: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 1. März 2012

Borniert krepiert

Der Tag fing, da von hinten her sauber reingearbeitet, gut an.



Aber wie es so ist.., draussen nass und grau und unterkühlt, drinnen technische Probleme vom Wasserkocher bis zum Abwasser, und über das Warten und Besorgen zerbröselte der Tag. Ich kann schlecht zusammenpacken und fahren, wenn hier nichts richtig läuft, und ich bin ungern weg, nur um dann von einem Anruf ereilt zu werden, dass meine Person mitsamt ihren Schraubqualitäten gefragt ist.



Immerhin war auch genug Zeit, sich Gedanken über das Gepäck zu machen, was ja immer ein sensibler Punkt bei Reisen mit dem kleinen Cabrio ist. Ein Rad steht noch unten, eine Teekanne auch, und wenn ich klug bin, fahre ich mit ganz wenigen Schuhen hin, höchstens vier fünf sieben Paar, die universell passen - gemeinhin werden es am Ende ja doch mehr, als ich mitgenommen habe.



Und dann stehen hier ja auch noch ein paar Baustellen herum, die abgeschlossen werden wollen, kleine Hecken gegen grosse Geldschwemmen, denn all die Milliarden, die wir den Banken gegen wertlose Sicherheiten schenken, müssen Rendite bringen. Ich sag mal: 2 Euro für den Liter Benzin ist da nicht unwahrscheinlich, denn sie werden es uns dort stehlen, wo wir kaum Alternativen haben. Ausser einem essentiellen Ernesto natürlich, der so billig war, dass die Sattelstütze und zwei, drei andere Komponenten allein schon mehr auf dem Gebrauchtmarkt bringem. Ein todsicheres Geschäft, denn auch altes Campagnolo wird teurer.



Nur brauchte ich - alter Mann mit Hängebauch - einen kürzeren Vorbau. Und deshalb musste ich den Lenker ausbauen, dafür das Lenkerband und die Bremshebel entfernen und - ich mein, ich wusste ja, dass die Kiste wegen Rollentraining ein Rostproblem hatte, ich habe viel weggekratzt und so richtig schön wird die Gabel nicht mehr - aber der Lenker war eine Todesfalle. Unter den Bremshebeln haben sich schon Löcher im Aluminium gebildet. Es ist sehr steifes, dünnes Aluminium, spröde und bruchgefährdet. Nicht gut.



Da hat der Vorbesitzer aber verdammtes Glück gehabt, dass der Lenker nicht gebrochen ist. Aber wie es nun mal so ist: Man ist drin im Trott, es hat schon immer alles gehalten, die paar Tropfen machen nichts aus, ein wenig ohne Wartung geht schon, man schaut besser nicht drunter, was da passiert - eventuell war der Vorbesitzer ein Medienmanager. Die ticken so, die haben sich mit dem Auflagenverlust abgefunden, für sie reicht es, wozu neue Ideen, irgendeiner macht schon was, damit die Leere dahinter nicht so auffällt, und dann kommt viellicht doch etwas Unerwartetes und... ich habe einen anderen Lenker eingebaut und mal probiert, was passiert, wenn man richtig fest daran drückt. Er verbiegt sich schon. Das war wirklich knapp für den Vorbesitzer. Ein Spurt, ein heftiges Bremsen bei der Abfahrt...



Ja, diese Ernestos, so schön sie sind und so sehr sie auch funkeln: Auch für sie gelten die Gesetze der Physik, so, wie für die Zeitung auch die Betriebswirtschaft gilt. Wenn die Richtungssteuerung nicht mehr passt, muss man eben Teile austauschen, und wenn das teuer wird, hätte man früher nachdenken müssen. Ich jedenfalls bin jetzt erst mal der natürlichen Auslese entgangen, und andere... ich sage es mal so: Es gibt in den Medien genug hässliche Grindköpfe, die könnten einmal die Strasse von Kufstein nach Innsbruck damit abschleifen, und wären danach nicht hässlicher als vorher, und ihre Texte kleinger auch nicht schlechter, Vielleicht bleiben sie ja deshalb da, wo sie sind, egalk wie heftig dann alle mit ihnen auf die Schnauze fallen: Es ändert sich scheinbar nichts. Alles stabil. Alles sicher. Sollen sie. Eine Welt ohne Springer und Burda ist sicher weniger schlimm, als eine Welt ohne Ernestos.

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