Donnerstag, 3. November 2005
Abgerübt - der FT-Chef wird gegangen
Disclaimer: Don Alphonso empfiehlt schon immer das Handelsblatt. Wenn schon kapitalistisch, dann richtig trocken und konservativ statt Gaudi Economy und Generation Golf.
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Mitunter dafür dankbar
Die Globalisierung kam nur bis Freimann, so wie es aussieht.
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Jamba plus für Labile
*self-fullfilling prophecy, actually.
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Gestern MTV gesehen
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 2. November 2005
Überhaupt München
München war immer der Meinung, mit dem Rest des Landes nichts zu tun zu haben. Nirgends wird milder untergegangen, nirgends stirbt es sich schöner, nirgends gibt es bessere Chancen und mehr Leute, die irgendwas machen können, wenn man den Firmenporsche gegen das Fahrrad eintauschen musste. Das war einmal. Heute ist das anders. Inzwischen hat sich doch weitgehend die Erkenntnis breit gemacht, dass sich München nicht vom Rest abkoppeln kann.

Mag sein, dass die Stadt immer noch stabil und solide dasteht. Es ist nichts schlechter geworden. Aber das war nicht das Versprechen. München kannte seit den 60er Jahren nur einen Weg, nach oben. Immer mehr, immer besser als alle anderen. Und so richtig knallen sollte es 1998, 99, 2000, und hätte es nicht mehrfach richtig geknallt, New Economy und 9eleven, dann wäre München heute in dem Erfolgstaumel eines Gargantua, einer Illusion, die heute unfassbar falsch und abgeschmackt erscheint. 2005, Mitte des Jahrzehnts, also jetzt und heute werden wir sehen, dass sich das Internet vollkommen durchgesetzt hat, es wird kein normales Fernsehen mehr geben und nur noch Omas werden in Geschäften einkaufen, das war die Planung.
2005 ist das dritte Jahr in Folge Stagnation. Stagnation bedeutet im internationalen Wettbewerb Rückschritt, hat man früher gesagt, heute hält man lieber die Klappe und richtet sich ein in der Mittelmässigkeit. Und ist froh, dass es die anderen, Köln, Berlin, Hamburg noch übler erwischt. Aber angesichts der ausgebliebenen goldenen Zeitalter ist das ein schwacher Trost. München ist immer noch sauber, aber innerlich, an wenigen Sympthomen erkennbar, gebrochen.
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Satz für die Ewigkeit
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Munich Network und MBPW trennen sich
Der MBPW bsorgte das Frischfleisch an Jungunternehmern, die oft genug zum Network durchgereicht werden sollten. Manche, wenige, schafften den IPO, die anderen dagegen... so viele Namen, so viele Gesichter, so viele Geschichten und Erwartungen des neuen Menschen, und keiner von uns wusste, was wir da tun. Es sollte ein Spass werden, auf den legendären Treffen in Elmau war es das auch, aber Elmau ist abgebrannt und in einem ähnlichen zustand wie die meisten Hoffnungen, die ais dem Wettbewerb hervorgingen. Und dabei war der MBPW immer noch einer der Besten seiner Art. Und jetzt auch noch das:
"Munich Network und die Münchener Business Plan
Wettbewerb GmbH (MBPW) lösen
den gemeinsamen Geschäftsbetrieb zum 1. November auf. Bisher waren die MBPW und der alleinige Gesellschafter Munich Network mit einem gemeinsamen Team tätig. Ab sofort wird der Münchener Business Plan Wettbewerb in einer neuen GmbH, der MBPW GmbH, mit breiter Gesellschafterbasis weitergeführt, der die TU München, die Ludwig-Maximilians-Universität, die FH München, die Stadt München und die LfA Förderbank Bayern angehören..."
Und dmit ist der MBPW auch umgezogen, raus aus dem anachronistischen Media Works Munich Gelände an der Rosenheimer Strasse zur FH München, was auch schon eine Menge aussagt über die Trümmer dessen, was einst von hier aus die Welt erobern wollte. Zurück bleibt das Munich Network, das, nun, sa verbietet sich eigentlich jede Kommentierung. Manche der darin vertretenen VCs kennen den Terminus: Dead Man Walking - steht für Startups, die keine Chance mehr haben, lässt sich aber auch übertragen. Danke an F. für den Tip.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 1. November 2005
The place not to be
Zu eng, zu krumm, immer das gleiche, nach einer Stunde kennt man jede Strasse, und wir, die wir hier gross geworden sind, kennen jeden abgetretenen Pflasterstein. Und so ziemlich alle standesgemässen Möglichkeiten für das Eine, die Gymnasien sind ja nicht weit auseinander. Die entsprechenden Viertel liegen auch nebeneinander, von der Altstadt zum Fluss, dann raus zum ersten Kaff am Golfplatz vorbei und am Krankenhaus, durch das Ärzteviertel und dann wieder zurück an den Rand des alten Kerns. Alles ist für uns mit dem Rennrad zu machen, alles das gleiche, in allen Häusern die gleichen Andenken an die Reisen, die Doppelgaragen und immer teure Säfte im Kühlschrank für junge Gäste, das Gesundheitsgift dieser Welt, nur die Konzentrationsmittelchen sind, wenn nötig, der eigenen Brut vorbehalten.
Manche von uns kommen ganz schön rum. Mit der Tante auf die Malediven, ins Ferienhaus bei Massa oder nach Freyus mit dem Golfclub auf Turniere, mit den Brettern nach Sylt oder den Lago, mit den Ruderern zu den Rennen, und im Winter mit allen anderen nach Chamonix. Nirgends sind die Strassen so eng, die Häuser so verschachtelt wie daheim, wo der Nebel ein Dauergast ist und sich auch in die Hallen und weitläufigen Wohnräume auszubreiten droht, wenn wir im Winter lüften, damit die Eltern nichts riechen, wenn sie vom Konzertverein kommen.

Manchmal gehen wir mit der sauberen Tochter einen Bankenchefs durch diese engen Strassen, nach irgendeinem Ball, fühlen die Wärme und nehmen uns trotzdem vor, es bleiben zu lassen, denn irgendwas passt nicht: Vielleicht die Ahnung, dass es Ernst werden könnte und uns dann hier hält, was so ziemlich das Letzte ist, was wir wollen. Für die Schönheit und das Mass bleibt kein Blick, und Jahre später, irgendwo in einem Laden, der weit entfernt und bald wieder geschlossen ist, Dorian Grey, wenn das noch einer kennt, treffen wir einen, der uns erzählt, dass sie es tatsächlich nicht raus geschafft hat. War klar, denken wir uns und reden über Schalkrägen von Gaultier und die andere, die drall war und eine Granate im Bett. Nicht dass wir es erlebt hätten, aber sie sah so aus und wir waren neidisch auf die, die es zu wissen vorgaben, und dann trinken wir zum Wohle der Frau, die es ganz sicher geschafft hat, in die geschichtslose Welt und die weltumspannende Klasse, auf die wir vorbereitet wurden.
Zumindest zeitweise. Machmal dauert es ein Jahr oder länger, bis die Neuigkeiten zu uns dringen, dazu müssen wir auch erst mal eine Weile hier sein, aber dann treffen wir doch die Tochter des Bankchefs, und die erzählt uns dann etwas von der, an die wir die ganze nacht im Dorian Grey denken mussten und an die verpassten Chancen, die jetzt für immer verpasst sind, und das uns dazu bringt, ganz gegen den eigenen, vollkommen fremdartigen internationalen Ritus, an diesem Tag zu der besagten Reihe und der Nummer zu gehen, die, ironisch genug, nur durch eine Mauer von dem Areal getrennt ist, das unsereins gehört. Sogar hier sind die Viertel noch irgendwie intakt, aufgereiht wie südlich davon die Häuser der Lebenden am Fluss die grossen Namen der kleinen Stadt, die nur auf denen lasten, die sehen, wissen und vielleicht gerade deshalb hier verbleiben. Grosse Kerzen für die Rebellen wie für die Angepassten sind selbstverständlich Ehrensache, nur nicht negativ auffallen, und nichts auf dem Marmor erklärt, warum es so kam.
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Vor etwas mehr als drei Jahren
Ich denke, es war diese Fahrt, dieser Moment vor der Meute daheim, im Kernland, die der ausschlaggebende Grund dafür sind, dass Edmund Stoiber auch diesmal in Bayern bleibt. Vielleicht ist es ganz gut so, für ihn. Schade, eigentlich; ich hätte dem Merkel den Stoiber als Minister gewünscht.
und die rechte bagage wird auch das nicht dazu bringen, endlich in ihr geleastes nuttenflitscherl zu steigen und in die schweiz abzuhauen, um dort zu blochern, statt dessen werden sie jetzt wieder schwampeln
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Medientage: Der Nachtrag
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Hat irgendwer eine hübsche Geschichte
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Welche Geister?
Wie soll es schon sein. Der berühmteste Tote des Hauses liegt sicher in einem Schrein in Altötting, da kann nichts passieren. Von den anderen Verbrechern war hier nur die zweite Reihe, die Illuminaten, die hier wohnten, waren gar nicht so wie allgemein behauptet. Faustus himself wohnte nicht hier, sondern 50 Meter die Strasse runter. Johannes Neydecker hatte allenfalls lokale Bedeutung, und gerade wegen Leuten wie ihm wird doch sicher kein Umtrieb sein, ich mein, das Haus stinkt doch bis heute nach der Gesellschaft, das mögen Geister nicht. Dass die Bodenplatten früher Grabsteine waren, ist nur der Sparsamkeit der Bauherren zu verdanken, die in die Fussböden als Bauopfer eingebrachten Katzen haben wir entfernt, und die Dolche im Dach, da würde ich mir nichts denken, damit hat man wohl längst zerfallene Fledermäuse angepint, Mordwaffen versteckt man besser und ausserdem wussten die früheren Bewohner, dass Bücher viel wirksamer sind als Stahl. Und ausserdem lukrativ, nicht umsonst konnten sie sich die lebensfrohe Rokokokirche daneben leisten.

Das ging nur, weil sie so berühmt waren - dank ihrer aufgeklärten Haltung. Das waren mit die ersten im Katholizismus, die mit den Legenden über Leichen aufgeräumt haben und nachschauten, was da nun drin ist. Gut, die Sache mit den Todesurteilen für Malefizpersonen auf dem Scheiterhaufen, die in Enthauptung umgewandelt wurden, wenn sie ihren Körper zu medizinischen Zwecken freigaben, das war kein Ruhmesblatt, aber: Immerhin war man sich nach über 100 Jahren Untersuchungen und vielen toten, aufgeschnittenen Frauen recht sicher, dass Hexentum den Körper innen nicht verändert. Hey, das war damals eine akademische News, die sich von diesem Haus in die Welt verbreitete!
Bleibt nur die Sache mit dem Keller. Der lief mal voll, wegen eines Wasserrohrbruchs. Aber als dann die Feuerwehr da war, war das Wasser schon wieder verschwunden. Durch den Fussboden. Einfach so. Man geht davon aus, dass darunter noch was kommt, und man sieht auch, dass die Treppe früher noch weiter nach unten führte, ein Bogen des Zugangs ist noch erkennbar, wenn man die alten Grabsteine - ja, wir haben Grabsteine im Keller, na und? Keine Ahnung wieso, die waren schon da, als wir das Haus vor 150 Jahren, also wo war ich, genau, also, dahinter ist eine vermauerte Tür, da geht es in einen weiteren, tieferen Keller. War auch irgendwo logisch, denn irgendwo mussten Orban und seine Kumpels ja ihre alchemistischen Experimente... Orban? Nur ein weiterer Fanatiker, jedenfalls, nachdem im Convikt nebenan nichts dergleichen ist, haben sie das alles wohl da unten gemacht. Na so Sachen halt. Orban war ein echter Freak, was sowas anging, skupellos und ehrgeizig, vornerum sehr gläubig, hintenrum dagegen... Aber immerhin, das ist nun mal der Beginn der Naturwissenschaften.
Also nix unheimlich, christliche Aufklärung Galore. Du kannst ja nachher mitkommen, dann zeige ich Dir mal den Wandschrank mit der weissen Frau, die aber immer nur kommt, wenn jemand stirbt, da brauchst Du keine Angst haben, ich hab sie jetzt schon seit 5 Jahren nicht mehr gesehen... nein? Ach komm, man gewöhnt sich an alles in so einem alten Haus. A propos weisse Frau: Habe ich eigentlich schon mal die Geschichte von der grossen Tuberkoloseepedemie erzählt, als es das ganze Hinterhaus hingerafft hat, aber aber, kein Problem, ich mein, als die Toten draussen waren, hat man gleich danach wieder eine Bäckerei reingebaut, da hat sich doch kein Mensch was bei gedacht, alles locker, also ...
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Montag, 31. Oktober 2005
Nahles, Antidumping und kotzende Puppen
laut ip war da grad wieder einer von denen hier
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5 verdammte Monate

Dann noch ein paar Antiquariate ausgeräumt, etwa Georg Flegels Blumenbuch zum träumen vom Sommer. Ein paar asiatische Holzschnitte in warmen Farben aufgehängt. Und damit können die Gäste kommen, die Berliner - wenn sie denn diesmal kommen. Dann mitunter bereuen, kein Sofa zu haben.
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Lebensmittelpunkt verranden
Am Morgen dann kurzzeitig überlegt, ob damit jetzt Berlin, München, Google oder die Blogosphäre gemeint war. In Berlin bin ich nicht mehr, München werde ich sofort verlassen, und die Blogosphäre bekommt ohnehin keine Informationen, sondern nur missverständliche Literatur ohne belegbaren Realitätsbezug.
Es muss wohl Google gewesen sein. Vielleicht war sie ja die Praktikanten des Google-Pressesprechers Keuchel.
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Sonntag, 30. Oktober 2005
Real Life 30.10.05 - Vorbesichtigung
Das Schicksal ist gnädig. Vom in Berlin erworbenen Mahagonitisch ist ein sehr viel kleineres Pendant da, stark beschädigt, weitaus weniger schön gearbeitet und das Limit dennoch schon fünf mal so hoch wie der Betrag, auf den du dich in der Bergmannstrasse eingelassen hast. Allerdings war vor sechs Wochen noch woanders ein englischer Schreibtisch, den du nicht genommen hast, und dessen kleiner Cousin hier will einen Preis, bei dem du leise zu japsen beginnst.

Weiter geht es in Richtung der Asiatika, wo in den Vitrinen, weit voneinander getrennt, Netsuke und Okimono lagern, umdrängt von den jüngeren Leuten. Viele sind es nicht, die Zeiten der Jungschönreichen sind definitiv vorbei, und am Ende wird doch ein Bieter den Zuschlag erhalten, der per Telefon aus Singapur, Tokio oder Schanghai das zurückkauft, was vor hundert Jahren als Schund für die Langnasen die Reise nach Westen antrat. Vor ein paar Monaten warst du mal dabei, als ein Anonymus per Telefon eine Gruppe deutscher Händler gnadenlos überboten hat, einmal, zweimal, dreimal, irgendwann hatten die Deutschen begriffen, dass da nichts zu machen ist. Der Seidenkimono, die Lackschränkchen, der Bergkristallbuddah, die Thaibronzen, die Fayencekacheln mit den obszönen darstellungen, selbst die späteren Kopien alter Holzschnitte werden den Weg zurück antreten in Länder, die von ihrer Kultur so gut wie nichts bewahrt haben und es sich nach einem Jahrhundert der kulturellen Vernichtung leisten können, Trümmer ihrer Geschichte im Ausland zurückzukaufen.
Du liest nur interessehalber die Preise, aber ganz gleich, was es ist, es ist jenseits von gut und böse. Eine nicht mehr ganz junge Frau in Burberry verliebt sich in einen kleinen, geschnitzten Töpfer aus Elfenbein, fragt nach dem Limit und gibt sich gegenüber ihrem Freund der Hoffnung hin, vielleicht, wenn alles klappt mit dem Weihnachtsgeld, eventuell im Nachverkauf... so hat jeder hier seine Ziele, Wünsche und Hoffnungen, alles hat seine Limits und Preise und Zuschläge und Steuern, nach unten führt hier kein Weg, ganz im Gegensatz zum Leben derjenigen, die hier noch arbeiten müssen. Doch die meisten sind alt genug, um sich den Errungenschaften der privaten Altersvorsorge hinzugeben. Da blättern sie in Katalogen, begaffen mit faltengerahmten Augen das matte Glas der geschwungenen Spiegel und überlegen, ob das gebrochen funkelnde Pärchen noch über die Kommoden passt, gleich neben das Kruzifix.
Und wenn es dann ausgemessen und das Los mit müden Bewegungen morscher Knochen ersteigert ist, so wird in den venezianischen Barockspiegeln mit ihrem Gold und Kristall noch lange Dekaden kein Liebhaber eine nackte Frau bewundern und sein Glück nicht begreifen, sie so sehen zu dürfen, aufrecht, rein, bar jeder Scham und dummen Moral, vielleicht wird der ein oder andere aus Unachtsamkeit fallen und nie mehr etwas anderes in die Welt zurückwerfen als welke Haut und missmutige Blicke; und die jahrhundertealte Reise wird enden auf dem Parkett einer Rentnerwohnung, in der die Gier nie etwas anderem galt als dem kläglich Wenigen, wenn alle Lust vergangen ist.
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Manche nennen es eine Case Study
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Samstag, 29. Oktober 2005
Munich Area Deal, Medientage aufm Weg zum Klo
Kurz: Bei Pro7/Sat1 verlassen manche Kleinnager das mutmasslich nach Berlin segelnde Schiff und wollen sich kostenlos kleine Ruderboote zimmern lassen, gern auch mit finanzieller Unterstützung ohne eigenes Risiko. Tags: Tags, Podcasts, Vlogs, Blogs, Location based, User generated Content on Demand.
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Real Life 28.10.05 - Es gäbe Alternativen.

Statt dessen hat die Ursache des Deals eine Vorliebe für Sushi, und auch schon einen Lieferanten für diesen japanischen Pattex auf Spülmittel- und Reisbasis. In der neuen Schrannenhalle, die angeblich ein neues Herz der Stadt sein soll und ein gnadenlos überfülltes Verbrechen aus Glas, Resopal, Dekomaterial und Spuren bayerischer Illusionsverarsche ist. So eine Art gehobenes Käferzelt von der Wiesn in der Downtown-Edition mit multicultural Food Enhancement.
Wohl dem, der oder die ein durchdringendes Organ hat.Kreischer durch die gefilterte Luft, alles so dezent und intim wie die Multi-User-Sexualpraktiken in einem japanischen Bordellviertel. Du stocherst missmutig in den Gemüsebrocken, die angeblich eine mediterrane Vorspeisenplatte sein sollen und doch nur wie das ein verklebtes Federvieh im Ölschlick einer Tankerkatastrophe schmecken. Überall um dich herum ist Junkfood für Besserverdiende und Geschmacklose, Shrimps aus der Dose, Austern fraglicher Herkunft, Thai-Crossover mit Viel und Teuer auf grossen Tellern und in kleinen Dosen, und alles eng zusammengerückt. Den anderen gefällt der Trubel, teilweise, der Boss ist doch etwas erkennbar angewidert, aber die Untergebenen finden es grossartig.
Am Nebentisch kippt eine Flasche Wein um, das Gekreische wird gross, und erst nach etwas Gedrängel schafft es das Rettungspersonal zum Ort der Katastrophe, wo längst alles rot und schmierig ist. Alles gafft hin, ein paar höhnische Lacher gibt es auch. Zum Glück hast du schon vorher betont, dass auch jetzt noch ein weiterer Termin ansteht, und nutzt die Chance, dich hinter dem Kellner und den Resten der japanisch-französisch-cajun-whatsoever-Tischbefüllung der Nebenleute aus dem Pandämonium herauszudrängeln, vorbei an den Andenkenständen der globalen Heimatlosigkeit, in die immer noch nicht kalte Münchner Abendluft.
Gegenüber, bei Fratelli, steht der Patron an der Tür und unterhält sich mit einer Frau, die dann mit dem Fahrrad wegfährt. Auch das gibt es noch in Cayenne City, BY.
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Samstag, 29. Oktober 2005
Die Munich Area leuchtete

hätte einen nicht heute einer doppelt angehupt, weil man auf dem Bürgersteig vor einer Garageneinfahrt stand und ihn, der da reinwollte, gerade nicht beachtete, weil man damit beschäftigt war, einem Bettler, wie es das Gesetz gerade an einem Freitag vorschreibt, etwas zu geben. Das kann die alte Sau im Mercedes nicht übersehen haben. Vielleicht war das heute sein letztes Abendrot, dann könnte ich damit leben, irgendwie.
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Tu, der Du eintrittst
Es ist wieder ein ruhiges, grosses Cafe, für die Tageszeit vielleicht ein wenig leer, es sind immer noch die gleichen Tische, das alte Leder auf den Bänken, und der so typische Hall der Stimmen im Raum, der Offenheit vorgaukelt und dennoch eine schützende Mauer um intime Gespräche aufbaut, wenn man sich nur weit genug nach vorne lehnt.

Auch diesmal geht es um das Netz, um die Nutzer und das, was sie ausmacht, um diese Parallelwelt ohne Regeln und Geschichte, und die Frage, ob sich das irgendwie fassen lässt. Nicht zum Ausbeuten, sondern für das Wissen, das erheblich besser sein könnte, wie auch die, die es bislang zu erhalten hofften. Ein neuer Anfang, ein anderer Ansatz, eine kleine Hütte an der Stadtmauer der Siedlung, die auf dem Trümmermeer all der Hoffnungen entstanden sind, die hier, genau zwei Tische weiter, ihren Ursprung haben.
Ich könnte vielleicht nachher ein paar von denen mal wieder anrufen, vielleicht haben sie noch ihre alten Nummern, aber auf dem Weg zum Auto kommt dann eine entgegen, die ich entfernt von früher kannte, den Medientage-Ausweis um den Hals, hoch aufgerichtet und die Auslagen des Antiquariats keines Blickes würdigend. Ich gehe rein, kaufe ein Buch über den Spätmanierismus in Rom, und schiebe die Frage beiseite, was wohl aus einer von denen damals wurde, für die es gerade verdammt knapp wird. Denn Garantien wie früher gibt es nirgends mehr, bei ihr, die genau auf dem Scheitelpunkt des Hypes, im Winter 1999 einstieg und jetzt erst fertig ist, schon überhaupt nicht, und wahrscheinlich sind die unendlich langen Vormittage voller zerbröselter Croissants in diesem Cafe für jeden von uns schal, vergeblich, ein Schatten in den Carcieri unseres vergangenen, unwiederbringlichen Lebens in den sieben falschen Kreisen.
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See you later Alligator
Sie: (Bild haltend)
Ich: So, passt.
Sie: (Bild reichend) Sag mal...
Ich: Ja?
Sie: Hast Du schon mal ein rosa Krokodil gesehen?
Ich: (erinnernd) Ja, schon gesehen.
Sie: Ah ja.
Sie: Magst Du vielleicht mal mein neues gelbes Krokodil sehen?
Hammer: (zu Parkettboden fallend) Plonk.
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Donnerstag, 27. Oktober 2005
Danke für die Bestätigung, SPON
Als ob das nicht schon genug Qualitäts-Johurnaille ist, wird der Beitrag auch noch mit diesem Bild garniert, einem Pressephoto der US Airforce, mit der Bildunterschrift: "Bunkerknacker vom Typ GBU-28: Pläne für kleinformatige Atomwaffen sind passé". So ein Pech aber auch: Die grossformatige Lenkbombe 28 muss man nicht mehr entwickeln, man kann die Entwicklung auch nicht einstellen, weil sie schon seit 1991 im Einsatz der amerikanischen Streitkräfte ist und mit Weiterentwicklungen in zwei Golfkriegen und einem Afghanistenkrieg zum Einsatz kam. Mit 350 Stück Sollbestand der Armee kann man auch kaum davon sprechen, dass sie passé ist.
Und der Sprengsatz, mit Verlaub, ist konventionelles Tritonal - nix atomar. Da hätte der Spon auch gleich ein Katapult abbilden können, das hätte genauso gepasst. Nur wäre es halt nicht so spektakulär gewesen wie das Bild einer Rakete - für eine Waffe, von der es keine Bilder geben kann, weil sie noch nicht mal entwickelt ist, wie der übersetzte Text eigentlich deutlich macht. Pfeifen.
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Wer den innovativen Begriff
Link bitte heftig klicken und dann feste kommentieren, der mark793 soll auch mal merken, wie es so als Grosspunkdiscobesitzer ist ;-)
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Nachbetrachtung zu den Medientagen
Insofern war die Debatte auf den Medientagen gestern sehr erholsam und fast schon liebenswert anachronistisch. Angesichts der eher durchschnittlichen Besucherzahl, von der man gerechterweise nochmal ein paar Freundeskreise abrechnen müsste, ist die Idee von den Blogs als heisser Scheiss, als das nächste grosse Ding in der Medienwelt hinfällig. Markwort war, wie ich bei der Suche nach der Technik sah, draussen und hatte was besseres zu tun. Wer dachte, vor einem Haufen Entscheider eine Präsi machen zu können, fand sich in einer typischen Runde einer niedergehenden Branche auf einem Kongress einer Munich Area wieder, deren beste Zeiten lange vorbei sind.
Mit Eck und Cords waren zwei Redner da, die etwas zu verkaufen hatten, und das entsprechend einbrachten. Dadurch drohte das Ganze zeitweise etwas in einen PR-Vertriebskanal abzurutschen, was m.E. nur bedingt die Aufgabe der Medientage ist. Cords brachte seine Kraft ordentlich aufs Parkett, wobei die Show besser war als die Thesen, denen es meines Erachtens an Argumenten gebrach. Ich muss ihm neidlos konzidieren, dass jedesmal mit ihm ordentlich Leben in die Bude kam. Eck, Schultheiss und Pain hatten ihre Themen und Punkte, die sie brav und mehr oder weniger nachvollziehbar abhandelten.
In dem Punkt war die Veranstaltung enorm "unbloghaft". Da sitzen sechs Leute vorne, teilweise wie Cords und Eck mit enorm divergierenden Meinungen in für sie zentralen Punkten, und trotzdem kommt keine Debatte auf. Statt dessen werden eher kühle Statements runtergerattert, von einer Begeisterung kommt wenig bis gar nichts rüber - und ist wohl auch nicht übermässig vorhanden. Die Einlassungen von Bildblogger Christoph Schultheiss waren, wenn man den Text von Stefan Niggemeier über das Bloggen kennt, merkwürdig unterkühlt.
Was mir - gerade angesichts des Umfelds der Medientage - enorm gefehlt hat, war die Debatte um Inhalte. Ich war der einzige auf dem Podium, der ein grösseres, normales "Tagebuch" ohne thematische Festlegung führt, weshalb das an mir hängen blieb. Wer schreibt was, wie wird geschrieben, welche Inhalte gehen, was treibt die Leute an, wie sehen die Lehren für den Journalismus aus, was kann man davon übernehmen, wie geht man mit den Lesern um, welche Kriterien gelten für sie, was ist ihnen egal, warum wird es gelesen, ist es ein Parallelraum zu den Medien, oder eine Kultur? Nach meiner Meinung muss darüber eine Debatte im Zentrum stehen, nicht nur als meine Thesen und Provokationen, denn nur, wenn man das versteht oder zumindest eine Ahnung hat, kann man über alle anderen Folgen von PR bis Deppweb2.0 sinnvoll reden. Da nehmen ein paar zehntausend Leute die Medien selbst in die Hand, kümmern sich einen Dreck um die Vorgaben des Medienbetriebs und machen einfach, aber genau das und seine Ursachen und Wirkungen war einfach kein Thema. Da wollte keiner auf dem Podium richtig einsteigen. Aber nur so erklären sich die Phänomene, auf deren Basis andere ihre Geschäfte machen wollen: Die immer gleichen Beispiele von Jamba über Irak bis "Du bist Deutschland".
Letzteres war dann der Punkt, wo es kurzfristig gut spannend wurde, Mann gegen Mann, bei der Frage, welche Motive der Gegenkampagne Cords als Mitverantwortlicher indiskutabel fand. Stichwort Einbringung wenig erbaulicher Momente der deutschen Geschichte. Ich denke, da war einen Moment das bloggen im Raum greifbar, mitsamt Kommentaren und Konflikten. Weil ich mich persönlich beleidigt fühle, wenn ich Porsche sein soll - also der Typ, dessen Panzer durch das Warschauer Ghetto rollten. Und weil Randgruppen vor dem Holocaustmahnmal in meinen Augen als Gegenansatz extrem peinlich und geschmacklos sind. Da war es mal richtig spannend. Aber nur da.

Darf ich meine Wünsche formulieren? Ich darf, ja. Ich hätte gern ein Podium ohne Leute, die man erst mal zum jagen tragen muss. Debatte, Diskurs, Streit, fliegende Fetzen statt Statements und Schulterklopfen. Ich hätte gern ein Podium mit maximal einem PR-Menschen, gerne den Cords, aber dann weniger zu den Risiken des Bloggens als vielmehr zur Frage, wieso PR eigentlich so einen beschissenen Ruf hat, und was man konkret vom Bloggen lernen kann, ohne sich vulgär in den Markt zu drängeln. Aber davor hätte ich gern 2, 3 Leute, die inspiriert sagen, was sie tun und warum sie es machen. Und zwar nicht immer nur Nasen wie mich, Johnny und die Bildblogger, sondern auch die Leute, die Cords als "Big Brother im Online-Container" bezeichnet. Ich wüsste gern, was Teenies antreibt zu bloggen, wie sie das erleben. Es wird immer nur über sie geschwafelt, aber keiner hat sie mal gefragt. Und dazu einen Medienwissenschaftler, der kein hirnloser Umfragejunkie ist, oder ein Literaturhinweislover oder Interpreteur amerikanischer Studien, sondern einer, der Medien und Blogs versteht und in der Lage ist, für beide Seiten verständlich die unterschiedlichen Aspekte zu übersetzen, sprich, dem Publikum dient, und noch einer Person: Einem Chefredakteur, der sich mal Gedanken über inhaltliche und formale Defizite der Texte macht, die Medien im Moment ausmachen. Wenn man am Ende vielleicht noch darüber reden könnte, ob Medien nicht auch die Aufgabe haben könnten, Leute ans Bloggen heranzubringen, und ob man Gossenprojekten wie Lycos den Markt überlassen muss - dann wäre es schon. Gern auch unter der gleichen Moderation.
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