzählt einen Judenwitz). Das Amüsante ist, dass weder Juden noch Frauen sich wirkich von arischen Gendertröten und Hilfskumpanen irgendwie vertreten fühlen. So eine Figur würde ich gerne mal ein paar Stunden mit einem übezeugten Chassidim einsperren, damit sie lernt, was ein Gewissenskonflikt zwischen Judenanschleimerei und Vergewaltingungsfühlung ist - das ist mit so einem nämlich nur schwer unter einen Hut zu bringen. Wie auch immer - das ist eine rein parteiinterne Sache im Angesicht von Ideologien und moralischen Erpressungskategorien. Dabei sind die 100, die bei Twitter jaulen, wenig gegen die 25.0000 Parteimitglieder. die das vielleicht gar nicht so extrem sehen. Vielleicht auch, weil sie gar keine Absicht haben, sich für die Plätze im Bundestag zu bewerben.

Dagegen ist die SPD natürlich statisch wie ein Fels und unbeweglich wie ein Berg, weil für viele Genossen die Erfahrungen mit 68 ziemlich traumatisch waren: Auch damals war der Wechsel eine breite, bürgerliche Entscheidung einer Demokratie, auch damals haben es vor allem normale Leute gemacht, und das Ergebnis war schon mal nicht schlecht. Nur war es auch nicht das, was sich die Kommunisten wünschten. Und dann kam es eben zu Erlebnissen, die ich nur aus Erzählugen oder in ihren allerletzten Ausprägungen kenne, die aber ziemlich genau an das erinnern, was bei den Piraten gerade läuft: Eine interne Terrormaschinerie zum Ausgrenzen von Gegnern, die man ersetzen will, und das natürlich ohne die Transparenz zu sagen, dass es um die macht geht. Klar, Gendertröte 1 will sich die Wahlchancen nicht versauen und hält das dumme Maul, um anderen keine Munition zu liefern. Aber sie hat ja auch noch Freunde. Da werden interen Mails öffentlich beantwortet und Menschen, die fern jeder rechtsradikalen Gesinnung sind, plötzlich zu Verharmlosern gestempelt.

Ich bin froh, nicht in so einer Partei zu sein. Vielleicht geht es auch anders aus, und bei den Wahlen sind genug neue Mitglieder da, um die Berliner in ihre Schranken zu weisen, vielleicht gibt es auch die Katastrophe des Durchmarsches der philosemitischen Arier aus dem Reichshauptslum und das Scheitern. Vielleicht bleibt das Feuer, auch wenn das Holz untauglich ist. Ich weiss es nicht.

Aber die SPD ist gar nicht so schlecht, so im Vergleich.

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