: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 11. März 2012

Sonnen- und andere Untergänge

Ganz spät, wenn das Licht des Tages schwindet, breche ich dann doch noch auf.



Es ist dieses seltsame Bestreben, wenigstens noch das ein oder andere gesetzte Ziel zu erreichen. Das Colnago wenigstens noch über 200 Kilometer zu bringen. Einen Ausweg zu finden, ob es nicht vielleicht doch noch geht. Es ist ja nicht so, dass Pollen immer gleich fliegen; am Abend wird es spürbar besser, da sollten doch zumindest 30 Kilometer ohne allzu grosse Beschwerden bei ein wenig Restlicht noch möglich sein, was wiederum Druck macht, schneller zu fahren.



Die Antwort lautet: Ich mache mir Gedanken über Italien. Zum Beispiel, wie dort die Stimmung sein wird. Ausserdem, ob der Laden, über den ich schreiben will - gleich gegenüber vom Teatro Bibiena, mir Büchern und Käse - keine Not leidet. Ein Buchkäsegeschäft ist etwas, das in meiner Heimat fehlt, und wenigstens in Mantua trägt dieses Geschäft enorm zu meinem luxuriösen Befinden bei. Ich kaufe dort zwar keine Bücher, aber allein zu wissen, dass er da ist, und dort den Käse zu holen - grossartig. Ausserdem können die den Grana auch einschweissen, und ich kann ihn verschicken. Ob dort in Mantua inzwischen auch ein griechischer Deutschenhass fühlbar sein mag? Bislang lese ich mehr von Schadenfreude über ertappte, eigene Steuersünder, aber das kann sich noch ändern.

Andere Nachrichten sind weniger gut. Und man kann sich fragen, ob die bleierne Zeit unter Berlusconi jetzt vorbei ist, oder die neue bleierne Zeit unter der Sparsamkeit anbricht: Und wie das all die kleinen Geschäfte und Firmen überleben, die es schon früher nicht leicht hatten. Ich habe immer Angst, dass Italien schon durchkommt, aber am Ende wie Deutschland aussieht, geprägt von Schnäppchenjagd und Billigfrass. Slow Food muss man sich auch leisten können. Anderes ist ja schon lange tot: Da muss ich nur an all die verschwundenen Stahlrahmenbauer denken.



Das liegt nahe, sehr nahe, denn bei Kilometer 20 wird klar, dass die letzten 10 Kilometer nicht ganz so schön sein werden. Das war die letzte längere Tour in Deutschland, mag mir scheinen, denn Fahren in der Finsternis ist doppelt dumm, wenn man ein Auge nicht mehr aufbekommt: Jenes. das man nicht einzeln schliessen kann. Italien also, bald. Die Alternative wäre ein Umzug in eine Metropole, da ist das alles nicht so schlimm: In meiner Münchner Zeit bin ich dann eben im Bereich des mittleren Rings geblieben. Aber das hilft nicht am Tegernsee, wo die Natur vor dem Zaun beginnt, und nicht in der Provinz, die einmal komplett von einem grossen Park umgeben ist.



Immerhin, Berlusconi ist weg, vorerst, das macht die Reise schöner. Und sollte Sarkozy auch noch weg sein, dann fahre ich vielleicht auch mal rüber nach Frankreich. Dann aber mit dem Auto. Zur Feier der Veränderungen in Europa, wo nicht alles schlechter wird, wenn die richtige Wahl getroffen wird.

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