: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 5. März 2012

Das Mastjahr

Ich brauchte eigentlich keinen Biologen, der mir mitteilt, in welchen Jahren die Bäume besonders stark blühen: ich sehe dann nicht mehr so richtig gut. Es muss gerad ein Mastjahr sein, in dem besonders übel geblühlt und gepollt wird. Sicher, ich werde auch von Jahr zu Jahr sensibler, und ich habe keinerlei Zweifel, dass mich das umbringt, bevor das Alter insgesamt zu umschön wird; so ein Lungenproblemtod hat ja auch etwas Mondänes, im Vergleich zur Altersschwäche. Es sei denn, ich schaffe es später endgültig irgendwohin, wo das alles kein Problem ist:



Die Geschichte ist ja auch so ein Zufall, wie so oft in meinem Leben. Es begann damit, dass es in Mantua kein Zimmer in der Innenstadt gegeben hat. Aber es gab dieses kleine B&B ausserhalb, das gerade erst geöffnet hatte, und jede Menge Platz. Und weil es alles so neu und auch für die Betreiber ungewohnt war, rutschte ich da irgendwie langsam rein.



Ein Urlaub, noch einer, das Verstehen, dass es kaum einen besseren Platz als Mantua in Oberitalien gibt, genau die richtige Grösse und Schönheit und Infrastruktur, und vor allem: Die Seen, an denen ich wohne, nach vorne hinaus, und Kilometer überfluteter Reisfelder. Ich bin in Italien nicht ganz problemfrei, aber in Mantua ist es wirklich gut. Der Reis, den man am Abend bestellt, hat im Jahr davor die Pollen abgehalten.



Das B&B wurde bekannter und beliebter, es war nicht mehr ganz so einfach, dort anzurufen und zu sagen, am nächsten Tag würde man kommen. Zwangsweise Erlebnisse mit anderen Unterkünften waren irgendwie, wie soll ich sagen, es fühlte sich nicht richtig an. Es fehlte einfach die Ungezwungenheit, die absolute Freiheit, immer war irgendwas, einzige Ausnahme: Ein Hotel in Rom. Aber Rom ist zu laut und zu gross und zu voll und zu weit weg. Mantua hat den Vorteil, dass man im Notfall an einem Vormittag zurück nach Deutschland fahren kann. Es war zwar perfekt, aber zu beliebt. Auch, weil sich die Aufenthalte von Jahr zu Jahr in die Länge zogen.



Letztes Jahr war es dann wirklich schwierig, weil es in der angedachten, langen Zeit mit Ostern und Pfingsten einfach zu viele andere Belegungen gab. Ein Gast, der bleibt, macht so ein kleines B&B etwas unflexibel. Und weil man sich ja nun schon länger kennt, und die Schwester der Betreiberin im Ausland lebt und arbeitet und ich länger bleibe, kam die Idee auf, ob ich nicht die Wohnung mieten möchte. Statt im B&B zu übernachten. Gleiches Haus, ein Stockwerk tiefer, im Vergleich zu kleinen Hotelzimmern eigentlich ein echter Luxus, viel mehr, als man in Italien eigentlich braucht. Und so kam dann das, was nie wieder zu tun ich nir nach Berlin geschworen hatte:



Der Stress eines Drittwohnsitzes. Nach all den Horrorgeschichten, die man über das Mieten in Italien hört, war es überraschend einfach. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Entweder ich japse monatelang. Oder ich lebe monatelang. Diese Zeit dort unten ist natürlich teurer, aber man muss die Sache vom Lebensende her betrachten: Hätte man dann die Wahl, einen Monat Lebenszeit im Alter Mitte 40 mit tausend Euro zu erkaufen, noch einmal jung sein und in Italien - man würde keinen Augenblick zögern. Und allein darum geht es.



Neben all dem anderen, den Strassen, den Bergen, der Mille Miglia, dem Gardasse, den Palästen und Kirchen, dem Essen, den Menschen, der Wärme, und überhaupt. Es ist Mastjahr, und ich werde mich mit Leben vollstopfen.

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Ich finde ja,

Adenoid Hynkelfasel traf es am besten, als er sagte:

Liberty schtonk! Free Schpecken schtonk! Retwetten schtonk!

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