: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 30. März 2012

Abends, am See

So etwas würde ich wirklich gerne teilen.



Auf Wunsch mit Grossbild

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Ein Tag in Salo

Hier sass ich noch nie.



Dieser Seezugang gehört zu einer Badeplattform, und diese Badeplattform wiederum zu einem Hotel am See in Salo. Früher war die Plattform immer ebgesperrt. Nur für Hotelgäste! Das Hotel, ein Betonbunker aus den 70ern, hatte diese für Salo seltene Bademöglichkeit, aber sonst nicht wirklich viel zu bieten. Schon früher machte es einen traurigen Eindruck, Und jetzt ist es geschlossen.



Dafür ist die Plattform offen. Des einen Mannes Verlustes ist des anderen Mannes Gewinn, sagt man im anglophonen Sprachraum. Es gibt nicht so viele Sitzplätze über dem Wasser in Salo, einer mehr ist stets hoch willkommen, selbst wenn man noch nicht baden kann.



Heute fahren in München die Touristen los, dann wird es enger, dann hat man solche Flächen vermutlich nicht mehr allein. Jetzt gerade dürften die ersten den Stau am Irschenberg erreichen, aber ich bin ganz bequem und langsam über die Holzplatten hergeradelt, zum Einstellen und Testen von ein paar Dingen. Ich habe Vorsprung. Und nach den Osterferien auch Nachsprung.



Salo, heute noch ein beschaulicher Ort mit leeren Cafes und ruhiger Strandpromenade, wird morgen schon gesteckt voll mit Menschen sein. Die Sconto-Schilder werden aus den Schaufenstern verschwinden, die Plätze am See werden umkämpft sein, und die schreienden Kinder werden nicht ins Leere der Plätze laufen, sondern in Leute, die eigentlich Erholung suchen.



Nur drüben bei Arcangeli herrscht geschäftigtes Treiben. Es kommt der Sommer und der Wunsch nach einer Riva, diesem antiquierten Spielzeug aus Holz und Chrom, und wie der Morgan, das Louis-Vuitton-Gepäck und das Hermestuch wird das wohl immer zeitlos bleiben. Mit dem Morgan an den See, im LV-Gepäck das Picnic, die Frau auf dem Beifahrersitz trägt das Hermestuch, es raschelt leise im Fahrtwind, ein Hauch Chanel No. 5 wehrt herüber, entlang der Gardesana, dann in Salo halten und die Riva besteigen... so in etwa.



Tack Tack Tack klingt es herüber, das Leder wird aufgezogen für solche Träumereien, die schön klingen und dann von denen, die es sich leisten könnten, zu selten genutzt werden. Es gibt ja auch noch Arbeit und Verpflichtungen uind all das ist auch schon wieder Freizeitstress... nicht jeder Traum kann wirklich ausgelebt werden, das ist das kleine Problem. Hier und überall sonst.



Bei den Segelbooten zum Beispiel ist eine markante, titanfarbene Rennyacht, die sehr teuer gewesen sein dürfte. Immer an der gleichen Stelle. Sie war immer hier, wenn ich hier war. Ich war nicht selten hier, auch in der Saison und an Wochenenden: Das Titanmonster dümpelt vor sich hin. Das ist so eine Sache: Sieht wirklich schnell und schnittig aus. Könnte aber genauso gut am Grund des Sees liegen. Macht in zurückgelegten Metern keinen Unterschied.



Oder dieses Colnago hier, Baujahr 2008: So etwas kostet über 5000 Euro. Das ist jetzt nicht wirklich wenig Geld, für die wenigsten dürfte so etwas erschwinglich sein - für 5000 Euro kann man auch eine Familie mit 3 Kindern mit guten Rädern ausstatten, Helmen, Kleidung und obendrein noch einem kleinen Urlaub an der Müritz. Das Ding ist höchstens 1500 Kilometer gelaufen, man sieht es an den Bremsbelägen, den Reifen und der Kette. Der Besitzer hat für jeden Kilometer auf diesem Rad fast 3 Euro bezahlt. Naja, und jetzt ist es ein ganz klein wenig veraltet, weg damit, und so kommt es mit einem Bekannten nach Deutschland.



Grossbild

Und der alte Besitzer hat sich ein noch teureres Rad gekauft. Es kann eben gar nicht exklusiv genug sein. Kein Wunder, dass zwischen den Zeltplätzen und den Grand Hotels alles vor die Hunde geht, und ich auf der Badeplattform eines ruinierten Hotels Bilder mache. Sieht immer noch schön aus, wie unsere Welt, aber ist innerlich so kaputt... man möchte schreien.

Aber wer wird denn. Hier. Im schönen Salo. Nur die Kinder dürfen das.

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