Herr Miri, ich und the vanishing splendour of the Bourgeoisie

(Nichts gegen konservativ - aber zum Teufel mit der Reaktion der Konsumgesellschaft)

Herr Miri ist einer der Gründe, warum meine Touren über die Berliner Flohmärkte bis zu sechs Stunden dauern. Herr Miri und einige seiner Kollegen kennen mich inzwischen gut, und halten mich für immens reich, weil ich allmonatlich eine beträchtliche Summe bei ihnen lasse. Sie irren sich natürlich, denn mein "Reichtum" ist geborgt. Inzwischen hat es sich in meiner bayerischen Heimat herumgesprochen, an was für einer nimmer versiegenden Quelle der junge Porcamadonna da sitzt, und so bekomme ich Monat für Monat umfangreichere Listen und höheres Budget mit. Tatsächlich konnte ich das meiste in Wochenfrist beschaffen, mit dem Effekt, dass die Haushaltsauflöserszene in Berlin meiner baldigen Abreise mit aufrecht empfundener Trauer entgegen sieht.

Weshalb Herr Miri mich jeden Sonntag begrüsst, mir einen Platz auf irgendeinem seiner mitgebrachten Möbel anbietet, und mir schon mal berichtet, was an Preziosen in den nächsten Wochen und Monaten aus welchem Anwesen der westlichen Stadtbezirke des Slummolochs Berlin zu erwarten ist. Keine Frage, er will, dass ich noch lange bleibe. Da sitzen wir also auf Biedermeierstreifen oder Gründerzeitplüsch und teilen das Fell des verendeten Bären, und meistens nehme ich noch ein paar Silberlöffel mit. Die kleinen, die man eigentlich immer mal brauchen kann. Von denen ich inzwischen ein paar Hundert hätte, würden sie daheim in Bayern nicht sofort wieder in den Kreislauf des kleinen Stadtteils gelangen, in dem mein Clan lebt. Das wenigste landet in meinem Silberschrank in der Provinz:



Herr Miri kann viel erzählen über den Niedergang dessen, was man als Bürgertum bezeichnet. Er gehört zur Elite der Wohnungsauflöser, er macht nur die besseren Auflösungen und zahlt dafür relativ gut - 3000 Euro oder mehr. Die Erben bekommen das Geld bar auf die Hand, müssen sich um nichts kümmern, und Herr Miri kann auch gleich noch einen Maler empfehlen, der die Bude blitzschnell sauber macht, so dass sie sofort wieder vermietet oder verkauft werden kann. Die weniger guten Stücke gehen an andere Händler, die besseren landen in seinem Keller in der Bergmannstrasse, und am Wochenende auf dem Flohmarkt, wo sich der die 3000 Euro schnell verdreifachen. Trotzdem liegt der Preis für Tafelsilber oft unter dem Materialpreis, der im Moment um 170 Euro pro Kilo schwankt.

Für Kulturhistoriker ist es das Alarmsignal schlechthin. Kulturen, deren Sachkultur nicht einmal mehr den Materialwert erreicht, sind am Sterben. In dem Moment, da die Verarbeitung des Materials den Wert mindert, ist es unwahrscheinlich, dass die Sachkultur weiterentwickelt oder auch nur bewahrt wird. Das damit verbundene Handwerk ist in der Regel ebenfalls am Aussterben. Kleines Beispiel: Die Stämme der Völkerwanderungszeit, die von den Römern bezahlt wurden, hatten für das Gold keine andere Verwendung, als daraus massive Gürtelschliessen und Schuhschnallen zu machen - Tafelgeschirr wurde dafür ebenso eingeschmolzen wie Münzen, was zur Folge hatte, dass sie dann in rauer Wolle an groben Tischen sassen, auf tönernem Geschirr mit den Händen frassen, den Dreck aus dem Fenster warfen, und nur selten blinkte hier und da ein Batzen Gold. Dass durch diesen Goldabfluss die Wirtschaft vor die Hunde ging, dass die Welt der Römer kollabierte und in der Folge die europäische Kultur mal eben um 700 Jahre zurückkatapultiert wurde - mei, von Makroökonomie hatte so ein Ostgote in Rumänien keine Ahnung, dem kann man keine Vorwürfe machen. Ihm war nur wichtig, dass man ihn am Ende mit all dem Gold verbuddelte.

Was Herr Miri mikroökonomisch tut, ist nichts anderes als ein kleingotischer Plünderungszug mit der Einwilligung einer Kultur, die den Untergang will. Da sind Erben, denen es vollkommen egal ist, was aus dem alten Plunder wird. Warum sollte man Möbel für die Ewigkeit haben, wenn Ikea jedes Jahr eine neue Kollektion bringt. Warum muss etwas aus Holz sein, wenn Spanplatte den gleichen Zweck bei niedrigerem Gewicht erfüllt. Beständigkeit ist in dem Wandel, von dem alle Medien von Bild über RTL II bis Spiegel berichten, kein Wert, sondern ein Hindernis. Der Hunne änderte alle 30 Jahre seine Mode, wir tun es im gleichen Zeitraum 60 mal. Unsere Mauern sind keine Mauern mehr, wenn sie im Gebäude sind, sondern nur noch dünne Platten und Metallschienen und Farbe drüber, und weniger beständig als eine Holzhütte. Der angebliche "Kolonialstil" wird in Norwegen entworfen und in Polen hergestellt und ersetzt als Äquivalent den hörenden Hirschen der deutschen Kleingeister. Das feine Bayreuth-Porzellan mit 22 Teilen, 80 Jahre alt und praktisch wie neu, geht auf dem Flohmarkt noch nicht mal für 25 Euro weg - warum auch, das etwas teurere Starterpaket von Ikea kann man auch in die Spülmaschine stecken, oder 2 Monate in der Spüle gammeln lassen, ohne dass der nicht vorhandene Goldrand hässlich ausbleicht. Silber ist ganz schlecht, das muss man alle zwei Jahre putzen, wer soll das den tun, solange es so tolle Freizeitangebote in der Glotze und den Porno-, Tec-, Promi- und Astrologiechannels im Netz gibt? Und das Schönste: Man muss den Krempel noch nicht mal mitschleppen, wenn man weiterzieht wie die Hunnen vor 1700 Jahren: Auf den Müll damit, woanders holt man sich neues Zeug.

Herr Miri erzählt mir auch manchmal von den Leuten, die die 3000 Euro nehmen. Herr Miri ist bei denen zu Hause, um den Schlüssel zu holen, und er weiss, dass sein Beruf in spätstens 30 Jahren ebenso ausgestorben sein wird wie Silberschmiede, Lampenmacher, Schreiner und Polsterer. An manchen Orten wird sich das noch halten, aber die Verkäufer haben ganz andere Wertgegenstände in der Wohnung. Alles irgendwie elektronisch, interaktiv und nach 2, 3 Jahren Müll, den keiner mehr brauchen kann. Total veraltet, madig gemacht von einem Starsystem der Medien, das auf "Besitz" pfeift - heute wird alles geleast oder gemietet, das ist geil, das ist sofort und on demand, und wenn man es in fünf Jahren nicht mehr hat, was soll´s, ist sowieso nicht mehr brauchbar. Oder zu gross. Oder zu wenige Features. Oder es dauert 10 Sekunden zu lange. Was, eine Digicam macht erst nach 3 Sekunden das erste Bild? Zum Teufel damit, man will das Bild sofort, fuck Bildausschnitt, Komposition und Belichtung, Nachdenken ist da nicht. Drauf und rein auf den Chip, und danach alles auf den Müll, weil es hässlich aussieht.

Das ist die nächste Generation. Diese Leute bringen ihren Kindern bei, dass man auch aus Pappschachteln fressen kann. Auch in der Bild steht, dass sie McDonald lieben, weil man damit so schön viel Müll machen kann, Haha, wie toll politisch unkorrekt. Dass der Müll verdammt teuer ist, dass 1000 mal Müll jetzt hier sofort teurer ist als einmal Silber plus Porzellan plus ein ordentlicher Esstisch, sagt niemand. Diese Kinder werden viel in die Hände bekommen, sie werden viel gehabt haben, aber sie werden am Ende auf der gleichen Müllkippe sitzen, wie ihre Eltern auch schon, und es wird nichts bleiben, was Herr Miris Enkel abholen könnten. Ausser vielleicht bei ein paar wenigen Superreichen, die die Gewinner dieser Selbstvernichtung des Bürgertums sind. Die weiterhin Besitz haben werden. Die nicht nur zeitlich beschränkte Nutzungsrechte haben, wie all die iTunes- und Klingelton-Deppen, die später die Leere in ihrem Dasein mit Lebenshilfeangeboten wie Bakira dem indischen Fakir bekämpfen werden, via Hotline für 1,99 und mit Bonusmantra für 2,99 Euro. Die werden ihnen dann alles erzählen, vor allem aber, dass es gut so ist, und sie in der besten aller möglichen Welten leben.

Sie werden zurückgebombt sein in eine vorbürgerliche Epoche, Jahrhunderte vor der Aufklärung, in einer Art New Feudalism, in dem grösste Teil der Bevölkerung für immer einen digitalen Pachtzins und nachfrageorientiertem Frondienst erbringen wird. Das einzige geltende Gesetz für Besitz wird das Digital Rights Management sein, es wird keine demokratische Entscheidung darüber geben, sondern nur den despotischen Willen der Rechtebesitzer. Sie entscheiden allein mit einer kleinen Änderung, wer legal handelt, und wer ein Dieb ist. Nichts Dauerhaftes wird im Besitz der Unterschicht sein, ausser vielleicht einem versprochenen Himmelreich, das ihnen so lückenlos den Medien präsentiert wird, dass die Gehirnwäscher in chinesischen Arbeitslagern noch was davon lernen können.

Und schon Herr Miri selbst wird bald merken, dass er in manchen Bezirken einfach nichts mehr finden wird, jetzt und heute. Bezirke, in denen diese beliebige Lebenstillosigkeit so dominiert wie in weiten Teilen des Balkans nach dem Abzug der Römer. Wo die Lebenszyklen von ehemaligen "Wertgegenständen", von pervertiertem Bauhaus und Neuem Wohnen, keine 5 Jahre mehr umfassen. Wo die Menschen nur noch kurzfristig irgendwas kaufen und sofort wieder wegwerfen. Folgerichtig in den öffentlichen Raum, denn wer im Müll vegetiert, kann erst gar nicht verstehen, dass andere damit vielleicht ein Problem haben.



Es wird keine Geschichte mehr geben, die anhand von Kultur erzählt werden kann. Die Erinnerung wird weggewischt, weil sie nicht mehr up to date ist. Man wird schnell weiterziehen, mit leichtem Gepäck, und der ganze kulturelle Fortschritt seit den Hunnen wird sein, dass in ein Auto etwas mehr passt als auf einen Karren, dass es schneller und weiter geht. Mitgenommen wird vielleicht noch das, das platzsparend digital ist, aber sperrige Bücher haben keine Überlebenschance. Herr Miri auch nicht. Und meine gelebte Kultur auch nicht. Die Hunnen fahren auf der Strasse des 17. Juni an uns vorbei, und wundern sich vielleicht über die Gestalten, die da auf alten Möbeln Zeit vergeuden und ratschen, Tee trinken und Baklava essen. Wir sind für sie wahrscheinlich nur irgendwelche Penner, die auf den Trümmern einer kaputten Kultur sitzen, die untergegangen ist, weil das Staubsaugen und Putzen zu aufwändig ist. Sie sehen die Reste und erkennen nicht, dass die Sachkultur mehr ist als ein paar Brocken, sondern die Basis für eine gewisse Stabilität, eine Art Selbstachtung und auch Bereitschaft, für ein Bewahren einzutreten. Sie unterschätzen die Kraft und die Sicherheit, für die dieses Bürgertum stand, dessen Eingeweide auf dem Flohmarkt ausgebreitet werden. Ihnen, die vorbeifahren, gehört fraglos die Zukunft.

Eine Zukunft, auf die Herr Miri und ich und die Reste der letztlich doch diskret charmanten Bourgeoisie verzichten können. Ich nehme diesmal eine silberne Brotschale für meine Eltern, die, wie viele in ihrem Viertel, grün wählen, Stoiber verachten, Geld spenden und sich sozial engagieren. Nicht alle, aber doch viele. Neureiche und neuarme Hunnen werden wahrscheinlich eher FDP und CDU wählen, wenn sie bei ihrem Zug überhaupt die Zeit haben, sich irgendwo rechtzeitig anzumelden. Aber auf diese Zukunft setzen Medien, Industrie und reaktionäre Schweine - in dieser Zukunft können sie prächtig leben. Die Vorinfotainer der Hunnen haben die Postmoderne inzwischen leider soweit verstanden und durchexekutiert, dass man als Rebell schon wieder konservativ und bourgeoise sein muss. Und sei es mit einem nicht medientauglichen Beitrag mit über 1700 Wörtern auf einem Blog - danke für die Aufmerksamkeit.

Montag, 18. April 2005, 14:31, von donalphons | |comment

 
Wenn der Herr Miri schlau ist, dann hält er einen Teil zurück. Quasi als Bewahrer des Glaubens. Ach nein, das heißt heutzutage ja abfällig Besitzstandswahrer und passt überhaupt nicht mehr in diese reformgeile Wegwerfgesellschaft. So was von überholt und rückständig. Inflexibel. Konservativ, wie Du richtig schreibst.
Was soll man auch mit Biedermeiermöbeln oder altem Silber, das eh nur Platz wegnimmt? Es gibt so schöne, digitale Archive, da sieht man das alles, man kann es auch für 3,99 im Monat runterladen...

Und dann, in 30, 40, 50 Jahren, wenn die Kosten der Batterien für den iPod nicht mehr vom ALG2 bezahlbar sind, da sehnt man sich dann zurück, nach der guten, alten Zeit, in der alles sooo viel besser war.
Das ist dann die Zeit, in der die Besitzstandswahrer einen Reibach machen könnten. Wenn sie wollten. Und die Klientel zahlen könnte.

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Es hat schon seine Richtigkeit so, denn zu all dem kommt auch noch der demographische wandel, die gesellschaft wird kleiner, dazu kommen Entwurzelte aus anderen Kulturen, und die Spitze, die sowas haben will, nimmt weniger als 10% der Gesellschaft ein. Man braucht nicht viel davon, um die Gewinner des Systems glücklich zu machen - und solche Einrichtung kauft auch nur der, der sich 2, 3 Putzmenschen aus dem Heer der Besitzlosen leisten kann.

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Aus meinen leidvollen studentischen Umzugshelfer-Erfahrungen heraus bleibt eigentlich nur noch die Bemerkung zu korrigieren, dass Spanplatten leichter seien als Massivholz. Weit gefehlt. In aller Regel ist das Gegenteil der Fall. Ein IKEA-Regal schwimmt nicht, es erschlägt vielmehr auf seinem Weg zum Meeresboden arglose Fische.

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ok, wieder was dazugelernt. Aber ich schleppe gewöhnlich nur Empiretische, und wenn die gross sind und das Haus (wie bei meiner Schwester) 5 Stockwerke ohne Lift hat, fühlt man sich danach wie die oben erwähnten Fische.

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nicht nur das. nach zweimaligem umzug sind auch die schraubgewinde im preßspan weitestgehend ausgelutscht, daß das zeug nicht mehr zusammenhält. da kann man den dreck eh weghauen.

mein kleiderschrank, baujahr 1930, vom schreiner in kelkheim anläßlich omaopas hochzeit gefertigt, hat schraubgewinde aus messing. kannste fünfzigmal auf- und abbauen. da passiert nix.

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Verleger
Was ist eigentlich mit der Deadline, die Du halten musst?

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Das Ding ist Teil eines schriftlich fixierten Gedankengangs, der als Basis für ein Kapitel dient. Kein Witz. Bloggen als Wissensmanagement.

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Lohnt es sich für unsereiner eigentlich überhaupt noch, das Buch zu kaufen? ;-)

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Keine Ahnung. Es enthält jedenfalls nur 4 oder 5 Seiten aus diesem Blog, die ich hier mal reingesetzt habe, um zu scheun, ob das überhaupt jemanden interessiert. Und auch der obige Text wird so nicht drin stehen.

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Selbst schon antik
Ich muss gestehen, der ideale Einkauf ist für mich eigentlich nur auf dem Midan Ataba oder dem Khan el Khalili in Kairo bzw. den Souks von Tunis möglich, mit stundenlangen Gefeilsche, Wasserpfeife und Boten, der, nachdem man sich uneins getrennt hat und ins Teehaus gegangen ist, die Angebote der beiden Seiten überbringt, bis der Preis stimmt. Solche Vorlieben eingedenk eine bange Frage: Bin ich selbst schon eine Antiquität?

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Ich glaube, jeder, der 1700 Wörter an einem Stück ohne Infographik liest, gehört zu einer aussterbenden Gattung - und das in einer Welt, die garantiert keine Fossilien im Museum ausstellen wird.

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so lernt man die Nachbarschaft kennen. Bin bei meinem fast täglichen Weg durch die Bergmannstraße doch etwas achtlos an den Niederlassungen von Miri und Kollegen vorbeigeeilt.
Aufmerksam wurde ich bisher nur immer, wenn ein LKW die mehr oder auch oft weniger interessanten Reste eines Hausstandes auf dem Gehweg ausbreitete.
Günstige Möbel von Ikea waren bei mir bisher unschlagbar eine ganze Familie von Billys, die tatsächlich schon 2 Umzüge überlebt haben.
Aber sonst taugen die Vollholz Möbel vom Trödler in der regel wirklich mehr als jeder Ikea Versuch.

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Nichts neues. Das ist Berlin. Miri und seine Kollegen betreiben das Ganze schon seit Mitte der 70er Jahre, als die Nach-68er Generation Apfelsinenkisten schicker fand als Gelsenkirchener Barock. Nur die Standorte wechseln: Früher Flughafenstr., heute Bergmannstr.

Da werden nun seit 30 Jahren die Reichtümer der "Hauptstadt" verschleudert. Erstaunlich ist nur, wie immens wohlhabend Berlin mal war. Was 2 Kriege und 2 Diktaturen nicht geschafft haben, wird nun von einer Generation mal schnell zwischen zwei Wochenendtrips in die Sonne erledigt.

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Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen - Bismarck sagte einmal, die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt. Das ist heute anders: alle Schritte nach "schafft Vermögen" macht eine einzige Generation auf einmal.

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Die Flughafenstrasse ist wieder besser geworden, und neuerdings bevorzuge ich eine gewisse Ecke in Friedrichshain.

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den Boxhagener kannst du nicht meinen, ist es vielleicht der von Klaus? (wobei ich gar nicht mal weiss, ob sein elitaerer Flohmarkt noch an ist).

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Da gibt es einigen guten stationären Handel.

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pläne
don, wirfst du nach 2 jahren berlin und dem ankauf des dortigen privatvermögens schon absehbar das handtuch und ziehst vondannen ?

bei vielen von uns steht ja das anzutretende erbe zum glück noch bevor. und die alternative wegzugehen war unter bismarck ohne startkapital sicherlich schwieriger. oder war der überlebensdruck nur einfach noch größer, da das vermögen und die erbmöglichkeit noch viel eindeutiger verteilt war.
b.t.w. war sicherlich neben der makroökonomie die römische gesellschaft einfach dekadent und kaputt genug um sich unfriedlich übernehmen zu lassen.

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Bisher sind es "nur" 16 Monate, und es werden sicher keine 20. Handtuch werfen? Nein. Die Autobahnauffahrt zur A9 Richtung München war schon immer für mich die scgönste Ecke der Stadt.

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... nur so eine frage,
... aber wie sieht es mit gebrauchten büchern aus?
wer sich silbernes besteck/geschirr leisten konnte/musste, der hat sich doch sicher auch bücher in die vitrine gestellt.

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Die Berliner Flohmärkte sind bezüglich Büchern ein wenig zurückgeblieben, die Berliner scheint´s, behalten ihre Bücher entweder oder hatten nie welche. An der Museumsinsel gibt es manchmal gute Funde, im Tiergarten auch, aber ansonsten bleibt auch dem Metropolenbewohner im wesentlichen ZVAB.com und eine Handvoll Antiquare.

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Ich fand berlin, was das angeht, nicht so dooll - da ist München weitaus besser. Was wohl auch historische Ursachen hat, in Russland verbrauchte der Landser Bücher aus Berlin zur Körperhygiene, und im Winter 45/46 soll man besonders den brennwert geschätzt haben.

Was es in rauen Mengen gibt, ist Klopstock, Raabe, Schiller, wohingegen Lesbares eher selten ist - wer glaubt, in Berlin wimmle es von Tucholsky und Heine, wird enttäuscht werden.

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... danke für die hinweise...
... und schade eigentlich, ich hätte mehr erwartet.

allerdings, in augenblick kann ich mir auch keine gebrauchten bücher leisten, es fehlt am geld und am platz, und so träume ich eben weiter den traum vom konversationslexikon so etwa von 1850 (brockhaus oder meyer? - beide, ist doch klar). interessant sind auch alte fachbücher (19. Jhdt.) und dergl., auch lokalhistorisches.

aber: raabe scheint mir unterschätzt und dazu in einem eckchen abgelegt, wo auch freytag liegt. dabei war raabe dieser hochgemute freytag´sche "es ist erreicht!" ton völlig fremd. die protagonisten bei raabe, die doch immer irgendwo einen knick in der biografie haben, müssten eigentlich recht zeitgemäß sein, und "pfisterers mühle" ist der erste deutsche roman, der die umweltverschmutzung zum gegenstand hat.

das mit dem militärverlag der ddr ist wohl eher nichts für mich - obwohl, danke für den hinweis, das ist durchaus etwas für den kenner, und mittlerweile ja ein abgeschlossenens sammelgebiet, also das, was der sammler am meisten schätzt.

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Hübsch formuliert, aber...
hat es schon jemals einen Kulturpessimisten gegeben, der Recht behalten hat? Und wo ist dieser Flohmarkt?

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An der Strasse des 17. Juni, und am Rathausplatz Schöneberg.

Und berlin hat einige Kulturpessinmisten hervorgebracht, die Recht hatten: Walter Mehring, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky...

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Schade, dass DonAlphonso nicht aus Berlin kommt. Könnte sich glatt da einreihen.

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Etwas ist z.B. in Marzahn und Pankow noch in rauen Mengen erhältlich: Das Angebot des Militärverlags der DDR. Da sind ein paar historisch tatsächlich interessante und aufschlußreiche Werke dabei, insbesondere zum Thema Widerstand im NS, aber der größte Teil ist furchtbar - ein Poesiealbum "rau sind des Soldaten Wege", die Lebenserinnerungen von Konjew, Kolyschkin und Jukov etc.

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@gargantua: Kulturpessimisten, die Recht hatten - da hole ich mal tief Luft.
Buddha, Sokrates, Diogenes, Freud, Adorno, Horkheimer, Benjamin, Fromm, die genannten Mehring, Tucholsky, Ossietzky, Gide, Kafka, Baudrillard, Lacan, Bourdieu...reicht das?

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Besserwisserei.
Ossietzky wurde in Hamburg geboren, und Tucholsky und Mehring sind wenigstens nicht in Berlin, sondern in schwedischen Hindas und in Zürich gestorben.

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Danke. Wie immer: Die besten Berliner sind eingewandert. da gibt es ja noch Chancen für Don.

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Kulturpessimismus
@che2001: die Genannten sind Menschheitspessimisten, wie übrigens auch alle großen Schriftsteller und die hatten natürlich allesamt Recht. Aber will irgendemand ernsthaft bezweifeln, dass es mit der menschlichen Kultur in den letzten drei- bis viertausend Jahren stetig bergauf gegangen ist, dass sich immer wieder mal Großes ereignet hat in Zeiten und an Orten, in denen man es nie erwartet hätte? Jede Veränderung in diesem Prozess der kulturellen Entwicklung wurde aber noch immer beklagt oder verfemt. Ich will damit weder der Dummheit noch der Bestialität das Wort reden, die wir immer zu gewärtigen haben, gebe aber zu bedenken, dass dem Menschen - vermutlich ab einem bestimmten Alter - Veränderung grundsätzlich nicht mehr in den Kram passt, weil sie ihn halt mal an seine Sterblichkeit erinnert. Der, der in der Veränderung das Große erkennen kann, muss selber wahrlich groß sein.

So gerne ich die Sottisen unsres geschätzten Gastgebers lese, frage ich mich doch jedesmal, wie eine Welt aussehen müsste, mit der er zufrieden wäre...

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