: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 18. März 2012

Immer diese Entscheidungen

Würde man mich fragen: Möchtest Du eine Muse? Würde ich natürlich sagen: Aber sicher! So eine kann man in der Bibliothek immer brauchen. Skulptur, Gemälde, immer nur her damit, ich bin da nicht so.



Hätte man mich aber gefragt: Willst Du eine Frauendarstellung aus dem weiteren stilistischen Umfeld der Präraffaeliten... wäre ich vorsichtig geworden. Um ehrlich zu sein, kann ich mit Rossetti und anderen wenig anfangen. Nicht im Sinne von "kapier ich nicht", sondern wegen gewisser Darstellungsweisen, die ich für wenig erbaulich halte.



Diese Modeströmung des viktorianischen Zeitalters hatte ein paar bemerkenswert unerquickliche Hintergedanken; nicht nur in Sinne von Kunstauffassungen, sondern auch beim Menschenbild. Dass kaum eine Frau ohne drastische Verkürzung der Stirn dargestellt wurde, hat viel mit der damaligen Meinung über Frauen zu tun: Nicht wirklich klug, ein wenig simpel und irgendwie so gar nicht gleichberechtigt. Sinnlich ja, schlau nein. Sünderin, Mutter, aber bitte nicht den Mund aufmachen In der Mode, in der Malerei, bloss keine hohe Stirn. Kommt gar nicht in Frage, sonst bekommt die Tochter keinen Mann.



So war also der Stand der Dinge, bis eine "Orientalin mit Doppelflöte" angeboten wurde. Der nicht ganz so Unkundige weiss allerdings, dass es sich dabei um eine Muse, namentlich Euterpe handelt, es wussten so einige, und der steigende Preis machte die Entscheidung nicht leicht: Endlich eine Muse oder will ich wirklich so eine Neandertalerin?



Der Maler lebte eine Zeit in Italien, und es gibt dort Frauen, die so aussehen: Nicht schön, aber das mit dem Musenkuss ist ohnehin schwer überschätzt. Ausserdem werden wir alle mittelfristig alt und wenig begehrendwert, da soll man sich nicht so haben.

Jetzt bitte noch eine Klio, aber bitte aus dem Rokoko mit Kussmung und halbnackt.

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Risiken und Nebenwirkungen

Nach dem Abschicken habe ich erst mal telefoniert und Mails geschrieben, um einigen Bekannten zu verdeutlichen, dass

DIESER BEITRAG

über die Vorstellungen von Eltern über Schule und deren Freuden für sie selbst


NICHTS

mit diesen Bekannten zu tun hat und sich alles auf Beobachtungen bezieht, die ich anderweitig gemacht habe.



Denn das Schreiben für die FAZ birgt Risiken. Dass ein Mitarbeiter der FAZ die im Blog und mittlerweile auch Buch übliche Ichform bekrittelt und dann zum Beleg bei Benn und einem deutschen Professor und einer deutschen Vorlesung unterkriechen muss, weil es objektiviert werden soll, ist überhaupt nicht so schlimm für alle, die nicht diese Person sind. Aber das Strafgericht derer, die sich von meinen Überlegungen angesprochen fühlen könnten und sich beim Seelenblick ertappt fühlen - das macht wirklich die Gefahr meines Berufes aus.

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