Dirt Picture Contest - Kein Schutzengel für Marketing

Bei Fuckedcompany gab es während des Downturns mal die Debatte, was in einer Firma mehr Schaden anrichtet: Marketing oder HR. Wer diese speziellen Firmen der new Economy kannte, weiss, dass es da keine klare Entscheidung gibt. Eine unerfahrene HR konnte mit falschen Headhuntern, korrupten Managern, den eigenen Seilschaften oder falscher Sparsamkeit einem florierenden - oder zumindest nicht gleich sterbenden - Startup eine Art septischen Schock verpassen. Wenn dann erst mal das falsche Team am Lenkrad dieser aufgemotzten Gokarts der Wirtschaft ist, kann man eigentlich nur noch den letzten Öler rufen.

Ich persönlich hatte mehr mit Marketing zu tun. Und nach meiner Überzeugung ist es nie gut, wenn an der Schnittstelle zwischen der Realität da draussen und der im Eifer der Gründung entstehenden Hyperventilations-Realität drinnen Leute sitzen, deren Realitätserfahrung sich zwischen Business Lunch, After Work Party, First Tuesday und Bizz-Abo entstand. Das Marketing ist gewissermassen der Parkwächter, der diese Firmen-Rennsemmeln bei Vollgas in die Parklücke einweisen muss. Auf dem Posten würde man sich eigentlich alles andere als chemopralle Spezialisten im Fingernagellackieren oder Praktikantinnenficken wünschen. Fakt ist - da, wo der Parkplatz sein sollte, stand in der new Economy zu oft der von den Marketeers übersehene Betonpoller namens Realität drin.

Man kann das so bildlich sagen, aber als ich gestern durch das Reichshauptslum Berlin a.d. Spree führ, da habe ich es gesehen - das Marketing, das am Realitätspoller klebt:



Wer immer das gebucht hat, hatte nur Augen für den Waschbrettbauch, und nicht für die Umgebung. Und ich habe in meinem Kopf ein sehr scharfes Bild von der Person, die das verwantwortet hat. Marketing ist schlimmer als HR.

Samstag, 9. April 2005, 19:15, von donalphons | |comment

 
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der apostroph...

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Ich dachte mir, sag ich was, oder warte ich.

Gratulation, Feersum. Danke. Echt.

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Vielen Dank. Meine orthographische Scharfsicht begeistert mich selbst.

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Nein, wirklich, das zeigt, dass die Leser - oder zumindest ein Leser, wahrscheinlich aber mehr - nicht tumb in einer "Entertain-me"-Haltung durch dieses Blog ziehen.

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*weia*!

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Tja, Englisch kann halsbrecherisch sein. Allerdings gibt es für sowas sicher auch Kunden - ich kannte zum Beispiel mal einen CTO, der sich immer Chef Technikal Officer schrieb.

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Ah, das Apostroph... Wer sich darüber noch aufregt, muss nichts anderes zu tun haben (oder Deutschlehrer sein).

In unserer Branche heisst es: Wer heilt hat recht.

Im Marketing ist es wahrscheinlich genauso. Und wenn da drei falsche Apostrophe drin gewesen wären: Egal. Hauptsache die Hütten werden vermietet. Und ich glaube nicht, dass das Apostroph daran schuld ist, dass das mit den Lofts am Engeldamm vielleicht nicht so läuft, wie sich die Investoren es gedacht haben.

Für die Lofts ohne Fenster rechts vom Plakat braucht es wirklich göttlichen Beistand. Da kann ein guter Kontakt zu Engeln hilfreich sein.

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Ich habe auch schonmal in der Esquina Frühstück gekauft, obwohl die Karte "Snak´s" anpries.

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Ich rege mich nicht auf, ich wundere mich nur, und würde versuchen, sowas zu vermeiden.
Auf der anderen Seite kann man sein Geschäft wohl einfach lieblos und schludrig betreiben. In diesem Sinne: Geben Sie mir genügend Alkohol, und ich mache auch in Immobilien bzw. Durchgänge.

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ja, es ist - wie sagt man so schön - "to beat a dead horse"-artig, sich über den "Peter's Frittenbude"-Genitiv aufzuregen. Das ist inzwischen sogar laut Duden erlaubt. Aber das Plural-s? Nein, nein, nein, das spricht eine so deutliche Sprache vom Desintresse aller Beteiligten. Wer so wirbt, dem sollte man nichts abkaufen.

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Die wollen bis zu 3000 Miete - und drei Monate Kaution. Wer viel zahlt, bekommt auch viel ´.

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Peter's Frittenbude? Ich habe mal gelernt, dass "Peter's Frittenbude" eine Kurzform von "Peter seine Frittenbude" ist.
Da fragt man sich doch, wer ist "Loft"? Und heisst es dann "Loft seine hier"? oder "Loft es hier"? (beides die ausgeschriebenen Formen von 's im Deutschen).

Mal von den Typographischen Schwächen abgesehen, girl hatte doch vor kurzem mal was interessantes zum Thema Immobilien geschrieben. Ich denke der Beitrag verdeutlicht doch wer da ein Loft (oder Loch?) erwerben soll: Leute die blind ihr Geld in irgendwas investieren wo "Immobilienfond" drauf steht, was sie aber noch nie selber gesehen haben. Statt dessen zeigt man ihnen bunte Bilder von ganz arg tollen Gebäudekomplexen, die es (in der Form noch) gar nicht gibt.
Das ist so ein bisschen der Reisekatalog-Effekt. Hauptsache die Bilder stimmen. Ob da nun "Irak Dream Club" drauf steht oder was anderes. Zeig ihnen Fotos von 15km Sandstrand mit fröhlichen Menschen und sie fliegen hin.

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rien ne vas plus
Ist es nicht so, dass eigentlich garnix mehr geht in Sachen (Buero) immobilien? Also egal ob Waschbrett- oder Waschbaerbauch oder Pobacken oder Saddam Hussein, Christian Wulff, Harry Belafonte, Obstkoerbe, imacs oder Bommerlunderflaeschen - was auch immer man abbildet um tote, kalte, nach Renovierung/Bau schon wieder broeckelnde Immobilien an den Mann zu bringen - da draussen ist keiner der das mieten kann oder will.

Da sollten wir doch grossmuetig sein und ueber lieblos verteilte Apostrophe gnaedig hinwegsehen.

Wo kann man spenden?

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Im Ostbahnhof gibt es eine Lokalität namens "By-Denny's", der Schriftzug ist als eingetragenes Warenzeichen gekennzeichnet.
Abteilung gelungenere Kunstwörter: In den Bahnhöfen Friedrichstrasse und Alexanderplatz gibt es Lokalitäten mit dem schönen Namen "Alkopole".
Und ist ein Fond nicht eher zum Kochen gedacht?
Ansonsten einen schönen Sonntag.

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... der manch geneigten Leser wiederum zum Ostbahnhof führt, wo der Minimal täglich aufhat. (Mal wieder zu faul gewesen einzukaufen...)

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