Neuer Spass mit 2011

Es gehört wenig zur Vorhersage, dass man 2011 alles tun wird, um ein Auseinanderbrechen des Euro zu verhindern. Die spannende Frage ist, ob es gelingen wird. Und wenn nicht, von welcher Seite der Bruch kommt.



Das Beispiel Irland war mehr als nur abschreckend: Staatsgarantien, Transparenz, Bad Bank, Sparprogramm, alles wurde versucht. Geholfen hat es nichts. Ausser natürlich insofern, als die Iren inzwischen von den anderen über Wasser gehalten werden, was ja auch irgendwie ein Erfolg ist, vorerst. Wenn nichts mehr passiert, wenn die Hauspreise wenigstens nicht weiter fallen und die Wirtschaft so lala läuft. Tendenziell, mit einem Absacken der wichtigsten irischen Märkte und dem Problem des grössten Handelspartners (diese bankrotte Nachbarinsel mit dem britischen Peso) sieht das nicht fein aus. Und man wird sehen, ob eine neue Regierung sich verpflichtet sieht, sich an die Vorgaben zu halten. Falls nicht: Was passiert dann? Würden die Europäer Irland fallen lassen?

Das gleiche Problem - erst den anderen an den rRungsring gehen und sich dann bequem ziehen lassen - gibt es auch bei etlichen anderen Ländern. Eigentlich ist es leichter, die sicheren Kandidaten zu benennen: Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und dann fallen mir schon einige Gründe ein, warum ich dem Rest nicht weit trauen würde - recht weit vorne, vielleicht noch vor Italien sogar Österreich in meiner Misstrauensbestenliste.

Insofern glaube ich, dass die Krisenländer sich mittelfristig und eher verdeckt aus der Gemeinschaftswährung verabschieden werden. Meines Erachtens wäre es ohnehin sinnvoll, neben schlechteren Staatsschulden eben auch eine schlechtere Währung in der EU zu haben, die man bedenkenlos abwerten kann, im Sinne einer festgelegten Währungsschwankungsbreite zum Resteuro. Mit so einer Lösung könnte man vermutlich auch allzu grosse Verwerfungen abfedern.

Zumal man auch immer sehen muss, dass es anderen nicht besser geht. Ich sehe für 2011 eine Rückkehr der Krisenstimmung in den USA, denn man kann nicht unbegrenzt Schulden machen und Geld drucken und erwarten, dass es gut geht. Zwei von diesen drei Dingen mögen gehen, aber alle drei Dinge - unvorstellbar. Ich würde denken, dass wir 2011 weiterhin Krisenpingpong sehen werden, eine schlimme Sache auf einem Kontinent wird durch eine andere Krise auf einem anderen Kontinent abgelöst, und besser wird es dabei auch nicht. Wie eigentlich seit 2008 nichts besser geworden ist: Krise ist Normalität. Noch nicht mal die WestLB kann abgewickelt werden - das ist die bittere Realität.

2011 wird man all die scharfen Krisen also weiterschleppen und hoffen, dass nicht allzu viel hochgeht. Dazwischen werden wir ein paar politische Verwerfungen sehen, Spanien wird pleite gehen, und ich wäre gar nicht überrascht, wenn sich eine neue politische Bewegung in Deutschland formieren würde, sei es in einer Partei oder ausserhalb, die sich aufmacht, all dien Unzufriedenen mit dem System einzusammeln. Ich glaube, die Menschen werden 2011 vor allem die Schnauze voll haben von alternativlosen Entscheidungen. Zurecht. Eine Demokratie ohne Alternativen ist eher eine Oligarchie, und irgendwer muss dem Elend aus der Uckermark mal beibringen, dass man sie nicht kolonialisiert hat, damit siew grosskotzige Silvesteransprachen hält und einen Export hochjubelt, der uns über kurz oder lang ruinieren wird. Politik ist dazu da, Auswege zu finden. Wenn sie es nicht kann, soll sie bitte anderer Politik Platz machen.

Freitag, 31. Dezember 2010, 22:28, von donalphons | |comment

 
"Wenn sie es nicht kann, soll sie bitte anderer Politik Platz machen."
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Aber wem denn bitte?
Alle anderen sind ja noch v i e l schlimmer !

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Das sehe ich anders. Da sind schon einige, die es noch besser könnten. (Leider haben sich Beckstein und mein Favorit, der Huber, "massivst" selbst aus dem Feld geschlagen). Meine Wunschvorstellung daher jetzt: man bringe den Schäuble endlich ganz nach vorn!

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Ich hoffe mal, dass es nicht so schlimm wird ...
Aber ich bin manchmal geradezu naiv optimistisch ...

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass in Deutschland die Euro-Krise zu einer Radikalpartei führt. Viel realistischer (und mit größeren Auswirkungen) sind solche Parteien in den Krisenländern, die dann durchaus auch an die Macht kommen können (siehe Ungarn).

Ich frage mich, was die EU macht, wenn ein Land von sich aus "Tschö mit Ö" sagt ...

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Eine Demokratie ohne Alternativen ist eher eine Oligarchie (...)

so etwas ähnliches habe ich mal zu schulzeiten gesagt und damit begründet, warum ich nicht zusammen mit meinem wahlkurs politik und zeitgeschichte auf eine in meinen augen nutzlose studentendemo gehen wolle. der kursleiter sah mich daraufhin an, als sei ich geisteskrank.
ich hab den kurs dann abgewählt. meine überzeugung hab ich bis heute so beibehalten.

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