: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 20. April 2012

Drinnen und Draussen

Ich habe es oft versucht, in den Palazzo Ducale zu kommen. Stets war eine Schulklasse im Weg, stets verlor ich angesichts der plärrenden Blagen sofort die Lust. So eine Klasse geht mit Konzentration nicht zusammen, wo Blagen sind, verschwindet die Muse der Kulturbetrachtung. Das zieht sich nun schon Wochen so hin, und heute dachte ich mir, vielleicht ja am frühen Nachmittag? Von Osten her näherte sich ohnehin eine schwarze Gewitterfront. Da radelt man nicht gern hinein. Und es ist Freitag, vielleicht haben Schüler und Lehrer langsam auch keine Lust mehr auf Kultur.













Es ging so halbwegs. Die glühende Nationalistin vor den Mantegnagemälden hätte es vielleicht nicht gebraucht; ich weiss, dass junge Italiener gerne mal die Postimmernchfaschisten wählen und hätte gern auf dieses Musterbeispiel italienischer Geschichtsklitterung verzichtet, das da den Schülern eingetrichtert wird. Man muss den historischen Tatsachen ins Auge sehen: Die Geschichte der Gonzaga ist nur so mittelfamos, um nicht zu sagen, sie hatten einfach die richtigen Künstler, die richtige Protektion und waren letztlich auch zu unbedeutend, als dass man sie zwingend hätte zerquetschen müssen. Trotzdem ist Mantegna immer wieder eindrucksvoll, und alles, was im Palast danach kommt, leidet etwas unter dem grossen Eindruck. Mit Ausnahme der Damenportraits der Schule von Fontainebleau, die dort seit jeher als "flämisch" bezeichnet werden und ihr Dasein in einem Abstellraum fristen. Einmal im Jahr besuche und bewundere ich sie. Ausserdem war heute das erste Mal der Giardino Segreto geöffnet.











Und durch alle Fenster gleissender Sonnenschein. Der Frühling ist zurück, ich hätte auch etwas draussen unternehmen können, aber ich habe ja noch etwas Zeit für alles andere. Und dass ich gestern bei Regen in Cerea war, wo die nationalistischen Möbelträume der Italiener aus der guten, alten Renaissance nachgebaut werden, hatte auch seine Richtigkeit. Sicher, es war nass. Aber auch sehr spannend.

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