Tobias Rüther, der FAZ-Mann ohne Fakten

Irgendwann, als sie den grässlichen Stil und die ungehobelten Sitten nicht mehr ertragen konnte, mauerte Lady Astor eine Fensterfront ihres Anwesens auf Rhode Island einfach zu - um die geschmacklosen Häuser ihrer neuen Nachbarn, der Vanderbilts und Don Alphonsos und wie sie alle heißen, nicht länger ansehen zu müssen. [...] aber so schnell lassen sich Institutionen nicht unterkriegen: Das hat Lady Astor als amerikanische Institution des neunzehnten Jahrhunderts vorgemacht, als sie schließlich den Architekten der Vanderbilts anheuerte, um ihr Wohnzimmer renovieren zu lassen, nur schöner.
Jaja, die FAZ. Die Kulturzeitung. Kann es mal wieder nicht lassen, sich die Allgemeinbildung raushängen zu lassen. Dabei hätte Tobias Rüther vielleicht erst mal zeigen sollen, dass er etwas Ahnung vom Thema hat - was er schreibt, ist schlichtweg falsch.

1. Lady Astor hatte nie ein Haus auf Rhode Island. Was nicht überrascht, denn Rhode Island gehört zu Amerika, während die bekannte Lady Nancy Astor die Gattin eines Mitglieds des britischen Astor-Clans und Parlamentsabgeordnete war.

2. Es gibt auf Rhode Island ein Anwesen der amerikanischen Astors, die mit dem englischen Zweig zertritten war: Beechwood. Darin wohnte dann allerdings die berühmte "Mrs. Caroline Astor", die Grand Dame der New Yorker Gesellschaft. Mrs. und Lady Astor sind zwei völlig unterschiedliche historische Personen.

3. Gekauft haben die Astors das Haus 1881, und sogleich einen Restaurationsauftrag an Richard Morris Hunt erteilt. Für das gesamte Haus, nicht nur für ein Zimmer.


4. Besagter Richard Morris Hunt baute erst über 10 Jahre später praktisch daneben das berühmte Vanderbilt-Schloss The Breakers und ab 1888 das ebenfalls den Vanderbilts gehörende Marble House.

5. Von 1877 bis 1881 hatte Hunt allerdings tatsächlich schon für die Vanderbilts ein palastartiges Gebäude errichtet - allerdings in New York an der 5th Avenue, die man von Rhode Island aus nicht sieht.

6. Schon in der Zwischenzeit, genauer 1883, hatte sich Mrs. Astor mit den Vanderbilts arrangiert.

Fassen wir den Kern des Blösdsinns des FAZ-Schreibers also nochmal nach einer kleinen Recherche zusammen:

Mrs. Astor beschäftigte 1881 für die Renovierung ihres kompletten Anwesens Beechwood den Architekten, der Jahre später in der Nähe die Paläste der Vanderbilts errichtete, mit denen die Astors inzwischen durchaus gut umgehen konnten.

An den Behauptungen, die der Möchtegernkulturkenner Tobias Rüther aufstellt, ist nichts Wahres dran. Es ist ein Hoax, eine Lüge, vielleicht eine Legende, oder eine Erfindung ohne jede Kenntnis der Fakten, Gesabber ohne Recherche, ein Gerücht, das er sich zurechtbiegt, um sich zu erheben - und damit auf die etwas zu volle Klappe fällt.

Denn wo schreibt er das? In einem Beitrag der FAZ, der sich mit der Konkurrenz von Bloggern und Journalisten auseinandersetzt und behauptet:
Die Front gibt es also gar nicht, die sich Blogger wie Knüwer oder Don Alphonso herbeiwünschen, um in etablierten Journalisten Feinde zu sehen, Besitzstandswahrer, Gegner von der „anderen Seite“ (Don Alphonso), von hinter der Mauer und dem Mond.
Doch. Es gibt die Front zwischen denen, die glauben, sie könnten ihre Leser unbemerkt verarschen, und denen, die sich mit dem peinlichen Schlendrian von Grosskotzen nicht abfinden. Wenn Rüther nur einen Funken Anstand hat, steht morgen auf der Seite eine Entschuldigung für sein Versagen.

dito an der Blogbar.

Samstag, 12. Januar 2008, 03:31, von donalphons | |comment

 
Genau davor haben sie Angst
die Qualitätsjournalisten.

Früher hätte vielleicht jemand einen Leserbrief geschrieben, den hätte man entweder nicht veröffentlicht, oder die Peinlichkeiten rausgekürzt.

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Nett in diesem Kontext auch die Übrschrift vom 12.12.2007 in der FAZ:

"Weblogs - Immer schön sachlich bleiben"

Dann schaun wir mal, wann sie das sachliche Versagen eingestehen. Die Tube kriegen sie nicht mehr zu.

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Sachlich bleiben
sollen doch bitte die anderen...

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... ich dachte immer die Astors waeren mitsamt der Titanic im Nordatlantik ersoffen ... aber das war ja dann doch erst ein paar Jahre spaeter.

... passt aber irgendwie auch wieder ...

mein Favorit in der DJV-Runde war der hihihihihi Kowischlumpfprofessor ... wenig zu sagen, Allerweltsideen - exactamente die fachinhearente Belanglosigkeit repraesentierend - sauber!

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Der Professor hat genau die Belanglosigkeiten präsentiert, die ihn zum gern gesehenen Gast als Redner und Podiumsteilnehmer machen.

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Das ist wie mit den Regeln im Onlinejournalismus: Die muss man für Blogs unbedingt haben, damit die sie befolgen und man so-fort einchreiten kann, wenn die den Mund zu weit aufmachen, damit jeder merkt, was für billige Internetknilche das sind. So, wie die Astors das damals mit den Vanderbilts gemacht haben. Oder so.

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... ich bleibe bei meiner Theorie, dass man das "wissenschaftliche" Personal fuer KoWi-Lehrstuehle vollstaendig einfach so auf der Strasse - zB. unter Passanten auf der Koelner Domplatte - rekrutieren koennte, wer dann Lehrstuhlinhaber, Dozent, Doktorand, Assistent etc. wird, wird durch Streichhoelzchenziehen entschieden - ja, auch ich fordere Regeln ein ....

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Treffer, versenkt - na ja, was sind schon Fakten wenn man einen schmissigen Artikel schreiben kann, die sind ja nur im Weg...
Ad Astra

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Der Herr ist einer urban Legend aufgesessen, die es mit einigem Personal auf verschiedenen Kontinenten gibt. Angeblich soll auch Österreichs Kaiser Franz Josef nie wieder aus den Fenstern Richtung Michaelerplatz geschaut haben, weil der Architekt Adolf Loss dort das Goldman & Salatsch-Gebäude errichtet hat.

Wo war da eigentlich das vielgerühmte Factchecking? Mit der Praktikantin auf dem Klo verschollen?

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"Es ist ein Hoax" - nennt man sowas nicht heutzutage Horx?

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Adolf Loos.

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Pardon, ich sass die letzten Tage an einer ungewohnten Tastatur, das hat die Fehlerzahl nach oben schnellen lassen. Loos stimmt natürlich.

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Tastatur
Bei neuen Tastaturen kann es schnell passierten, mal eben vom O über KUZGRE zum S zu verrutschen.

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Hä?????
Tolle Widerlegung Don Alphonso: vor allem gab es ja damals auch genau gegenüber, wie Rüther schreibt, die Villa eines Don Alphonso. Womöglich mit einem schönen Garten, in dem Deine Stilblüten bewässert werden. You call it IRONY. Und dass dich dass um 3 Uhr morgens schon aufgeregt aus dem Schlaf schrecken lässt (WAS SCHREIBEN DIE ZEITUNGEN??) , zeigt: du hast echt Vitalität.Wieso wirst du eigentlich nicht Vanity Fair Chef?

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Hä ist keine adäquate Äusserung
Auch mit Ironie darf keine Lügen verbreiten. Und dass Rüther keine Ahnung von dem Sujet seiner Ironie hat, sollte offensichtlich sein, oder?

Wieso wirst Du nicht Hilfsbüttelschreiber bei der Bild? Wieso hast Du ein Problem, wenn man auf Fehler hinweist? Wieso hältst Du nicht Dein Maul und verschwindest? Das sind die Fragen, ie mir so einfallen würden.

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So, braucht hier sonst noch ein neu angemeldeter Hilfskommentarspammer eine Löschung?

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Lassen wir die Astors einmal beiseite, denn gefeit gegen Fehler ist niemand. Die Frage ist, wie thematische Kompetenz durch ein Medium dauerhaft geliert werden kann. Da führt in der Regel an einer Zeitung kein Weg vorbei. Sie bietet - im Idealfall - die Betreuung eines Themas über einen längeren Zeitraum durch Spezialisten. Eine Kontinuität, wie sie etwa in der FAZ der Bayern Korrespndent durch amüsante und boshafte Betrachtungen der CSU liefert, oder im Feuilleton oder im Wissen usw. Solche thematische Sicherheit liefern nur vereinzelte, spezialsierte Blogs, wie jenes von Strappato über Gesundheit und Pharma oder ein paar Medienblogs.
Diese Kompetenz kann jemand «nebenbei» dauerhaft nur in den seltensten Fällen liefern und wenn, dann meist als Nebenprodukt seiner beruflichen Beschäftigung.

Wenn ich mich für ein Thema speziell interessiere, nutze ich diese Quellen, weil sie viel kompetenter über ein Gebiet informieren, als eine Tageszeitung. Solche Blog haben für mich die Aufgabe, die früher alleine Fachmagazine hatten.

Wenn ich mich aber über den Lauf der Welt interessîere, brauche ich das Wissen und die Einordnung vom Tag kompakt und gefiltert. Da habe ich keine Zeit mich durch unzählige RSS Feeds zu lesen. Da brauche ich auch kein Spiegel online und kein News-Kurzfutter. Da brauche ich eine Zeitung. Ich oute mich da gerne: in meinem Fall die FAZ oder Le Figaro und für die Woche The Economist.

Die Zahl der Blogs, die sich mit inhaltlich relevanteren Dingen beschäftigt, als sie in einem Tagebuch eines pubertierenden Mädchen stattfinden sollten, ist doch sehr begrenzt. Web 2.0 ist nicht die Speerspitze der Aufklärung. Es ist Privatfernsehen für jedermann, in dem Steuerfachangestellte beim morgendlichen Begrüssungsritual ihrer Freunde und Freundinnen ihr Décoltée in die Webcam halten und im Ruhrpottslang über ihren Besuch im «Assitoaster» berichten.

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aber das Gebilde Zeitung fällt dann doch in dem Moment in sich zusammen, wo klar wird, dass entweder nur Agenturmeldungen ohne Überprüfung abgeschrieben werden, oder Artikel selbst verfasst werden, die sich vor allem durch Freiheit von belegbaren Fakten auszeichnen.
In diesem Moment verlieren die Zeitungen ihren Anspruch die Nachrichten vom Tag richtig und kompakt aufzubereiten, denn ich weiß ich kann mich nicht darauf verlassen, dass das, was ich da lese auch wirklich stimmt.

Ein Beispiel, wenn auch offensichtlich und nicht gerade aus einem unserer Vorzeigeblätter:
Ich hatte von einem Bekannten einen Artikel aus der WamS zugesandt bekommen in dem dargestellt wurde, dass ein Hummer ökologisch sinnvoller sei, als ein Prius. Gestützt wurde dieser Artikel auf eine Studie der CNW Inc., die zu diesem Ergebnis gekommen war.
Nach 5 Minuten "Recherche" bei Google hatte ich einen Report zu dieser Studie in der Hand, in dem nachgewiesen wurde, dass zum einen die Studie nicht nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt wurde, z.B. ohne Peer Review. Zum anderen waren weder Quellen der Daten, noch die Finanzierung diese Studie offengelegt worden.
Am Ende bleibt eine dubiose Studie, von der man nicht weiß, ob sie nicht von einem der großen Autohersteller finanziert wurde.
Ob das dann für einen halbseitigen Artikel ausreicht, der nur die Zahlen der Studie wiedergibt, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Am Ende steht dann für mich das Ergebnis, dass ich selbst noch einmal nachschauen muss, ob denn das, was der Journalist da verfasst hat, sich auch belegen läßt. Wenn ich das aber am Ende bei jedem Artikel machen muss, kann ich mir die Lektüre auch sparen und mir auf Zuruf ein paar Stichwörter vom Tag die Lektüre selbst zusammensuchen. Das Ergebnis kann auch nicht schlechter sein.

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Also versuchen wir die etwas missglückte Ironie (die eine Kunstform ist und kein Bügeleisen für den Internet Explorer) mal zu übersetzen:

Blogger haben einen grässlichen Stil und ungehobelte Sitten, errichten ihre geschmacklosen Blogs ungefragt in der Nachbarschaft der überwältigend schönen und bunten Onlinekopien berühmter Informationsarchitekten. Damit die das Elend nicht mehr sehen müssen, mauern sie sich ein. Dummerweise sieht sie jetzt aber auch keiner mehr. Um dem abzuhelfen, errichtet man selbst Blogs. Höchst geschmackvoll natürlich mit vortrefflichem Stil, exquisiten Sitten und überhaupt viel besser als die der blöden Blogger. Man ist ja Informationsarchitekt mit höheren Weihen und nicht so ein dahergelaufener Möchtegernund kanngarnicht.

Träumt weiter, Jungs.

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architekten? eher abgebrochene bauingenieure

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Was für ein wirrer Text
(der Rüthersche) Besonders seltsam das Ulbricht-Zitat am Ende --
das ergibt weder ernstgemeint noch ironisch einen Sinn.

(Über die Überschrift mußte ich aber doch lächeln).

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Die Fülle von Non-Sequiturs
ist wirklich beeindruckend... man kann diesen FAZ-Text gar nicht vernünftig analysieren.

Die Vergleiche sind nicht nur schlampig recherchiert, sondern auch schiefer als der entsprechende Turm in Pisa.

Die Aussage soll wohl sein, dass sich der (Qualitäts?)Journalismus gar nicht abschottet von den Blogs (?) oder "dem Internet".

Tun sie auch nicht (ok die SZ nachts und am Wochenende).

Sie schreiben fleißig ab, plündern, wo es geht, und ab und zu gibts "zur Belohnung" einen Haufen vor die Tür.

Dabei sind Blogs in den USA schon viel weiter. Es gibt so zehn "liberale" Blogs höchster Reichweite, die sich längst zum Alptraum der etablierten Medien entwickelt haben.

Ein paar dieser Topblogger bei den weichgespülten PKs im Weißen Haus, und bald würde sich kein Pressesprecher mehr finden.

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Die amerikanischen Astors sind die Astors, die englischen lediglich ein Ableger. Die amerikanischen Astors wurden Lady and Lord genannt, so sehr, dass in den Hotels ganze Suiten nach Ihnen benannt wurden. Einen Don Alphonso gab es auch im neunzehnten Jahrhunderts nicht. [Edit: Rest des Kommentars entfernt, hier kann nicht jedes Stück Spamscheisse sagen, was es will. Don]
http://en.wikipedia.org/wiki/Astor_family

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Google wäre dein Freund gewesen
"Lady Nancy Astor": 18000 Treffer
"Lady Caroline Astor": 3 Treffer (davon zwei abhängig und alle 3 falsch).

Die amerikanischen Astors, die auf Rhode Island residierten, wurden definitiv nicht Lord und Lady genannt, gerade in diesen Kreisen führte man keine angemaßten Titel.

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Nur der Vollständigkeit halber:

Caroline Astor: 215.000 Treffer ;-)

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Anführungszeichen
Nicht jeder FAZ-Redakteur kann damit was anfangen :-)

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Heute fliegen die Hilfsspammer mal wieder tief - scheinbar ist die Qualitätskontrolle der FAz wieder aus dem Klo aufgetaucht und tobt sich hier aus, mag mir scheinen.

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Na ich ahnte doch, über den Ausdruck "Blogjournalisten" wird es Ärger geben :-)

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Da sitzt jetzt mindestens eine arme Sau vor der Kiste und versucht, sich unter einem halben Dutzend Namen als Spamschwein auszubreiten - vielleicht ist das das neue Berufsbild des Bloggerjournalisten?

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Blogjournalismus. Hoffentlich liest das nicht Jörges.

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Wieso? Der redet doch gar nicht nie ueber Blogs.

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Und wie er nicht darüber redet!
Selten habe ich jemanden erlebt, der so nicht darüber redet (obwohl es eigentlich laut Einladung darum ging, aber mei).

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... ja gut, wer eine orientierungslose Illustrierte machen will muss halt auch selbst ein wenig, aeh, oeh, na, ja, aeh, wie auch was na ... dingens.

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Ja lustig
und im "schöneren Wohnzimmer" (wenn ich die Analogie vderstanden habe) findet nichts statt, gar nichts.

Kommentar (bewusst "gesittet" gehalten) einfach nicht veröffentlichen, Nirvana... so gehts auch. Aber dann eben nicht wundern, wenn die Diskussion woanders stattfindet.

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Ich hatte auf Dialog gehofft, fand aber nur in Zement gegossene Meinungen, die gegenseitig durch den Raum flogen....mies moderiert.
Im Fazit geht es in meinen Augen (nur) noch um das Markieren von Revieren und die standen doch schon vorher fest, oder?
Wo ist der konstruktive Aspekt?

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1. Es ist falsch zu glauben, nur weil jemand Journalist ist, könnte er auf irgendwas eingehen. Und alle da vorn waren irgendwie Journalisten.

2. Das wirklich schlimme - oder gute - an der Sache ist, dass nicht mehr ging als mal zusammen zu kommen, um die Reviere abzustecken. Der Abend hat einiges geklärt, weil viele Blogger jetzt mal mitbekommen haben, wie Journalisten live und in Farbe ticken. Man darf nicht übersehen, dass Konkens und Jörges Einlassungen damals durchaus viel Applaus bekommen haben. Nur im Netz sah man das anders.

3. Gerade bei jungen Journalisten ist die Sache - angesichts des Vorwissens zum Internet - eher noch schwerer. So leid es mir tut: Aber in Berlin sassen nach meiner Betrachtung fast noch die aufgeschlosseneren Personen vorne. Und nur, weil mancher Journalistik-Lehrender einer scheinbaren Eliteanstalt in Leipzig blogt und Blogger einlädt, heisst es nicht, dass er kapiert, worum es geht. Weder im Journalismus, noch in der Bloggerei. Das Problem ist ein sehr Grundsätzliches. Und ich sehe da wenig Chancen, das in ein paar Jahren zu überbrücken. Es sei, denn mit Ansätzen wie Echo-Münster.de, aber da sitzen dann auch wieder nur Betonköpfe, die wenig Ahnung vom Presserecht haben, und schreiben PR ab.

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Ich denke, bestimmte Fähigkeiten können schwerlich von einem spezifischen Berufsstand abgeleitet werden.
Die hat man, oder eben nicht.

Genausowenig, wie es in meinen Augen "die Journalisten" und "die Blogger" gibt.
So einfach ist es (Gott sei Dank) nicht.

Was ist denn nun eigentlich das Ziel dieser Auseinandersetzung?
Oder besser gefragt: Was würden Sie sich wünschen?
Qualitätvolle Arbeit mal als selbstverständlich betrachtet.

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Nichts.
Ich erwarte nichts. Wer als Historiker an die Lernfähigkeit von Menschen glaubt, muss verzweifeln. Ich erwarte nichts, weil die Journalisten in ihrer grossen mehrheit Begünstigte eines Monopolsystems waren, und unter diesen Bedingungen zu arbeiten gelernt haben. Ansonsten halte ich es ohnehin für eine Scheindebatte, das eigentliche Problem für Journalisten sind weniger die Blogs, die in gewisser Weise natürlich eine Konkurrenz sind, als vielmehr die breiten, anderen Gelegenheiten der sozialen Netzwerke, die unendlich kleinteiligen Inhalt bieten. Aber darüber denkt nach meiner Erfahrung kaum ein Mensch bei denen nach. Sprich, wir reden mit denen über eine 2003er Debatte in einer Zeit, in der wir uns alle überlegen müssten, welche Folgen das 2009 und 2010 haben wird.

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Übrigens: der Professor in der Runde, Donsbach, macht zur Zeit eine Studie: "Journalismus in öffentlicher Wahrnehmung".

Am Ende wird wohl rauskommen, dass wir Standards brauchen und der Beruf Zugangshürden.

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Und ich stimme auch mit Thomas nicht überein, dass Konken und Jörges die Mühlsteine des Journalismus für das Bad im Internet sind. Die sind Mainstream, schlimmstenfalls. Die sagen nur das, was die meisten anderen denken. Unabhängig von Alter und Erfahrung im Beruf.

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Dann nutzen Sie Ihren Vorteil - ich denke, dass wissen Sie selbst;-)- und wenden sich strategisch der Zukunft zu.
Neue Maßstäbe zu manifestieren ist eine schöne Aufgabe!
Jedoch würde ich die Tür niemals ganz schliessen wollen, man weiss nie, wer davor stehen wird!
Ich bin einfach ein Fan des Dialogs, der gegenseitigen Befruchtung. Auch wenn das Feld aktuell unfruchtbar erscheint...der nächste Frühling kommt bestimmt!

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Und nur, weil mancher Journalistik-Lehrender einer scheinbaren Eliteanstalt in Leipzig blogt und Blogger einlädt, heisst es nicht, dass er kapiert, worum es geht.

Welchen Leipziger Dozenten meinst Du damit?

@ strappato: Der Beruf hat doch de facto schon längst Zugangshürden, zumindest was Jobs bei Verlagen oder Rundfunkanstalten betrifft.

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Ich habe mir lang überlegt, ob ich wegen dieser Person nicht mal mit dem Vorstand des Instituts reden soll, aber ich gedenke, ihn demnächst mal separat zu würdigen. Mich nervt es etwas, wenn ich angelogen und ausgerichtet werde von Typen, die nicht mal elementare Regeln des Persönlichkeitsrechts berücksichtigen. Und Leute wie den Niggemeier, der Lügen weiterverbreitet und sich zu eigen macht, auch noch dafür anschleimen.

Was die Zugangshürden angeht: Die sind so theoretisch wie der Pressecodex. Mit einer ordentlichen Portion Schleim oder Willfährigkeit geht auch im Journalismus vieles.

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Don, der Rüther hat doch erkennbar überhaupt nicht begriffen, worüber Du und Knüwer gesprochen haben. Er hat nur gespürt: Das geht irgendwie gegen Konken. Und den Konken, den muss er als Pro-Establishment-Schreiber unbedingt in Schutz nehmen. Tja, dies auch dann, wenn er nicht weiß, worum es eigentlich geht. Als journalistischer FAZke mochte er bei Knüwer oder Dir auch garnicht erst nachfragen, vielleicht, um euch besser zu verstehen, sondern erst mal so eine lustige Polemik gegen euch raushauen. Auch deshalb, weil ihm der autoriätär anmaßende Stil vom Jörges so richtig gut gefallen hat. Anderen das Wort abschneiden und ihre Position ohne weiters Durchdenken pauschal für lächerlich erklären: Das gefiel dem Rüther, und zwar so sehr, dass er in einem Artikel zeigen wollte, das er das auch kann, jedenfalls mit so einem billig hingeschmierten Drecksartikel. Wofür sich in der FAZ, wenig überraschend, Platz fand. Es weiß zwar kein unbeteiligter Leser, worum es genau geht, aber hey, dafür hat er euch eine reingewürgt.

Und das zählt.

Was Niggemeier betrifft: Es ist schon ziemlich eklig, andere Menschen, zumal, wenn sie sich gerade über etwas aufregen, zu belehren. Ich fühle mich schlecht dabei und trotzdem: Mein Rat an Dich wäre, die ganze Sache mal endlich zu vergessen. Noch besser wäre es, den Tomahakw mittels mit einer freundlichen Email zu vergraben. Es mag gut sein, dass Nigge bei eurem damaligen Streit in ein, zwei Fragen daneben gelegen hat - wobei das für Außenstehende nicht unbedingt einfach zu beurteilen ist - aber hey: Irgendwann ist genug. Man macht im Laufe seines Lebens, auch im Umgang mit anderen Menschen, immer wieder genug Fehler (auch: Du), und sollte daher die Größe haben, sie im Laufe der Zeit zu diskontieren. Wenn jedes Miss- oder Falschverständnis in einer Art Vendetta endet, stirbt der Dialog. Und, wenn Du mich fragst, Dialog ist mehr wert als der eigene Stolz oder das Wissen (oft nur: die Vermutung), dass man selber Recht gehabt hat.

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wenn ich jeden heini, der ein blog zur verbreitung seines kommerz-, ego- oder politikblödsinns nutzt, um verständigung anwinseln würde, hätte ich viel zu tun und nichts gewonnen. weil klar ist, dass man sich mit solchen gestalten demnächst wird wieder auseinander setzen müssen, und da ist es allemal besser, sowas nicht den rücken zuzudrehen, egal, gegenüber wem sie als blogmessias gelten. nigge kann froh sein, dass ich was gegen abmahnungen innerhalb der blogosphäre habe - für einen abschreiber gewisser lügen ging es nicht so glimpflich aus. ich denke, damit ist die frage hinreichend geklärt.

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Mindestmaß an Sorgfalt
Wunderbar. Dies ist meiner Meinung nach ein Paradebeispiel dafür, warum Blogger vom herkömmlichen Journalismus als Gefahr wahrgenommen werden: Sie sind unbequem. Die Ausbildung zum Journalisten lehrt vielleicht das Handwerkszeug zum entsprechenden Arbeiten, als Qualitätsmerkmal bzgl. des Inhalts taugt die Bezeichnung "Journalist" nicht. Deshalb kann sich ja auch mehr oder weniger jeder als Journalist betätigen, der sich als solcher bezeichnet. Wie hier schon gesagt wurde, Blogger behandeln häufig ein eng abgestecktes Sachgebiet, weshalb sie dann bestimmte Zeitungsartikel kompetent zerpflücken. Allerdings mangelt es in Blogs ebenso häufig an der Form, um deren Inhalt massenkonform zu verbreiten.

Das eigentliche Problem liegt aber woanders: Natürlich sollte man gegenüber Journalisten keinen übertrieben Qualitätsanspruch hegen. Wenn es aber etwas gibt, was Journalisten dank ihrer Ausbildung beherrschen sollten, dann ist es Recherche, Einarbeitung in neue Themengebiete und ein Mindestmaß an Sorgfalt. Und genau da schlagen Blogger zu: Indem sie - anders als in Leserbriefen - die Fehler samt Richtigstellung _zusammen_ mit den Quellen nennen, sieht man schnell, ob und wie schludrig ein Journalist gearbeitet hat. Konnte dies früher noch halbwegs unter den Teppich gekehrt werden, so liegen solche Fehler nun offen für jeden, den es interessiert. Und dann wird es schnell peinlich.

Mir geht es häufig bei juristischen Themen so; ich erwarte ja nicht, dass jeder, der sich über Juristisches äußert, Volljurist ist, aber bestimmte Fehler zeugen davon, dass man sich so gar nicht mit der Materie beschäftigt hat. Oder sie einfach nicht verstanden hat. So letztens bei "hart aber fair", als eine Reporterin einen Passanten aufklärte, die Strafe für Mord im Erwachsenenstrafrecht sei "bis zu 15 Jahren". Was ist an http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__211.html missverständlich?

Insofern sollte der herkömmliche Journalismus nicht mehr beleidigt um sich schlagen, sondern sich der Herausforderung stellen, jederzeit kritisiert, korrigiert und hinterfragt zu werden. Das würde letztendlich auch zu einer größeren Verlässlichkeit in der Qualität führen. Und das ist doch schließlich der Hauptgrund, dass ich Zeitungen kaufe: Dass ich mich auf Artikel, die außerhalb meines eigenen Wissensbereichs liegen, (halbwegs) verlassen kann und nicht jeden einzelnen überprüfen muss.

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Warum hast Du eigentlich den Text doppelt gepostet und nicht einmal nur verlinkt?

Machst Du doch sonst eigentlich immer so. Konntest Du dich nicht entscheiden ob er besser hierher oder in die Bar passt oder erreichst Du unterschiedliche Leserkreise?

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