Real Life 01.12.04 - Kreuzung der Verdammten

Unten sitzen die Depressiven, die Abgearbeiteten, die in irgendeinen westlichen Teil des Slums müssen, oben drüber schlurfen sehr viele junge Menschen, die nicht wirklich glücklich aussehen. Halt so, wie Leute aussehen, die kurz vor acht noch mal schnell zum Einkaufen gegangen sind, weil sie sich das teure Zeug beim Nachtkauf nicht leisten können. Dann doch lieber Plus, Aldi und schnell vorbei an den bettelnden Punks. Kein Wechselgeld, brauchen sie selber.



Manchmal bleibt jemand auf der Brücke stehen und blickt in Richtung der heranbrausenden Züge, angespannt und aufgerichtet, und hier, 20 Meter entfernt, rattert im Hinterkopf der Alptraum los, was, wenn, das Geländer ist nicht besonders hoch, wie lange dauert es wenn, wie lange bräuchte man dann, da kann man nicht einfach so auf das bescheuerte Bild warten, jetzt sofort lossprinten, ansprechen, verdammt nochmal irgendwas tun, denn manchmal entscheiden Sekunden, Worte, der Zug löst sich hinten von den Arkaden und fliegt durch die Nacht, und auf der anderen Seite kommen ein paar abgerissene Typen, betrunken schon um diese Tageszeit, laut und vulgär, die Gestalt am Geländer schaut sich um, dreht sich schnell weg und eilt weiter, und unter der Brücke knallen die Lichterreihen ins Nichts der Bahntrassen.

Ich hasse diese Stadt, diesen nie endenden Winter wegen der Filme in meinem Kopf, und dem Wissen, dass diese Filme gerade irgendwo laufen. Real Life und in Echtzeit.

Mittwoch, 1. Dezember 2004, 22:27, von donalphons | |comment

 
danke
manchmal tut es gut zu lesen, dass man nicht alleine an der krankheit realität leidet...

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Ich hab da gewohnt...
...ziemlich genau da - Rhinower Str., dass ist über die Bahn, links, 1ste rechts.

Ich hab da sehr gerne gewohnt. Und ich hab diese Stimmung sehr genossen. Ich denke ich habe die Melancholie gebraucht.
Nicht die kalte schneidende Atmosphäre, die jetzt hier in Frankfurt vorherrscht, sondern die schwere dickflüssige Stimmung die sich auch auf dem Boden von Wodkagläsern findet.
Sophie Rois war mal bei Harald Schmidt (2003) und hat von Ihrem Engagement in der Volksbühne erzählt. Wie sie die Stimmung dort liebt...das russische, das melancholische...als Wienerin muss ihr der morbide Unterton der Stadt gefallen haben - mir auch.

Vielleicht wird deshalb gerne Schnaps gesoffen in Berlin, weil es die Stadt eben auch 500km östlicher geben könnte (das Bier ist für Münchener Verhältnisse ja auch kaum zu ertragen, oder Don ?).

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Ich bin Abstinenzler, sorry. Kein Rauch, kein Alk, keine Drogen, kein Fleisch. Nichts,was agressiv macht. ;)

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oh...
...ich wußte nicht das Fleisch explizit aggressiv macht.

Bei mir machen auch die anderen Dinge nicht aggressiv - im Gegenteil:

Sie verhindern Amok-Läufe im Büro. Manchmal eine etwas ungesunde Art der Unterdrückung.

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Ab 6 Promille wird der Bau von Briefbomben schwierig, ich weiss.

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