: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 15. Dezember 2004

Lest das! Krisen-PR von Jamba

zum totlachen:

https://spreeblick.de/wp/index.php?p=324#more-324

dazu die 102 Kommentare, die teilweise mutmasslich aus dem Hause Jamba kommen:

https://spreeblick.de/wp/index.php?p=325#more-325

und dann das:

https://spreeblick.de/wp/index.php?p=325#more-326

Es wird Euch gefallen, denn diesmal reichte es eben mal nicht aus, der Journaille grosszügige Gratis-Abos zu spendieren, nicht wahr? 20, 40, 60 DCT-Punkte für Spreeblick! Jamba töten kann man hier: https://votenow.cell5.com/index.php

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Mint

Ende der 80er Jahre gab man sich in der Provinz jede erdenkliche Mühe, die Stadt das zu machen, was man in Unkenntnis der Kunstgeschichte und in Ermangelung jeglichen Geschmacks als "modern" bezeichnete. Modern war zum Beispiel das Entkernen historischer Gebäudekomplexe und der Durchbruch von überdachten Passagen. Tatsächlich ist das eine der Ideen, die Personen wie Le Courbisier durchaus befürwortet hätten - nur vielleicht nicht in gewachsenen Strukturen, die er selbst durchaus zu schätzen wusste. Aber was versteht davon schon ein junger Architekt in der Provinz, dessen Stilerziehung durch Ikea und Hin&Mit geprägt war? Soviel, dass eine fette Passage mit einem dynamischen Schwung versehen wird, und um das noch zu betonen, wird der Boden zweifarbig gestaltet:



Rechts in Mint, links in Lachsrosa, dazwischen eine gewellte Metallschiene. Das macht jedes Ensemble des 17. Jahrhunderts modern, keine Frage. Zur Rettung der fraglos wichtigen Gemütlichkeit erhielt das Lokal rechts rustikale Rundbogenfenterchen und eine historisch durchaus korrekte gelbe Türumrahmung. Die neubarocke Laterne wird, wie der Rest, von oben neon- und halogenbestrahlt.

Immerhin überlebte in dieser Ecke ein Laden, der über Jahre hinweg die männliche Jeunesse Doree der Provinz mit Kleidung versorgte, bis er schliesslich, angekotzt von der miesen Lage, vor drei Jahren in eine andere Ecke zog. Die Kneipe links davon wird, trotz Innenhof, nur alle paar Jahre mal kurzzeitig an irgendwelche Cafes vermietet, die dann schnell wieder pleite gehen. Nur selten hallen Schritte von Passanten durch die Gänge. Das hat man sich anders vorgestellt, Ende der 80er Jahre, denn schon damals baute man nicht für Menschen, wie sie sind, sondern für Menschenentwürfe, die man gern so konsumgeil, geschichtslos und immer den neuesten Einfällen hinterher jagend gehabt hätte.

Es gibt in Jerusalem das Goldene Tor, von dem Hesekiel sagt, dass eines Tages der Messias bei seiner Wiederkehr durch dieses Tor schreiten wird. Das hier ist das Goldene Tor der New Economy. An dem Tag, an dem hier alle Geschäfte voll sind, und hunderte von Shoppern die neuesten Waren aus den Stapeln reissen, und Freudentänze über das neueste Gigabit-Handy mit 5G und Millionen von Location Based Services aufführen, auf dem ihnen wunderschön erscheinenden Fussboden in Mint und Lachsrosa, und über die überdachte Passage und ihre Schönheit jubeln - an diesem Tag wird eine neue New Economy auch in die zahlungskräftige Provinz kommen und siegen.

Bis dahin allerdings, vermute ich, könnte es noch etwas dauern. Mindestens, bis der Messias kommt.

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