: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 30. April 2012

Gute und weniger gute Fahrt

Neben einigen eher unerfreulichen Dingen - daheim hat sich eine Dichtung verabschiedet - läuft auch die Barchetta wieder; ein massiver Nagel hatte sich durch die Karkasse gebohrt und an jene Epoche erinnert, da man Hufeisen am Kühler und Hufnägel im Tank stecken hatte. Es war weder schlimm noch teuer, und sie läuft wieder auf ihren alten Schuhen. Beim Herrn der Gomme war übrigens drinnen neben den Autorennfahrern Tazio Nuvolari und Alberto Ascari, die beide aus dieser Region stammen, auch ein grosses Wandgemälde von Learco Guerra, der "menschlichen Lokomotive". Wenn alle Ölstricke reissen, machen sie vermutlich wieder Roller und Fahrräder wie früher. Oder Gummisohlen. Irgendwie kommt man immer voran, irgendwie ging es auch früher immer - oder auch nicht. Und darüber, was soziale und überlokale Mobilität miteinander zu tun haben, habe ich auch in der FAZ geschrieben.















Ansonsten war es hier heute zwischenzeitlich auch ohne Dichtungsschaden recht nass, und da macht man dann halt so Zeug, was so ansteht, bis es trocken genug ist, wieder in die Stadt zu radeln und ein paar Postkarten zu verschicken. Es geht hier wirklich auch ohne Auto.

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BGEdioten

Man verstehe mich bitte nicht falsch: ich verstehe schon, warum es vielen geraten scheint, für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu plädieren. Das Argument, so ein BGE würde den Menschen erst mal die Angst nehmen, ein ganz schreckliches Leben zu haben, leuchtet mir schon ein; und dass eine Gesellschaft ohne Zwangslagen eigentlich hübsch ist, verstehe ich auch.



Aber jenseits der Frage der Durchsetzbarkeit und der Finanzierung ist da eben auch die Frage, ob danach dann alle so begeistert wären, das Leben ohne Druck zu nutzen, um etwas Gutes zu tun Ob sie dann wirklich ihre Fähigkeiten nehmen und uns alle voran bringen würden. Das sehe ich anders; ich denke, man würde hier einfach ein faules Lumpenpack subventionieren, und zwar nicht nur ein paar Ausnahmen, sondern wirklich einen erheblichen Anteil der Bevölkerung, mit unschönen Folgen für die Motaivation des Restes. Es würden nicht alle die Arbeit verweigern, aber viele. Mir persönlich, der ich nur sehr ungern etwas annehme, ist die Idee ohnehin peinlich. Es stellt sich einfach die Frage: Wenn man den Menschen etwas freistellt, wenn man ihnen die Möglichkeit zum Guten, zum Verantwortungsvollen, zum Sinnvollen gibt, tun sie das auch, oder missbrauchen sie die Freiheit? Die Piraten sagen, alles wird gut und diese Zukunft sähe dann prächtig aus. Wahrscheinlich haben sie niemals Brecht gelesen.



In diesem meinem Umfeld sind enorm kreative, leistungsbereite Menschen, die man nicht tragen muss, und die durchaus eigene Wege gehen. Im Vergleich zu denen bin ich, selbst wenn ich in Wirklichkeit fast krankhaft ehrgeizig sein kann, so richtig Hängematte. Und es ist natürlich nicht leicht, gegen ihre Erwartungen und Utopien zu argumentieren. Bis vorgestern. Man sollte annehmen, dass die wahren Freunde des BGE sich inzwischen bei den Piraten zusammengefunden haben. Man sollte weiterhin meinen, dass sie bereit sind, für dieses Ziel etwas zu leisten, und sei es nur der Mitgliedsbeitrag. Aber die Hälfte der Leute tut nicht mal das. Sie sind Mitglied einer Lobbypartei, die ihnen ein gesichertes Einkommen ohne Leistung geben will - und geben noch nicht mal dieser Lobby für diese ihre Arbeit, die sie bereichern soll, auch nur einen Pfennig.



Und deshalb glaube ich einfach nicht an diese schönen Theorien. Wenn das mit dem Gemeinschaftssinn noch nicht mal klappt, wenn es um das Erreichen des gewünschten Zieles geht - wieso sollten die gleichen Leute danach mehr tun, mehr leisten, wenn sie es für eine Gesellschaft tun sollen, die ihnen erheblich fremder als ihre eigene Lobby ist? Wenn sie schon ihre eigenen Leute für lau arbeiten lassen - wieso sollten sie dann spendabler werden, wenn die Gesellschaft für sie schuftet? Ich denke, dass sich gerade bei solchen Kleinigkeiten die wahre Natur zeigt. Wer jemand Nahen wegen eines kleinen Vorteils schon hintergeht - und nichts anderes ist das Nichtbezahlen eines Beitrages - , wird einen anderen sicher nicht fairer behandeln, wenn es um einen grösseren Vorteil geht. 20% Nichtzahler fände ich schon extrem fies, 30% wäre ein moralischer Bankrott, 50% entspricht einem System, das scheitern muss.



Und vermutlich auch scheitern wird. Dazu zwei Tweets, einer von der nicht mehr gewählten Beisitzerin (muss man sich auch mal geben, so ein Aufstieg und dann marschiert dort der faule Bodensatz der Spackeria ein) und diese Schramm Frau:

Krank mit dem Mac im Bett die letzte Reisekostenabrechnung fertig machen.Ob ich danach mal aufschlüssele wieviel ich gekostet/gespendet hab?

vs.

Ich spende 500 Euro, wenn das andere auch tun.

Das erste sind die zahlenden 50%. Das zweite sind diejenigen, die versprechen, dass sie auch was tun, wenn die anderen etwas tun. Die eine wurde abgewählt und die andere reingedrückt.

Und deshalb glaube ich nicht an das BGE, und auch nicht daran, dass dieses Pack geeignet ist, es durchzusetzen. Denn wer das will, muss eine Bereitschaft zum bedingungslosen Geben in dieser Republik erzeugen. Für Leute, die nicht mal ihre Beiträge zahlen und nur spenden, wenn es andere auch tun?

WFTROFLCOPTERGFY.

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