: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Real Life 06.10.05 - Das Unfassbare

an der Munich Area ist, dass sie genauso zu sein scheint, wie man es sich vorstellt. Leicht, unernst, wenig aufgeregt, zufrieden. Wenn die Sonne scheint, sitzt alles und jeder unterschiedslos am Abend im Biergarten. Und wenn Mittagpause ist, sitzen sie am Brunnen am Rindermarkt, ganz gleich ob Anzugträger oder Doppelmutter, Assistentin oder Student, und stopfen ohne Rücksicht auf den Anstand und die Öffentlichkeit was in sich rein. Auch im Oktober hat die Sonne noch diese italienische Kraft, und deshalb leuchtet diese Stadt, ohne dass sie es verdient hätte. Sie nimmt es einfach so hin. Das war schon immer alles so.



Und fast bist du versucht, daran zu glauben; die Neumünchnerin, wegen der du da bist, wird mit ihren blonden Locken und dem pinkfarbenen Slip, der beim Aufstehen aus ihrer Jeans schaut, absolut perfekt reinpassen, Mama wird ab und zu mit dem grossen Auto kommen und schauen, ob alles passt. Die Stadt zieht einen Typus der leichten Gewinner an, wie Berlin die unfähigen Creativen und unveröffentlichten Schriftsteller aufsaugt, es ist eine selbsterfüllende Prophezeiung, die sich in diesem Mikrokosmos zwischen 1er-Abitur, Young-Miss-Mode und Alcantara-Schlafsofa abspielen wird. Das Sofa ist riesig in Auftrag gegeben worden, für die vielen Freunde zum rumsitzen. Die sich schon finden werden, auf den Parties. Da hat sie sicher recht. Du rätst ihr zum Anfang mal zum Ksar-Club, und zum Morizz, du hast so die Ahnung, dass die Mama da auch ganz gut Spass haben wird, weil verluderte Weltstadt und so.

Sie sind ziemlich angetan von der Idee. Man will ja was vom Leben haben. München ist so. Und es wird sich nie ändern. Unschöne Geschichten haben hier eine kurze Lebenszeit, spätestens die nächste Grünwalder Prominentenscheidung wäscht auch die schlimmste Entlassungswelle aus dem öffentlichen Bewusstsein. Jeder hier weiss, dass es nirgenda besser ist, da kann man schon mal drüber wegsehen. Worüber? Na über alles, gell. So, hamas, die Tochter trinkt den Capuccino aus, und dann geht es zum shoppen.

Diesmal hoffentlich bei Palmers einen etwas dezenteren Slip, damit dem Banker am Tisch dahinter nicht nochmal fast die Augen in die Latte purzeln.

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Lehrstunde in Internet-Kommunikation

Ein Lesetipp - die Kommentare. Irgendwie ist das alles nicht schön, aber das sind wohl so die Wachstumsschmerzen einer Blogosphäre, in der die Kummunikation zusehends komplex und durch Mittelsmänner, vielleicht auch Clan Chiefs geprägt ist. Ich denke, schön langsam kommen wir an die Stelle, woe wir von Kleinbloggersdorf Abschied nehmen und erkennen müssen, dass vieles nicht mehr so leicht ist wie früher.

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Mittwoch, 5. Oktober 2005

Gerade wollte ich los

und mir einen alten 15GB-IPod holen - aber nachdem ich das hier gesehen habe, überlege ich mir es nochmal - ein Nano mit 200 GB. Wow.

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The Importance of being in Effigie

Immer dieser Bildhunger der Medien. Immer muss ein Gesicht dabei sein. Human Touch. Im richtigen Umfeld wirkt auch ein H.O. Henkel fast so menschlich wie Ebenizer Scrooge, und Photoshop shaped that Merkel. Vermutlich ist das der eigentliche Grund, warum so viel Creativpack heute auf die hässliche Rechte steht. Die sind abhängig von denen, ohne Nachbehandlung würden sie sich so nackt fühlen wie Stalin ohne Retusche.

Es gibt ganz gute Gründe, warum es in diesem Blog kaum Bilder von Menschen gibt. Bilder von Menschen nehmen den Texten ihre Härte und Eindringlichkeit, sie verwässern, sie lügen, sie erlauben dem Unterbewusstsein Deutungen, das sonst die Schnauze zu halten hätte. Seltsamerweise stemmen sich Blogs oft gegen diesen Trend zur Hauttapete, sei es nun, dass es einfach keine Portaits von Menschen gibt, sei es, dass die Portraits eher befremden und verstören.

Leider hält sich die Welt da draussen nicht an solche ungeschriebenen Gesetze, und in meinem Posteingang liegen gerade vier Anfragen nach einem Bild, das nicht kryptisch, beschnitten oder verfremdet sein soll. Ich hasse es. Ich habe mich an das öffentliche Schreiben gewöhnt, ich finde Mikrphone geil und kann ziemlich hart in der Öffenlichkeit auftreten. Manche sagen, ich wäre eine Rampensau. Aber das mit dem dauerhaften Vollbild ist eine Sache, mit der ich mich noch immer nicht anfreunden kann. Noch dazu, wenn es menschlich ansprechend rüberkommen soll. Pfhhhh. Hoffentlich erkennt man zumindest etwas den Schalk in den Augen, wenn es schon mit 250k-Auflage verbreitet werden soll.


Alle Rechte bei mir, alles ausser Anschauen bedarf einer schriftlichen Genehmigung

Manchmal denke ich, Edmund Stoiber, der eigentlich die Öffentlichkeit hasst, hat es gut. Der kann gar nicht wirklich nett aussehen. Der wirkt immer irgendwo fies, verschlagen, eiskalt. Ironischerweise ist er privat gar nicht so. Aber in der Öffentlichkeit stimmt alles.

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Dienstag, 4. Oktober 2005

Invitation to dance

"Nach einer kurzen Einführung sollten alle Teilnehmer mit einem Statement (nicht länger als zwei bis drei Minuten) zum Thema beginnen. Im Anschluss daran sollte (unter Einbeziehung des Publikums) eine kontroverse Diskussion stattfinden."

Ich hätte nicht gedacht, dass man mir das extra sagen muss.

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Family Business - 1.6 Tons

I - went out to the suburb
it was drizzening rain
Saw my old Dad working
with lots of real pain
I said Pop get in
and I´ll move that wood
so I started pushing in
as fast as I could



You load four cubic wood,
what do you get,
the famous Applestrudel
your Mama baked -



don´t send me an Email
cause I will not reply
If I don´t eat it right now
I´ll surely die.

(Da sind Rosinen drin. Weinberl heissen die bei uns. Durch die zugegebene Flüssigkeit - Milch, Vanille, ein Ei, wenig Salz und viel Zucker weichen die ehemals harten Rosinen auf, saugen sich voll, und wenn man sie dann aus dem lauwarmen Strudel herauspickt und zwischen die Zähne nimmt - dann ist das vom Gefühl her wie eine kleine, dunkle, erregte Brustwarze. Gewissermassen die obere Ergänzung zur unteren Zwetschge.)

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Kowi-Frösche aufblasen

macht man am besten immer noch mit Daten, ganz vielen Daten, und dann guckt man zwei Wochen später, wi sie versuchen, den Druck mit Alk unter Kontrolle zu bringen - so entsteht dann der typische saufende Journalist (die Kokser sind meistens die gepuderte Stipenditaten) : Jan Schmidt meinte bei der nun schon fast legendären Tagung in Karlsruhe, er wolle sich den ganzen Stress mit der Auswertung der Umfrage antun, dann ist dem Manne ja zu helfen.

Wie ich blogge?!

Und insgesamt klingt das sehr viel besser als manch andere, stümperhaft vorbereitete Umfrage aus diesem Umfeld.

+++UPDATE: In den Kommentaren eine Debatte zur Umfrage, bitte erst lesen, damit ihr mehr oder weniger wisst, was ihr da tut - oder bleiben lasst. Der Link zur Umfrage ist wegen Klärungsbedarf entfernt. +++

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Biesnäs-Blogs

Kann mal bitte jemand dem deutschen Gizmodo ein Myblog-Blog einrichten? Oder vielleicht erklären, wie man aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt? Oder einfach den Stecker zieht?

Aus der Kategorie: Blogs, die die Welt nicht braucht.

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1 & 1 = 0

Eine typische Anja-Tanja-Geschichte: Da überlebt 1&1 den Crash der New Economy ohne grössere Schäden, kauft sich mit Web.de zu GMX ein kleines Imperum zusammen - und dann stecken sie Millionen in ein Rennboot für den America´s Cup. Fürs World Wide Image.

Und stehen unter voller Beobachtung der Medien. Und sind im Rennen so schnell wie der erste Dotcomtod-Server, der bei 50 Leuten auf der Seite zusammenbrach. Und liefern sich vor Gericht einen Machtkampf, als wäre man der Vorstand eines absaufendes Startup. Und das ganze heisst dann noch grosskotzig "Team Germany".

Tolle PR-Kampagne. Millionen rausschmeissen, damit die anderen Teams was zu lachen haben. Und das Image eines inkompetenten Verliererhaufens bekommen, der komplett unfähig agiert. Schlimmer geht´s eigentlich nicht. Zu blöd, dass man den Ideengeber nicht feuern kann - der sitzt an der Spitze der Firma.

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Montag, 3. Oktober 2005

Sie sind unter uns.

Spätestens, wenn in Bayern ein pseudojodlrustikales Restaurant einen "Volksknödeltag" durchführt, ist es an der Zeit, nochmal über die Enteignung eines gossigen Berliner Crossmarketingkonzerns nachzudenken.

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Die Brücke in den Köpfen

Ost - Mauer einer aufgelassenen Fabrik in Thüringen



Dazwischen - aufgelassene Brücke zwischen Ost und West



West - Mauer eines noch nicht aufgelassenen Kreativcenters in Mitte



Schön dass ihr da seid. Gut dass es geklappt hat.

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Sonntag, 2. Oktober 2005

Vielleicht

sollte ich ja mal Führungen in einem früher original von Illuminaten bewohnten Haus anbieten. Aufgeklärter Okkulbizmus, gewissermassen. Schon erstaunlich, dass das bei uns nicht vermarktet wird. Vielleicht liegt es aber einfach nur daran, das die Leute hier nicht lesen können - hm, ja, und keine Illumenatenhäuser haben.

Aber wie erkläre ich der weissen Frau, dass sie jetzt bitte einen auf Weishaupt machen soll?

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Karma Cash

Ich kann sagen was ich will, auf mich hört ja doch keiner. Wenn der Junge trotzdem Journalist wird - er kann nicht sagen, keiner hätte ihn gewarnt. Ich mein, er sieht es doch selbst, wie wenig man braucht, der Rest wird von den raktis gemacht. Und für den Karriereturbo kommt er 7 Jahre zu spät, nicht seine Schuld, aber das Schicksal hält nicht an, um ein paar Erinnerungsphotos zu schiessen, von seinen Hoffnungen oder dem, was davon noch da ist. Im Prinzip hat er jetzt das Wissen, das er braucht, um heimzufahren und nochmal was ordentliches zu machen. Eine Banklehre. Das ist nie verkehrt. Oder Buchhandel. Da gibt es viele wahnsinnig nette, hübsche Mädchen, und Frauenüberschuss. Das ist wichtig in Zeiten, da man nicht mehr die Redakteursposten zum Vorschlafen der Kowinnen bekommt. ich habe nur Unwesentliches ausgelassen, und die ganz bösen Geschichten.



Aber es ist alles so schön bunt hier. ich wiederhole mich, die Geschichten werden dadurch nicht besser, aber die Geschichte an sich ja auch nicht. Alles gleich grau und verstaubt, der Glaube an die Netzwerke genauso wie das Wissen um die Sinnlosigkeit, grau wie die Praxis nun mal so ist, und bunt ist alle Theorie in den Einführungsveranstaltungen. Und selbst, wenn das Wissen sich nicht mehr ganz unterdrücken llässt, gibt es immer noch welche, die nochmal weltfremder sind.

Die freie Mitarbeit wird zur Freiheit erhoben, die 12 Stunden zum Spass, und wenn er dann mal nichts haben wird, ist es eben Leisure. Alles eine Frage der Auffassung, und man muss es nicht immer gleich negativ sehen. Und in drei Jahren erst, das wird schon, kein Grund, jemanden zu reden, der einen für sein Karma was von Aufgeben einredet.

Und es wäre überhaupt kein Problem, wenn das hier unter dem coolen Orange und der Predator-Movie-Decke nicht die Leute wären, die antreten, um dem Rest zu sagen, was eigentlich los ist.

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Samstag, 1. Oktober 2005

Former known as state of the art.

Und in Zitronengelb musste er sein, ganz frisch und laut. Unbedingt. Das war der neue Stil. Die neue Leichtigkeit, für Sie und Ihn. Der smarte BMW für alle, denen der Smart zu popelig war. Die eingebaute Vorfahrt für die Bizz-Prolls mit irrem Track Record bei studentischen Beratungsprojekten und 3 Monate Kaffekochen bei McK.



Dann ging es ihnen nass rein. Die Wunden von damals sind so halbwegs repariert, und einen Spiegel braucht man nicht, denn niemand schaut gern zurück auf diese Zeit. Und wenn es nicht regnen würde und nicht 6 Monate Winter kurz vor dem Einzug in die Hochebene stünden, könnte man aufmachen und durchatmen, wie damals.

Aber das geht nicht mehr, und für die Reparaturen ist angesichts der Mieten kein Geld mehr da. Obwohl man sich schon auf 32 Quadratmeter verkleinert hat. In Nordschwabing, former known as Freimann. Nicht gut, das. Vielleicht rettet einen ja ein Assiposten, irgendwo in der Provinz.

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Münchner Gespräche

Lass uns heute Abend treffen.
Gut, aber etwas später, sonst ist die U-Bahn so voll.
Aber dafür ein wenig länger, damit auf dem Heimweg nichts passiert.
Und irgendwo im Norden der Stadt. Mit Türe.
Das Puck soll angeblich frei von denen sein.
Gut, dann um 9 im Puck.

Oktoberfest. Echte Münchner verstecken sich vor der Meute. Die Stadt ist voll mit denen und ihren komischen Hüten, fast wie bei der Papsteinführung im Vatikan. An solchen Tagen erlebt man auch den Anbiederungskretinismus der zugezogenen FDP-Wähler, wenn sie ihre Pseudotrachten auftragen und ihren penetranten rheinisch-preussischen Frohsinn versprühen, der so gar nicht zur bayerisch-dumpfen Lethargie der Säufer passen will.

Ein Double Date heute, zwei Termine morgen und dann nichts wie weg. Heute und morgen sind die schlimmsten Tage des Jahres (und die letzten Tage des Oktoberfestes unterm Stoiber, so oder so).

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Real Life 01.10.05 - Eine Liebe Swanns

Was ist das, will die Elitesse wissen, und du schluckst gerade noch die Antwort "Das nennt man in gebildeten Kreisen ein Buch" runter. "Das, was Harry Potter vor der Verfilmung war" wäre auch gegangen. Auf dem Deckel steht es ganz deutlich, Proust, Eine Liebe Swanns. Man könnte sagen, dass die Stimmung schon mal besser war. Die Luft ist voller Zickigkeiten und einem Mangel an Gelegenheiten, das irgendwie rauszulassen. No Sex, please, just conversation. Auf neutralem Boden, im Café. Immerhin wurde es nicht die Havanna Bar.

Das ist das Wunder an solchen Abenden; irgendwann zerfällt die Spannung und das lange Grübeln, was man mit der überhaupt reden soll, löst sich in wirklich angenehmen Smalltalk auf. Die Leiden des Praktikums, die Streitereien mit den alten Säcken, die Arbeitsüberlastung nine 2 ten, all das wird zu einem munteren Plätschern durch Stunden, die so gar nicht vorgesehen waren; sie antwortet wochenlang nicht auf Mails, hält keine Zusage ein, und dann steht sie plötzlich vor der Tür in der Erwartung, dass man sie unterhält, ganz gleich wie rabenschwarz die Stimmung ist.

Sie saugt an einem roten Strohhalm, bedächtig, ganz langsam, du lächelst sie an, wie es nun mal so Sitte ist, sie konzentriert sich stillganz auf das Saugen, und deshalb kommt das Interview wieder hoch, in dem sich der alte Mann heute nachmittag verplappert hat, kein Wunder nach den Rechtstreitigkeiten mit seiner scheinbar übermächtigen Konkurrenz. Er ist zu tief in deren Strukturen eingestiegen, er kennt die Tricks und er weiss, was für diese Leute das Heer der chancenlosen jungen Mädchen aus dem Ostblock bedeutet, auf die sie dank ihrer Netzwerke durchgreifen können. Leute, die sich nicht nach unseren Vorstellungen verhalten, nennt das der oberste Sicherheitsmann in seinem Büro, 13 Stockwerke über der Spree.

Es ist nicht so, dass es unbekannt wäre, gemunkelt wird viel, und es ist nicht verboten, Clubs aufzumachen und eine Provision zu kassieren, wenn es klappt. Es ist legal, es ist sogar von der Arbeitsagentur für gut befunden. In Berlin kostet es angeblich zwei Drinks oder 20 Euro, sagen gut informierte Quellen; da, wo der Mann seine Geschäfte betreibt, ist weniger Angebot an solchen Abendgestaltungen, also könnte es teurer sein. Du kennst den Namen von früher, der Mann gilt als Wohltäter in seiner Welt, er gibt ihren Vätern kleine Jobs, die Mädchen, wie eine deiner Bekannten machen dann auch mal was, vielleicht eine Übersetzung, eine Tour nach Osten. Danach der Spass mit dem Arbeitgeber in den Discos, in denen sie sich sonst nicht mal ein Glas Wasser leisten könnten von der Sozialhilfe, und dann gleiten sie ab. Manche haben es wenigstens geschafft, sich bis zum Abi durchzuboxen. Du hörst diese Geschichte im Interview nochmal, du weisst, dass er dich nicht anlügt, und den Rest des Tages suchst du die verdammte Nummer von ihr, um zu hören, dass es ihr gut geht und sie nach den zwei Jahren Funkstille bitte bitte irgendwas studiert und nebenbei in einer Videothek jobt, aber bitte nicht das, nicht diese dreckige Seite der sogenannten Intergrationspolitik, die jeder Bildleser kennt und keine Ahnung hat, was da im Hintergrund den Bach runtergeht. Kein Drama für die Kriminalstatistik dieses Landes, alles legal, und selbst, wenn fragen könntest und es wäre so schlimm, wie es sich anfühlt - dann wäre es nur ein Stück Dreck im Kampf zweier alter Männer, ein Argument in einer Frage, die die Gerichte schon entschieden haben. Ohne dass es etwas mit der russischen Clubszene zu tun gehabt hätte.

Du hast sie natürlich nicht erreicht, und jetzt sitzt du da und denkst daran, ob sie nicht vielleicht auch gerade an so an einem Stohhalm die Lippen spitzt, nur im völlig falschen Kontext. Dann setzt der Wortschwall wieder ein, die hinterhältige Vorstandsassistentin, im Hintergrund baut sich wieder das Stimmengewirr zufriedener Jungspiesser auf, jemand ruft zu laut nach dem Kellner. Vielleicht bist du nur paranoid, vielleicht sind es die Bilder im Kopf von der polnischen Grenze, die Erinnerung an das Essen mit dem Clubbesitzer vor 4 Jahren in einem völlig leeren Restaurant, nur er, du und seine vier Freunde, seine Tips, dass ich doch was nach seinem Willen schreiben könnte, und ob ich nicht bleiben wollte, am Abend könnten wir in seine neu eröffnete Disco, das alles hast du damals abgetan, es war ein Lacher in der Redaktion, diese Westentaschenmafiosi, aber jetzt ist es präsenter denn je, das alles wird zu einem klebrigen Cocktail, den du nicht runterkriegst, obwohl es deine verdammte Pflicht als Gatekeeper ist. Down in Gaza ist es schlimmer, das hier ist noch nicht mal Busbahnhof Tel Aviv, es ist noch nicht mal so übel wie in Frankfurt, wo man dir mal die Mädchen hinter den Mülltonnen mit dem Besteck gezeigt hat, aber da ist die nagende Angst, dass es irgendwo in einem seiner Clubs vielleicht kein anonymes Leben in einem billigen Kleid ist.

Die Elitesse trägt einen hellen, dicken Zopfpulli, als käme sie frisch vom Segeln oder Strandspaziergang, unendlich weit entfernt von all den Niederungen. Ihr Clan hat die andere Seite nur Sekunden beim Zappen in RTLII gesehen, ansonsten existiert das in ihrer netten, angenehmen Welt nicht. Der Abend wird nicht sehr lang, und das leichte Schwanken, die feine Unsicherheit beim Abschied bleibt gänzlich unbeachtet. Es ist eine Nacht für Proust, bestenfalls.

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Freitag, 30. September 2005

OK, Berlin, Du hast gewonnen.

Ich gebe auf. Den ganzen Tag bin ich rumgerannt, um auch so einen coolen Turm zu finden. Haben wir aber nicht. Das einzige, was ich bieten kann, ist noch nicht mal rotweiss gestrichen, sondern nur aus Kalkstein und Ziegeln.



Und so totschickes Grau haben wir darüber am Himmel auch nicht, nur so blödes Blau und diesen grellen gelben Fleck. Ich hab mich dann erst mal in ein Strassencafe gesetzt, Tee getrunken und mich gefragt, warum die Welt so ungerecht ist, dass ich mir sogar Ende September noch das Sakko ausziehen muss. Weil es so warm ist.

Das ist alles so gemein. und hiddensee hat ein neues blog.

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Real Life 30.09.05 - Bilderbuchland

Es wird Zeit für einen Frottee-Bademantel. Oder besser gleich zwei, ein weiterer für Besuch aus Berlin, irgendwann wird der wohl kommen. Die Sonne scheint immer noch, aber am Morgen ist es schon empfindlich kühl. Also zwei Bademäntel. Die Strasse runter, in einer Passage, ist der Laden für solche Bedürfnisse.

Nebenan ist der Teeladen, in dem sich jetzt Scharen von Steppjackenträgerinnen drängen. Hermestücher feiern fröhliche Urstände. Chinakitsch scheint gross in Mode zu sein, Strohhüte, Eisenkannen und grobe Teeschalen sind wohl die Renner der Frühherbstsaison. Und du wolltest ohnehin mal einen Text über Chinoiserien schreiben, und die Ursachen, warum sie bei uns - und bei dir - so beliebt sind.

Du betrittst die pastellfarbene Halle, die früher mal ein Sanitärgeschäft war und in der heute vor allem Badwände mit Carraramarmor und Bisazza geplant werden. Es gibt auch noch Waschbecken, aber sie sind heute aus apricotfarbenen Speckstein gedreht, kostet keine 700 Euro. Badewannen stehen nicht mehr rum, dafür gibt es Jakuzzi in diversen Ausführungen und Duschen wie Weltraumschleusen. Im hinteren Bereich wählt ein Paar gerade Säulen und nachgemachte Amphoren für ihr Bad im griechisch-römischen Stil aus. Wenn schon Toskana, dann richtig. Aber die Bademäntel sind hier so weich und flauschig, wie sie sein sollen, und kaum teurer als bei Billiganbietern draussen im Industriegebiet.

Gegenüber vom Ausgang der Passage ist eine Galerie, die einer der besseren Herren seiner Frau geschenkt hat. Normalerweise läuft darüber die Autoflotte und ein Teil der Steuern, bis sie nach 2 Jahren die Lust verliert, aber die Besitzerin hier hat den Geschmack ihrer Peergroup getroffen. Seit 20 Jahren gibt es dieses Ding nun, es sieht aus wie die Requisitenkammer von Architectural Digest (deutsch) vor drei Jahren, und davor parkt ein Z4 im absoluten Halteverbot. Eine Kundin trägt einen mediterranen Kunstdruck aus dem Laden, legt ihn auf den Beifahrersitz, gibt der Besitzerin Bussi Bussi und fährt gemächlich davon.



Im Cafe an der Ecke kommen die ersten Mittagspausierer und Wochenendgeher zusammen. Der Kellner säubert die Tische für das grosse Fressen; Krabbencocktails sind hier momentan sehr en Vogue. Es gibt keine griesgrämigen Gesichter und keine Angst. Die Leute hier sind in Sicherheit, sie treffen sich, sind auf ihre bayerische Art charmant, vielleicht wird aus dem kurzen Verhältnis am Wochenende doch was längeres, dann heiraten sie in der traumhaft schönen Asamkirche gegenüber und bekommen semmelblonde Kinder, die eine glückliche Jugend verbringen, um später mal Sparkassenleiter zu werden wie der Onkel oder Galeriebesitzerin. Oder Innenarchitektin für Bäder.

Vor dem Stadtpalast siehst du die ersten Arbeiter. Vom Bau. Sie ziehen in der Nachbarschaft noch ein Studentenwohnheim für Elitessen hoch, ein paar Quadratmeter für fast Münchner Preise. Aber so ist das hier, im Speckgürtel, wo inzwischen alle wieder in die Altstadt wollen, wo es Krabbencocktail gibt und 100 Gramm Tee für 9 Euro. Da müssen die Elitessen mit hohen Preisen rechnen. Dafür ist dann die Amüsiermeile direkt vor der Haustür. Mit einem Sausa, das genauso ist wie das Sausa in der Türkenstrasse in München. Früh übt sich. Alles bestens. Alle zufrieden. Keine Ahnung, warum manche denken, dass die Stimmung kampagnenbedarfsmässig schlecht ist. Hier ganz sicher nicht.

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Freitag, 30. September 2005

Jetzt ist es raus.

Die VIP Medienfonds sind fällig. Wundert mich nur, dass es so lang gedauert hat. Die Hölle der Filmstadt München hat gerade aufgemacht. Jetzt fliegen die Kickback-Systeme in die Luft.

Ich würde nicht um mein Geld zittern. Ich würde schleunigst einen guten Anwalt anrufen, weil Durchgriff auf das Vermögen ganz schlimme Folgen haben kann. Ein grosser Teil der Betroffenen hat bei Banken für die Fonds noch Kredite aufgenommen - steht zwar nicht im Artikel, ist aber so. Und noch was: Der letzte Satz: "Die Garantiekonstruktionen anderer Anbieter stehen nicht in Frage" wird sich als voreilig erweisen.

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Eine Frage des Standpunkts

Unten in den Gassen, drüben bei den Elitessen im Wohnheim beginnt die mürrische, fahle Zeit ohne Licht. Nur ganz oben, auf den höchsten Ebenen der Stadt, wo die ungleichen Fiktionen eines Piranesi Realität werden, sieht es so aus, als würde der Sommer nie enden wollen.



Johnny lässt wissen, dass der Blogkongress nicht im Dezember, sondern erst Ende Januar ist, also in der Jahreszeit, in der sich die Krähen in Berlin freiwillig unter die Räder der Lastwägen werfen. Sofort ist wieder der Gedanke an das dunkle Braungrau des Molochs da, die Erinnerung an den feuchten Gestank und die wenigen Geschichten der Barmherzigkeit, die daraus entstanden.

Ende Januar in Berlin. Inmitten von Menschen, die seit Monaten keine Sonne mehr gesehen haben, denn der Blick geht nach unten, auf die Strasse, wo sich das Elend fortsetzt und in die Kanalisation versickert, ohne je weniger zu werden. Ende Januar steckt es den Menchen in den Knochen und dem, was sie meist nur für ihre Seele halten. Aber hier oben, weit entfernt unter der Strahlenkranzmadonna, wird es auch dann Licht und Sonne geben.

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Lesen Neoconnards auch CNN.com?

Oder sind das auch alles linke Verräter? Heute Nacht die Headlines in Folge ihrer Wichtigkeit:

Der republikanische Mehrheitsführer im Kongress Tom DeLay tritt aufgrund einer Anklageerhebung gegen ihn wegen "criminal conspiracy" zurück.
Die Reaktion auf den Hurrikan Rita zeigt, welche politische Machenschaften bei der Postenbesetzung Einfluss haben.
Amerikanische Soldaten im Irak sollen im Netz Kriegsphotos von toten Irakern gegen Pornographie getauscht haben.
Der berüchtigte Mafioso Gotti mit 7 Millionen Kaution kommt frei, steht aber unter Hausarrest.
Der Klimawandel verändert Alaska dramatisch.

Gut, der Mafiaboss hat mit Bush nichts zu tun. Aber sonst: Korruption, Vetternwirtschaft, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Zerstörung der Umwelt - alles dabei, ausser dass Bush Junior mit einer minderjährigen schwarzen Prostituierten im Vollrausch nackt von CNN gefilmt wird. Was aber, relativ gesehen, gar nicht mehr so tragisch wäre.

+++UPDATE: ICH NEHME ALLES ZURÜCK+++
Sie lesen es doch. Und mailen mich sogar an!

Von: dierechteder@zweilumpenpuppen.de

He, Du linke Schmutzbazille,
DeLay hat nur versucht, Hayeks Thesen in die Praxis umzusetzen, er kann nichts dafür wenn ein Richter das nicht begreift. Schmiss und Gruss, Dierechteder Zweilumpenpuppen.


Von: dielinkeder@zweilumpenpuppen.de

He, Du Wertegemeinschaftsverräter,
hast Du was dagegen, wenn in den USA jedem die Chancen auf einen Aufstieg gegeben werden? Es kann doch nicht immer nur nach formaler Qualifikation gehen! Das muss auch bei uns Schule machen! Mein Dad, ja, der hat einfach beim Staatssekretär von Prof angerufen, überwiesen, und schon war ich Assi! So bleiben die Chancen auch für faule Berufsöhne gewahrt, die während der Arbeitszeit lieber bloggen. Mit marktliberalen Einstellungen, Dielinkeder Zweilumpenpuppen.


Von:Axel@dieallerbeste.de

Du erbärmliche, arabermögende Schlangenbrut,
natürlich müssen die Bilder gegen Bilder tauschen! So steht das auch im alten Testament meiner jüdischen Freunde. Und Schuld sind sowieso nur die Kameltr äh Araber selber, wenn die ordentlich Öl fördern würden, könnten man die Pornos bezahlen, ohne dass man deshalb Bilder ihrer Leichen bräuchte. Meine jüdischen freunde spucken auf Dich, Axel Dieallerbeste.


Von: Poliin@correct.de

Libsta, bessta Her Don Alpfonzo,
ick mus mit meinm klein Sprtleragehalt di webseid di wo ich betraib blechen un da wold ich fragn ob du den Mafiosi ned kenst der wo mir geld gebn kan für meine Lesabrief an di Median und wena wil tu ich auch ayne Bombe mit zu, di sin sowiso ales sweine die da, und ich schau das man da auck was miti Schteua machn kan. dein Poliin Correct,

Pe-es: kanstu den Schtempl von die Priefmake von da Mail abwaschn und mia wida schickn?


Von: mixermaxl@Koofrenegat.de

Du asozialer Bestmensch Du,
mach Dir nich in die Hose, wie wir schon in der letzten FDP-Study gezeigt haben, ist es supa wenn Alaska abtaut. Die Rentiere, Pingus, Leoparden, Zebras und Eisbären haben dann freie Bahn für freie Viecher, und man kommt schneller an das Öl, und was glaubst Du, wie heiss die Erde nachm Urknall war? Also stell Dich nicht so an, Deine Mixermaxeln.


Von: Antidenkophonie@team.com

Äh, sag mal, kannste mir n Tape von der kleinen da schicken von der du schreibst für unser nächstes Julitreffen? Absonsten ist es doch echt ok wenn CNN das filmt, dann kriegen unsere Jungs im Irak das Zeug aus heimischer Produktion und die Amerikaner müssen nicht bei den Japsen zukaufen. Servus, Antidenkophonie Team

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